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Sänger: Karl Lieck

Karl Lieck aus Wassenberg schickte Walter Reis (Reece), dem älteren Bruder von Betty Reis, Anfang 2002 ein Exemplar der von ihm herausgegebenen Plattdeutschgeschichten. „Zwischen uns begann ein reger freundschaftlicher Schriftverkehr, wobei ich spürte, dass Walter sich gerne an seine Kindheit in Wassenberg erinnerte“, so Karl Lieck, der Wassenberg aktuell gerne den Brief von Walter Reis aus Kanada vom 5. März 2002 zur Verfügung stellt:

„Lieber Herr Lieck,

Sie machten mir eine große Freude mit Ihrem Buch „Plattdütsch en et Wasseberjer Lank“. Da mein Elternhaus in der Brühl war, machte mir die Erzählung von Käthe Stolz-Theissen besondere Freude.

Der Bruder von Käthe, Theo und der Bruder von Jupp Pickartz, Ludwig, waren meine Spielgefährten in der Brühl. Käthe sagt es richtig, wie wir als Kinder vor der Nazizeit spielten: „Die Kenger spellde met oss un wir li-epen doa all enn un uut.“

Bei gutem Wetter spielten wir Jungen Fußball auf der Landstraße und im Winter liefen wir Schlittschuh auf dem Gondelweiher oder im Judenbruch. Wir kannten kaum einen Unterschied zwischen uns jüdischen Kindern und unseren katholischen Nachbarn. Es war natürlich für uns, dass wir zu Weihnachten Weihnachtslieder mit unseren Nachbarn sangen und die Kinder Matzen von uns zu Ostern bekamen.

Mir fällt ein Vorfall ein, der, wie ich glaube, in Ihr Buch passen dürfte: Meine Schwester Betty und ich gingen in die evangelische Volksschule. Da kamen auch mehrere Kinder von kleinen Dörfern wie Krickelberg, Vogelsang usw. in unsere Schule.

Ich war vielleicht schon im 5. oder 6. Schulgrad, als nach Ostern neuer Zuwachs in die Schule kam. Da bekamen wir ein kleines Mädchen aus einem der Dörfer, das überhaupt kein Hochdeutsch sprechen konnte. Unser Lehrer war nett zu dem Kind und sprach zu dem Mädchen freundlich, denn ich glaube, es hatte Angst. Als der Lehrer das Mädchen fragte „Was möchtest Du denn gerne tun?“ war die Antwort „Müllke stu-ete!“

Ich und die anderen Schüler, die gut Plattdeutsch sprachen, wussten nicht, was Müllke stu-ete heißt, und der Lehrer überhaupt nicht. Dies wurde dann von anderen Kindern aus den Dörfern übersetzt und ich glaube, der Lehrer sagte: „Das dürfen wir in der Schule nicht. Jedoch es ist sehr nett, dass Du dies sagst.“

Nach all den Jahren habe ich dies nicht vergessen und Ihr Buch brachte diesen Vorfall wieder gut in meine Erinnerung. ..................

.................und völl Jrööß ut Pickering to Wasseberch, Walter Reece.“

 

Erinnerungen an Familie Reis

Walter Reis (1920 — 2005) übermittelte seinem Freund Alex Salm aus Wegberg, mit dem er als Kind zusammen Hebräisch lernte, 1999 ein Tonband mit seinen Kjndheits- und Jugenderinnerungen. Er schildert unter anderem, wie seine Familie in der Nazi-Zeit immer mehr in große Not geriet.

Daran erinnert sich auch Karl Lieck: „Unsere Familie wohnte seit 1935 in der Oberstadt am Stadtrain, zuvor in der Brühl. Dort lebte auch die jüdische Familie Reis. Ich erinnere mich, dass der Vater von Walter und Betty Reis - Wilhelm Reis - in den Jahren vor dem Zweiten Weltkrieg als Hausierer regelmäßig mit seinem Fahrrad zu uns kam. Ein großer Korb war geüllt mit Schnürsenkeln, Gummiband und sonstiger ‚Winkelsware‘, die er feilbot. Viel konnte er als Hausierer bestimmt nicht verdienen, aber die Not trieb ihn dazu.

Nachbarn unterstützten die Familie heimlich

Daneben hatte die Familie Reis, wie Walter Reis berichtet, einen großen Garten, so dass seine Mutter einiges Obst und Gemüse an einen Obsthändler, bei dem sie früher Kunde war, verkaufen konnte. Aber auch liebe Nachbarn unterstützten sie heimlich, wie mir Käthe Stolz, geb. Theißen, sagte.“

Aus Krefeld ins ländliche Wassenberg

Walter Reis erklärt in seinem Bericht: „Wir waren sehr arm um die Zeit!“ Aus gewiss glücklicheren Tagen schrieb Walter Reis im Jahr 2002 an Karl Lieck. Seine Großmutter Johanna Hertz, geborene Roosen, stammte aus Krefeld. Als sie Ende 1870 von der Großstadt Krefeld in das ländlich-bäuerliche Wassenberg kam, schrieb sie ein Gedicht über ihre neue Heimat:

Wassenberg

Und regnet es in Wassenberg, dann gibt es auch viel Wasser.

Und regnet es in Wassenberg, dann ist es auch viel nasser

als in der Stadt, wo Trottoir (Bürgersteig) und schöne Pflaster sind.

Hier plasteret für gewöhnlich nur die Kuh, das Kalb, das Rind.

Und was das für ein Pflaster ist, das malt ihr gar nicht aus.

Denn fällt man drin, so bringt man gleich die Landschaft mit nach Haus. 

 

(Karl Lieck)


 

Walter Reis: Weihnachts-Geschichten aus der Kinderzeit in Wassenberg

Wie selbstverständlich das Zusammenleben der jüdischen Mitbürger mit den übrigen Bewohnern Wassenbergs vor der Nazizeit war, mag der Brief verdeutlichen, den der einstige „Bröhler Jong“ Walter Reis einmal vor Weihnachten an die Familie von Karl Lieck schrieb:

„Meine Schwester Betty und ich und unser Vetter Heinz Hertz gingen in Wassenberg in die evangelische Volksschule. Wochen vor Weihnachten wurden dann die Weihnachtslieder in der Schule geübt und bis heute kenne ich noch die meisten - und oft mit allen Strophen. Einige Tage vor Weihnachten gingen wir Jungens in einen kleinen Wald bei der Eisenbahnlinie und suchten uns den besten Baum aus. Nach dem Absägen des Baumes trugen wir den großen Tannenbaum auf unseren Schultern zu der evangelischen Kirche.

Wir sangen dann Weihnachtslieder und die Leute kamen aus den Häusern heraus und hörten uns zu. Dann wurde der Baum aufgestellt und die Mädchen kamen dann auch und halfen beim Beschmücken des Baumes, Damals war das mit Kerzen, die dann am Weihnachtsabend den Tannenbaum beleuchteten. Der Tannenbaum reichte fast bis an die Decke der kleinen Kirche.

Am Heiligen Abend gingen wie alle dann, auch die jüdischen Kinder, in die Kirche und sangen begeistert die Weihnachtslieder, Ich weiß noch, dass ich den Blasebalg an der Orgel mit dem Fuß bediente, weil der Lehrer die Weihnachtslieder spielte. Nach der Feier wurden wir Kinder beschenkt. Oft bekamen die evangelischen Kinder ein Gebetbuch oder ein religiöses Liederbuch. Wir drei jüdischen Kinder bekamen ein anderes Buch oder eine Süßigkeit.

Am Weihnachtstag besuchten wir dann manche Nachbarhäuser. Man ließ uns in die gute Stube, wo der Weihnachtsbaum stand. Wir sangen Weihnachtslieder und erhielten Plätzchen und Süßigkeiten. Es war Sitte, dass man zuerst zu den älteren Nachbarn ging.

Wir zu Hause hatten keinen Weihnachtsbaum, denn wir feierten Hanukah, was meistens um die selbe Zeit wie Weihnachten war. Wir zündeten dann die Hanukah-Kerzen an: Am ersten Feiertag nur eine, bis dann am achten Tag acht Kerzen. Ich erinnere mich, dass mein Vetter Heinz, Theo Jansen und ich versuchten, die Kerzen so lange wie möglich brennen zu lassen. Das waren oft viele Kerzen, denn mein Vater‚ mein Onkel Karl Heitz (Hertze Karl genannt), Heinz und ich - alle hatten unsere eigenen Hanukah-Kerzen. Unsere Kinderkerzen waren nicht auf einer Menorah, sondern auf einfachen Bleileuchtern. Als wir mit dem letztem Flackern der Kerzen spielten, schmolz das Blei und brannte den Holztisch an. Natürlich war das das Ende unseres Spielens mit den Kerzen.

Als wir zehn, zwölf Jahre alt waren, war der feste Glaube an den Zinter Kloas nicht mehr da. Wenn er dann die Brühlstraße herunter kam mit dem schwarzen Peter, liefen wir frechen Buben ihm nach und riefen „Zinter Kloas hält Jeetebeen!“ Dann sprangen wir über den Wassergraben, so dass uns der schwarze Peter nicht fangen sollte. Hans Jansens Sprung war zu kurz und er kam mit einem Fuß in den Wassergraben, jedoch er entkam dem schwarzen Peter.

Völl Jrööß van Pickering nach Wasseberch, Ihre Ellen und Walter Reece.“

 

Walter Reis - Kindheit und Jugend

Schon seit Beginn des 14. Jahrhunderts lebten in Wassenberg jüdische Mitbürger.

Das Zusammenleben war durch wiederholte Repressalien und Verfolgungen nicht immer unproblematisch, doch waren sie stets in das kleinstädtische Leben Wassenbergs integriert.

