Jahresprogramm 2017

So Apr 30 @14:00 - 16:00
Öffnung Bergfried
Mo Mai 01 @06:00 -
Vogelstimmenwanderung
Mi Mai 03 @13:30 -
Radwanderfahrt

Veranstaltungen in Wassenberg
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Sänger: Karl Lieck

1912 wurde die Weberei Heinrich Essers in Wassenberg gegründet. Die heutige Schärerei Essers mit Schwesterbetrieb "Essedea Texolutions" produziert innovative Materialien für die Textilindustrie. Firmenbesuch mit dem Heimatverein.

Der Weg von der Kurve in der Synagogengasse bis zur Burgauffahrt ist mit einem besonderen Schild als Max-Graab-Weg bezeichnet worden. Der Heimatvereinsvorsitzende schreibt im Antrag des Heimatvereins an den Rat über Graab: "Max Graab hat am 10. November 1938 im Zusammenhang mit der Pogromnacht und dem Abbrennen der Synagoge Zivilcourage bewiesen, indem er durch Zurufe auf dieses abscheuliche Verbrechen hingewiesen hat. Dafür musste er ins Gefängnis." Fotos: BeSe vom 17.1.2017

Weitere Infos zum Max-Grab-Weg.

Heimatverein und Gäste bekamen beim geführten Rundgang Einblick in die Produktionsvorgänge der Polster Werkstätten. Das Unternehmen fertigt alles vor Ort. Von Nicole Peters 

Ortsgeschichte und die Stadt prägende Persönlichkeiten möchte Wassenberg in Straßennamen lebendig halten - etwa dem neuen Synagogenplatz oder dem Max-Graab-Weg. Die 40-Jahr-Frist nach Tod einer Persönlichkeit entfällt künftig. Von Angelika Hahn

Am 10. November 1938 stand die Wassenberger Synagoge in Flammen, auf deren Grundfläche wurde im November eine Gedenkstätte eröffnet. Der gesamte Bereich soll nach dem Willen des Rates nun Synagogenplatz heißen. FOTO: laaser (Archiv)
Am 10. November 1938 stand die Wassenberger Synagoge in Flammen, auf deren Grundfläche wurde im November eine Gedenkstätte eröffnet. Der gesamte Bereich soll nach dem Willen des Rates nun Synagogenplatz heißen. FOTO: laaser (Archiv)

Die neue Gedenkstätte an die Wassenberger Synagoge auf dem umgestalteten (Park-)Platz zwischen Synagogengasse und Roermonder Straße wird künftig auf dem "Synagogenplatz" liegen. Einstimmig entschied der Rat in seiner jüngsten Sitzung auf Vorschlag des Heimatvereins, dass dort eine Tafel mit einem "schmuckvollen Hinweis" den geschichtsträchtigen Ort ausweisen soll. Freilich nicht im Sinne einer "förmlichen Straßenbezeichnung".

Damit schließt sich die Stadt der bisherigen Gepflogenheit an, populären Plätzen, die offiziell eigentlich Straßenbezeichnungen tragen, Namen zu geben, "die sich aus dem gemeinschaftlichen Leben in den Ortschaften entwickelt haben", wie es die Verwaltung ausdrückte. Genannt wurde etwa der Sankhasplatz in Myhl (offiziell Schulstraße/St. Johannes-Straße).

Anders verhält es sich nach Meinung der Verwaltung mit dem Fußweg, der oberhalb des Synagogenplatzes verläuft. Auch für diesen Weg hatte sich der Heimatverein einen geschichtsträchtigen Namen gewünscht. Er sollte nach Max Graab benannt werden, der die Verbrennung der Wassenberger Synagoge mutig und offen kritisiert hatte und dafür ins Gefängnis gekommen war. Knackpunkt bei dieser Anregung: Es handelt sich nicht um einen Weg, der im Kataster erfasst ist, nach dem sich Feuerwehr, Rettungs- und Katastrophenschutzdienste (und Navigationssysteme) richten. Die beantragte Wegebenennung bekäme aber einem offiziellen Anstrich, was im Ernstfall zu Missverständnissen und Orientierungsproblemen von Einsatzkräften führen könne, erläuterte Stadtkämmerer Willibert Darius. Nachdem das Thema bereits im Kultur- und Sportausschuss vertagt worden war, entspann sich nun im Rat noch einmal eine längere Diskussion.

Frank Winkens und Peter Weyermanns (CDU) konnten die Einwände der Verwaltung nachvollziehen. Schließlich einigte man sich auf einen Kompromiss: Auch hier soll eine nicht mit einem offiziellen Straßenschild zu verwechselnde Tafel auf Max Graab und seine mutige Rolle in der NS-Zeit hinweisen. Peter Weyermanns und Bürgermeister Manfred Winkens hatten zuvor die Frage gestellt, ob eine solche Regelung eine Flut von Bürgeranträgen auf informelle Bezeichnungen von Spazier- und Feldwegen mit heimatkundlichem Anstrich nach sich ziehen könnte. Die Mehrheit im Rat sah diese Gefahr allerdings nicht. Immerhin gab es drei Gegenstimmen und zwei Enthaltungen bei dem Beschluss.

