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Sänger: Karl Lieck

Ausbau des Bergfrieds hat begonnen

Wassenberg. Der hohe Kran an Burg Wassenberg ist von weither unübersehbar. Seit Dezember laufen die Arbeiten im Inneren des Bergfrieds. Dort werden Geschosse für drei Veranstaltungsräume eingezogen. Noch unklar ist deren Nutzung. Von Angelika Hahn

Heimatsvereinsmitglied und Buchautor Dr. Paul Gotzen erinnert sich noch gut an seine Jugend und den damals offenen Schacht am Fuß des Bergfrieds, den der Senior im RP-Gespräch unlängst als Wasserspeicher bezeichnete. Jetzt ist der alte Brunnenschacht wieder sichtbar. Bei den Umbauarbeiten wurde die rund ein Meter hohe Deckschicht abgetragen. Der wohl nach dem Krieg aufgemauerte obere Teil des Schachts ist wieder offen. Rundherum ist im künftigen Untergeschoss bereits eine Betonsohle gegossen worden, dort sollen der Sanitärbereich und ein Abstellraum entstehen.

 

Der bislang unter einer Deckschicht verborgene Brunnen im Untergeschoss wurde bereits freigelegt. FOTO: JÜRGEN LAASER

Seit Anfang Dezember laufen die Arbeiten zum Umbau des Bergfrieds unter Federführung des Architekturbüros Rongen. "Es mussten Unmengen Material nach oben geschafft werden, eine logistische Herausforderung", wie Friedhelm Lindgens, Gesellschafter bei Rongen Architekten und bauleitender Architekt, bei einer Baustellenbesichtigung erläuterte. Gottlob habe Orkantief Xaver dem Aufbau des Riesenkrans, der zurzeit die Stadtsilhouette bestimmt, keinen Strich durch die Rechnung gemacht, erzählt Lindgens.

 

Ein riesiger Kran mit 60 Meter langem Ausleger dominiert den Wassenberger Burgberg. Im Bergfried haben die Arbeiten begonnen. FOTO: JÜRGEN LAASER

Die Hauptarbeiten stehen noch bevor: In den kommenden Wochen bis zur geplanten Fertigstellung Mitte Mai werden in den Innenraum des Bergfrieds – von 8,80 mal 7,90 Meter Durchmesser – drei neue Ebenen eingezogen. Auf der Höhe des weitgehend unverändert bleibenden Eingangs entsteht eine massive Decke aus Stein, die beiden weiteren Zwischendecken werden Holzkonstruktionen sein, die sich an den früheren Geschosshöhen orientieren, die im Mauerwerk noch abzulesen sind.

Ohnehin hat die Denkmalpflege bei der Umgestaltung ein gewichtiges Wort mitzureden. Mit der zuständigen Konservatorin beim Landesamt für Denkmalpflege (Landschaftsverband) sind Lindgens und seine Kollegen im ständigen Kontakt. So werden die heute noch sichtbaren Spuren früherer Nutzung des Bergfrieds wie die Sitznischen, Geschosskonsolen und der dominierende, die halbe Wand durchziehende Kamin wie auch das vorhandene Mauerwerk sichtbar bleiben – mit den Spuren der Restaurierung nach den Kriegszerstörungen in den 60er Jahren.

Am Äußeren des Bergfrieds mit seinen dreieinhalb Meter dicken Mauern wird sich nichts ändern. Leben muss der Ausbau mit weniger Geld: Aus dem 1,295-Millionen-Euro-Projekt ist ein Kostenrahmen von 622 000 Euro übriggeblieben, 70 Prozent fließen dabei als Landeszuschuss. Also mussten eine fest installierte Heizung und ein Aufzug vorläufig zurückgestellt werden. Eine Belüftungsanlage wird allerdings eingebaut, weil der Bau fensterlos ist. Die Frage, welche Veranstaltungen in den Räumen stattfinden können, werde auch mit der Frage des künftigen Raumklimas zusammenhängen, sagt Lindgens.

Quelle: RP vom 6.1.2014


 

Bergfried: Arbeit an den neuen Decken

Wassenberg. Das Innere des Wassenberger Wahrzeichens wandelt sein Gesicht. Bis Juli sollen die neu entstehenden Veranstaltungsräume fertig sein. Von Angelika Hahn

Wen vor rund drei Wochen die Gunst der Stunde traf, der konnte hoch über dem Bergfried die mächtigen, zehn Meter langen Leimbinder für die neuen Holzbalkendecken am Haken des riesigen Baukrans baumeln sehen. Mittlerweile sind die 1,2 Tonnen schweren Balken für die beiden neuen Ebenen im Turm eingebaut. Die Arbeiten an den noch nicht geschlossenen Zwischendecken sind in vollem Gange. Aber mittlerweile lässt sich erahnen, dass in dem vor rund 50 Jahren notdürftig gesicherten Denkmal zwei Geschosse mit Veranstaltungsräumen entstehen und im (betongedeckten) "Keller" in Kürze die Sanitär- und Funktionsräume.

Baustelle Bergfried: Die Holzdecken werden von der Wassenberger Zimmerei Sieberichs eingesetzt. FOTO: Jürgen Laaser

Friedhelm Lindgens, der bei Rongen Architekten federführend den Bergfriedumbau betreut, ist ein Stein vom Herzen gefallen, als die tonnenschweren Leimbinder über die relativ enge (drei mal zehn Meter breite) Öffnung in der Aussichtsplattform heil ins Bergfried-Innere expediert waren. Leider, so sagt er, müssten diese Binder so wuchtig sein, nicht aus statischen Gründen, sondern weil den Brandschutzauflagen Rechnung getragen werden muss. Die Balken liegen auf den historischen Konsolen auf, die im späten Mittelalter ebenfalls Decken trugen. Es wird damit an die frühere Struktur angeknüpft – natürlich mit modernen Materialien. Das Erdgeschoss bekommt einen Parkettbelag, für oben liegen schon die Estrichplatten bereit.

Spuren der Geschichte und Veränderung des Denkmals werden im Zuge der Arbeiten bewusst sichtbar gelassen. Gerade sind Arbeiter dabei, die zerstörten Stücke in den historischen Sitznischen beizumauern, großflächig wurden poröse Stellen in den Wänden geschlossen, Steine ersetzt, neu verfugt. In die derzeit noch vergitterten Öffnungen kommen schlichte Fenster. "Steinsichtigkeit" ist von der Denkmalpflege gewollt, sagt Lindgens. Einen Verputz wird es also im umgestalteten Bergfried nicht geben. Und leider auch – vorerst – keine Barrierefreiheit, denn Geld für einen Aufzug bleibt nicht übrig im abgespeckten Kostenrahmen. Aber eventuell für eine kleine Wärmepumpen-Heizung. "Ob das noch möglich ist, wird sich in Kürze herausstellen", sagt Lindgens. "Wir rechnen noch." Die Alternative wäre eine mobile Heizung bei Veranstaltungen.

"Wir liegen gut im Zeitplan", sagt der Architekt, der die Fertigstellung vor den Sommerferien ankündigt. Was ist bis dahin noch zu tun? Sanierungsbedarf bestehe für die Betondecke der Aussichtsplattform, die Risse und Ausblühungen aufweist, informiert Lindgens. Eine flache Glaskuppel kommt ins "Dach", die für Licht sorgen wird. Die Stahlbeton-Treppenanlage, die erhalten bleibt, wird noch mit Gipswänden begrenzt. Der Ausstieg auf die Aussichtsplattform wird mit einem gläsernen Windfang gestaltet.

Quelle: RP vom 6.3.2014


Presseberichte zur Eröffnung

Bergfried erstrahlt in neuem Glanz (Super Sonntag vom 7.9.2014)

Bürger bekommen ihren Bergfried zurück (Heinsberger Zeitung vom 9.9.2014)

Sanierter Bergfried wartet mit drei Veranstaltungsräumen auf (Super Sonntag vom 14.9.2014) 

Wehrhafte Schale, freundlicher Kern (Heinsberger Zeitung vom 21.9.2014)

Den Bergfried ganz neu erkunden (Wassenberg Aktuell vom 21.9.2014)

Stadtführer für echte Entdecker (Wassenberg Aktuell vom 21.9.2014)

 

Eröffnungstafeln

 

 

 

 

 


 

Ein Stück Geschichte wiederbelebt

Wassenberg. Nach nur einem Jahr Sanierungsarbeiten ist gestern in Wassenberg der Bergfried wiedereröffnet worden. 740 000 Euro hat das Projekt gekostet. Der Ausblick ins Maasland war ein Höhepunkt, den die Besucher in 98 Metern Höhe genossen. Von Jessica Balleer

Als Martin Luther seine 95 Thesen an die Wittenberger Kirche schlug, war er schon ein Hundert Jahre alter Mann. Als der Erste Weltkrieg 1914 ausbrach, stand er bereits ein halbes Jahrtausend. Als Bürgermeister Manfred Winkens gestern im Kaminzimmer des Wassenberger Wahrzeichens stand, präsentierte sich der frisch sanierte Bergfried mit 600 Jahren auf dem Buckel bestens in Schuss.