Dies änderte sich radikal durch die Gewaltherrschaft der Nazis, die nur wenige Wassenberger Juden überlebten.

Die Arbeitsgemeinschaft „Jüdisches Leben“ befasst sich mit dem Schicksal unserer jüdischen Mitbürger, damit es nicht in Vergessenheit gerät und uns eine Mahnung zu Toleranz und Nächstenliebe bleibt.

Karl Lieck

 

Gedenktafel am Waldfriedhof
Gedenktafel am Waldfriedhof

 

Nur noch wenige Spuren jüdischen Lebens in Wassenberg

Im Heimatverein Wassenberg ist ein Arbeitskreis aktiv, der die Spurensuche ehemaligen „jüdischen Lebens“ betreibt. Der Verdienst der Mitglieder zur Aufklärung spiegelt sich auch wider in der Broschüre „Historischer Altstadtrundweg“ der Stadt Wassenberg. So gehören die Standorte der ehemaligen Synagoge wie des jüdischen Friedhofs als Stationen zum historischen Altstadtrundweg.

„In Wassenberg gibt es heute keine jüdischen Mitbürger mehr. Die meisten Wassenberger Juden sind in Konzentrationslagern umgekommen. Betty Reis, unsere Wassenberger ,Anne Frank‘, ist im Konzentrationslager Bergen-Belsen ermordet worden“, beschreibt Sepp Becker, Vorsitzender des Heimatvereins Wassenberg, den „Früher und Heute-Zustand“ am Beispiel der Familie Reis. Mit dem Namen Reis kann exemplarisch das Schicksal der ehemaligen jüdischen Mitbürger in Wassenberg aufgezeigt werden.

Das Buch „Wassenberg – Geschichte eines Lebensraumes“ von Heribert Heinrichs widmet der Autor „dem Andenken des ermordeten jüdischen Wassenberger Mädchens Betty Reis, stellvertretend für die Vernichtung der jüdischen Mitbürger Wassenbergs“.

Auf Seite 423 bis 432 beschreibt er jüdisches Leben, von den Anfängen (beurkundet 1321) bis zu den letzten Lebenszeichen um 1942 und was aus der kleinen jüdischen Gemeinde wurde, die 1937 genau 27 Mitglieder stark war. Sowohl Heinrichs wie auch Karl Lieck in der Broschüre „Walter Reis – Kindheit und Jugend“ stützen sich auf Tonbandprotokolle von Walter Reis (1920–2005), dem Bruder von Betty Reis. Walter Reis überlebte als einziger seiner Familie den Holocaust.

Das ehemalige Wohnhauses der Familie Reis. Repro/Foto: Bindels

Wer sich auf die Spurensuche des ehemaligen jüdischen Lebens begibt, findet nur noch wenige Anhaltspunkte. Selbst das Wohnhaus der Familie Reis (In der Brühl/ Brühlstraße 40) wurde vor einigen Jahren abgerissen. So ist der jüdische Friedhof gegenüber dem neuen Rathaus zumindest ein Wegweiser in Bezug auf die Namen der jüdischen Familien, die in Wassenberg gelebt haben.

An der Stelle des ehemaligen Wohnhauses der Familie Reis (links) existiert heute nur noch eine Baulücke. Repro/Foto: Bindels

Die Familie Reis (Vater Willy Reis, 1880-1944; Mutter Else Reis, geborene Hertz, 1882-1944, Betty und Walter) war verwandt mit der Familie Hertz. Else Reis‘ Bruder, Karl Hertz (1886-1938), kam schon im Mai 1938 im KZ Sachsenhausen unter mysteriösen Umständen ums Leben. Ein weiterer Bruder, Max Hertz (1883- 1984), überlebte im KZ Theresienstadt und wurde zu seinem 100. Geburtstag (1983)von der Stadt Wassenberg durch den damaligen Ortsvorsteher Karl-Heinz Geiser in München geehrt.

Weitere Familiennamen, die auch auf den Grabsteinen zu finden sind, sind die der Familie Jakob und Sarah Heumann (1854-1944) sowie der ihrer Töchter Berta (1888-1944) und Adele (1891-1944), die neben dem Roßtor (ehemals im Haus 246) lebten und ein Hutgeschäft führten. Simon Heuman, Textilkaufmann, lebte mit seiner Familie an der Ecke Roermonderstraße/Synagogengasse.

Neben dem Friedhof ist die Synagoge, die im Zuge der „Kristallnacht-Ereignisse“ zerstört wurde, zumindest mit ihrem ehemaligen Standort (Synagogengasse) sicher zu benennen. Zeitzeugen haben eine Zeichnung gefertigt. In seinem Buch „Die Synagoge in Wassenberg“ beschreibt Dr. Paul Gotzen allerdings ein denkbar anderes Aussehen. Heute weist eine Tafel an den Mauerresten in der Synagogengasse auf den ehemaligen Standort hin.

In der Broschüre von Walter Reis „Kindheit und Jugend“ lässt das Tonbandprotokoll den Leser die Zeit nachempfinden, in der von den Alltagssorgen, der Isolation der Kinder Walter und Betty, der Angst und der Erwerbslosigkeit des Vaters Willy ab 1933 in der Familie Reis berichtet wird.

„In Wassenberg ist gerade mit der Nachbarschaftshilfe Zivilcourage gezeigt worden, die der Familie Reis das Überleben sichern half“, erklärt Sepp Becker. Kurz bevor die Familie Reis in die KZ-Lager verbracht wurde, habe Else Reis als Dank für die langen Jahre der Unterstützung eine „Schiller-Ausgabe“ den Nachbarn überreicht. Als Widmung hatte sie geschrieben: „Allen Nachbarn möchte ich zum Andenken an gute Nachbarschaft eine Freude machen. So auch dir Theo. Frau Reis am 15. Mai 1941“. Das Buch ist im Wassenberger Rathaus in einer Vitrine ausgestellt. (jb)

 


 

Letztes sichtbares Zeichen jüdischen Lebens abgerissen

Haus Reis in Wassenberg schon seit langem baufällig. Schicksal des Gebäudes beginnt mit Jakob Hertz aus Gangelt.

Von Karin Klimmeck

Wassenberg. Mit dem schrittweisen Abbruch des Hauses Reis in der Brühlstraße geht das letzte sichtbare Zeichen jüdischen Lebens in Wassenberg zu Ende. Die behördliche Genehmigung wegen Baufälligkeit lag schon einige Zeit vor. Das Schicksal des Hauses Reis in Wassenberg beginnt mit Jakob Hertz aus Gangelt, der mit seiner Ehefrau Johanna Hertz, die aus Krefeld stammt, nach Wassenberg zog. 1881 hatten die beiden geheiratet. Sie wohnten in der Wassenberger Brühlstraße neben Josef Hertz, der später nach Gladbach übersiedelte. Die Söhne Max und Karl hatten eine Schwester namens Else, die spätere Mutter von Walter und Betty Reis. Der Vater Willi Reis stammte aus Frankfurt. Walter und Betty besuchten die evangelische Volksschule, damals in Wassenberg-Süd. Walter gelang noch im Frühjahr 1939 die Ausreise über Holland nach England und später nach Kanada. Hier verstarb er im Sommer vor zwei Jahren, seine Urne ruht im Grab seiner Großeltern auf dem jüdischen Friedhof in Wassenberg. Seine Frau Ellen hatte sie mit behördlicher Genehmigung im Flugzeug nach Wassenberg gebracht, um den letzten Wunsch ihres Mannes zu erfüllen. An seine Schwester erinnert der Name der „Betty-Reis-Gesamtschule“, die in ihrem Hauptgebäude und auf dem Gräberfeld in der ehemaligen Konzentrationsanlage Bergen-Belsen einen „geteilten“ Gedenkstein aufstellen ließ, der ein Stück lebendiges Erinnern bleiben wird.

Mit dem schrittweisen Abbruch des ehemaligen Wohnhauses der jüdischen Familie Reis wurde wegen Baufälligkeit mit behördlicher Genehmigung begonnen. Das Wohnhaus stammte aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Foto: Walter Brehl

Walter Reis und kürzlich noch einmal seine Witwe Ellen Reis aus Kanada besuchten des öfteren das Geburts- und Wohnhaus der Familie in der Brühlstraße. Max Hertz, der Onkel der beiden Reis-Kinder, verstarb im Alter von 101 Jahren an seinem Wohnort bei München. 

Karl Hertz, der Bruder und Onkel, kam schon früh in einem Konzentrationslager um. „Auf der Flucht erschossen“ lautete die lapidare Mitteilung an seine Familie. Willy und Else Reis, geb. Hertz, kamen im Konzentrationslager Auschwitz um. Eine sichtbare Erinnerung ist der Gedenkstein auf dem Judenfriedhof in der Roermonderstraße.

 

Dem Arbeitskreis Natur/Baumbeschilderung gehören an: Manfred Petersen, Hans Ungerechts und Sepp Becker.

Der Arbeitskreis bereitet zur Zeit die Baumbeschilderung im Judenbruch und in den Parkanlagen vor. Im Frühjahr sollen die Schilder angebracht werden, die Besucher darüber informieren, welche einheimischen und exotischen Bäume dort stehen.

