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Sänger: Karl Lieck

Große Bühne für Mundart-Sprecher

Der "Plattdütsch-Oavend" des Wassenberger Heimatvereins bot 16 Akteuren wieder ein Forum für ihre Geschichten, Erinnerungen und Gedanken in regionaler Mundart. Nicht nur Wassenberger, sondern auch Gäste traten auf. Von Philipp Schaffranek

Man erkennt es an der Aussprache. Theo Jessen kommt nicht aus Wassenberg. Der Überraschungsgast beim "Plattdütsch-Oavend" des Heimatvereins kommt aus Töddere (Tüddern). Also aus dem Selfkant, wo das Plattdeutsche leicht niederländisch ist. Interessiert hören die vielen Zuhörer in der Begegnungsstätte dem Tüdderner zu, wie er vom "Selfkantland" erzählt. Das macht er humorvoll. Den Selfkant bezeichnet er in seinem kurzen Vortrag als das Ende der Welt, wo die Dörfer im Feld liegen und die Kirchen spielzeugklein sind. Dafür gebe es aber schöne grüne Bäume, so dass es auch bei Regen schön sei.

Viele Wassenberger Akteure, aber auch Gäste aus anderen Gemeinden im Kreis Heinsberg, sorgten wieder für einen kurzweiligen Mundartabend, der beliebten Traditionsveranstaltung beim Heimatverein Wassenberg. FOTO: Uwe Heldens
Viele Wassenberger Akteure, aber auch Gäste aus anderen Gemeinden im Kreis Heinsberg, sorgten wieder für einen kurzweiligen Mundartabend, der beliebten Traditionsveranstaltung beim Heimatverein Wassenberg. FOTO: Uwe Heldens

Der "Plattdütsch-Oavend" des Wassenberger Heimatvereins fand nun bereits zum 20. Mal statt. Seit einigen Jahren organisiert Walter Bienen - liebevoll "Arangschöer van d'r Plattdütsch-Oavend" genannt - die bei vielen jährlich fest im Terminkalender eingeplante Veranstaltung. Dann wird einen Abend lang nur Plattdeutsch gesprochen. In der Sprache, mit der viele Besucher des Abends aufgewachsen sind, werden kurzweilige Geschichten, Gedichte oder Musikbeiträge vorgetragen. Auch dieses Mal bauten 16 Plattdeutsch-Sprecher gerne Anekdoten und Pointen in ihre Vorträge ein. Damit erinnern sie an alte Zeiten oder berichten von neuen Erfahrungen und pflegen die Mundart-Tradition. Doch Plattdeutsch ist nicht gleich Plattdeutsch. Es gibt lokale und regionale Unterschiede, wie Überraschungsgast Theo Jessen zeigte.

Während die meisten Jessen allerdings noch sehr gut verstanden, war dies beim zweiten Gast des Abends anders. Der niederländische Kolumnist Jan Schuuren aus Linne, trug zwei seiner circa 600 Texte vor, die er mittlerweile in niederländischem Platt verfasst hat. Sein Text "sjebuunder" handelte von Scherzbolden und deren Charakteristika.

Mit Agnes Winkens aus Myhl stand dann ein echtes Original des "Plattdütsch-Oavends" auf der Bühne. Die mittlerweile 90-Jährige hat seit 1998 nur einen Abend verpasst. In "Deä aue Pott" erzählte sie aus der Perspektive eines Wassereimers aus dem 19. Jahrhundert über den Wandel der Zeit. Als er gebaut wurde, seien die Menschen noch schneller zufrieden gewesen. Damals hätte beispielswiese nicht jeder einen eigenen Wasseranschluss gehabt. Der Wassereimer wünsche sich nun, dass die Menschen wieder ein bisschen mehr Zeit hätten.