Im September 2013 beschlossen, haben Wassenbergs Heimatverein und die Stadt nach nur einem Jahr Sanierungsarbeiten den Bergfried wiedereröffnet. "Wir sahen es als unsere Pflicht, den Bergfried als Wahrzeichen der Stadt Wassenberg zu erhalten", betonte Winkens.

 

98 Meter über dem Meeresspiegel drängten sich die interessierten Besucher, oben auf der Aussichtsplattform des "alten Mannes von Wassenberg", an dessen Fuße sich das weite Maasland präsentierte. Bis in die Niederlande, nach Belgien und in die Eifel konnte man sehen. Ein schöner Ausblick, den auch Sepp Becker am Ende der vielen Arbeit genoss. Er war einer der Ideengeber und Initiatoren des Projekts Bergfriedsanierung. "In alle Himmelsrichtungen kann man schauen. Was wo liegt, erklären einem die Panoramatafeln", sagte der Heimatvereins-Vorsitzende. Sieben Tafeln haben er und Walter Bienen in den vergangenen Monaten mit Sponsoren und Helfern gefertigt. Ortskundigen und Besuchern von außerhalb dienen sie als Orientierungshilfen: Vom einige Hundert Meter entfernten Roßtor, über die Heinsberger St. Gangolfus Kirche (6,5 Kilometer), bis in die Niederlande (über 20 Kilometer) hinein reichte der Blick, der die Unterstützer und Geldgeber gestern erstmalig für die vielen Kosten entschädigte. Denn immerhin 740 000 Euro haben die Arbeiten gekostet. Wie genau Kaminzimmer, Kellerräume, das Bürger- und Ritterzimmer nun genutzt werden, wollen Stadt und Heimatverein laut Winkens jetzt besprechen.

 

Ein "Ort des Treffens und der Kommunikation" könnte er werden, wenn es nach Propst Wieners ginge, der den Bergfried segnete. Einige künstlerische Bilder zum Thema Stadtgeschichte konnten im runderneuerten Kaminzimmer bereits begutachtet werden. Im Bürgerzimmer lud Britta Derichs zur "Reise durch die Altstadt" ein. Teil des Rahmenprogramms war auch die von ihr organisierte Stadt-Rallye für Kinder. Als Basis dafür diente ihr Geschichtsbuch "Entdecker Stadtführer Wassenberg". Für Mittelalter-Ambiente sorgten rund zwanzig kostümierte Anhänger unterschiedlicher Ritterschaften. Von den Gangelter "Schildwächtern" freute sich vor allem der Wassenberger René Oberhauser über die Eröffnung: "Wenn ich aus meinem Haus schaue, sehe ich diesen tollen Riesen. Schön, dass mit ihm ein Stück Geschichte wiederbelebt wurde." Und weiterleben soll das Wahrzeichen der Stadt noch lange, wenn es nach Bürgermeister Winkens geht: "Der Bergfried steht seit über 600 Jahren. Jetzt haben wir ihn für die nächsten Jahrhunderte gerüstet."

Quelle: RP vom 22.9.2014

 


 

myREGIO.TV - AKTUELL: Wassenberger Wahrzeichen im neuen Glanz

 

 

Einladung

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

hiermit laden wir Sie zu der nächsten Ausstellung im Bergfried ein. Herr Willi Palm aus Gerderath zeigt seine Fotos “Schwarzwald 1901 - Dunkel, schwarz, geheimnisvoll“.

 

Ausstellungseröffnung:              Sonntag, 5. März 2017, 14.00 Uhr

Begrüßung:                                  Bürgermeister Manfred Winkens

Informationen zur Ausstellung: Vorsitzender des Heimatvereins Sepp Becker

 

Herr Palm ist bei der Ausstellungseröffnung anwesend und gibt in der Zeit zwischen 14.00 und 17.00 Uhr gerne Informationen und Erläuterungen zu den Fotos.

 

Die Ausstellung ist bis 9. April jeweils sonntags zwischen 14.00 und 17.00 Uhr sowie nach Absprache zu sehen.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Manfred Winkens                    Sepp Becker

Bürgermeister                              Heimatverein

 

Wassenberg, den 16. Februar 2017 

 


 

Schwarzwald 1901

 

Dunkel, schwarz, geheimnisvoll

 

Der Schwarzwald als Heimat, Kraftort, Naturschauspiel...

 

So wie viele Menschen verbinde ich mit dem Schwarzwald ganz persönliche und einzigartige Eindrücke, die ich während meiner zahlreichen Fotoreisen sammeln konnte.

 

Im Schwarzwald ist es oft neblig, manchmal nass, kalt und ungemütlich. Ja regelrecht dunkel, schwarz und geheimnisvoll; eine atemberaubende Landschaft, teils von Menschen genutzt, teils aber auch sich selbst überlassen.

 

Dichte Tannenwälder aus alten Baumriesen, lichte Almen und verlassene Burgruinen bestimmen das Landschaftsbild. Wasserfälle rauschen durch finstere Schluchten, im Winter fegen eisige Stürme über die Gipfel. Im Schwarzwald wirken die Urkräfte der Natur auf eindrückliche Weise.

 

Meine Bilder zeigen unter anderem alte verfallene Schwarzwaldhäuser. Selbst im Sonnenlicht sind sie mysteriös und unergründlich und üben auf den Betrachter eine besondere Faszination aus. Im Inneren der Häuser eröffnen sich Einblicke in das frühere Leben ihrer Bewohner.

 

Es sind Kraftorte, an denen man die Ursprünglichkeit in Verbindung mit Mythen und Sagen aus alten Zeiten intensiv spürt.

 

Die Ausstellung umfasst die Themen: Menschen - Natur-Landschaft - Wasser - Schwarzwaldhäuser und Energie. Sie gibt somit einen eindrücklichen Blick auf den wunderbaren Schwarzwald und macht neugierig auf eine Reise in diese Region. 

 

Willi Palm

  

 


 

Schwarzwaldfotos voller Geschichten

Seit Sonntag ist eine neue Fotoausstellung im Bergfried der Wassenberger Burg zu sehen. "Schwarzwald 1901" lautet der Titel. Fotograf Willi Palm aus Gerderath lädt mit seinen Arbeiten zu einer mystischen Zeitreise ein. Von Katrin Schelter

Sind erst alle Stufen zum Bergfried erklommen, eröffnen sich wunderbare Ausblicke auf weite Täler, Wasserfälle und altehrwürdige Mühlen. Der Schwarzwald direkt im Herzen von Wassenberg - seit Sonntag diese Idee alles andere als absurd. Bis zum 6. April zeigt der aus Gerderath stammende Fotograf Willi Palm seine Fotoausstellung unter dem Titel "Schwarzwald 1901" mit nostalgisch anmutenden Motiven aus der Region, die über die Jahrhunderte als Inspiration für unzählige Märchen und Schauergeschichten dienten. Die jeweils sonntags von 14 bis 17 Uhr geöffnete Schau wurde im Beisein von Bürgermeister Manfred Winkens und Sepp Becker, dem Vorsitzenden des Heimatvereins, eröffnet.
Über zwei Etagen, in die Kategorien Schwarzwaldhäuser, Menschen, Energie, Wasser und Natur-Landschaften aufgeteilt, nehmen die Bilder der Ausstellung die Besucher mit auf eine Zeitreise. Denn obwohl die Fotos alle recht aktuell sind, haben die Menschen und Motive eine solch unbeschwerte Ursprünglichkeit an sich, dass es nicht schwerfällt, lebhafte Rückschlüsse auf das Leben vor rund 100 Jahren zu schließen.