Großer Mammutbaum Küsters Garten
Großer Mammutbaum Küsters Garten

 

Mammutbaum Pontorson - Platz
Mammutbaum Pontorson - Platz

Wassenbergs Bäume - unverwechselbar

Die Stadt wirbt mit ihren vielfältigen Parks und Waldbereichen. Eine Besonderheit sind exotische Gehölze aus aller Welt, die im 19. Jahrhundert gepflanzt wurden. Aktive des Heimatvereins beschildern derzeit die besonderen Bäume. Von Willi Spichartz

"Bäumchen, Bäumchen (ver-)wechsel Dich!" Das ist zumindest in Wassenbergs herrlichen Parkanlagen bald fast nicht mehr möglich - denn Lesekundige finden Namen und Herkunft der Bäume in Form wetterfester Schildchen bald an allen wesentlichen Bäumen in den zentralen Parks am Gondelweiher, Verlorenen Turm, dem Judenbruch und Küstersgarten, zwischen Georgsbasilika und Wehrturm/Stadtmauer. Manfred Petersen und Hans Ungerechts vom Arbeitskreis (AK) "Baumbeschilderung" des Heimatvereins Wassenberg sind die beiden Herren, die mit Leiter, Schildchen, Schräubchen, Schraubenzieher und Akkuschrauber zwischen der Deutschen Lieblingsgewächsen unterwegs sind, assistiert häufig von Heimatvereinsvorsitzendem Sepp Becker und Stadtgärtnermeister Volker Rütten als Fachberater.

Manfred Petersen (l.) und Hans Ungerechts sind derzeit viel unterwegs, um für die Etikettierung der Bäume in Wassenberg zu sorgen. FOTO: JÖRG KNAPPE
Manfred Petersen (l.) und Hans Ungerechts sind derzeit viel unterwegs, um für die Etikettierung der Bäume in Wassenberg zu sorgen. FOTO: JÖRG KNAPPE

Der Heimatverein als Organisator der Beschilderungsaktion knüpft an die Tradition des hohen Stellenwerts von Bäumen und deren Vielfalt in Form von Wald oder Parks an. Im 19. Jahrhundert war es Burgbesitzer Oscar von Forckenbeck, der das Judenbruch zum Park mit teils exotischen Bäumen gestalten ließ, der Arzt Dr. Wilhelm Küsters ließ etwa zur gleichen Zeit seinen Garten ebenfalls mit exotischen Bäumen bepflanzen, eine Art Wettbewerb, von dem die Stadt heute noch Standortgewinne in Sachen Naherholung bezieht.

Die jetzige Beschilderungsaktion ist die dritte ihrer Art nach dem Zweiten Weltkrieg, wie Sepp Becker ermitteln konnte, alle Arten unterscheiden sich. Die erste Aktion trug lateinische Namen, man fand nach der auch kulturellen Barbarei der Nazis zum Bildungsbürgertum zurück. Die zweite Aktion beinhaltete deutsche Namen, aber ohne Herkunft/Ursprungsstandorte. Darüber hinaus war die dritte Aktion notwendig, da viele der älteren Schilder nicht mehr existierten.

Manfred Petersen, Hans Ungerechts und Sepp Becker, alles Pensionäre, haben die Aktion auch im Wissen begonnen, dass sie nicht enden wird. Es werde weitere Anpflanzungen vorgenommen, kranke und abgestorbene Bäume müssen ersetzt werden. Letzteres betrifft gerade den vor einigen Jahren nahe an der Basilika gesetzten Pfirsichbaum, den früher berühmten "Wassenberger Sämling", der im Vorjahr noch einen Zentner Früchte getragen, in diesem Jahr nicht mehr ausgeschlagen hat. Todes-Ursache unbekannt. Pflanzenliebhaber Sepp Becker stiftet einen neuen Sämling aus seinem Nachwuchsbestand. Satte 30 Meter hoch ist der Mammutbaum im Küstersgarten, vermutlich 1878 gepflanzt, der beschildert wird mit der Heimatbezeichnung Nordamerika. Und er ist nicht ein einfacher, sondern ein Riesen-Mammutbaum. Das entsprechende Schild betrachten Manfred Petersen und Hans Ungerechts mit Genugtuung in zwei Metern Höhe - der Textilfachmann, gebürtig hörbar aus Hessen, und der in Mönchengladbach geborene Ingenieur haben schließlich die Aspekte der Aktion selbst entwickelt. Akribisch wurde auch im Internet geforscht. "Vor allem für die Kinder wollen wir Naturaspekte korrekt erfahrbar machen", betonen beide. Naturgemäß lag der botanische Fachteil bei Stadtgärtnermeister Volker Rütten.

Mehr als 50 Schilder haben die beiden Aktiven im Heimatverein schon gefertigt und angebracht - das Judenbruch ist schon beschildert. Am Küstersgarten wurde begonnen, es folgt der Park am Gondelweiher, der letzte Bereich ist dann der zwischen Kirchstraße und Bergfried, um die Burg herum.

Und da heißt's aufgepasst: Mitarbeiter des Stromversorgers NEW meldeten nach Kontrollgängen, dass sie drei Rehe dort mehrfach im Gehölz gesehen hätten. Sepp Becker hat die Stadtverwaltung darüber informiert und resümiert: "Die bleiben vermutlich auch da, zumal der Hotel- und Restaurantbetrieb in der Burg derzeit stillliegt."

INFO
Baumbestand wird behutsam gepflegt

Konzept Exotische Bäume werden in Wassenberg nicht der Exotik oder des Aussehens willens gepflanzt. Es wird Ersatz für aussterbende Arten gesucht, es werden Ergänzungen in klimatischer Hinsicht vorgenommen. Vorhanden sind in Wassenberg unter anderem Geweihbaum, Trompetenbaum, Lederhülsenbaum und Douglasie aus Nordamerika. Aus Asien: Ginkgo, japanische Zelkove, Urweltmammutbaum und chinesischer Blauglockenbaum.

Quelle: RP vom 30. Juli 2016

Wassenbergs Bäume werden beschildert (Heinsberger Zeitung vom 6.8.2016)

 

 

 Von Heribert Heinrichs

 

„Viel Ungeheures ist, doch nichts so ungeheur wie der Mensch.”

Sophokles, Antigene

 

Menora

(Siebenarmiger Leuchter)

 

Als ich den Entschluss fasste, mein Wassenberg-Buch1) dem im Dritten Reich ermordeten gleichaltrigen Mädchen Betty Reis aus Wassenberg zu widmen, stellte ich fest, dass sein Schicksal weithin im Dunkel lag. Kaum ein Wassenberger, der sich ihrer erinnerte oder mehr von ihr wußte als ihren Namen. Wie war soviel Gedächtnisschwund möglich? Wer die ortsinterne Nachkriegssituation beobachtet hat‚ brauchte nicht erstaunt zu sein. Restaurative Nachkriegspolitik war an der Tagesordnung. Ich verehrte Adenauer, aber ich verstand um alle Welt nicht, warum er ausgerechnet Globke als Staatssekretär in sein Bundeskanzleramt holte, jenen Rassisten‚ der den Kommentar zu den Nürnberger Rassegesetzen geschrieben hatte.

Die Auseinandersetzung mit dem Jahrtausendverbrechen des Holocaust vollzog sich, wie ich es sehe, zunächst verharmlosend („Alles wahnsinnig übertrieben!”), dann verdrängend („Man muss endlich damit aufhören!”)‚ schließlich relativierend („Die Kriegsgegner waren auch nicht besser! Massenmörder Stalin! Flächen-Holocaust auf deutsche Städte! Der Tod ungezählter deutscher Kriegsgefangener in sowjetischen und westalliierten Lagern!”). Ich setze dagegen: Nicht ein Toter, ganz gleich auf welcher Seite, lässt sich „relativieren”!

Mit dem jüdischen Dichter Heinrich Heine, der einst einen viertägigen Aufenthalt in Wassenberg (Hotel zur Post, Übernachtungsliste) hatte, will ich Betty Reis beklagen: „Ich kannte Dich nur von ferne, und doch trifft mich Dein Schicksal mitten ins Herz!” Welcher Wassenberger - Hand aufs Herz - hatte Sympathie für die Reis, die Schwarz, die Heumann, die Kaufmann, die Benjamin? Ich hörte noch 1987 von einer Wassenbergerin: „Die Reis, die waren doch letztlich asozial!” Asozial? Weil der „Zicke-Jiid” Willi Reis ab 1933 Berufsverbot und deshalb kein Einkommen mehr hatte? Jeder „Arier” wurde beschimpft, der bei ihm etwas kaufte. Die Erkelenzer Volkszeitung jener Jahre ist Beleg dafür. Dabei fühlte sich Bettys Vater als Wassenberger, als deutscher Jude. Und Bettys ganze Familie identifizierte sich mit Wassenberg heimatbewusst. 

Im Ersten Weltkrieg hatte Vater Willi es bis zum Vizefeldwebel gebracht und war mit dem Eisernen Kreuz II. Klasse ausgezeichnet worden. 12.000 Juden hatten ihr Leben für ihr deutsches Vaterland gegeben. Selbstverständlich war Willi Reis Mitglied des Kriegervereins Kyffhäuser. Da im Hutgeschäft meiner Eltern Kyffhäuser-Mützen verkauft wurden‚ weiß ich noch, dass Willi Reis seine Kyffhäuser-Mütze bei uns erwarb. 1933 erhielt er jedoch wie viele Juden im Kyffhäuser-Bund folgenden Brief: „Werter Herr Reis! Wir sind gezwungen, auf Ihre Mitgliedschaft im Kyffhäuser-Bund verzichten zu müssen. Hochachtungsvoll N.N.” Auch das vom Reichspräsidenten Hindenburg am 13.7.1934 gestiftete „Ehrenkreuz für Frontkämpfer” erhielt Willi Reis nicht.