Auch Grundsätzliches zur Benennung von Straßen nach stadtgeschichtlich bedeutenden Personen war vom Fachausschuss in den Rat vertagt worden. Der Heimatverein hatte beantragt, die im Jahr 2000 vom Stadtrat festgelegte Frist von 40 Jahren nach Tod einer Persönlichkeit bei Straßenbebennungen auf drei Jahre zu verkürzen.

Damit könnten vor allem anerkannte verdiente (Ehren-)Bürger der Stadt - beispielhaft waren die Namen Heribert Heinrichs und Hanns Heidemanns in der Diskussion genannt worden - früher mit Straßennamen gewürdigt werden. Die CDU hatte im Ausschuss für zehn Jahre plädiert, ein SPD-Antrag nannte fünf Jahre.

Die Verwaltung hatte mit Blick auf die Gepflogenheiten anderer Städte sinnvolle Hinweise für eine Entscheidungsfindung zusammengestellt: Durch Straßennamen sollten verstorbene Personen (aber ohne bestimmte Frist) gewürdigt werden, "wenn ihr Geschichtsbild nach Persönlichkeit, Verhalten und Nachwirkung abgeklärt ist und überwiegend positiv bewertet wird". Angehörige dieser Personen sollten gegebenenfalls vorher gehört werden.

Sprecher von CDU (Karl-Heinz Dohmen), SPD (Hermann Thissen) und Grünen (Robert Seidl) hielten diesen Weg für sinnvoll und rückten von den vorliegenden Befristungsvorschlägen ab. Einstimmig beschloss der Rat dann, bei Straßenbenennungen künftig ganz auf eine Vorgabe zu verzichten, wie lange der Todestag einer Persönlichkeit zurückliegen muss.

INFO

Wegname erinnert an mutige Person

Der Weg von der Kurve in der Synagogengasse bis zur Burgauffahrt soll mit einem besonderen Schild als Max-Graab-Weg bezeichnet werden. Heimatvereinsvorsitzender Sepp Becker schreibt im Antrag des Heimatvereins an den Rat über Graab: "Max Graab hat am 10. November 1938 im Zusammenhang mit der Pogromnacht und dem Abbrennen der Synagoge Zivilcourage bewiesen, indem er durch Zurufe auf dieses abscheuliche Verbrechen hingewiesen hat. Dafür musste er ins Gefängnis."

Quelle: RP vom 6.4.2016

Namen für Weg und Platz an Gedenkstätte (Heinsberger Zeitung vom 18.3.2016)

Heribert Heinrichs - Einer schritt ein  (HK HS 1997 Seite 137)

 


Max Graab - Kämpfer gegen NS-Unrecht

Wassenberg benennt einen Weg nahe dem Standort der früheren Synagoge unterhalb der Burg nach Max Graab. Furchtlos stellte sich Graab nicht nur nach der Zerstörung der Synagoge den Nazis gegenüber. Von Willi Spichartz

Die Geschichte jüdischen Lebens, die Geschichte der Juden in Wassenberg auch unter der Nazi-Gewaltherrschaft ist recht gut dokumentiert, sie ist öffentlich sichtbar und wird lebendig gehalten. Dafür sorgen in erster Linie der Heimatverein und die nach dem von den Nazis ermordeten Wassenberger Mädchen Betty Reis benannte örtliche Gesamtschule. Der rassistischen Todesideologie der Nazis fielen auch die meisten Wassenberger Juden zum Opfer. Es gab aber auch Zeichen von Erkenntnis und Widerstand - und dafür steht besonders der Name Max Graab.

Das jüdische Mädchen Betty Reis wurde im KZ ermordet. FOTO: archiv Heimatverein
Das jüdische Mädchen Betty Reis wurde im KZ ermordet. FOTO: archiv Heimatverein

27 in Wassenberg lebende oder geborene Juden wurden von der NS-Diktatur ermordet, ans Messer geliefert, auch von den örtlichen Nazi-"Größen", die Professor Dr. Heribert Heinrichs in seinem 1987 erschienenen Standardwerk "Wassenberg - Geschichte eines Lebensraums" mit vollen Namen nennt, 1987 noch lange nicht überall üblich.

Nationalsozialisten zeigten sich auf praktisch allen Ebenen als Destruktive Persönlichkeiten, (Psychologe Erich Fromm) radikalisierte Klein- und Kleinstbürger in Herrenmenschen-Manier - das verzeichnete man auch in Wassenberg. Sie zählten sich selbst zu den Ortshonoratioren, die sich vom alles durchdringenden Gewaltstaat willig zu aggressivem Handeln auffordern ließen.