Willi Palm zeigt im Wassenberger Bergfried seine Schwarzwald-Fotos, die wie historische Aufnahmen anmuten, aber dennoch in jüngerer Zeit entstanden sind. Bis 6. April ist die Ausstellung sonntags zu besichtigen. FOTO: Jürgen Laaser
Willi Palm zeigt im Wassenberger Bergfried seine Schwarzwald-Fotos, die wie historische Aufnahmen anmuten, aber dennoch in jüngerer Zeit entstanden sind. Bis 6. April ist die Ausstellung sonntags zu besichtigen. FOTO: Jürgen Laaser

Willi Palm reiste über Jahrzehnte regelmäßig in den Schwarzwald und wohnte dort in der Nähe von Freiburg bei einer Familie, die selbst im Besitz eines über 350 Jahre alten Schwarzwaldhauses ist. Dort bekam er viele Tipps für gut versteckte Besonderheiten in der Umgebung und den Seitentälern. "Irgendwann kam mir der Gedanke, eine eigene Ausstellung zu machen. Die hier gezeigten Bilder sind allesamt im Zeitraum der letzten acht Jahre entstanden", erläuterte er. Neben den ausdrucksstarken Charakterporträts der alteingesessenen Einwohner liegt ein besonderer Schwerpunkt auf den urigen Schwarzwaldhäusern. Einige von ihnen seien unbewohnt und schon über längere Zeit dem Verfall preisgegeben, manche seien schon nicht mehr in der Form vorhanden, in denen Palm sie ablichtete. Der Schindlerhof, dessen Details einen wichtigen Platz in der Ausstellung einnehmen, existiert inzwischen gar nicht mehr. Seine Dachschindeln jedoch hat Willi Palm aufbewahrt und für "Schwarzwald 1901" in einer eindrucksvollen Kollage verarbeitet.

Doch natürlich gibt es noch viel mehr zu sehen. Neben wunderschönen Landschaftsaufnahmen und historischen Fotografien der Sternenwirte der Familie Stratz versetzen auch die "technischen" Fotografien die Gäste ins Staunen. So erklärt der Künstler einige Fotos von alten Turbinen, die im historischen Wasserkraftwerk Zweribach stehen - dies sei in privater Hand und produziere heute immer noch Strom.

Die Besucher nutzten die Chance, um Palm für ein Gespräch beiseitezunehmen - nicht nur, um mehr über den Hintergrund der Fotos zu erfahren, viele fachsimpelten mit ihm über die Vorteile des verwendeten Barytpapiers oder über die Belichtungszeit bei seinen Wasseraufnahmen. Willi Palm war sichtlich erfreut über die positive Resonanz: "Es müssen nicht immer Hochglanzobjekte fotografiert werden, diese Gegend hat einen ganz eigenen Charme. Es freut mich, wenn ich das vermitteln kann", sagte er. In vielen Fällen muss er das jedoch gar nicht: Die Bilder sprechen für sich und erzählen ihre eigene Geschichte.

An allen Öffnungssonntagen der Ausstellung im Bergfried ist Willi Palm anwesend. Der Eintritt ist frei.

Quelle: RP vom 7.3.2017

Geheimnisse der Landschaft im Fokus - Heinsberger Zeitung vom 11.3.2017


 

Bilder der Eröffnung von Hans-Josef Jansen

Einladung

Einladung „Im Glanz der Scheinwerfer“

Ausstellungseröffnung „Im Glanz der Scheinwerfer“ am 28.08.2016

Eröffnungsrede vom Bürgermeister Manfred Winkens

Bürgermeister Manfred Winkens

Ich darf Sie alle ganz herzlich begrüssen. Trotz des doch sehr heissen Wetters haben es viele geschafft, hier herauf zu kommen, noch ohne Aufzug. Aber ich sag’ mal was dazu, der Aufzug ist bestellt. Und demnächst wird es also einfacher sein, den Bergfried zu erreichen, dann können wir noch mehr machen. Aber ich freue mich auch, dass wir auch ohne Aufzug viel machen. Und ich darf mich zuerst einmal sehr herzlich beim Heimatverein bedanken, dessen Vorsitzender Sepp hier ist. Bei der KAB, die den Heimatverein immer unterstützt und immer hier vor Ort ist, wenn Ausstellungen da sind. Der Heimatverein organisiert eigentlich alles hier und macht hier auch viele Stadtführungen. Der Bergfried ist nach wie vor die Attraktion. Viele Leute finden es einfach toll, wenn sie ihn einmal gesehen haben. Und wir haben gesagt, unser Ziel ist es, den Bergfried zu beleben, viele Ausstellungen zu machen, Veranstaltungen hier zu machen. Deshalb bin ich froh, dass heute wieder eine Ausstellung da ist.

Ich begrüsse ganz herzlich Herrn Jansen, der die Ausstellung organisiert hat und die schönen Fotos gemacht hat. Es sind nicht nur Fotos von Wassenberg, wie Sie gesehen haben, sondern es sind Fotos aus dem ganzen Kreis. Finde ich übrigens auch sehr sehr gut, denn es gibt auch noch viele schöne andere Orte im Kreis Heinsberg. Wassenberg ist einer davon und wenn ich mich dann umgucke, würde ich sagen das schönste Bild hängt hinter mir, das ist Ophoven. Aber die anderen Bilder sind auch schön. Aber es sind viele viele andere schöne Orte auch im Kreis Heinsberg und ich finde es ganz toll, wenn dann vielleicht viele Leute aus den anderen Orten, wo die Bilder herkommen, wenn sie es hören, dass die Ausstellung da ist, auch nach hier kommen. Und da hätten wir unser Ziel erreicht, möglichst viele Leute in den Bergfried zu holen, um sich an den Bildern zu erfreuen und auf den Bergfried mal hoch zu klettern. Heute ist wieder eine ganz tolle Aussicht und ich denke, wir haben damit ein Highlight.
Nebenan die Burg ist leider immer noch zu, Sie wissen es, wir arbeiten dran. Das ist leider unser Sorgenkind und ich hätte ganz gerne, wenn auch da etwas passieren würde. Man könnte eben die Burg mit Gastronomie und dem Bergfried als Ausstellungsgelände verbinden.

Wie gesagt der Aufzug ist bestellt, der Auftrag ist raus, die Baugenehmigung existiert. Der wird so gebaut, dass man hier nicht sehr viel kaputt machen muss. Er wird also vorgefertigt. Sobald das Ding fertig ist, wird also ein Aufzug vom Parkplatz bis hier zur Tür vorhanden sein. Und es wird kein Akku-Aufzug sein, sondern ein Aufzug, der im Dauerbetrieb fahren kann. Dann wird es natürlich sehr viel einfacher für die Leute, die hier Ausstellungen machen, ihre Bilder hier hoch zu schleppen. Ich kann mir also vorstellen, wenn man das ganze Zeug hier hoch tragen muss. Wenn Sie für sowas ins Sportstudio gehen, müssen sie dafür 50 Euro zahlen. Noch mal herzlichen Dank Herr Jansen, dass Sie die Ausstellung gemacht haben, dem Heimatverein vielen Dank. Ich denke mal, Sie sagen etwas zu den Bildern, was es zu sehen gibt und wie gesagt, ich finde es ganz ganz toll und wünsche der Ausstellung viel viel Erfolg. Und Herr Jansen hat sich auch bereit erklärt, in den nächsten zwei Monaten die Ausstellung zu begleiten, sodass der Bergfried dann jeden Sonntag geöffnet ist und ich denke Sepp, das ist dein Wunschtraum immer gewesen. Viel Erfolg! Viel Spaß!

Applaus

Grußwort vom Vorsitzenden des Heimatvereins Sepp Becker

Vorsitzender des Heimatvereins Sepp Becker

Ja, ich möchte als Vorsitzender des Heimatvereins auch einige Worte sagen. Es ist ja nicht die erste, zweite oder dritte Ausstellung, wir haben schon sehr viele Ausstellungen gemacht. Und hier noch mal ein besonderes Kompliment, es sind alle drei Etagen mit besetzt worden. Das hatten wir erst bei einer einzigen Ausstellung, nämlich Textilgeschichte vom Wassenberg mit Krahnen und Gobbers. Diesmal sind tatsächlich auch alle drei Ebenen besetzt und unser Bürgermeister hat es gerade schon angeschnitten, es ist mühsam, das alles rauf zu schaffen. Sonst haben wir das mit sehr vielen gemacht. Ich muss wohl sagen, in diesem einen Fall, der Herr Jansen ist noch gut kräftig und vital, der hat das alles selber rauf geschafft. Ein bisschen Hilfe bekommen beim Aufhängen und so weiter, aber der hat das wirklich in einer famosen Weise gemacht und hier alles rauf geschafft. Und ich weiss von den vielen Ausstellungen, die wir gemacht haben, wie mühsam das ist, den Bergfried zu ersteigen. Der Bergfried ist das Wassenberger Wahrzeichen und wenn wir hier Stadtführungen machen, dann sind die Leute von Wassenberg begeistert, aber eben ist das schon angeschnitten worden, jede Stadt hat ihre Schönheit und deswegen ist es gut, dass von nah und fern die Leute zum Bergfried kommen, immer wenn es offen ist, wenn Ausstellungen da sind. Und es ist schön, wenn die Leute etwas von ihrem Ort wiederfinden, entweder als Aussicht von oben oder innen, dass Bilder aus ihrer Stadt auch gezeigt werden. Und das ist diesmal sehr schön, wenn man Tourismus macht ist Wassenberg viel zu klein, um alle Interessen zu treffen. Und dann ist es gut, auch zu zeigen, im ganzen Kreis Heinsberg gibt es sehr viele schöne Sachen. Wie diese Woche noch eine ältere Frau sagte: „Wat hamer et doch bei uns so schön, die meisten sehen das gar nicht“.