Im Amtsgericht Heinsberg erfuhr ich, dass Betty Reis dort am 2. Februar 1953 für tot erklärt worden war. Und der Beamte des Standesamtes 1 in Berlin teilte mir urkundlich mit, dass als Zeitpunkt ihres Todes willkürlich der 31. Dezember 1945 festgesetzt worden sei. Im „Gedenkbuch” des Bundesarchivs Koblenz war als letzter Wohnort Stolberg vermerkt und für Todesdatum und -Ort der Hinweis „Unbekannt” angegeben. Im Wassenberger Rathaus fand ich Bettys Geburtsurkunde: „Vor dem unterzeichneten Standesbeamten erschien der Metzger und Viehhändler Willi Reis und zeigte an, das von der Else Reis geb. Hertz in seiner Wohnung am 15. Juli 1921 nachmittags um 7 Uhr ein Mädchen geboren worden sei....” Da meine Großmutter Anna Maria Kreutzer damals die bestallte Hebamme Wassenbergs war, wird sie als Geburtshelferin im Hause Reis tätig gewesen sein. Die Geburtsurkunde Bettys hat zwei Besonderheiten: Standesbeamter Bartz trägt am 14.1.1939 ein, dass Betty den Namen „Sara” zu führen habe. Nach dem Kriege, am 20.6.1952, löscht der Beamte Kraus diese nazistische Namensgebung. Betty und Mutter Else brauchen nicht mehr „Sara” und Vater Willi nicht mehr „Israel” zu heißen.

 

Bettys Geburtsurkunde
Bettys Geburtsurkunde

 

Mesusa

(Türpfosten)

 

Die jüdische Gemeinde Wassenbergs war 1933 27 Mitglieder stark. Hinzu kamen 5 Juden in Birgelen. Seit Jahrhunderten gab es Juden in Wassenberg. Urkundlich wird schon 1324 das Judenbruch erwähnt. Ich fand im brabantischen Lehensverzeichnis (Rijksarchief van Brussel) den Hofbesitzer „Sibert op dem Judbrooke” verzeichnet. Auch Napoleons Tranchotkarte von 1806 nennt unser biotopisches Walddenkmal mit seinem alten Namen. Judenbruch deshalb, weil die Israeliten hier ihre ersten Begräbnisstätten hatten. Bettys Bruder, Walter Reis (Canada), hat mir berichtet, wie Mutter Else mit ihm und Betty mehrfach im Judenbruch war, um Grabsteine mit hebräischen Einritzungen zu zeigen. 1992 haben Walter Reis und ich das Judenbruch nach solchen Grabsteinen abgesucht, aber Bodenveränderungen, Verwachsungen, Überwucherungen ließen uns nicht fündig werden.

 

Haus Reis (Brühlstrasse 40)
Das kleine Haus der Reis in der Brühl ist noch da. Walter Reis beschrieb es mir. Brühlsche 187 damals, heute Nr. 40: Bewohnt von 5 Personen, Vater Willi, Mutter Else, Tochter Betty, Sohn Walter und Onkel Karl Hertz. Es gab 3 Schlafzimmer, eine Wohnküche, ein kleines Wohnzimmer, auf der Rückseite angebaut einen Waschraum mit Pumpe, Zinkwanne, Ofen fürs Baden und für die Wäsche, handbewegte Waschmaschine mit Waschbrett und Auswringer. Im kleinen Nebenraum das Örtchen. Hinter dem Hause ein paar Ställe für Kühe, Kälber, Ziegen, die Vater Willi auf den Viehmärkten verkaufte. Auch ein Schrebergarten war vorhanden. Betty schlief bei Mutter Else, Walter bei Vater Willi und im dritten Schlafraum lebte Onkel Karl Hertz. Im Flur rechts stand in Regalen viel Eingemachtes, unter der Treppe die Kartoffelkiste. Walter: „Every year my mother kept the Wassenberger Sauerkraut!”
Haustür Reis
Haustür Reis

Betty wuchs im Wassenbcrg der Zwanziger Jahre auf, in dem das Wort „Antisemitismus” noch Fremdwort war, wenn man die Juden auch nicht dauernd umarmte. Bei der Reichstagswahl 1924 schmierten Nazis ein Hakenkreuz an einen Fachwerkbau in der Löffelstraße, der Juden gehörte. Trotzdem war die Grundstimmung nicht antiiüdisch. Die kleine Synagoge in „Storms-Jätzke” wurde geachtet. Das Areal dafür hatten die Packenius 1838 gestiftet.

Die Reis feierten das Wassenberger Brauchtum begeistert mit. Zum Vogelschuß bei Tante Luzie waren Willi Reis und Karl Hertz immer dabei. Natürlich begingen sie auch ihre jüdischen Feste. Betty mochte besonders den Festtag Purim mit gutem Essen, Verkleiden, viel Spaß, fast ein bisschen Karneval. Doch dazu besuchten sie Freunde in Mönchengladbach, wo es eine größere jüdische Gemeinde gab.

Die Reis hielten treu den Sabbat. Sohn Walter erzählte mir, wie Mutter Else und Betty am Vortag das Haus reinigten, und dann alle in der Zinkbütte badeten. Mutter Else legte ihre beste Decke auf den Tisch und darauf zwei Weißbrote, die sie beim Bäckermeister Theo Schmitz, dem späteren NS-Ortsgruppenleiter, gekauft hatte. Vater Willi, Onkel Karl Hertz und Sohn Walter gingen in die Synagoge. Und wenn sie zurückkamen, hieß es: „Gut Schabbes!” Vater Willi sprach über den Wein den Segen, Mutter Else zündete die Sabbatkerzen an. Dann wurde gut gegessen.


 

Cheder

(Schulstube)

 

Betty kam 1928 in die Schule und ging wie alle Judenkinder in die einklassige evangelische Volksschule auf der Kirchstraße. Ab 1929 dann in den Schulneubau in Wassenberg-Süd. Sie fühlte sich wohl, hatte Freunde und Freundinnen. Als 8-jähriges Mädchen machte jedoch ein Erlebnis ihr schockartig klar, „sie gehörte letztlich nicht dazu!” Ein Kind hatte ihr auf dem Plei am Rathaus seinen Roller geliehen, und Betty fuhr damit begeistert über den Platz. Das beobachtete ein in der Nähe wohnender SA-Mann und brüllte näherkommend: „Wea hätt’ dem Jüdd de Roller jejeave?” Und dann riß er Betty den Roller aus den Händen und warf diesen gegen die Rathausmauer. Betty ging still von dannen. Mutter Else hatte ihr eingeschärft: Gerade als Judenkind müsse sie sich in Wassenberg immer gut benehmen und nie auf ihr Recht pochen, weil das „Risches” (Judenfeindschaft) auslöse.

Betty Reis mit 8 Jahren
Betty Reis mit 8 Jahren

Betty war eine befriedigende Schülerin. Sie schrieb nette Aufsätze und einen passablen Stil. Behalten konnte sie gut. Gedichte lernte sie leicht auswendig. In Rechnen und Erdkunde war sie dagegen schwächer. Ihr Lehrer hieß Karl Paulussen, von dem seine Schüler berichten, daß er die jüdischen Kinder bis 1933 korrekt, manchmal sogar wohlwollend behandelt habe. Mit Hitlers Machtübernahme änderte sich das schlagartig bei ihm. Paulussen sah die Möglichkeit einer Parteibuch-Karriere, die ihm dann auch bis zum Schulrat gelang. Er wurde fanatischer Jugendführer und kompromißloser Antisemit. Ich selbst und viele meiner Freunde im Heinsberger Land haben als Hitlerjungen seine einpeitschenden, gehirnwäscheartigen Schulungskurse noch düster in Erinnerung. Als „deutschgläubig” bekämpfte er unser „jüdisch verseuchtes Christentum." Er betonte: „Euer Jesus war doch ein ganz gewöhnlicher und beschnittener Scheiß-Jude!” Zum Wassenberger judenbruch wußte er,  jüdische Parasiten inszenierten dort ihre anti-deutschen Verschwörungen. Paulussen holte die Kreuze aus den Wassenberger Schulen und hing an ihre Stelle Hitler-Bilder auf. Besonders heftig bekämpfte er die Pfadfinderschaft und versuchte deren Führer, Peter Berger, zu überreden, geschlossen in die Hitlerjugend überzutreten. Peter Berger tat ihm diesen Gefallen nicht. Im Gegenteil!2)

Antisemit und Demagoge Karl Paulussen, Volksschullehrer von Betty Reis
Antisemit und Demagoge Karl Paulussen, Volksschullehrer von Betty Reis

Ab 1933 schnitten manche Mitschüler Betty oder ignorierten sie, wollten jedenfalls mit dem Judenmädchen keinen persönlichen Kontakt mehr. Denn die meisten waren jetzt in nazistischen Jugendorganisationen. Dort galt es als Vergehen, sich mit Juden abzugeben. Von Betty ist ein bedrückender Satz überliefert: „Wenn ich in der Brühl aus unserer Haustüre trete, bin ich wie in der Fremde, wie in Feindesland, wie ausgestoßen!”

Seit 1935 gab es im Lehrplan ihrer Schule das Fach Rassenkunde. Betty war rotblond. Sie sah gar nicht jüdisch aus. Als Lehrer Karl Paulussen seine Schüler Körper und Gesicht ausmessen ließ, um sich „nordische Rasse” zu bestätigen, durfte Betty nicht mitmessen, obgleich sie wahrscheinlich „nordischer“ als manche ihrer Mitschüler gewesen wäre. Walter Halbach aus ihrer Klasse schrieb mir: „Betty tat uns leid. Sie war ein sympathisches Mädchen mit einem fröhlichen Wesen. Sie war tierlieb, hilfsbereit und besaß viel Herzenswärme wie ihre Mutter. Nun wurde alles für sie dunkel.”