Rudi Erdweg aus Karken sprach über "Et Handy" und die Probleme, die Rentner mit den vielen neuen fortschrittlichen Techniken hätten. Magda Hausmanns - ebenfalls aus Karken - erzählte, wie ein Mann einen "jo-e Verjliek" (guten Vergleich) heranzog, um den Pastor zu überzeugen, dass er freitags kein Fleisch gegessen und somit nicht gesündigt habe. Unterhaltsam war die Geschichte von Uli Fischer, der erzählte, wie er als Feuerwehrmann einmal "Räenge" für einen Film "jemackt hau". Zu Gast war auch wieder Georg Wimmers vom Heimatverein Beeck mit seiner Trachtengruppe, die flotten Sprüche rund um den Flachs kamen an. Walter Bienen selbst erzählte von einem Besuch bei "Ohme Hennes".
Zum Abschluss des Abends stimmte Karl Lieck, der den Plattdeutsch-Abend lange Zeit moderierte, das Lied "Wasseberch, ech han dech jäer" an. Bereits zuvor hatte er wie in jedem Jahr ein neues Lied vorgetragen. Dieses Mal erinnerte er, begleitet von Hilde Erards an der "Treckmonika", an die St. Martins-Erfahrungen seiner Kindheit.

Quelle: RP vom 10.11.2016

Programmheft


Anekdoten über Heimat und gelebtes Leben

Beim Plattdeutsch-Abend in der Begegnungsstätte erleben die Besucher vergnügliche Stunden. Über die Stadtgrenzen hinaus. Von Johannes Bindels

Wenn ein Abend lang Geschichten „ej en Moddersproak“ erzählt werden und „D´r Arangschöer“ Walter Bienen heißt, dann ist wieder „Plattdütsch-Oavend“ in der Begegnungsstätte in Wassenberg. Mehr als 200 Gäste waren gekommen und freuten sich auf unterhaltsame Beiträge in ihrer Muttersprache, dem regionalen Plattdeutsch.

Die Freunde des Plattdeutsch sind wie die Vortragenden in die Jahre gekommen. Ein Kulturgut wird gepflegt, das gefährdet erscheint und dem der Nachwuchs fehlt.

16 Vortragende

Heimat, Lebensgefühl und gelebtes Leben spiegelten sich beim Plattdeutsch-Abend in den Anekdoten, den Erzählungen und in den in Reimform vorgetragenen Erinnerungen wider. 16 Vortragende gestalteten wieder einen vergnüglichen Abend. Die Überraschungsgäste Rudi Erdweg (Karken) mit seiner Geschichte „Jo Botter“ über die veränderte Bedeutung der Butter als Genussmittel und das Gesangsduo Heinz Schlömer und Georg Wimmers (Wegberg- Beeck) mit dem „Klompenlied“ belegten das Verbindende des heimatlichen Dialekts über die Stadtgrenzen hinaus.

Kurzweiliger Beitrag beim Plattdeutsch-Abend: Rudi Erdweg und seine Geschichte zur „Jo Botter“. Fotos (2): Johannes Bindels
Kurzweiliger Beitrag beim Plattdeutsch-Abend: Rudi Erdweg und seine Geschichte zur „Jo Botter“. Fotos (2): Johannes Bindels

Aus der Kindheit

Überraschend am Überraschungsgast Karl Bertrams (Wegberg) war lediglich, dass er diesmal im Duett mit Klaus Bürger (von de Berker Klengerstuev) die deftigen Lebensphilosophien von „Minne Papp sinne Vadder sinne Ohm“ zum Besten gab. Denn die deftige Lebensweisheit, sich mit einem kleinen Hintern nicht auf eine große Brille zu setzen, war gelebte Erfahrung des Spruchs „Schuster bleib bei deinen Leisten“.

Viele Beiträge hatten persönliche Erfahrungen als Grundlage – so auch bei Charly Deklerk (Myhl) mit seiner Geschichte „Kenn Schenkewuesch“, der Nachmitternachtswurst-Beschaffung aus der elterlichen Metzgerei, oder die der Brüder Leo Wilms und Bruno Wilms als Lausbuben in ihrer Kindheit, die mit ihrem Luftgewehr den bäuerlichen Nachbarn „Schützenhilfe“ leisteten.

Persönlicher Hintergrund: Charly Deklerk mit seiner „Wurstbeschaffungsgeschichte“.
Persönlicher Hintergrund: Charly Deklerk mit seiner „Wurstbeschaffungsgeschichte“.