Und dann bin ich beim Fotografen. Ich habe mal den Vergleich gemacht: Ein Jäger geht auf die Pirsch und will ein Tier erjagen. Da muss er Geduld haben, er muss ein gutes Auge haben und so weiter. Ein Fotograf muss das noch in vielfältiger Weise noch viel besser hinbekommen. Nicht nur Lichtverhältnisse, das tolle Motiv, die Jahreszeit, der Tag und vor allen Dingen auch Geduld. Natürlich kann man jetzt sagen bei den Gebäuden, da braucht man nicht so viel Geduld. Trotzdem muss man den richtigen Zeitpunkt treffen, um solche Bilder im richtigen Augenblick zu fotografieren. Und das ist Herrn Jansen in hervorragender Weise gelungen. Man staunt, wenn man diese Bilder sieht und sagt: Ist das überhaupt so schön? Es ist so schön! Nur ist die Frage, haben wir die Augen geöffnet, um das genau zu erkennen. Ich muss sagen, ich bin da sehr beeindruckt und ich habe denn auch mich noch einmal sachkundig gemacht. Es ist so, dass der Herr Jansen nur nicht Gebäude oder auch Landschaften fotografiert, sondern auch Personen. Und er hatte vor kurzem eine Ausstellung in Brachelen, da ging es um Demenz und das war auch in der Presse hervorragend dargestellt. Und dann sieht man, dass Fotografen auch, ich sag’ jetzt mal von innen her sich mit einer Sache beschäftigen müssen, um das Richtige zu treffen. Ich glaub’, dass ist ihm in hervorragender Weise gelungen und dafür möchte ich ihm noch mal recht herzlich danken.

Ich möchte auf etwas hinweisen, wenn man diesen Bildband sieht „Im Glanz der Scheinwerfer Kreis Heinsberg“, er hat einen Bildband heraus gegeben. Man muss sagen, dass ist schon ein Schnäppchen, für 9 Euro 90 so einen grossen Bildband im Glanzformat zu bekommen, ist eigentlich ein Preis, der viel zu tief ist. Ich bin froh, dass diese Bücher im Umlauf sind, man kann das verschenken und deswegen möchte ich das empfehlen. Schauen Sie sich das Buch an! Wenn Sie es gut finden, kaufen Sie es einfach. Das ist nur ein kleiner Hinweis, wer sich davon angesprochen fühlt, soll das ruhig tun. Ja, vielen herzlichen Dank, dann darf ich Herrn Jansen jetzt bitten. Es ist so gedacht, das man Herrn Jansen begleitet, das er zu den Bildern etwas sagt und das man dann sozusagen durch die verschiedenen Etagen geht, um so die Ausstellung kennenzulernen. Und viele Städte und Orte mit zu entdecken in einer besonderen Weise, die er so zu einer späteren Tageszeit gesehen hat. Das viele Bilder von Wassenberg dabei sind ist natürlich klar, als Wassenberger sind wir davon überzeugt, dass wir der schönste Ort im Kreis Heinsberg sind und deswegen ist er sehr vielfältig hier vertreten. Danke schön!


Applaus

Ansprache von Hans-Josef Jansen

Hans-Josef Jansen

Ja, liebe Gäste, ich bedanke mich, dass so viele heute gekommen sind. Normalerweise sollte diese Ausstellung erst gar nicht hier stattfinden. Aber Anfang des Jahres fragte der Sepp Becker: „Können Sie bitte die Ausstellung auch noch im Bergfried zeigen?“ Und ich war dann eigentlich sehr skeptisch, sie läuft jetzt zweieinhalb Jahre, es ist heute eine Jubiläumsausstellung, eigentlich die zehnte im Kreisgebiet. Und deswegen war ich der Meinung: „Da kommt keiner mehr hin!“. Und er meinte dann: „In Wassenberg ist das anders!“. Und wenn ich das so sehe, dann scheint es doch hier die Kulturhochburg des Kreis Heinsbergs zu sein. Wenn ich mal sehe, was ich hier in den letzten Tagen aufgebaut habe, was da an Menschen hier war, dann muss ich sagen „Beachtlich!“. Dann zuerst mal ein großes Dankeschön dem Heimatverein mit Sepp Becker, der Stadt Wassenberg und dem Herrn Bürgermeister. Und dieses Dankeschön möchte ich auch mit einem Schnäppchen zum Ausdruck bringen.

Jansen überreicht Winkens und Becker jeweils einen Bildband.

Zum vielen Bildern werde ich eigentlich heute oder jetzt hier nicht viel sagen, das können wir im Nachhinein. Weil einige hier sind, die die Ausstellung schon gesehen haben und dann sagen: „Das habe ich schon einmal gehört, das habe ich auch schon zweimal gehört“. Ich bedanke mich noch einmal bei den Leuten, die bei dieser Aktion mit geholfen haben. Herr Becker hat es eben schon mal erwähnt, es ist nicht nur den richtigen Zeitpunkt zu erwischen. Es ist so, dass man sagen müsste, könnt ihr vielleicht die Beleuchtung 10 Minuten früher oder später oder etwas länger einschalten. Es ist eigentlich so, dass, Sie werden es sehen bei den Bildern, immer ein bisschen Tageslicht da ist und das ist eigentlich ungewöhnlich, denn meistens wird es eingeschaltet, wenn die Strassenbeleuchtung eingeschaltet wird und dann ist es dunkel. Das heisst also, dann ist auch der Hintergrund schwarz und das wollte ich eigentlich nicht so haben. Also haben da einige Leute auch mitgeholfen. Ich freue mich jedenfalls, dass ich hier im Bergfried die Jubiläumsausstellung, aber auch die letzte Ausstellung dieser Art zeigen darf. Ich find’s super hier, ich würde mal behaupten, wenn jetzt auch der Aufzug fertig ist, dann ist es das Schmuckstück im Kreis Heinsberg. Wer hier ausstellen darf, der muss sich einfach glücklich schätzen, es lohnt sich. Und damit bedanke ich mich für Ihre Aufmerksamkeit, wer Fragen hat, ich stehe gerne zur Verfügung. Schönen Dank!

Applaus

 

Bilder von der Ausstellungseröffnung

(Zum Vergrößern auf das Foto klicken)

 Fotos: Willi Palm

Pressespiegel

Die Heimat in ganz besonderem Licht

Fotos von Hans-Josef Jansen sind in den kommenden Wochen noch im Wassenberger Bergfried zu sehen. Von Daniela Giess

Eigentlich wollte Hans-Josef Jansen seine Fotografien nicht mehr öffentlich zeigen. Insgesamt neun Ausstellungen im gesamten Kreis Heinsberg schienen dem 64-Jährigen genug zu sein. "Da kommt ja doch keiner mehr gucken", vermutete der gelernte Diplom-Vermessungsingenieur, der sich seit kurzer Zeit im Ruhestand befindet.

Fotograf Hans-Josef Jansen stellt auf drei Etagen im Wassenberger Bergfried aus. FOTO: JÜRGEN LAASER
Fotograf Hans-Josef Jansen stellt auf drei Etagen im Wassenberger Bergfried aus. FOTO: JÜRGEN LAASER