Ihr Bruder Walter betont jedoch, daß die früheren Spielkameraden in der Brühl auch nach 1933 zu ihnen gehalten hätten: die Randerath, die Jansen, die Theißen, die Pickartz, die Paredis, die Reinartz, die Heinrichs, die Sieben, die Schlebusch, die Flutgraf‚ die Mühlenbruch, die Fronhofen, die Schmitz, die Thönnissen, die Korsten u.a. Immer noch gab es Wassenberger, die Mutter Else grüßten. 1935 kamen die Nürnberger Rassegesetze heraus: Entzug der staatsbürgerlichen Rechte, Verbot der Eheschließung zwischen Juden und sogenannten Ariern (Rassenschande!), Verbot des Zeigens der Staatsflagge. In jenen Jahren gab es auch in Wassenberg Verbotsschilder mit dem Text: „Juden unerwünscht!” oder: „Juden haben keinen Zutritt!” Schon vor der Machtübernahme waren Betty und Walter bei dem Versuch, das Wassenberger Schwimmbad zu betreten, zurückgewiesen worden. Und auch Walters Wunsch vor 1933, in die katholische St.-Georgs-Pfadfinderschaft aufgenommen zu werden, wurde vom geistlichen Kuraten eiskalt abgelehnt.

Wenn die Hitlerjugend aufzog, erscholl häufig das Hetzlied: „Die Juden ziehn dahin daher, sie ziehn durchs Rote Meer. Die Wellen schlagen zu, die Welt hat Ruh.” Im Hause Reis herrschte seit 1933 zunehmend Armut, manchmal Hunger. Wären nicht mitmenschliche Nachbarn gewesen, die Reis hätten oft nichts auf dem Tisch gehabt. Aus dem gegenüberliegenden Bauernhof Randerath kamen heimlich Milch, Mehl, Kartoffel, Gemüse und sogar Speck. Moses hin, Moses her: koscher konnten die Reis sowieso nicht mehr leben. Alles Essbare musste willkommen sein. Aber still und heimlich unter der Hand: die Nazis passten wie Schießhunde auf, ob jemand Juden unterstützte.

Im Jahre 1936 wurde Betty aus der Volksschule entlassen. Zunächst versuchte sie, Arbeit im Wassenberger Raum zu finden Aber dies gelang nur sporadisch. Wer mochte schon ein jüdisches Mädchen einstellen?! Als sie bei der Kartoffelernte mithelfen Wollte, protestierte der Ortsbauernführer, weil es für „arische” Hilfskräfte auf dem Feld unzumutbar sei. Bis Ende 1937 blieb Betty deshalb im Haushalt ihrer Mutter.

Aus jenen Tagen hat mir die Wassenberger Kino-Mitinhaberin Johanna Flesch erzählt, Betty sei einmal mit dem Wunsch zu ihr gekommen, einen ganz bestimmten Film sehen zu dürfen. Johanna Flesch, die mit den Nazis wenig am Hute hatte, schleuste Betty nach Beginn der Vorstellung in ihr Kurtheater irgendwo auf einen abgelegenen Platz. Als das Licht nach der Vorstellung wieder aufflammte, erkannte ein notorischer Nazi Betty, sah sie vorwurfsvoll an, sagte aber nichts. Betty hatte den Film „Es geschah in einer Nacht” mit Clark Gable und Claudette Colbert gesehen. Einige Tage später wurde Johanna Flesch aufs Rathaus befohlen. Bürgermeister Grünweller blies ihr den Marsch. In einem Kino, in dem zahlreiche Filme eine Art Schule der Nation seien, dürfe ein Jude das Haus nicht entweihen. Veit Harlans Hetzfilm „Jud Süß” kam erst später auf die Leinwand, und unser Wassenberger Kino war, wie ich in Erinnerung habe, überfüllt.


 

Kaddisch

(Totengebet)

 

Ende 1937 zog Betty es vor, der politischen Nähe und zunehmenden antisemitischen Konfrontation in Wassenberg, wo sie jeder kannte, auszuweichen und eine Dienstmädchenstelle in Solingen-Ohligs bei der jüdischen Familie Terack (Tabak) anzunehmen. Sie lebte dort wie eine Tochter, erzählt Bruder Walter, der ebenfalls bei einem Vetter seiner Mutter in Solingen in der Firma Kastor eine kaufmännische Lehre machte, nachdem ihn die Wassenberger Berufsschule hinausgeworfen hatte.

Im April 1938 kam großes Unglück über die Reis. Der im Hause wohnende Onkel Karl Hertz („Hertze-Karl“) wurde ganz plötzlich ohne Angabe von Gründen verhaftet. Ich weiß noch, wie man sagte: „Sie hant Hertze- Karl affjehollt!” Abgeholt! Karl Hertz hatte im Ersten Weltkrieg an der Ostfront gekämpft und wurde bei einem Granatüberfall verschüttet. Davon hatte er körperliche und seelische Beeinträchtigungen erfahren. Er war körperlich und geistig behindert. Eine Kriegsrente hat er nie bekommen. Er war absolut mittellos und auf Gelegenheitsarbeiten angewiesen. Ich sehe ihn im Jahre 1933 die Gräben der ersten Wassenberger Wasserleitung ausheben. Ein armer Kerl! Wir Kinder verspotteten ihn, riefen ihm etwas nach, auch schon vor 1933!

Karl Hertz wurde nach seiner Verhaftung ins Konzentrationslager Sachsenhausen verbracht. Lange hörte man nichts von ihm. Schließlich: am 24. Juni 1938 erhielten die Reis die Nachricht, Karl Hertz sei „auf der Flucht erschossen worden”. Ich weiß noch, daß manche Wassenberger darüber lachten, weil man sich den komischen, hilflosen, „halb-verrückten” Mann auf der Flucht vorstellte. Hertze-Karls Kleider und seine Asche, so erfuhren die Reis‚ könnten bei Hinterlegung eines Geldbetrages im Rathaus abgeholt werden. Die Reis hatten kein Geld. Schließlich wurden ihnen die Kleider „kostenlos überstellt”. Beim Durchsehen von Karls Sachen entdeckte Else Reis weder einen Durchschuss, noch einen Riss, noch Blutspuren. Auf der Flucht erschossen? Walter Reis schreibt mir: „Er war das erste Todesopfer der jüdischen Gemeinde Wassenbergs weil Onkel Karl, wie es damals hieß, ein nutzloser Mensch sei!” Und diese Auffassung teilten damals manche Wassenberger.

Bei Juden sprechen bekanntlich nur die Männer den Kaddisch, das Totengebet. Wie mag es Betty ums Herz gewesen sein, als Vater Willi den Kaddisch für Onkel Karl sprach. Wie Bruder Walter erzählt, hatte Betty immer Schwierigkeiten mit der Stellung der Frau im Judentum. Etwa mit der Stelle im Morgengebet: „Gesegnet seist Du, o Herr, unser Gott, König der Welt, der Du mich nicht als Weib geschaffen hast!” Es tröstete sie nicht, daß Frauen die Sabbatkerzen anzünden dürfen: den Kaddisch wollte sie sprechen!


 

Pogrom

 

Das Jahr 1938 brachte die Reichs-Pogromnacht, im Nazijargon die „Kristallnacht”. Der Jude Herschel Grynszpan hatte am 7. November 1938 den deutschen Botschaftsrat vom Rath in Paris durch zwei Revolverschüsse schwer verwundet. Am 9. November 1938 erlag vom Rath seinen Verletzungen. Am Abend und in der Nacht begannen auf Goebbels Geheiß überall im Reich Ausschreitungen gegen Juden. In Wassenberg ging die Nachricht davon spätabends telefonisch im Rathaus ein. NS-Bürgermeister Julius Grünweller versammelte seine Wassenberger SS unter Führung von Adolf Beckers. Sein Befehl lautete, in allen jüdischen Häusern nach Waffen zu fahnden. Die SS drang auch in die Wohnung Reis ein. Mutter Else geschah nichts, Vater Willi wurde mit einem Knüppel niedergeschlagen und halbohnmächtig abtransportiert. Einige Wassenberger standen neugierig dabei und verhielten sich so, wie es später der Philosoph Karl Jaspers formuliert hat: „Sie gaben ihre früher ruhmvolle sittliche Vergangenheit auf. Es ging sie nichts an.”

Gemaltes Bild der Synagoge nach Erinnerungen alter Wassenberger
Gemaltes Bild der Synagoge nach Erinnerungen alter Wassenberger

Am Morgen des 10. November 1938 wollte die Wassenberger SS es den reichsweiten Aktionen gleichtun, denn in der vergangenen Nacht waren 600 Synagogen, Gemeindehäuser und Friedhofskapellen in Schutt und Asche gesunken, mehr als 7000 Geschäfte zerstört oder schwer beschädigt. 91 Juden waren ermordet worden, 30.000 verhaftet und in ein Konzentrationslager eingewiesen wie Bettys Vater Willi Reis. Gegen 10 Uhr marschierten die Wassenberger SS-Leute, inzwischen verstärkt durch mehrere SA-Männer, zur Synagoge in „Storms-Jätzke”. Ich möchte den Strafprozess 1946/47 gegen Adolf Beckers nicht referieren. Beckers hat die Anführung bei diesem Pogrom immer geleugnet. Erst später, „als die Sache verjährt schien”, hat er sie zugegeben. Seine Tochter Friederike Watt (Pinneberg) hat mir dies ausdrücklich bestätigt.