Mit Uli Fischers Beitrag „so schönn, Soldat zu sinn“ wurde aus zeitlichem Abstand die eigene Grundwehrdienstzeit beleuchtet. Feingeistiger waren die Beiträge von Maria Gerards (Wildenrath) mit ihrer Geschichte von den Heiligen zu Allerheiligen und von Agnes Winkens, die in Reimform vortrug. Ebenso bewundernswert: die frei vorgetragene und selbstformulierte Ballade von Walter Windeln „Joot eate en Wasseberch“, in der er einen Stab brach für die Esskultur in Wassenberg. Mit Magda Hausmanns (Karken) „Ondank es der Welten Lohn“ und „bie der Psychiater“ kam exemplarisch zum Tragen, was gemeinhin als gesunder Menschenverstand bezeichnet wird. Und mit „jet luese Vertell“ brachte Lebensphilosoph Hans-Josef „Josch“ Kranz seine Erkenntnisse zum Besten und der Lebenswitz kam nicht zu kurz, denn wenn er „Gesichter machen könnte, hätte manch einer ein anderes“.

Zuvor hatte Walter Bienen mit seinem Beitrag „Wenn d‘r Verstank uutsätt“ von den Irrungen und Wirrungen verliebter alter Männer berichtet.

Karl Lieck und Hilde Eraerds mit der Ziehharmonika sorgten mit den Beiträgen „Vörr 70 bis 80 Joahr“ und zum Schluss mit „Wasseberch, ech han dech jäer“ für den musikalischen Rahmen.


 

Plattdeutsch-Oavend: Auf Hochdeutsch ist kein Wort zu hören

Von: Johannes Bindels

„D´r Baas van d´r Heimatverein, Sepp Becker, bejröößt de Fröng van ues Moddersproak öm sieve Uhr.“ Mit Hochdeutsch war am Plattdütsch-Oavend des Heimatvereins Wassenberg in der Begegnungsstätte am Pontorsonplatz nicht zu rechnen.

Mehr als 200 Gäste waren gekommen und freuten sich auf unterhaltsame Beiträge in ihrer Muttersprache, dem regionalen Plattdeutsch.

Sepp Becker freut sich über ein volles Haus beim Plattdeutsch-Oavend des Heimatvereins. Foto: Bindels

Walter Bienen moderierte als „Arangschöer“ den Programmablauf in den folgenden zwei Stunden. Die Überraschungsgäste Heinz Esser (Wegberg/Berg) mit seinen besinnlichen Beiträgen und Sjra Willems (Posterholt) mit deftigem Witz belegten das verbindende des heimatlichen Dialekts über Stadt- und Landesgrenzen hinaus. Das gelang im Besonderen auch dem dritten Überraschungsgast, Karl Bertram (Wegberg/Berg), mit seinem humorvollen Beitrag „Mine Papp sine Vadder sine Ü-em – Mosjö Eenürke“ (der Onkel meines Großvaters: Herr Einohr).

Eine Geschichte über ein Original mit Erlebnissen aus dem deutsch-französischen Krieg 1870/71 und der Erkenntnis, dass „Franzür´sche Päet och maach blos een Vott hant“.

Fast alle Beiträge hatten persönliche Erlebnisse als Grundlage, so auch Charly Deklerk (Heinsberg/Myhl) mit seiner Geschichte als Schützenprinz, oder die der Brüder Leo Wilms und Bruno Wilms als Lausbuben in ihrer Kindheit. Mit feinem Witz erzählte Agnes Winkens (Wassenberg) vom Leben des Apothekers, der beim Salmiakpa-stillchen-Verkauf von Schülern genarrt wurde.

Nicht selten spiegelte sich in den Beiträgen auch das Leben wider, das nicht immer einfach war und von kargeren Zeiten berichtete. „Dä Hennestall“ (der Hühnerstall) von Uli Fischer konnte erst gebaut werden, nachdem auch die Kinder mitgeholfen hatten, die Steine aus dem Schutt von Resten frei zu klopfen. Offen blieb, ob die begeisternde Geschichte von Magda Hausmann (Karken) wahr gewesen ist, dass ein Nachbar mit stinkenden Füßen sich kostenlos ein paar Schuhe beim Schuhgeschäft erschleichen konnte.

Walter Windeln (Wassenberg) begeisterte mit seinem frei gesprochenen und selbstformulierten Gedicht zur gelebten Städtefreundschaft mit Pontorson (Met et Rad noer Pontorson).