Sepp Becker, Vorsitzender des Wassenberger Heimatvereins, war anderer Meinung - und überzeugte Jansen Anfang des Jahres, seine schönsten Aufnahmen im Bergfried einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. "Im Glanz der Scheinwerfer" lautet der bezeichnende Titel der ungewöhnlichen Fotoausstellung, für die Jansen rund eineinhalb Jahre in Städten und Gemeinden der Region unterwegs war.
Das Wassenberger Roßtor, der riesige Mammutbaum, Burg Wegberg und Burg Randerath, das Gymnasium in Geilenkirchen, das Fördergerüst der stillgelegten Zeche Sophia-Jacoba in Hückelhoven, die historische Mühle in Breberen, das Heinsberger Begas-Haus: Hans-Josef Jansen lässt die abgelichteten Sehenswürdigkeiten im ungewöhnlichen Glanz erstrahlen. Dabei war er oft auf Hilfe angewiesen. Stadtverwaltungen und Bürger hätten ihr Entgegenkommen gezeigt, indem zum Beispiel auf seine Bitte hin Parkplätze für die Aufnahmen geräumt worden seien, sagte Jansen bei der Ausstellungseröffnung im alten Bergfried.
Im Eigenverlag hat er einen Bildband in einer Auflage von insgesamt 1000 Exemplaren herausgegeben, der zum Preis von 9,90 Euro zu haben ist. Noch etwa 100 Bücher sind zu haben. Drei Euro pro Verkauf sind für die Kinderkrebshilfe Ophoven bestimmt. Mit der Ausstellung im Wassenberger Bergfried feiert Jansen somit ein kleines Jubiläum - zum zehnten Mal präsentiert er die Ergebnisse seiner abendlichen Fotopirsch im Kreisgebiet.
Jede Stadt habe ihre Reize, betonte Becker. Neben einem guten Auge und Geduld benötige ein Fotograf ein Gefühl für den richtigen Zeitpunkt, um auf den Auslöser zu drücken. Jansen sei dies "in hervorragender Weise gelungen". Auch Bürgermeister Manfred Winkens zeigte sich begeistert von den ausgestellten Fotografien. Im Kreis Heinsberg gebe es viele schöne Orte, "und Wassenberg ist einer davon".
Für den Bergfried kündigte der Verwaltungschef einen Aufzug an, der inzwischen bestellt und Besucher vom Parkplatz zu dem historischen Gemäuer befördern soll. "Dann können wir hier noch mehr machen." Mit zahlreichen Ausstellungen solle der Bergfried belebt werden. Als "unser Sorgenkind" bezeichnete er in diesem Zusammenhang die Burg, die immer noch geschlossen sei. "Wir arbeiten an einer Lösung", sagte der Erste Bürger.

Quelle: RP vom 30. August 2016

 

Der neue Wassenberger Bildkalender für 2017 präsentiert Fotos aus den Ausstellungen von Hans-Josef Jansen und Matthias Meyer, die die schönsten Seiten der Stadt zwischen Roßtor, Bergfried und Gondelweiher ins Bild setzen. Von Angelika Hahn

Als Heimatvereinsvorsitzender Sepp Becker, begleitet vom Beiratsmitglied Bernd Serode, gestern das Gespräch zur Vorstellung des neuen, nun dritten Wassenberger Fotojahreskalenders eröffnete, war Erstaunen angesagt. Denn nicht, wie vermutet, historische Fotos und alte Postkartenansichten sind für 2017 Thema des Kalenders, vielmehr Wassenbergs aktuelle "Schokoladenseiten", so wie sie die beiden erfolgreichen Ausstellungen der Fotografen Matthias Meyer aus Gerderath und Hans-Josef Jansen aus Heinsberg im Bergfried präsentierten.

Von den Fotografen Matthias Meyer (links) und Hans-Josef Jansen stammen die Bilder im neuen Wassenberg-Kalender 2017 des Heimatvereins. Die Fotos waren in den beiden erfolgreichen Ausstellungen im Bergfried zu sehen. FOTO: Jürgen Laaser
Von den Fotografen Matthias Meyer (links) und Hans-Josef Jansen stammen die Bilder im neuen Wassenberg-Kalender 2017 des Heimatvereins. Die Fotos waren in den beiden erfolgreichen Ausstellungen im Bergfried zu sehen. FOTO: Jürgen Laaser


Eine Auswahl dieser Arbeiten - die Jansen-Schau ist übrigens noch an beiden folgenden Sonntagen geöffnet - umfasst der neue Jahreskalender. Überraschend, dass gerade das Titelblatt - die im nahezu festlichen Scheinwerferglanz erscheinende Stadt-Silhouette vom Gondelweiher aus gesehen mit Propsteikirchturm, Stadtmauer und Bergfried im Hintergrund - von Meyer stammt, der ansonsten für die Tageslichtimpressionen in dem Kalender gesorgt hat, während sein Kollege Jansen getreu dem Motto seiner Ausstellung die Wassenberger Parklandschaft entlang der Stadtmauer "im Glanz der Scheinwerfer" ins Bild setzt. Der Schwerpunkt der Katalogblätter liegt auf der Wassenberger Innenstadt, mit zwei Ausnahmen: So zeigt das Novemberblatt von Matthias Meyer (in Kombination) den Marien-Bildstock am "Lindchen" zwischen Myhl und Altmyhl und die Lourdesgrotte auf dem Myhler Justusberg. Eine weitere "Pilgerstätte" zeigt Jansen in einer winterlichen Abstimmung der Ophovener Wallfahrtskirche.

Meyers Foto im Kieswerk Forst, das "Sandwüste in Wassenberg?" betitelt ist, erschließt sich erst auf den zweiten Blick und das ganz bewusst: Die Verwerfungen der Kieshalde rufen Assoziationen an Gebirgsmassive wach - Kontrast zur beschaulichen Feldblumenwiese am Wassenberger Stadtrand.

Bürgermeister Manfred Winkens bedankte sich beim Heimatverein und den beiden Fotografen, die ihre Arbeiten kostenlos für den Fotokalender zur Verfügung stellten, der wie die beiden Vorgänger von der Manufaktur Verden erstellt wurde. Dies in einer Auflage von 110 Stück, für 16 Euro ist der Kalender in drei Wassenberger Geschäften und beim Heimatverein ab sofort zu kaufen.

Sepp Becker betonte als Motivation, diesmal von einem historischen Fotokalender abzugehen, die enorme Resonanz, die beide Ausstellungen, aber auch grundsätzlich die sonntäglichen Öffnungen des Bergfrieds in den vergangenen Monaten erfahren haben. "Man spürt, dass beide Fotografen mit Herzblut bei der Sache waren", inspiriert von den schönen Seiten der Stadt. "Leute kommen von weit her und loben, wie Wassenberg seine historische Gartenachse zwischen Bergfried und Gondelweiher herausgeputzt hat", berichtete Becker gestern. An die 80 Besucher kommen mittlerweile zu den Sonntagsöffnungen.

Becker freut sich, dass mit der Ende der Monats beginnenden Installation der Aufzüge der Bergfried noch vielseitiger wird genutzt werden können. Zwei Wochen, so ergänzte Bürgermeister Winkens, werde der Bergfried für die Innenarbeiten geschlossen bleiben müssen. Im Januar sollen die Außenaufzüge installiert werden.

Quelle: RP vom 4.11.2016

Kalender ist ab sofort zu kaufen

Verkauf Der Bildkalender ist ab sofort für 16 Euro hier zu bekommen: Media Ecke GbR von Kannen & Scheeren, Graf-Gerhard-Straße; Die Tintentanke - Wassenberger Kiosk-Café Oberstadt; Lädchen am Roßtor, Roßtorplatz.
Jubiläum Das Thema des nächsten Bildkalenders steht schon fest, denn 2018 wird auf 40 Jahre Städtepartnerschaft mit Pontorson zurückgeblickt.

Wassenberger Ansichten (Super Sonntag vom 6.11.2016)

Fotografen nehmen Altstadt in den Fokus (Heinsberger Zeitung vom 9.11.2016)

Einladung

 

Ausstellungseröffnung am 21.05.2016

Eröffnungsrede vom Bürgermeister Manfred Winkens


Ich darf Sie im Namen der Stadt Wassenberg sehr herzlich begrüssen, für den Heimatverein wird gleich der Vorsitzende das machen. Ich freue mich, dass Sie unserer Einladung gefolgt sind. Ich freue mich, dass wieder einmal eine Ausstellung im Bergfried stattfindet. Zur Ausstellung wird gleich Dr. Herrmann und Sepp Becker etwas sagen. Ich möchte ganz kurz noch auf die Situation hier im Bergfried eingehen. Nach der Renovierung ist immer wieder nach dem Konzept für den Bergfried gefragt worden. Wir arbeiten noch daran. In diesem Jahr wird der Bergfried tatsächlich behindertengerecht zugänglich gemacht, hier werden zwei Aufzüge gebaut. Es wird also ein Aufzug im Gebäude installiert. Es wird draußen vom Parkplatz, wo jetzt Ihre Autos stehen, der Parkplatz des Restaurants, wird ein Aufzug bis hier zu dieser Plattform geführt. Sodass also auch Leute mit Rollstuhl und ältere Menschen den Bergfried dann besuchen können, sodass wir auch hier mehr machen können. Bis dahin hat der Heimatverein es geschafft, ich glaub’ insgesamt fünf oder sechs Ausstellungen zu präsentieren, die alle sehr erfolgreich waren. Ich denke an die Krahnen und Gobbers Ausstellung, die sehr schön war, die alle mit Wassenberg etwas zu tun hatten. Die letzte Ausstellung „Bilder aus Wassenberg“ war von Herrn Meyer und die war bis vor kurzem hier drin, ebenfalls sehr sehr erfolgreich. Herr Meyer hat wunderschöne Bilder von Wassenberg und der Umgebung gemacht und alle waren begeistert davon. Deshalb möchte ich mich noch einmal ganz herzlich bei Herrn Meyer dafür bedanken.


