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Der Verlierer wurde doch noch König

Zum Jahrestag der Schlacht von Wassenberg stellt der Heimatverein an der Rur eine Erinnerungstafel auf. Coup bringt Entscheidung. Von Daniel Gerhards

Friedlich liegt sie an diesem sonnigen Julimorgen da, die Landschaft zwischen Orsbeck und Forst. Ein paar Kühe haben sich ein schattiges Plätzchen unter den Bäumen gesucht. Zu hören sind einige Vögel, die in den zirpenden Gesang der Grillen einstimmen. Lauter ist nur das Rauschen der Rur. Das muss am Morgen des 27. Juli 1206 vollkommen anders gewesen sein. Damals standen sich in den Niederungen der Rur zwei gewaltige Heere gegenüber. Ihr Aufeinandertreffen sollte als Schlacht von Wassenberg in die Geschichte eingehen.
 
Wo genau die Schlacht von Wassenberg stattgefunden hat, ist nicht überliefert. Eigentlich komme aber nur das Gelände an der Rur zwischen Orsbeck und Forst in Frage, meint Sepp Becker. Am Jahrestag, Mittwoch, 27. Juli, will der Heimatverein am Rur-Ufer-Radweg bei Orsbeck eine Erinnerungstafel aufstellen. Der kultur-historische Spaziergang führt zur Vorstellung der Tafel.


Dass es sich bei dieser Schlacht nicht um irgendeine mittelalterliche Auseinandersetzung handelte, zeigt schon der Anlass des Kampfes: Es ging um den deutschen Königsthron. Denn Anfang des 13. Jahrhunderts gab es zwei deutsche Könige, die sich gegenseitig nicht anerkannten. Auf der einen Seite stand der Staufer Philipp von Schwaben, auf der anderen Seite der Welfe Otto von Braunschweig.
Ein Protagonist der Schlacht war Philipp von Schwaben. Er siegte und wurde alleiniger deutscher König. Allerdings wurde er noch vor seiner Kaiserkrönung in Bayern ermordet. Otto von Braunschweig heiratete daraufhin in die Familie von Philipp ein. So gelang es dem Verlierer der Schlacht von Wassenberg doch noch, auf den Königsthron zu steigen.

Um an diese Schlacht zu erinnern, stellt der Heimatverein Wassenberg am Mittwoch, 27. Juli, dem Jahrestag der Schlacht, am Rur-Ufer-Radweg nahe der Rurbrücke in Orsbeck eine Gedenktafel auf, die an die Königsschlacht erinnert. Vorsitzender Sepp Becker informiert dann über die Schlacht.

Ob die Schlacht genau an dieser Stelle stattgefunden hat, ist nicht abschließend geklärt. Das liegt an der dürftigen Quellenlage aus der Zeit. Die Urquelle ist die Kölner Königschronik. Ein umfassendes Werk mit dem Titel „27. Juli 1206. Die Schlacht bei Wassenberg“ hat Paul Gotzen im Jahr 2005 herausgebracht.

Klar ist aber, wie es zur Schlacht kam. Der Staufer-Kaiser Heinrich IV. wollte den Thron für seine Familie sichern. Allerdings starb er 1197, noch bevor er alles Nötige in die Wege leiten konnte. Damit begann der Kampf um die Macht. Der Bruder des gestorbenen Kaisers, Philipp von Schwaben, ließ sich von einem Teil der deutschen Fürsten zum König wählen. Bei einer anderen Versammlung wählte ein anderer Teil den Welfen Otto von Braunschweig. Otto ließ sich in Aachen vom Kölner Erzbischof krönen, aber mit den falschen Reichsinsignien. Die richtigen befanden sich noch im Besitz der Staufer, die aber den falschen Ort und den falschen Bischof für die Krönung wählten. Also hatten beide Krönungen einen Makel. „Weil auch der Papst, der in dieser Entscheidung seine eigenen Interessen verfolgte, keine Lösung herbeiführen konnte, lief alles auf eine Schlacht hinaus. Sozusagen als Gottesurteil“, sagt Sepp Becker.