Max Graab kritisierte offen das Unrecht der Nazis. FOTO: archiv Heimatverein
Max Graab kritisierte offen das Unrecht der Nazis. FOTO: archiv Heimatverein

"Ihr seid Verbrecher! Ihr seid Gotteslästerer! Glaubt nur, dass Euch das eines Tages heimgezahlt wird! Der Gott der Juden ist auch unser Gott!" - Schneidende Worte, wie sie am 10. November 1938 in Deutschland wohl kaum zu hören waren, wurden in Wassenberg den braunen Brandstiftern der jüdischen Synagoge entgegengeschleudert von Max Graab. Einem Wassenberger, der vorher bereits "furchtlos von Mann zu Mann" mit den örtlichen Nazigrößen wie Bürgermeister Julius Grünweller, so Heribert Heinrichs, diskutiert hatte.

Am Morgen des 10. November hatten die Orts-Nazis das nachvollzogen, was am Abend zuvor als "Reichskristallnacht" mit Brandstiftung der Synagogen, Misshandlungen und Totschlag an Juden begonnen hatte. In Wassenberg kommandierte am Abend des 9. November Grünweller seine SS zu den Häusern der Juden ab zur Suche nach "Waffen", die Bewohner wurden geprügelt und schwer misshandelt. "Wassenberger standen dabei oder machten die Augen zu", urteilt Autor Heribert Heinrichs.

Umstehende hatten Max Graab vor Konsequenzen seiner ehrlichen Äußerungen gewarnt - tatsächlich wurde er Tage später verhaftet und für sechs Wochen in ein Aachener Gefängnis gebracht. Heimgekehrt, zeigte er sich umso kompromissloser in seiner Haltung gegen die Nazis seiner Heimatstadt.

Vater Willy Reis und Tochter Betty, sie in Solingen, kamen aus ihrer Haft schwerstverletzt und gebrochen nach Hause. Alle Wassenberger Juden waren festgenommen und nach Heinsberg gebracht worden. "Endlich ist Wassenberg judenrein!" Die "schwarzen Rowdys" (Heinrichs) jubelten.

Im Jahr 1321 ist der erste Wassenberger Jude genannt, mehr als 1000 Jahre zuvor hatten unter anderem die römischen Besatzer sie aus ihrer Heimat Palästina in ihr Reich bis nach Europa zerstreut und/oder als Sklaven verkauft. Immer wieder künden Dokumente über Jahrhunderte davon, dass Juden in Wassenberg lebten. Vor allem im 19. und 20. Jahrhundert waren sie selbstverständlicher Teil der Ortsgesellschaft, beteiligten sich an Vereinen und gesellschaftlichen Veranstaltungen.

Schon in der Mainacht 1934 war Max Graab als aktiver Nazi-Gegner aufgetreten, als er handgreiflich die Wassenberger Lieder singenden Pfadfinder gegen die örtlichen NS-Leiter mit Carl Meyer an der Spitze verteidigte, denen der christliche Jugendverband schon länger missfiel. Max Graab war nicht allein, mit weiteren Bürgern wurden die Nazis zurückgeschlagen, erst der herbei telefonierte Bürgermeister rettete seine Paladine vor dem völligen k.o., schreibt Heinrichs nach Zeugenaussagen.

Von den Wassenberger Juden überlebten den Holocaust Betty Reis' Bruder Walter, der nach England und Kanada fliehen konnte, und Max Hertz, der 1984 mit 101 Jahren in München starb. Auf dem Wassenberger Judenfriedhof erinnert ein Ahorn-Baum an den 2005 im Alter von 85 Jahren verstorbenen Walter Reis, der auf seinem Grundstück im kanadischen Toronto aufgewachsen ist.

An Max Graab erinnert in Kürze ein nach ihm benannter Wegteil an der ehemaligen Synagoge unterhalb des Bergfrieds an der neu geschaffenen Gedenkanlage.

2015 wurde die neue Gedenkstätte am Ort der früheren Wassenberger Synagoge an der Synagogengasse eröffnet. Der gepflasterte Bereich und Reste der Mauer kennzeichnen die Stelle des jüdischen Gebetshauses. Eine Tafel erinnert an die von den Nazis ermordeten und überlebenden jüdischen Mitbürger. FOTO: Jürgen Laaser
2015 wurde die neue Gedenkstätte am Ort der früheren Wassenberger Synagoge an der Synagogengasse eröffnet. Der gepflasterte Bereich und Reste der Mauer kennzeichnen die Stelle des jüdischen Gebetshauses. Eine Tafel erinnert an die von den Nazis ermordeten und überlebenden jüdischen Mitbürger. FOTO: Jürgen Laaser

Quelle: RP vom 28. Juli 2016

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