Applaus. Manfred Winkens bekommt ein Bild von Matthias Meyer überreicht.


Vielen, vielen Dank. Der Kreisverkehr von Ophoven, ich selber bin Ophovener, ich bin da geboren und wohne da schon seit mittlerweile fünfundsechzig Jahren. Das ist die Kirche von Ophoven, sie steht da als Eisenbild im Kreisverkehr. Einfach wunder, wunderschön! Vielen, vielen Dank!

Sepp Becker bekommt ein Bild von Matthias Meyer überreicht.

Sepp Becker

Herr Meyer hat nicht nur die Bilder gestellt, er hat sie mit aufgehängt, er hat die Ausstellung betreut, das macht ihm sehr Spaß. Wer sich jetzt fragt „Was ist das denn, was hat das mit Wassenberg zu tun?“, das ist beim Froschkönig am alten Schwimmmeisterhäuschen im ehemaligen Rosengarten die Kugel. Die ist also so schön, unbearbeitet, so fotografiert worden. Die find’ ich besonders schön, Matthias, recht herzlichen Dank.

Applaus. Matthias Meyer bekommt ein Geschenk von Manfred Winkens.



Manfred Winkens

Dann kommen wir zur heutigen Ausstellung, zur Ausstellung selber sage ich nichts. Das macht Herr Dr. Herrmann, den ich hier herzlich begrüße. Dr. Herrmann ist Lehrer an der Gesamtschule. Die Gesamtschule ist heute Morgen sehr gut vertreten, die Schulleiterin ist da und der stellvertretende Schulleiter ist da. Und dann noch Christof Steffens, der Vorsitzende der Elternpflegschaft, ist auch da. Herzlich willkommen.
Sie wissen ja, dass wir über die Schule besonders unterstützt werden. Viele, viele Dinge könnte die Stadt gar nicht machen ohne die Gesamtschule. Ich denke hier an die Europatage, die kürzlich dort waren und die Fahrten nach Pontorson. Dann begrüße ich natürlich den Vorsitzenden des Heimatvereins. A als Vorsitzender des Heimatvereins, B als Ehrenbürger der Stadt Wassenberg und Franz Josef Breuer, ebenfalls Ehrenbürger der Stadt Wassenberg. Sepp ist als Vorsitzender des Heimatvereins verantwortlich für alles, was hier passiert. Und ich glaube, er ist jeden Tag hier drin und ohne Aufzug ist das mühsam. Er muss ja immer zu Fuß die Treppe hoch. Sepp ist aber auch als der Vorsitzende vom Partnerschaftskomitte zuständig für die Partnerschaften mit Pontorson und Highworth, sowie auch die benachbarte Stadt Roerdalen. Wir haben auch ein besonders gutes Verhältnis zu den niederländischen Nachbargemeinden. Wir haben ein gemeinsames Entwicklungskonzept mit Roerdalen. Und ich freue mich sehr, dass ich heute auch Frau Muller-Klaar aus Roermond begrüßen darf. Frau Muller-Klaar vertritt die Stiftung RuRa, die uns diese Ausstellung zur Verfügung gestellt hat.

Applaus.

Ich weise darauf hin, dass die Heimatvereine sich gegenseitig besuchen. Sepp hat gesagt, es sind Vertreter aus Erkelenz, aus Wegberg, aus Geilenkirchen und aus Niederkrüchten hier. Ganz toll sind auch einige niederländische Gäste und ich finde es ganz ganz toll, wenn ein Heimatverein etwas macht, das die anderen sich gegenseitig besuchen. Man kriegt dann neue Ideen und so fliessen dann wieder neue Ideen für neue Ausstellungen. Okay, das wär’s von meiner Seite. Es ist eine sehr interessante Ausstellung, ich hab’ sie schon gesehen. Sie war bei den Europatagen oben in der Betty-Reis-Gesamtschule. Ja, viel Spaß kann man nicht sagen beim Betrachten oder Lesen, aber viele interessante Informationen. Ich möchte dann Herrn Dr. Herrmann das Wort erteilen und anschließend Sepp Becker.

Applaus.

Grußwort von Dr. Ludger Herrmann


Sehr geehrter Herr Bürgermeister! Lieber Sepp Becker!

Meine Damen und Herren!

Die Betty-Reis-Gesamtschule ist bei dieser Ausstellungseröffnung aus zwei Gründen vertreten: zum einen, um dem Heimatverein Dank zu sagen dafür, dass er der Schule diese sehr attraktive Ausstellung für mehr als drei Wochen ausgeliehen hat, und zum anderen, um zu erzählen, wie die Schüler/ -innen mit der Ausstellung gearbeitet haben und zu welchen Ergebnissen sie gekommen sind.

Gerne berichte ich davon, dass 29 Klassen der Sekundarstufe I und sieben Kurse unserer Oberstufe die Ausstellung besucht haben. Das heißt mehr als 900 Schüler/ -innen haben vom Einsatz des Heimatvereins, genauer gesagt von der Arbeit des Arbeitskreises „Jüdisches Leben“ profitiert. Denn dieser hat die Ausstellung bei der Stiftung RuRa in Roermond ausgeliehen. Die sehr produktive Zusammenarbeit zwischen dem Heimatverein der Stadt und der Schule ist zuvor auch schon sichtbar geworden bei anderen Projekten, z.B. bei der Verlegung der Stolpersteine und bei der Einweihung des Gedenkortes am Standort der ehemaligen Synagoge im November 2015. Dies kann nicht nur daran liegen, dass mit Sepp Becker der Vorsitzende des Heimatvereins früher sehr lange stellvertretender Schulleiter der Betty-Reis-Gesamtschule war, sondern hat seinen Grund auch im Interesse weiterer Wassenberger Bürger/ -innen und Kollegen/ -innen der Schule. Ich bin sehr zuversichtlich, dass dies auch in Zukunft so sein wird und weitere gemeinsame Projekte vorbereitet und durchgeführt werden können. Dir, lieber Sepp, gebührt aber unser besonderer und herzlicher Dank!

Die historisch-politische Bildung hat nicht zuletzt aufgrund der Namensgebung einen besonders hohen Stellenwert an unserer Schule. Immer wieder zeigen wir vergleichbare Ausstellungen zu historischen und politischen Themen. Wir setzen damit aber immer auch ein Zeichen gegen politischen Extremismus, besonders gegen rechtsradikale Tendenzen, die es in unserer Gesellschaft hier in Wassenberg durchaus gibt. Wir wollen Betty Reis immer wieder als 'Geschichte für heute' verstehen. Als Ergebnis unserer Bemühungen können wir von einem hohen Maß an Identifizierung der Schüler/ -innen mit dem Namen der Schule ausgehen, Identifizierung auch mit den Werten und Haltungen, die hinter dem Namen stehen.

Wir eröffnen heute eine Ausstellung, die in den nächsten Wochen den Bürgern/ -innen Wassenbergs zur Verfügung steht, eine Ausstellung, welche die grenzübergreifende Geschichte des Judentums in den letzten 200 Jahren erzählt. Von der Stiftung Rura in Roermond hat der Heimatverein sie ausgeliehen, ihre Erstveröffentlichung lag im Jahr 2008, verantwortlich konzipiert hat sie die Historikerin Nicola Wenge und ihr Team. Ihnen, liebe Frau Muller-Klaar, von der Stiftung RuRa sagen wir unseren herzlichen Dank und freuen uns, dass Sie heute hier sind. Die Ausstellung beginnt mit der rechtlichen Gleichstellung der Juden zwischen Rhein und Maas als Folge der Französischen Revolution und endet quasi in der Gegenwart.

Die Lerngruppen haben je nach Lehrer/ -in und je nach eigenen Interessen unterschiedliche Wege der Annäherung beschritten und verschiedene Methoden bemüht, z.B. einen eher biographischen Zugriff gewählt, mit Lückentexten gearbeitet oder in einem Gruppenpuzzle Einzelbeobachtungen wieder zusammengesetzt. Sie haben mit fünf Biographien aus fünf Epochen gearbeitet, darunter auch die leidvolle Geschichte der europäischen Juden während der Hitler-Diktatur. An eher unbekannten Menschen wurden ihnen typische Lebens- und Migrationsgeschichten bekannt. Unsere Schüler/ -innen haben sehr genau wahrgenommen, wo Betty Reis einzuordnen wäre. Sie erinnern sich genau, wo und unter welchen Umständen ihr Leben endete.

