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Der Wassenberger Heimatforscher Walter Bienen stellt mit "Kindheitserinnerungen" ein Werk vor, das Wassenbergs Geschichte aus der Sicht von Peter Berger erzählt. Berger war Bienens Onkel. Schwerpunkt sind die Jahre 1924 bis 1933. Von Willi Spichartz

"Kindheitserinnerungen" in 75 Kurz-Kapiteln auf knapp 90 Seiten - Wassenbergs Geschichte von etwa 1924 bis 1933 aus der Sicht eines Jungen, Peter Berger, bekennender christlicher Pfadfinder, dem das Konzentrationslager nur knapp erspart geblieben ist. Seine handschriftlichen Erinnerungen hat sein Neffe Walter Bienen, Wassenberger Heimatforscher in vielen Funktionen, zu einem Büchlein gestaltet, das für 7,95 Euro bei ihm zu bestellen ist, die Erstauflage beträgt 100 Stück. "Mein Vater wollte seinen Kindern und Geschwistern mit ihren Angehörigen die Geschichte der Familie nahe bringen. Er war ein heimatliebender Schriftsteller, ich freue mich, dass mein Vetter Walter Bienen diese Tradition fortsetzt!" Monika Wiener, geborene Berger, machte bei der Vorstellung des Werks ihres Vaters deutlich, dass ihr Engagement für die Herausgabe nicht auf Überredung basiert, sondern Informationen und vor allem Fotos auf Überzeugung für den Erhaltens- und Veröffentlichungs-Wert des zeitgeschichtlichen Büchleins im DIN-A-4-Format beruht.

Der bekannte Wassenberger Heimatforscher Walter Bienen präsentiert die Rohfassung seines neuen Buches, in dem es um Kindheitserinnerungen seines Onkels Peter Berger geht. FOTO: JÜRGEN LAASER
Der bekannte Wassenberger Heimatforscher Walter Bienen präsentiert die Rohfassung seines neuen Buches, in dem es um Kindheitserinnerungen seines Onkels Peter Berger geht. FOTO: JÜRGEN LAASER


Und das war auch schon bei Walter Bienens Mutter, der Schwester von Peter Berger, so, sie übergab es ihrem Sohn, der es länger unbeachtet in seinen Bücherregalen aufbewahrte, bis es eines Tages einfach herausfiel, durchgesehen und für veröffentlichungsreif erkannt wurde.
Dass es in den Kindheitserinnerungen auch um lokale Kulturgeschichte geht, wird aus den Kapitel-Überschriften deutlich, hier eine Auswahl: "Wie ich als Kind meine/n Vater/Mutter erlebte - Unsere Kinder- und Auszählreime - Die Schulen in Wassenberg - Unsere Ausflüge und Eisenbahnfahrten - Messdiener - Sonntags-, Kirmes- und Taschengeld - Meine Erlebnisse mit Vögeln - Nationalistische Töne in der Weimarer Zeit - Meine Erinnerungen an die Wassenberger Juden - Maibaum, Königsvogelschuss - Damals in Wassenberg übliche Spitznamen und deren Deutung."
Walter Bienen weiß vom Wassenberger Autor Professor Heribert Heinrichs, verstorben 2004, dass dieser gern auf Peter Bergers Kindheitserinnerungen zurückgegriffen hat, erkennbar in seinem Großwerk "Wassenberg - Geschichte eines Lebensraums".
Am Mai-Vorabend 1934 saß Peter Berger mit seinen Pfadfindern in der früheren Gaststätte Graab in der Kirchstraße, die Wirtin ermunterte sie, die von allen Gästen gesungenen Mailieder auf der Klampfe zu begleiten, es herrschte beste Stimmung. Bis die örtlichen Nazi-Größen aus dem gegenüberliegenden Gasthaus "Alt Wassenberg" stürzten und das sofortige Ende von Klampfe und Gesang forderten, sie störten eine bedeutende Radio-Rede des Reichsjugendführers. Die verbale Auseinandersetzung artete in eine wilde Schlägerei aus, Graab-Gäste schlugen die Nazis in die Flucht.
Schon am nächsten Morgen wurde Peter Berger durch SA verhaftet, tagelang auch durch Bürgermeister Julius Grünweller körperlich malträtiert, auch in Aachen bei der Gestapo mit KZ bedroht - es blieb ihm dann doch erspart.
Peter Berger, nach dem Krieg auch Stadtratsmitglied, ist auch ein Zeitzeuge der politischen Geschichte des 20. Jahrhunderts.

Quelle: RP vom 26.10.2016

So ging es früher im Alltag zu (Super Sonntag vom 30.10.2016)

Eine ganz persönliche Heimatgeschichte (Heinsberger Zeitung vom 31.10.2016)

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