Leo (Leke) Cremer (Birgelen) erzählte von seiner Erfahrung, dass nicht jede Urlaubsreise das hält, was versprochen wurde. Und die lehrreichen Gedanken von Maria Gerards (Wildenrath) zum Thema „Dütsch es en schwoere Sproak“ endeten in der Erkenntnis, dass Fremde zwar irgendwann Hochdeutsch könnten, aber selten Plattdeutsch. Walter Bienen berichtete darüber, dass früher auch die Nachbarn in die Erziehung eingriffen. Wie sich herausstellte, war das in seinem Fall Walter Windeln gewesen, der als Wiedergutmachung die Mitarbeit bei der Baumpflege herbeiführte.

Heinrich Thissen (Birgelen) berichtete ebenso „Uut oss Kengerjoere“ von Kindheitserlebnissen, bevor Karl Lieck (Wassenberg) mit seinem Wasseberch-Liedche traditionell den Programmablauf beschloss. Unter Begleitung von Herbert Gehlen (Hetzerath) am Akkordeon hatte Karl Lieck zuvor sein neues Lied „D´r Burchsteen“ unter viel Applaus vorgetragen.

Karl Lieck und Herbert Gehlen sorgten für die musikalische Untermalung der Veranstaltung. Foto: Bindels

 

Ein Höhepunkt für Mundartfreunde (Rheinische Post vom 7.11.2014)

 

 

 

Myhlern liebevoll aufs Maul geschaut

Sie ist mit jetzt 89 Jahren die älteste Akteurin beim traditionellen Mundartabend des Wassenberger Heimatvereins. Der regte auch das Büchlein mit Gedichten in "Myhler Plott" von Agnes Winkens an, das im Oktober erscheint. Von Angelika Hahn

Im Pressegespräch gab Agnes Winkens schon mal Kostproben aus ihrem Gedichtsammelband
Im Pressegespräch gab Agnes Winkens schon mal Kostproben aus ihrem Gedichtsammelband "E Möngke voll von Myhler Platt", der im Oktober erscheint, zum Besten. FOTO: Jürgen Laaser

"Ich habe immer schon gedichtet", sagt Agnes Winkens geb. Phlippen im Pressegespräch zu ihrem Mundartbuch, das im Oktober erscheinen wird. Wann die heute 89 Jahre alte, agile Seniorin, die an der Höheren Töchterschule in Mönchengladbach 1947 Abitur machte, ihr erstes "Werk" verfasste, daran kann sie sich nicht mehr genau erinnern, es müsse in sehr jungen Jahren gewesen sein, sagt sie. Denn schon als Schülerin, so Winkens, faszinierten sie die Gedichte der Klassiker Goethe und Schiller. Ihr ureigenes Terrain als Hobby-Autorin allerdings ist für Agnes Winkens seit eh und je die Mundart - aber nie Prosa, sondern immer die zumeist in gereimter Gedichtform.

Wassenberger Mundartfreunden muss man die heute in der Oberstadt lebende gebürtige Myhlerin, die natürlich ihre Gedichte in "Myhler Plott" verfasst, nicht umständlich vorstellen. Die Seniorin gehört seit Jahren zu den Akteuren beim beliebten Mundartabend des Wassenberger Heimatvereins. Und Kenner wissen: Agnes ist immer gut für Geschichten und Anekdoten voller Mutterwitz aus ihrem Heimatort.

Gern lässt sie Geschichten von früher, die sie selbst erlebt hat oder von ihrer Mutter erzählt bekam, in Reimform fließen, aber sie setzt sie auch in Beziehung zum Heute. Etwa wenn sie beim Pressegespräch in einer "Kostprobe" über den alten Brunnen im Myhler Oberdorf von 1899 auswendig ein Gedicht vorträgt. Es geht um die Zeit, in dem der Brunnen noch in Funktion war, Gedanken kreisen um die Wasserstelle als Ort im Dorf, wo man sich zum Klängern traf - heute würde man das einen Hotspot der dörflichen Kommunikation nennen. Längst Vergangenheit in Smartphone-Zeiten.

46 Gedichte hat die Seniorin jetzt, angeregt und unterstützt von Walter Bienen, dem Mundart-Experten des Heimatvereins Wassenberg, und ihrer Tochter Margit Wolf, für ein Büchlein vorbereitet, das zurzeit auf die Bindung wartet, im nächsten Monat ausgeliefert wird und ab sofort bestellt werden kann. Das Büchlein "E Möngke voll von Myhler Platt - Stökskes en Plattdütsch" gliedert die Gedichte in Themenkomplexe auf wie "Min Heemet", "Kengertiet", "Myhler Orijenale" oder "Von der Kirek".