Im Einzelnen haben sie beispielsweise den Ober-Rabbiner Jehuda Löb Carlburg kennen gelernt, der Napoleon über alles lobte und die rechtliche Gleichstellung feierte. Doch mussten sie auch erfahren, dass es danach immer wieder Rückschläge gab auf dem Weg der Emanzipation. Vom Schriftsteller Jakob Hiegentlich (1907-1940) erfuhren sie, dass er sich wegen der Nationalsozialisten das Leben nahm. Im Unterschied dazu überlebte Helene Winter (1905-2006) zwar den Holocaust, verlor aber 43 Familienmitglieder. Nach dem Krieg lebte sie weiter in Roermond, was die Schüler erstaunte. Besonders interessant war für die Jugendlichen Rina Malamud (Jahrgang 1987), die von St. Petersburg nach Mönchengladbach übersiedelte und als moderne junge Frau dennoch ihre jüdische Identität bewahren möchte.

Auch mit dem Titel Grenzerfahrungen setzten sich die Lerngruppen auseinander. Allen Schülern war klar, dass es zunächst um den deutsch-niederländischen Grenzraum geht, der ja auch heute noch Gemeinsamkeiten und Unterschiede hervorbringt und auch Vorurteile provoziert. Dass jüdisches Leben in einem katholisch geprägten Raum stattfand und stattfindet, wurde ihnen deutlich. Weitere Grenzen, die durch die Ausstellung deutlich beleuchtet werden, sind die zwischen städtischem Leben und einem Leben auf dem Land. Überrascht waren unsere Schüler von den Unterschieden, die in den jüdischen Gemeinschaften selbst entstanden: Orthodoxe – Liberale/ Ost- und Westjuden/ Männer – Frauen/ Alteingesessene – Zugewanderte/ Intellektuelle – Handwerker und Händler.

Die Jugendlichen stellten insgesamt fest, in welcher Weise Juden nach 1800 Teil der Gesellschaft waren und wie sie im Holocaust vernichtet wurden – sie erfuhren, wie Juden nach 1945 wieder Teil der Gesellschaft wurden und es noch werden. In den Köpfen der jungen Menschen fand eine Übertragung auf ihre eigene Gegenwart statt. Sie registrierten, dass eine Gesellschaft durch Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen, durch Menschen aus verschiedenen Ländern, die in unterschiedlichen Kulturen und Religionen verwurzelt sind, mit unterschiedlichen Talenten und Stärken eine Bereicherung darstellen. Sie erkannten, dass es eine Stärke ist bunt zu sein.

Gleichzeitig aber mussten sie einräumen, welcher Verlust in dieser Geschichte deutlich wird. Wie viel ist verloren gegangen durch die Ermordung der europäischen Juden in der NS- Diktatur, im Großen und im Kleinen? Unsere Gesellschaft – so konstatierten die Besucher – wäre reicher, unsere Gesellschaft wäre bunter ohne den Traditionsabbruch durch den Holocaust. Die Schüler hätten Betty Reis gerne in der Epoche nach dem Holocaust wieder entdeckt und gesehen, wie ihr Leben weiter verlaufen wäre. Hätte sie geheiratet? Hätte sie wieder in Wassenberg gelebt, eine Familie gegründet? Für uns ist Betty Reis Teil dieser Ausstellung. Und sie ist es ja durch die Wassenberger Ausstellungsgegenstände tatsächlich.
Die Schülerinnen und Schüler, das soll der letzte Satz sein, sie haben diesen Verlust, dass Betty Reis heute nicht mehr gefragt werden kann besonders stark empfunden. Und deswegen ist es mir jetzt eine besondere Freude, das ein Schüler unserer Schule, der Alexander Winkens, das Gedicht von Heribert Heinrichs auf Betty Reis hier vorträgt. Danke für ihre Aufmerksamkeit.

Applaus.

Alexander Winkens

Ich lese jetzt das Gedicht Betty Reis von Heribert Heinrichs.

Vom Himmel stürzt ein Stern.
Er glüht und leuchtet weit,
wird schwächer, weltenfern,
fällt in die Ewigkeit.

Ein Mädchen wohnt in Brühl
in einem Totenhaus.
Gewitter drohen schwül
und treiben es hinaus.

Es rollt ein Zug nach Osten:
Viehwagen eng und kalt.
An Rampen stehen Posten,
Gewehre und Gewalt.

Es liegt in Belsens Heide
ein langes Massengrab.
Wer tat dir das zuleide?
Wann sankst du hier hinab?

Lass meine Träne fallen
ins dürre, welke Gras.
Lass mein Vergessen lallen
auf das, was ich vergass.

Applaus.


Grußwort vom Vorsitzenden des Heimatvereins Sepp Becker

Sehr geehrte Damen und Herren! Aber besonders möchte ich die beiden Schüler begrüssen, die aus der Schule hier sind. Ihr seid immer gern gesehen, schön das ihr dabei seid.
Das diese Ausstellung zustande kam, verdanken wir einmal der Stiftung RuRa. Dahinter steckt aber auch der Arbeitskreis „Jüdisches Leben Wassenberg“, der diese Idee hatte und entsprechend Vorarbeit geleistet hat. Dem Arbeitskreis, und vor allen Dingen denen, die hier im Bergfried mühevoll alles aufgebaut und aufgestellt haben, noch mal einen besonders herzlichen Dank. Wenn alles fertig ist, sieht es sehr schön aus, wenn man schleppend sich hier herauf arbeitet, ist es ein bisschen viel Arbeit. Deswegen bin ich froh, wenn der Aufzug fertig ist, damit wir es dann leichter haben. Ich freue mich auch über die vielen Heimatvereine, die uns heute besuchen. Danke, dass ihr heute zu uns gekommen seid.

Ich möchte jetzt etwas weiter zurückgreifen. Wie kommt es überhaupt dazu, dass Juden in unserer Gegend wohnen, das sie hier ein Schicksal erlitten hatten für Jahrhunderte, was sind die Ursachen? Wenn wir an unsere Schulzeit zurückdenken, dann haben wir das alte Testament kennengelernt und wissen: die Juden, das auserwählte Volk. Sie hatten als Erste den Ein-Gott-Glauben entwickelt und wir kennen die Geschichte von Abraham. Das Besondere am jüdischen Volk war, dass sie am ihrem Gott festhielten auch wenn sie besiegt waren und in ein anderes Land zogen. Uns verbindet mit dem Judentum das alte Testament, die grossen Persönlichkeiten des alten Testaments, die Propheten, und so kennen wir auch sehr viel aus dem alten Testament. 70 nach Christus haben sich die Juden aufgelehnt gegen die Besatzer, die Römer. Ein zweites Mal 130 nach Christus und die Folge war, sie wurden zerstreut. Sie mussten ihre Heimat verlassen, sie gingen nach Vorderasien, sie gingen nach Nordafrika, sie gingen nach Europa. So kamen sie in alle Gebiete des römischen Reiches Juden an. Auch in Köln, hier im Rheinland. Diese Verteilung war durch das damalige politische System möglich. Als das aber zusammenstürzte, wohnten da die Juden. In Spanien, in Deutschland, in Frankreich, überall wo sie sesshaft geworden waren. Aber sie hielten an ihrem Glauben fest und damit waren sie auch in gewissem Sinne Fremdkörper. Sie wurden isoliert. Wenn irgendetwas im Mittelalter passierte, dann waren es die Juden. Und so gab es immer wieder auch Progrome in allen Ländern Europas, immer wieder wurden sie benachteiligt. Wie konnten sie überhaupt leben, auch hier bei uns? Sie mussten Geld zahlen, damit sie einen Schutzbrief bekamen. Das gilt auch für das Herzogtum Jülich, wo wir zu gehörten. Das war damals für die Menschen ein hartes Los. Es gab einige vermögende Juden, es war ihnen übertragen Geld zu verleihen. Aber es war nur eine kleine Gruppe. Die Landjuden, ungefähr fast 90%, waren Hausierer, die von Ort zu Ort zogen, um Waren zu verkaufen. Das war sehr ärmlich zu leben. Dieses Abtreten des Geldes als Schutzgeld war natürlich immer ein Risiko. Sie waren immer Aussenseiter in einem Staat. Als wir französisch wurden, galt die französische Verfassung und die hat allen Menschen gleiche Rechte zugesprochen. Und deswegen waren die Juden sehr glücklich, als diese Verfassung hier in unserem Gebiet angelangt war. Ab da waren sie Bürger. Sie konnten ihren Wohnort verlassen und Berufe ausüben und somit auch in unserer Gegend zu einem bescheidenen Wohlstand kommen.