Absprache

Aber warum genau in Wassenberg? Zufall? Vielleicht. Es könnte aber auch mit dem Herzog von Limburg zusammenhängen, der die Welfen unterstützte und dem der Staufer Philipp nach der Macht trachtete. Es könnte also so gewesen sein, dass das Staufer-Heer auf Wassenberg zumarschierte und dort auf das Heer der Welfen traf, das aus Köln kam, um den verbündeten Limburgern beizustehen.

Am Abend vor der Schlacht einigten sich die beiden Heerführer darauf, die Schlacht auf den 27. Juli zu vertagen. Und dann gelang Philipp der Coup. Im Mittelalter war es gang und gäbe, dass sich vor der eigentlichen Schlacht einzelne Krieger in Zweikämpfen duellierten. Erst dann stellten sich die Heere in der eigentlichen Schlachtformation auf. Nicht so in Wassenberg. Philipp griff an, bevor die Welfen sich überhaupt zum Kampf aufgestellt hatten. „Bevor die Schlacht so richtig losging, hatten die Staufer schon ein solches Übergewicht, dass alles sehr schnell vorbei war“, sagt Becker.

Wie viele Krieger sich genau gegenüberstanden, ist bis heute unklar. Die Welfen verfügten über 400 Ritter und 2000 weitere Soldaten, über die Größe des Staufer-Heeres ist nur bekannt, dass es etwas stärker gewesen sein soll als das der Welfen. „Es müssen also mindestens 5000 Kämpfer beteiligt gewesen sein“, sagt Becker. Und die kämpften wahrscheinlich mit den für die Zeit typischen Waffen, also Lanzen, Schwertern, Bögen und Armbrüsten. Wichtig für die Feldherren waren damals die berittenen Kämpfer. „Das Reiterheer war von besonderer Bedeutung“, sagt Becker. Es habe – wie später die Panzer – zum Durchbrechen der feindlichen Linien gedient. Auch die Zahl der gefallenen Krieger ist nicht übermittelt.
 
So – wie auf dieser Abbildung eines mittelalterlichen Kampfes – könnte es bei der Schlacht von Wassenberg im Jahr 1206 zugegangen sein. Wobei Gewinner und Verlierer schon früh feststanden.
So – wie auf dieser Abbildung eines mittelalterlichen Kampfes – könnte es bei der Schlacht von Wassenberg im Jahr 1206 zugegangen sein. Wobei Gewinner und Verlierer schon früh feststanden.


Dann wird es kurios

Als klar war, dass Otto nicht mehr gewinnen konnte, flüchtete er mit dem Erzbischof von Köln auf die Burg Wassenberg, wo er medizinisch versorgt wurde. Obwohl die Stadt wenig später von Staufern belagert wurde, gelang Otto die Flucht. Den Erzbischof nahmen die Staufer gefangen. „Für Wassenberg war das tragisch. Die Stadt stand auf der Seite der Verlierer und wurde zerstört“, sagt Becker.

Mit dem Sieg Philipps war die Geschichte der beiden Könige aber noch lange nicht vorbei. Im Gegenteil. Im Anschluss wurde es erst richtig kurios. Zunächst geschah, was alle erwarteten: Philipp wurde alleiniger König. Während in Rom die Vorbereitungen für dessen Kaiserkrönung liefen, kam aber der Wittelsbacher Pfalzgraf Otto dazwischen. Er ermordete König Philipp in Bayern. Einen politischen Hintergrund gab es wohl nicht. Otto heiratete daraufhin Philipps Tocher Beatrix und wurde doch noch König. „Die Heirat hatte damals eben eine ganz andere Funktion. Es ging um Macht“, sagt Sepp Becker.

Auch weil sich anhand der Geschichte von Otto und Philipp so viel über das Mittelalter lernen lasse, habe der Heimatverein beschlossen, die Gedenktafel aufzustellen. So könne man auch Schulklassen und anderen Interessierten die Geschichte der Stadt und des Mittelalters näherbringen, sagt Becker. „Da steckt so viel drin: päpstliche Politik, deutsche Dynastien, Machtspiele und große Diplomatie“, sagt er.
 
Heinsberger Zeitung vom 23.07.2016
 
Fotos: D. Gerhards (3); Heimatverein/Bibliothèke Royale Albert I., Brüssel und Heinrichs (2); imago/Leemage
  

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