Die Einäscherung des kleinen Tempels vollzog sich wie folgt: Unter Führung von Adolf Beckers zog der Trupp zur Synagoge, zerstörte ihr Portal, warf drinnen das gesamte Mobilar zusammen, kippte mitgebrachtes Petroleum darüber und zündete an. Der Rauch wehte gegen den Burgberg, auf dem vor genau 100 Jahren (1838) die Familie Packenius gewohnt und den Juden das kleine Grundstück geschenkt hatte, auf dem die Synagoge stand und nun brannte. Ein SS-Mann fand das Beschneidungs-Set: Beschneidungsmesser, Klemme und Schere. Wie mir eine Reihe von Augenzeugen berichteten, hängte die SS die Schere mit einer Kordel an einen Besenstiel und trug sie als „Siegestrophäe” in das Amtszimmer von Bürgermeister Grünweller, der sie hinter seinem Schreibtisch an der Wand aufhängen ließ, wie mir Gertrud Hilgers-Luchtenberg beschrieb. Bis zum Weggang aus Wassenberg (1939) zeigte Grünweller vielen Besuchern in verhöhnender Weise sein jüdisches „Marterinstrument“.

Brennende Synagoge 10.November 1938
Brennende Synagoge 10.November 1938

Während der Brand seinen Fortgang nahm, entwickelte sich jedoch eine Szene, die ihresgleichen in der Reichspogromnacht sucht. Der Katholik Max Graab empfand Ekel und Wut. Er näherte sich den Brandstiftern, die er alle persönlich kannte und schrie sie empört an. Viele Zeitzeugen können dies bestätigen. Dem Sinne nach soll Max Graab gerufen haben: „Ihr seid Verbrecher! Ihr seid Gotteslästerer! Glaubt nur, dass euch das eines Tages heimgezahlt wird. Der Gott der Juden ist auch unser Gott!” Die Umstehenden versuchten ihn zurückzuhalten. „Du machst Dich unglücklich, Max!” ertönte es. Aber Max Graab war nicht zu halten. Wenige Tage später wurde er verhaftet und nach Aachen ins Gefängnis gebracht.

Den ganzen Tag über strömten Neugierige in die Gasse, um das Werk der Vernichtung anzusehen, um die „Strafe für die Juden” nach dem Anschauungsprinzip zum „Unterrichts-Erlebnis” zu machen. Noch am Nachmittag des 10. November 1938 wurden alle Juden aus Wassenberg aus ihren Wohnungen geholt und ins nahe Heinsberg in die Gerberei Manasses Lues (Westpromenade 26) transportiert. Hier blieben sie zunächst nur einige Tage und kehrten dann wieder nach Wassenberg zurück.

Synagogengasse mit Portalgewände des eingeäscherten Tempels
Synagogengasse mit Portalgewände des eingeäscherten Tempels

Betty und Walter Reis erlebten die „Kristallnacht” in Solingen. Da es noch nicht genug bekannt war, dass Walter Jude war, geschah ihm nichts. Die arme Betty aber war als Jüdin gemeldet, wurde aus dem Haus ihrer jüdischen Gastfamilie Terack (Taback) gerissen und von SS und SA in einen „Auffangkeller” verschleppt. Was hier mit ihr geschah, wissen wir nicht, ahnen aber, dass die rotblonde 17-jährige für die enthemmten Horden Freiwild War. Walter ging sofort auf die Suche nach Betty. Am nächsten Morgen konnte eine gute Bekannte, Frau Fritz-Ramsay (Lucy Bremshey), über Mittelspersonen herausfinden, wo Betty gefangen gehalten wurde. Sie benachrichtigte Walter Reis, der einen „arischen” Freund hatte, dem es mit viel Zivilcourage gelang, Betty nach zwei Tagen herauszuholen. Das damals 17-jährige Mädchen, das Walter wiedersah und in seine Arme nahm, war seine Schwester nicht mehr: „Sie schien körperlich und seelisch Unvorstellbares durchgemacht zu haben!” Betty wagte kaum zu sprechen, weil ihr angedroht war, die Rache würde fürchterlich sein, wenn sie den Mund auftue.

Walter brachte seine kranke Schwester nach Wassenberg zu Mutter Else, die inzwischen aus dem Heinsberger Klein-Ghetto heimgekehrt war. Aber sie war jetzt allein. Ihren Mann Willi hatten Adolf Beckers und seine SS-Kumpanen nach Sachsenhausen verschleppt. Freilich: „Wo Gefahr ist, wächst das Rettende auch!” (Hölderlin) In Wassenberg kam heimlich Geld zusammen, mit dem ein Aachener Nazi namens Küppers bestochen werden konnte, um Willi Reis „wegen Tapferkeit im Ersten Weltkrieg (EK II)” nach ungefähr 6 Monaten aus dem KZ zu entlassen. Der katholische Pfarrer Wilhelm Baer, selbst Träger des EK I aus dem Ersten Weltkrieg, hatte das Geld zusammengebettelt. Einige Wassenberger haben mir ihr Entsetzen beschrieben, als sie Willi Reis als entlassenen KZ-Häftling wiedersahen: „Er sah wie ein Greis aus und war damals erst 52 Jahre alt.”

Betty lag mehrere Wochen krank in pflegender Obhut ihrer Mutter. Klaus Eberl, evangelischer Pfarrer der Kreuzkirche zu Wassenberg, hat in einer Szenenfolge Bettys Not nachempfindend und deutend dargestellt. Das Stück wurde 1988, 50 Jahre nach der Reichspogromnacht, in der historischen evangelischen Hofkirche in Wassenberg aufgeführt. Es hat viele Wassenberger tief bewegt und die junge Generation ins Nachdenken geführt.


 

Kinot

(Klagelied)

 

Nach den Ereignissen von November 1938 rieten manche Wassenberger den Reis, zu emigrieren. Es lag damals noch im Interesse der Nazis, möglichst viele Juden abzuschieben. So verließ Walter Reis auf legalem Wege am 17. März 1939 Deutschland, ging in die Niederlande nach Venlo zu Verwandten und von dort nach England. Betty sollte folgen, der Zweite Weltkrieg verhinderte es. Im Winter 1939/40 - damals wimmelte es in unserer Heimat von deutschen Truppen (sächsische Regimenter), die sich auf den Westfeldzug vorbereiteten, - versuchte Betty zweimal, bei Effeld in der Nähe der Gitstapper Mühle und beim „Männke” am heutigen Effelder Waldsee (damals geschlossenes Waldgebiet), über den Rothenbach nach Holland zu kommen. Zwei Zoll- und Polizeiberichte in den Akten der SS-Führung Wassenbergs (Adolf Beckers) vermelden dies. (1983 hat mir Adolf Beckers Einsicht in seine Akten und die seines Vaters, des langjährigen Wassenberger Bürgermeisters Nikolaus Beckers, unter der Bedingung erwährt, dass ich ihn nicht namentlich in meinem Wassenberg-Buch erwähne und bis zu seinem Tode auch sonst nichts Gedrucktes mit seinem Namen darüber herausgebe. Er sah durchaus ein, dass die Synagogen-Einäscherung im Wassenberg-Buch 1) nicht unerwähnt bleiben konnte. Ich unterließ deshalb die Namensnennung und bezeichnete Beckers und Reindahl als Anführer des Pogroms nach Max Frisch mit „Biedermann und Brandstifter”. Nun will ich - nach seinem Tode - seinen Namen nicht verschweigen.)

In den Akten der Gestapo Düsseldorf3) heißt es: „... ist es notwendig, die in letzter Zeit in zunehmendem Maße beobachteten Versuche der illegalen Judenauswanderung beschleunigt und endgültig zu unterbinden.” Damals gab es hier im Limburger Grenzgebiet (Maastricht - Roermond - Venlo) zahlreiche Fluchthelfer. Betty scheint auf sich allein gestellt gewesen zu sein. Der Schritt über den Rothenbach gelang ihr nicht. Dabei war sie eigentlich schon drüben gewesen, als sie ihren Bruder Walter Abschied nehmend nach Dalheim begleitete und von dort zu Fuß bis Vlodrop-Station auf holländisches Gebiet ging. Sie kehrte dann aber „brav” wieder zu ihrer Mutter nach Wassenberg zurück.

Der Rothenbach (Grenzbach). Bettys Fluchtversuche 1939/40.
Der Rothenbach (Grenzbach). Bettys Fluchtversuche 1939/40.

Als Walter Reis 1992 in Wassenberg war, bat er mich, ihm das Gelände an den Grenzsteinen 372 — 375 zu zeigen, die Gitstapper Mühle, das „Männke”, den mäandrischen Lauf des Rothenbachs. Wir standen wortlos an den Stellen mit der unbeantwortbaren Frage: War es hier? War es dort? War’s drei Schritte rechts oder links von hier? Waren die Bäume damals schon da?

Grenzweg an der Gitstapper Mühle bei Effeld. Nähe Fluchtversuch Betty Reis.
Grenzweg an der Gitstapper Mühle bei Effeld. Nähe Fluchtversuch Betty Reis.

Übrigens war es einem anderen Wassenberger Juden, dem jungen Arthur Kaufmann von der Löffelstraße am Roßtor, bei seinem ersten Versuch ebenfalls misslungen, den Rothenbach zu überqueren. Im Januar 1940 Vormittags wurde es jedoch toternst für Arthur; denn an der Haustür seiner» Eltern (Bernhard und Ulrike Kaufmann) erschienen zwei berüchtigte Heinsberger Gestapoleute: Ising und Schmitz. Der Wassenberger Judas fehlte nicht: Fritz Sämmer, ortsinterner Gestapo-Spitzel. Man war gekommen, um Arthur Kaufmann zu verhaften. Nur wenige Minuten vorher hatten Max Graab und seine Schwester Lieschen Arthur gewarnt, der, als die Gestapo vorn zur Türe hereinkam, hinten heraus durch den Garten, über die Haag, quer durchs Feld in Richtung Schloß Elsum und von dort in die Effelder Grenzwälder floh. Diesmal gab’s kein Zurück für ihn. In äußerster Verzweiflung und alles aufs Spiel setzend, gelang der illegale Grenzübertritt. Doch welche Tragik: nur wenige Monate später, am 10. Mai 1940, begann der Westfeldzug. Die Niederlande wurde besetzt. Arthur Kaufmann verhaftet. In die Vernichtungslager deportiert. Untergegangen im Holocaust.