Wir haben eben von 1800 bis 2000 gehört, deswegen möchte ich diese Geschichte nicht im Einzelnen wiederholen. Ich will jetzt auf die Lokalgeschichte von Wassenberg eingehen. Schon 1321 sind die Juden nachweisbar in Wassenberg vorhanden.
Wie viel Jahre und wie oft und wie viele, das wissen wir nicht. Weil es nur ganz spärlich Dokumente gibt, wo das erwähnt wird. Aber 1680 circa haben wir schon einen jüdischen Friedhof. Das zeigt, das hier die Juden dauernd lebten und ihre Toten begraben durften. Die Blütezeit der jüdischen Mitbewohner in Wassenberg kam nach der französischen Zeit. Preussen hat die Gebote Napoleons modifiziert beibehalten, so dass diese Rechte für die Juden weiterhin galten. Und das führte auch zu einem bescheidenen Wohlstand. Zum Beispiel in Wassenberg Simon Heumann, der ein Textilgeschäft hatte. Wir wissen vom ihm, dass er (um 1900 herum) Kommunionkindern, die ärmlich waren, entweder für wenig Geld oder manchmal sogar umsonst Kommunionkleider schenkte. Also Sachen die zeigen, dass eine vertrauensvolle Zusammenarbeit möglich war. Als der Heimatverein 1897 gegründet wurde, war der Synagogenvorsteher Gründungsmitglied, weil er, neben dem katholischen und evangelischen Pastor, etwas in dieser Stadt galt. Natürlich wissen wir auch, dass sie in Wassenberg verachtet wurden, dass man versuchte, sie lächerlich zu machen. Aber sie lebten in dieser kleinen Stadt und 1867 konnten sie aus eigenen Mitteln eine kleine Synagoge bauen. So wie auf diesem Bild, das nachgezeichnet wurde, weil wir kein einziges Bild haben. Wir sind nicht in der glücklichen Lage wie Erkelenz, wo jüdische Mitbürger zurückkehrten nach dem Krieg und damit ihr Wissen und das, was sie an Unterlagen hatten, zur Verfügung stellen konnten. In Wassenberg gab es das nicht, deswegen haben wir große Schwierigkeiten, auf Bilder und Fotos zurückzugreifen. Was wir haben ist, alle Geburtsurkunden, Sterbeurkunden, Heiratsurkunden ab der französischen Zeit bis zum Dritten Reich. Und dann ist überraschend, dass es Phasen gab, wo ganz wenige Juden waren, dann aber auf einmal in zehn Jahren elf oder zwölf da waren. Und wenn man sich die Berufe anschaut, dann gab es in Wassenberg viele jüdische Geschäfte, das heisst, sie nahmen am Leben dieser Stadt teil und wurden hier entsprechend beachtet.

Als die Zeit der Nationalsozialisten kam, wurde es natürlich etwas schwieriger. Das kann man sehr gut an Betty Reis erzählen. Sie ging damals zur evangelischen Volksschule und ein Lehrer, der ihr eigentlich sehr wohlgesonnen war und sie sehr unterstützte, wurde Nazi und von heute auf morgen änderte sich alles. In Wassenberg war es nicht so, als wenn jetzt alle Leute gegen die Nazis waren, in keinster Weise. Das Kino durfte nicht besucht werden, das Schwimmbad nicht. In Wassenberg traf beides zu, Unterstützung und Zuwendung, aber auch Zurückhaltung und Abgrenzung. Und deswegen möchte ich auf eine Person noch mal besonders eingehen: Max Grab, den wir heute mal etwas hervorgehoben haben. 1938, einen Tag später nach der Reichsprogromnacht, hier in Wassenberg wird die kleine Synagoge in Brand gesteckt, und er hat den Mut den Mund auf zu machen. Dafür musste er auch kurz ins Gefängnis. Das bedeutet, es gab auch immer mutige Menschen, die dagegen hielten und ihre Meinung sagten. Arbeitsverbote, dann muss man das, was im Garten da ist, von leben. Und deswegen war es schwierig. In der Brühl funktionierte das. Die Nachbarschaft brachte abends, wenn es dunkel wurde, hintenrum Lebensmittel, Brot, Eier und so weiter, was die Familie brauchte. Und es gibt auch Familien, die auch genannt sind, wo das hervorragend geklappt hat.

Hier gibt es in diesen Vitrinen ein Besteck aus Silber. Und da gibt es ein Buch. Dieses Buch ist ein Dankeschön für die Familie, die die Familie Reis am Leben erhalten hat und ihnen alles rüberbrachte. Und in einer kleinen Widmung vor der Deportation bedankt sich Frau Reis bei den Nachbarn. Das Vertrauen zu den Nachbarn war auch so gross, dass sie ein Silberbesteck abgab und sagte, wir müssen weg, aber wenn wir wiederkommen haben wir vielleicht nichts. Bitte verwahrt uns das auf, damit wir später wenigstens das haben. Diese Nachbarschaft hat im Krieg das schön behalten, in der schlechten Zeit und nach dem Krieg. Und als Walter Reis, der in Kanada überlebt hatte, weil er 1939 ausreisen durfte, hat das dann von der Familie bekommen. Das heisst, sie haben das in Ehren gehalten. Das war ein Vertrauensverhältnis zwischen der Familie und der Nachbarschaft. Da hatte es eine andere Familie, Kaufmann, etwas schwerer. Sie sind erst 1927 nach Wassenberg gezogen. Da waren das Fremde und sie hatten drei kleine Kinder. Da war die Struktur in der Nachbarschaft nicht so gewachsen. Sie hatten es schwerer gehabt. Sie haben Wassenberg etwas früher verlassen und versucht unterzutauchen. Aber, leider sind sie in Köln aufgegriffen worden und sind umgebracht worden. Und diese Familie hatte drei Kinder, 14, 13 und 9 Jahre alt. Die in diesem Alter leider im KZ umgebracht worden sind. Wenn man diese Geschichte sieht, ich muss ehrlich sagen, dann krampft sich was in einem zusammen. Das ein politisches System so etwas fertig bringen konnte, das ist unbegreifbar. Und deswegen bin ich froh, das wir diese Ausstellung nach hier bekommen haben, damit wir dieses Leben, was ja eigentlich zum grössten Teil untergegangen ist, dies und jenseits der Grenze, dass man daran erinnert und das wir das als Aufruf immer wieder verstehen: So etwas darf nie mehr passieren und wir den Anfängen wehren. Und deswegen freue ich mich so, dass wir diese Ausstellung haben.

Ich möchte auch etwas zur Ausstellung erklären, wie sie aufgebaut ist. Sie sehen drei braune Tafeln. Sie sind hintereinander und müssten eigentlich im Kreis umgangen werden, damit man diese Geschichte dieser Tafeln, sie sind zeitlich geordnet. Wir sehen die nächsten drei in blau, die sind von beiden Seiten beschriftet und bebildert. Diese kann man so entsprechend besichtigen. Hier drüber die Etage haben wir noch mal fünf solcher Dreiergruppen und vier exemplarische Beispiele von vier Familien aus Venlo, Roermond, Krefeld und Mönchengladbach. Sodass es einen Überblick über das ganze Rheinland und Maasgebiet gibt. Wir als Wassenberger haben natürlich dabei das ergänzt mit den Exponaten, die informieren können, was aus Wassenbergern geworden ist. Stolpersteine, von Betty Reis das Haus, was abgerissen ist, die Hausnummer. Wir sehen eine Karte mit allen Orten die Friedhöfe und Synagogen im Rheinland haben. Und dann hier dieser Hinweis, dass man in Wassenberg ein Sammellager für Juden errichten wollte, wohin sie deportiert werden sollten. Ein Bild von der kleinen Synagoge in Wassenberg. Max Grab und daneben die zerstörte und in Brand gesteckte Synagoge.

Hier die Opfer, die jetzt noch einmal herausgestellt worden sind, diese Tafel ist auch unten an der Gedächtnisstätte der ehemaligen Synagoge. Und hier ist eine Schülerarbeit über die Geschichte und die Namensgebung der Schule. Ich hoffe, sie werden informiert und vielleicht stehenbleiben und nachdenken über die eigene Geschichte.

 

Begleitheft zur Ausstellung

 

 

Pressestimmen zur Ausstellung in der Betty-Reis-Gesamtschule

Grenzerfahrungen im jüdischen Leben (Rheinische Post vom 14.4.2016)

Ausstellung dokumentiert jüdisches Leben (Heinsberger Zeitung vom 14.4.2016)

 

Pressestimmen zur Ausstellung im Bergfried

Jüdisches Leben zwischen Rhein und Maas (Wassenberg Aktuell vom 19.6.2016)

Ausstellung im Bergfried (Heinsberger Zeitung vom 31.5.2016)

 

Bilder der Eröffnung

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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