Hinter den Gedichten blitzt eine lebenskluge Zeitgenossin auf, die nur durch die Kriegswirren daran gehindert wurde, ihrem Wunsch gemäß Pharmazie zu studieren. Stattdessen arbeitete sie als Dolmetscherin für Englisch beim Amtsbürgermeister in Wildenrath und war später Sekretärin in einem ortsansässigen Unternehmen, bevor sie ihrem Mann Jakob Winkens in seinem eigenen Unternehmen tatkräftig zur Seite stand. Seit 2008 ist die dreimal dreifache Mutter, Oma und Uroma Witwe.

Agnes Winkens, die immer noch gerne ausgedehnte Spaziergänge unternimmt und ihren Haushalt selbstständig führt, engagierte sich - wen wundert es - vielfältig: etwa im Pfarrgemeinderat, als Vorsitzende des Kirchenchors oder bei der Caritas. Und natürlich will die bald 90-Jährige auch beim Wassenberger Mundartabend im November wieder zur Stelle sein.

Quelle: RP vom 14. September 2016

E Mönke voll Mähler Platt (Wassenberg Aktuell vom 18.9.2016)


 

D´r Wasseberjer Plattdütsch–Oavend - ein Buch mit 91 Geschichten und Liedern

Lokalgeschichte zum Anfassen – heiter und ernst, immer authentisch

Früher wurde am Niederrhein und in fast allen Gebieten Deutschlands nur „platt“ gesprochen. Hochdeutsch war für die Erstklässler die erste Fremdsprache, die sie zu erlernen hatten. Viele Mitmenschen der älteren Generation können davon noch ein Lied singen.

Was aber genau ist unter platt zu verstehen? Zieht man für die Klärung den Duden zu Rate, so kann man dort folgendes lesen: „Platt = flach; plattdeutsch = niederdeutsch“; im 17. Jahrhundert von niederländisch zu niederdeutsch, also: „Platt = flach im Sinne von gemeinverständlich, von vertraut“. Schon vor rund 300 Jahren war den Menschen unserer Gegend dieser aus dem niederländischen kommende, von Ort zu Ort unterschiedlich klingende Dialekt, den wir heute noch sprechen, geläufig. Er war für unsere Vorfahren (all-)gemeinverständlich, die Leute waren mit ihrer Mundart vertraut. Wir wissen, dass sich manche Redewendungen im Plattdeutschen nicht ins Hochdeutsche übersetzen lassen, ohne dass dabei diese „Vertrautheit“ verloren geht. Auch vor der Sprache macht der technische Fortschritt nicht halt, weder vor der plattdeutschen noch vor der hochdeutschen; sie verändert sich stetig, weil sich unsere Lebensverhältnisse rasant verändern. Um so wichtiger ist es für viele von uns, die mit der plattdeutschen Sprache vertraut sind, unsere Mundart weiter zu pflegen. Die Erhaltung der plattdeutschen Sprache liegt vielen Menschen in unserer Gegend sehr am Herzen. Um der Nachwelt die einzigartigen Geschichten, Gedichte und Lieder aus dem Wassenberger Land zu erhalten, hat schon Karl Lieck aus Wassenberg zwei Schriftbände unter dem Titel „Wu et Hatt van voll es ...“ herausgegeben. Die meisten dieser dort niedergeschriebenen „Stöckskes“ wurden von den Autoren bis in das Jahr 2003 beim jährlich stattfindenden Plattdeutsch-Abend in Wassenberg vorgetragen. Seit dem letzten Plattdeutsch-Buch von Karl Lieck hat sich wieder eine stattliche Anzahl von rund 120 plattdeutschen Geschichten, Gedichten und Liedern angesammelt. „Solche Geschichten dürfen nicht verloren gehen“, sagt Walter Bienen. Deshalb ist daraus nach über zweijähriger Arbeit ein Buch entstanden, das so manchem Leser ans Herz wachsen wird. 91 Werke aus der Feder von 20 Autoren wählte Walter Bienen aus.
Sein Buch erfasst einen großen Teil dieser Plattdeutsch-Abend-Geschichten. Es wurden diejenigen Mundart-Texte berücksichtigt, die aus der Feder der Erzähler stammen und von den Autoren zur Veröffentlichung freigegeben wurden. Die Texte geben viel über die Lebensart der Menschen des Wassenberger Landes preis.