Für unsere Betty gab es nach den beiden gescheiterten Fluchtversuchen keinen Ausweg mehr. Sie wurde nun eingereiht in das Geschick der in Deutschland verbliebenen Juden. 1940/41 war Resi Küppers (verh. Pudsis, Paderborn) auf dem Wassenberger Rathaus als Bürohilfe in der Lebensmittelkartenausgabe dienstverpflichtet. Sie schrieb mir: „Wenn alle ’Arier’ abgefertigt waren, durften die Juden kommen. Sie erhielten um 35 % reduzierte Lebensmittelmarken. Da erschienen die jüdischen Frauen Schwarz, Kaufmann, Heumann, Reis. Auch Betty. An die Juden verkauften damals nur noch zwei Geschäfte Lebensmittel: Mühlenbruch in der Brühl und Peters/Paredis in der Roermonder Straße. Auf unserer Dienststelle arbeiteten Elisabeth Rütten und Finchen Poschen. Die jüdischen Frauen schauten verlegen und wie schuldbewusst zu Boden. Sie sagten kaum ein Wort. Nur die Modistin Adele Heumann sprach lebhaft ihr Wassenberger Platt. Betty Reis war immer die letzte. Ihr Gesicht war traurig wie eine tote Seele. Das war ja nach ihrem furchtbaren Kristallnacht-Erleiden in Solingen. Wir im Rathaus waren betroffen. Wir sahen uns fragend an. Elisabeth Rütten sagte nur: ‘Oh, mein Gott, wie soll das enden?’ Eine Momentaufnahme von damals!”

Um alle Dörfer und Städte „judenrein” zu machen, begann nun überall die Ghettoisierung der Juden in Judenhäusern: die Juden unserer Heimat wurden in Heinsberg im Manasses Lues, Westpromenade 26, konzentriert. Eng zusammengepfercht, in Schmutz und Kalte lebten hier auch Bettys Eltern, die Hutmacherinnen Adele und Berta Heumann, die 86 Jahre alte Sara Heumann, Simon und Rahel Heumann mit den Kindern Benjamin, Simon, Karl und Sara, das Ehepaar Kaufmann, der Schneider Kaufmann aus dem alten Kapuzinerkloster mit seiner Frau und vier Kindern, das Ehepaar Benjamin, die Familie Schwarz - und das alles unter Zurücklassung ihres Eigentums. Der Staat hatte seine Hand auf ihre Habe gelegt und verteilte das jüdische Eigentum, wie es hieß, „über die Nationalsozialistische Volkswohlfahrt, NSV, zwecks Unterstützung ärmerer arischer Volksschichten“.

Betty war inzwischen 20 Jahre alt, konnte kochen und nähen. Noch war sie gesund. Die Nazis ließen sie von nun ab in Arbeitslagern als Küchenhelferin tätig war: in Eschweiler, in Kohlscheid, in Stolberg, zuletzt in Walheim. Von hier durfte sie öfter zum Wochenende nach Heinsberg fahren, um ihre Eltern zu besuchen. Am 18. August 1941 schreibt sie ihrem Bruder Walter einen Brief, der über die Schweiz auf geheimnisvollen Wegen den Bruder in England erreicht: „Lieber Walter, wie gern möchte ich mal mit Dir plaudern, kann aber nicht sein, darum bleibt es wie es ist. Also Du bist wieder auf Farmarbeit eingestellt, hoffentlich schreibt Onkel Willi (Bettys Vater ist gemeint. D. Verf.) recht oft, hatte man sich doch riesig über Deine Nachrichten gefreut. Doch freut es mich ganz besonders, dass Du weiter lernen kannst, auch ich habe so manches gelernt, was ich vielleicht mal gut gebrauchen kann. Gestern und heute war ich allein, da eine Dame in Urlaub und eine krank war. Es hat aber gut geklappt. Zuhause ist alles in Ordnung. Ich bin öfter bei Mama, dies ist die größte Freude, welche sie hat. Wann besuchst Du Onkel Kastor?” Walter Reis bemerkt zur letzten Frage: „She writes ‘Wann besuchst Du Onkel Kastor?’ which means, is there any Chance for you to get a Passage to the USA?”


 

Schemot

(Exodus)

 

Wenige Tage nach dem Schreiben ihres Briefes erreicht auch Betty die Polizeiverordnung, dass sie den Judenstern zu tragen habe. Am 20. Januar 1942 findet die verbrecherische Wannsee-Konferenz unter Vorsitz von Heydrich statt: Die Endlösung! Der Plan sieht die Ermordung von rund 11 Millionen Juden in ganz Europa vor. Im besetzten polnischen Gebiet entstehen die Vernichtungslager Auschwitz, Birkenau, Belzec, Majdanek, Chelmno. Alle noch im Reich verbliebenen Juden sollen nun so schnell wie möglich aus ihren Judenhäusern nach Osten in die Vernichtungslager gebracht werden. Eichmann vom Reichssicherheitshauptamt IV schreibt unter 1093/42 am 31. Januar 1942 an die Gestapo—Leitstelle Düsseldorf: „Zur Zeit werden neue Aufenthaltsmöglichkeiten bearbeitet mit dem Ziel, weitere Kontingente aus dem Altreich, der Ostmark und dem Protektorat Böhmen und Mähren abzuschieben. Die in der in einzelnen Gebieten durchgeführte Evakuierung von Juden nach dem Osten stellen den Beginn der Endlösung der Judenfrage dar. gez. Eichmann”.4)

Die erste Deportation aus dem Rheinland nach Osten begann am 14. Oktober 1941 und sah als Aufnahmeort das Ghetto Lodz (von den Nazis Litzmannstadt genannt) vor. In dem Befehl dazu wurde zwecks Tarnung von „Evakuierung in den Osten” gesprochen. Weitere Transporte folgten: am 22. April 1942 nach Izbica, am 15. Juni nach Izbica, am 25. Juli nach Theresienstadt u.a..

Juden-Transportzug 1942.
Juden-Transportzug 1942. "Evakuierung, Aussiedlung".

Am 22. April 1942 sind die Wassenberger Juden aus dem Heinsberger „Klein-Ghetto” Manasses Lues, Westpromenade 26, dabei, also auch Bettys Eltern Willi und Else. Vermerk in den Gestapo-Akten: „Düsseldorf, Mittwoch, 22.4.1942, um 11,06 hat der Transportzug DA 52 den Abgangsbahnhof Düsseldorf-Derendorf in Richtung Izbica mit insgesamt 941 Juden verlassen. Transportbegleiter ist die Ordnungspolizei unter Hauptmann Gehrke, dem die namentliche Transportliste in zweifacher Ausfertigung mitgegeben wurde. 378 männliche und 554 weibliche Juden = 941 insgesamt.”

Wenige Wochen später trifft das geahnte, gefühlte, gefürchtete Geschick auch unsere Betty in der Lagerküche von Walheim bei Aachen. Ein Transport, der für sie unberechenbar wie eine Naturkatastrophe hereinbricht. Transportziel ist wiederum Izbica an der Eisenbahnlinie von Lublin nach Lemberg. Betty wird wie ihre Leidensgefährten erst wenige Stunden vor ihrem Abtransport benachrichtigt: 50 kg Gepäck, 100 Reichsmark, Nahrungsmittel für drei Tage. Mit einem Lastwagen nach Düsseldorf gebracht, muss sie unter strenger Bewachung auf dem Gelände des Schlachthofes auf die Abfahrt warten. Die ganze Nacht stehend, der Boden nass, Überlebende haben davon berichtet.5)

Mehrfach werden alle körperlich untersucht, ob in Körperöffnungen nicht Wertvolles versteckt ist. Jeder versucht, soviel wie möglich mitzunehmen. Die Unterwäsche wird doppelt angezogen, Frauen und Mädchen tragen mehrere Kleider übereinander. Immer wieder kommt es vor, dass Juden hier den Freitod wählen, weil sie ahnen, wohin die Reise geht.

Am 15. Juni 1942 ging der Zug in Koblenz-Lützel ab, in Düsseldorf stiegen die im Schlachthof wartenden Juden mit Betty zu. Viehwagen! Wer als Kriegsgefangener oder Flüchtling Viehwagentransporte erlebt hat, kann sich die Zustände darin vorstellen: Die Kälte der Nächte, Hunger, Durst, Angst, Schlaflosigkeit, ein Eimer als Toilette, Kranksein‚ Sterbende, stunden- oder tagelanges Abgestelltsein auf Nebengleisen, weil der kriegswichtige Schienen-Verkehr Vorfahrt hat. Und das 14 Tage lang.

Eines Wissen wir: Betty kam in Izbica an, und auch ihre Eltern waren mit dem Transport vorher dort angekommen. Denn von dort existieren mehrere Kartengrüße an Onkel Max Hertz in Theresienstadt. Max Hertz sagte mir: „Von Izbica erhielt ich einige Postkarten. Zweimal schrieb Mutter Else und zweimal Betty. Die Nachrichten kamen aus Izbica an der Weichsel, Kreis Krasnistrow.” Die nächste Nachricht von den Reis kommt über einen im Osten eingesetzten Wassenberger Soldaten in die Heimat. Gottfried Linden aus Wassenberg-Forst begegnet Willi Reis in der Nähe von Lodz (Litzmannstadt) und erfährt von Willi Reis, daß Mutter Else im Ghetto Lodz in einer Lagerküche arbeitet, und dass Betty, die wie ihre Eltern von Izbica nach Lodz verfrachtet ist, in einer Werkstatt als Uniformschneiderin tätig ist.