Darüber hinaus zeigt das Buch auf acht Seiten Farbbilder bekannter und weniger bekannter Motive aus dem gesamten Stadtgebiet. So sind unter anderem ehemalige Myhler Gaststätten abgebildet. Das älteste Foto stammt aus dem Jahre 1920. Selbst das 2006 am Goldelweiher entstandene Titelbild ist heute schon Geschichte, weil dieser Bereich inzwischen deutlich umgestaltet wurde.

Zahlreiche Texte spiegeln die heutige wie auch die längst vergangene Lebenswirklichkeit von Bürgern aus dem ganzen Stadtgebiet wieder. Walter Bienen weiß, dass manche sich beim Lesen eines plattdeutschen Textes schwer tun. Sein Tipp: „Einen plattdeutschen Text sollte man laut lesen. Dies trägt ungemein zum Verstehen bei; der plattdeutsche Text erschließt sich dem Lautleser nahezu von selbst.“ Damit auch junge Leute, die das Plattdeutsch nicht mehr sprechen, sich an den Stöckskes erfreuen können, regt der Herausgeber an, dass ältere Bürger ihren Kindern und Enkeln aus dem Werk vorlesen.

Der relativ günstige Preis des Buches (8,95 Euro) kommt deswegen zustande, weil die folgenden Autoren ihre Texte unentgeltlich zur Verfügung gestellt haben: Walter Bienen, Wassenberg; Uli Fischer, Wassenberg; Karl-Heinz Geiser, Wassenberg; Maria Gerards, Wildenrath; Magda Hausmanns, Karken; Josef Heinrichs, Wassenberg; Hanns Heidemanns, Wassenberg; Kai Hilger, Wassenberg; Karl Lieck, Wassenberg; Josef Rademacher, Effeld; Käthe Schröders, Haaren; Mali Sieberichs, Wassenberg; Käthe Stolz, Wassenberg; Heinrich Thissen, Birgelen; Bruno Wilms, Myhl; Leo Wilms, Wildenrath; Agnes Winkens, Wassenberg; Hedwig und Jakob Wolters, Wassenberg.

Das mit 176 Seiten recht umfangreiche Werk ist beim Heimatverein Wassenberg (Vorsitzender Sepp Becker, Tel. 02432/7932) und beim Herausgeber (Walter Bienen, Tel. 02432/5349 oder unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! erhältlich.
Es erscheint zu einem günstigen Zeitpunkt, denn es eignet sich hervorragend als ein Präsent zu Weihnachten. Übrigens: Die im Buch abgedruckten Lieder von Karl Lieck sind auch als CD erhältlich und können bei Walter Bienen per Mail bestellt werden.

Jeder sieht sie fast jeden Tag. Aber kaum jemand beachtet sie, weil sie zur Selbstverständlichkeit unseres Lebens in der Wassenberger und Roerdalener Heimat gehören, und doch haben diese Denkmäler oft eine interessante historische Geschichte. Wegekreuze, Kapellen oder Bilderstöcke laden ein zum Nachdenken und zum Gebet. Sie wurden aus unterschiedlichen Gründen errichtet und sind kulturhistorische Zeugnisse der Volksfrömmigkeit.

Eine Broschüre des Heimatvereins, gefördert von der Arbeitsgemeinschaft Grenzland, Kreis Heinsberg-Limburg, enthält zusätzliche Informationen zu allen aufgeführten religiösen Monumenten.

 

Der Heimatverein Wassenberg und die Heemkundevereniging Roerstreek haben zwei Fahrradtouren erarbeitet, die diese Monumente „erfahrbar“ machen.  

 

Fahrradtour 1 

Broschüre: Denkmäler am Wegesrand (deutsch - niederländisch)

Fahrradroute 1
Fahrradroute 1

Streckenbeschreibung der Tour (deutsch)

Beschreibung der Tour (niederländisch)

 

Fahrradtour 2

Broschüre: Kruisen en Kapellen (niederländisch)

Beschreibung der Tour (niederländisch)

 

Pressestimmen 

Heinsberger Zeitung 6.12.2014: Die Geschichte der Heimat per Rad "erfahren"

Wassenberg Aktuell 7.12.2014: Denkmale am Wegesrand

Super Sonntag 7.12.2014: Wegekreuze werden "erfahrbar"

 

Rheinische Post 11.12.2014

Religiöse Monumente am Wegesrand

An der deutsch-niederländischen Fahrradroute haben unter anderen Sepp Becker (v. li.), Pfarrer Jos L'Ortye, Hans Ungerechts, Franz-Josef Breuer und Bernd Serode mitgewirkt. Die Strecke ist mehr als 50 Kilometer lang, aber auch in zwei Abschnitten zu fahren. FOTO: Jürgen Laaser

Wassenberg/Roerdalen. "Religiöse Monumente am Wegesrand in Wassenberg und Roerdalen mit dem Fahrrad erkundet." Der Titel hat es in sich: 61 Kreuze, Bildstöcke, Fußfälle und Kapellchen als Einzelziele in den beiden Nachbarstädten auf mehr als 50 Kilometern Streckenlänge gehören zu den Monumenten, die der Heimatverein Wassenberg und die Heemkunde Vereniging Roerstreek für die gemeinsam erarbeitete Fahrradtour ausgewählt haben. Von Willi Spichartz

Sepp Becker, Wassenberg, und Jack Geraeds, Roerdalen, stellten das Projekt nun in der Wassenberger Begegnungsstätte vor.

Damit aber die radelnden Kulturinteressenten genügend Zeit zur Betrachtung der "Zeichen der Volksfrömmigkeit" haben, so Heimatvereinsvorsitzender Sepp Becker, ist die Tour als Doppelstrecke gestaltet, gegliedert für Wassenberg und für Roerdalen mit einem Knotenpunkt in Etsberg auf der niederländischen Seite.

Das intensiv von Arbeitsgruppen mit Bernd Serode, Hans Ungerechts, Franz-Josef Breuer und Sepp Becker (Wassenberg) sowie Piet van de Venne und Jack Geraeds (Roerdalen) vorbereitete Projekt wurde von der deutsch-niederländischen Arbeitsgemeinschaft Grenzland anerkannt und damit auch finanziell gefördert. Alle anzufahrenden Monumente sind fotografiert und beschrieben - daraus wird eine Broschüre gestaltet, mit der ab Frühjahr 2015 Radler die Touren individuell abfahren können.

Mit der Tourplanung wurde gleich eine Bestandsaufnahme der religiösen Wege-Zeichen geleistet, wobei sich die Wassenberger überrascht darüber zeigten, wie wenig Kenntnisse auch bei Anwohnern über die jeweiligen Anlagen existieren. Von den 33 Kreuzen, die von der Birgelener Kirche über Rosenthal, Etsberg, Effeld, Steinkirchen, Ophoven, Dohr, Krafeld und Eulenbusch wieder nach Birgelen angefahren werden, haben 26 einen Christus-Korpus, fünf Marienfiguren.

Sepp Becker: "Dass der Grenzraum historisch eine Einheit bildet, zeigt die Bestandsaufnahme für Roerdalen, wo 23 Kreuze mit Christus-Korpus und vier mit der Madonna versehen sind." Zumindest die Standorte sind historisch belegt, vielfach wurden neue Kreuze anstelle älterer aufgestellt. Als Besonderheit für Melick stellte Jack Geraeds die Ausrichtung der Kreuze und Kapellchen zur Kirche hin heraus. Die Tour hat als Start und Ziel das Kreuz am Museumsplein in St. Odilienberg und führt über Posterholt, Vlodrop, Etsberg, Herkenbosch und Melick. In Paarlo erinnert das "Moordkruis" daran, dass dort vor mehr als 100 Jahren ein Mädchen ermordet worden ist.

An der Ecke Lambertus-/Nautikstraße in Birgelen steht der wohl älteste Fußfall in Wassenberg, der 1717 aus Sandsteinen gebaut wurde, die aus römisch-fränkischen Grabanlagen stammen.

 

Friedenskreuz am Stern

Friedenskreuz
Friedenskreuz

Kreuz für den Frieden an neuem Ort (Rheinische Post vom 24.8.2016)

 

 

Beitrag folgt.

Geschäfts-, Fahrten- und Spendenkonto des Heimatvereins Wassenberg e.V.:  
Kreissparkasse Heinsberg ● IBAN DE03 3125 1220 0002 2043 60 ●  BIC WELADED1ERK