Lodz, die zweitgrößte polnische Stadt, besaß ein Ghetto, in dem bis zu 300.000 Juden eingesperrt waren. „Warteraum des Todes” nannte Jean Amery solche Orte; denn die dahinvegetierenden Menschen warteten, ohne es zu wissen, auf ihren Abtransport in die Vernichtungslager. Zahllose visuelle Zeugnisse aus dem Ghetto Lodz, aus diesem Zwischenreich der Vernichtung, sind erhalten geblieben, zumeist in den Erinnerungsalben der Henker. Aber auch 80.000 Paßfotos für Arbeitsausweise gibt es noch. An der Spitze dieses Ghettos stand der Judenälteste, der „Judenkönig von Lodz”, Chaim Rumkowski. Seine These lautete: „Unser einziger Weg ist Arbeit, ist Produktion für das Dritte Reich, ist kriegswichtige Notwendigkeit.” Im Ghetto richtete er ein: Holzfabriken, Möbelschreinereien, Nagelfabriken, Schlossereien, Maschinenfabriken, Geschoßherstellungsfabriken, Sattlereien, Schuh- und Stiefelfabriken und auch jene Werkstatt, in der unsere Betty gearbeitet hat: Betrieb Nr. 26 Schneiderei, Rembrandtstraße 14. Betty erhielt als Lohn wertloses Papiergeld, die Ghetto-Mark. Die Ernährungslage War katastrophal. Wegen der Kosten verringerten die Nazis die Rationen, die noch unter den Sätzen für Zuchthäusler lagen. Die Folgen waren Unterernährung, Hungertyphus, Infektionskrankheiten.

Schneiderei im Ghetto Lodz, wo Betty Reis bis Mitte 1944 arbeitete.
Schneiderei im Ghetto Lodz, wo Betty Reis bis Mitte 1944 arbeitete.

Nach und nach sollte nach einem Ausspruch des Regierungspräsidenten Uebelhoer „die jüdische Pestbeule ausgebrannt werden." Die sogenannten „Aussiedlungen” begannen. Täglich wurden bis zu 5.000 Juden abtransportiert. Man gaukelte ihnen einen Neubeginn in landwirtschaftlich orientierten Gegenden vor. Bei welchem Aussiedlungstransport sind Betty und ihre Eltern dabei gewesen? Anfang 1944 wurden die Einzelbetriebe, so auch Bettys Uniformschneiderei, aufgelöst. Arbeiterinnen und Arbeiter mussten sich am Bahnhof Radogast einfinden. 1944 gingen die Transporte nach Auschwitz-Birkenau. Auch der Judenälteste Chaim Rumkowski, der alles getan hatte, um sein Ghetto zu retten - er hatte sogar persönlich mit dem Reichsführer der SS, Heinrich Himmler, verhandelt - wurde ganz zuletzt noch ins Todeslager deportiert und in die Gaskammer geschickt.


 

Ner tamid i

(Ewige Lampe)

 

Eines ist sicher, wenn es auch keine Dokumente darüber gibt: Betty muss nach Auschwitz gekommen und hier bei der Selektierung ausgesondert worden sein. Denn nur so lässt sich erklären, dass sie im Oktober/November 1944 mit einem Frauentransport in das Konzentrationslager Bergen-Belsen in der Lüneburger Heide kommt. In mehreren Schüben kommen aus Auschwitz-Birkenau hier ca. 3000 Frauen an. Aus Bergen-Belsen existieren nämlich Bettys letzte Lebenszeichen: eine Karte an ihren Onkel Max Hertz und eine solche nach Wassenberg an Elisabeth Graab.

Selektion auf der Rampe von Auschwitz-Birkenau. Im Hintergrund das Lagertor. Betty wurde ausgesondert.
Selektion auf der Rampe von Auschwitz-Birkenau. Im Hintergrund das Lagertor. Betty wurde ausgesondert.

Bergen-Belsen war von 1940 bis 1943 Kriegsgefangenen-Lager (Stalag 311) für Russen, die zum größten Teil durch eine Fleckfieberepidemie umkamen. Im April 1943 wurde ein Lagerkomplex an die SS übergeben, um ein sogenanntes „Auffanglager” einzurichten. Seit März 1944 Wurden die mehr und mehr in Frontnähe befindlichen Konzentrationslager aufgelöst und ihre Insassen in den „Mittelpunkt des Reichs” nach Bergen-Belsen verfrachtet. Das war vielleicht auch der Grund, warum Betty der Stätte fabrikatorischen Mordens‚ der perfektesten Todesmaschine, der kristallisierten Blausäure Cyklon B, entging.

Konzentrationslager Bergen-Belsen in der Lüneburger Heide.
Konzentrationslager Bergen-Belsen in der Lüneburger Heide.

Wie sie den tagelangen Transport im Spätherbst 1944 überstand, bleibt ein Rätsel. Eberhard Kolb schreibt: „Als diese kranken und geschwächten Frauen nach mehrtägiger Fahrt in überfüllten Viehwaggons völlig erschöpft in Bergen—Belsen ankamen, standen noch keine eingerichteten Baracken für sie zur Verfügung. In Herbsteskälte und Nässe mussten sie auf einer dünnen Strohschütte in völlig überfüllten Zelten vegetieren, in denen es weder Beleuchtung noch Toiletten gab.”6) Am 2. Dezember 1944 waren 8000 Frauen und Mädchen im Frauenlager zusammengepfercht. Eine von ihnen war Betty Reis, eine andere, die in aller Welt durch ihr Tagebuch bekannte Anne Frank.

Die Lagerleitung tat bewußt nichts, die unhaltbaren Zustände zu beseitigen. Sie nahm auch nicht die im nahen Truppenübungsplatz vorhandenen Nahrungsmittel- und Kleidermagazine in Anspruch. Viele verhungerten, ja verdursteten. Rapide um sich greifende Seuchen wurden zu Sicheln des Todes. Anne Frank starb an Typhus. Welche Todesursache hat unsere Betty dahingerafft? Wir wissen es nicht.

Niemand kennt Bettys Grab. Oft bin ich mit Studenten aus dem In- und Ausland in Bergen-Belsen gewesen und habe zwischen den langen bedrückenden Hügelreihen der Massengräber über Betty Reis zu ihnen gesprochen‚ einem Mädchen so alt wie ich aus Wassenberg:

„Un-Sinn, du siegst und ich muss untergehen!”

Gedenkstein für Betty Reis in Wassenberg. Errichtet 1992. Bildhauer: Ernst Brockschnieder, Heinsberg-Kirchhoven
Gedenkstein für Betty Reis in Wassenberg. Errichtet 1992. Bildhauer: Ernst Brockschnieder, Heinsberg-Kirchhoven

 

Quellen:

Frenken, Funken, Zumfeld, Gillessen, Der Nationalsozialismus im Kreise Heinsberg - 1983
Erckens, G., Juden in Mönchengladbach. Drei Bände. — Mönchengladbach: 1988, 1989, 1990
Hügen, L., Jüdische Gemeinden am Niederrhein. Willich 1985
Asariam Z., Die Juden in Köln. — Köln 1959
Nekum, A.‚ Honnefs Kinder Israels. - 1988
Dovern, w., Die jüdische Bevölkerung in Aldenhoven
Heid/Schoeps, Wegweiser durch das jüdische Rheinland. - Berlin 1992
Juden im Kreise Viersen. — Viersen 1991
Arntz, H. D, Judenverfolgung und Fluchthilfe im deutsch-belgischen Grenzgebiet. - Euskirchen 1990
Pankoke, W., Hinterlassenschaften von Landjuden. — Siegburg 1991
Rey, M., Leben und Sterben unserer jüdischen Mitbürger in Königswinter. - Königswinter 1985
Engels, E., Spuren jüdischer Mitbürger in Kerpen, Sindorf und Türnich. - Kerpen 1985
Rohrbacher, St., Juden in Neuss. - Neuss 1986
Schnöring, K., Ausschwitz begann in Wuppertal. - Wuppertal 1981
Tohermes, K., Leben und Untergang der Synagogengemeinde Dinslaken. — Dinslaken: 1988
Auf den Spuren der Juden in Wesel. — Wesel 1988
Becker-Jäckli, B., Juden in Brühl. — Brühl 1988
Wisskirchen, J., Reichspogromnacht an Rhein und Erft. — Pulheim 1988

 

Anmerkungen:

1) Heinrichs, H., Wassenberg. Geschichte eines Lebensraumes. — Mönchengladbach 1987
2) Wassenberger Pfadfinder im Dritten Reich. - Heimatkalender Heinsberg 1986,S. 183
3) Gestapo-Akten. Hauptstaatsarchiv Düsseldorf
4) ebenda
5) Erckens, G., Juden in Mönchengladbach. - Drei Bände — Mönchengladbach 1988, 1989, 1990
6) Kolb, E., Bergen-Belsen 1943 - 1945. - Göttingen 1988

 

Der Verfasser dankt Walter Reis, dem Bruder von Betty, für seine Mithilfe, ferner Bettys Freunden und Mitschülern, vielen Zeitzeugen, Archiven in Deutschland, USA, Israel und Polen und allen Wassenbergern, die ihn bei seiner Spurensuche unterstützten.

 

Gegen das Vergessen: Betty Reis und Bergen-Belsen

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