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Sänger: Karl Lieck


Spaziergang durch das alte Wassenberg

Faltblatt der Stadt und des Heimatvereins nimmt den Besucher mit auf eine historische Reise. Vom Weberdenkmal zurück zum jüdischen Friedhof.

Wassenberg. Vom neuen Rathaus an der Roermonder Straße über 22 Stationen durch die Unterstadt bis zum jüdischen Friedhof auf der anderen Seite des Rathauses nimmt das neue Faltblatt „Historischer Altstadtrundweg“ Interessierte mit auf einen kurzweiligen Spaziergang durch Wassenberg. 

Das Blatt wurde von der Stadt Wassenberg in Zusammenarbeit mit dem Heimatverein erstellt. „Es wird sehr gut angenommen, die Nachfrage ist rege“, so Sepp Becker, Vorsitzender des Heimatvereins, im Gespräch mit unserer Zeitung zur Herausgabe des Prospektes, das in übersichtlicher Weise Einheimischen wie Gästen einen knappen und informativen Einblick in die Geschichte Wassenbergs bietet.

 

Erste Station des Rundweges ist das Weberdenkmal vor dem neuen Wassenberger Rathaus. Im 16. und 17. Jahrhundert hatten niederländische Glaubensflüchtlinge das Weberhandwerk nach Wassenberg gebracht. Daraus entstand am Ende des 19. Jahrhunderts eine blühende Textilindustrie.

Ganz in der Nähe die Stationen zwei und drei: der Freundschaftsbrunnen, der an die Partnerschaft mit Pontorson erinnert sowie ein unscheinbares kleines Monument, ein sogenannter Fußfall aus dem Jahr 1717, dessen Sandstein zum Teil aus Grabanlagen der römisch-fränkischen Epoche stammt. Im Straßenpflaster erinnert eine Abbildung an das Birgelener Tor der Stadtmauer, das sich hier befand. Weitere Stationen sind das Roßtor, die Marktsäule mit Stadtwappen und das Alte Rathaus, das 1753 auf der Grundfläche des ehemaligen Amtshauses erbaut, im Krieg zerstört und wiederaufgebaut wurde. 

Dank des Stadtrechtes durften die Wassenberger ihr eigenes Geld prägen. In der ehemaligien Löffelstraße befand sich die Münze (7). Weiter geht es über die evangelischen Hofkirche (8) zur Station 9 „Buir“ („am Haus“). Die Bezeichnung weist vermutlich auf die dort gelegene Zehntscheune hin. Das Gasthaus „Het Jaastes“ (10) wurde als Hospital 1317 gegründet und später bis 1936 als Armenhaus genutzt. 

Daneben auf der Graf-Gerhard-Straße befindet sich das Forckenbeck-Haus. Es wurde von Oskar von Forckenbeck, Gründer des Aachener Zeitungsmuseums, bewohnt, der auch das Judenbruch in einen Park mit Alleen und Weiher umgestalten ließ. Ebenfalls von der Graf-Gerhard- Straße (Vorplatz der Sparkasse) ist ein Teil des ehemaligen Kapuzinerklosters (12) sichtbar. Die Patres waren 1654 nach Wassenberg gekommen. 1802 wurde das Kloster aufgehoben, die Kirche 1819 abgebrochen. Eine Bronzetafel veranschaulicht das ehemalige Klosterareal.

Im heutigen Café Post an der Graf-Gerhard-Straße befand sich im 19. Jahrhundert das „Hotel zur Post“, eine ehemalige Pferdepostation. 

Der Rundweg verlässt dann die Graf-Gerhard-Straße und biegt zum Verlorenenturm (14) ein. Der Name stammt daher, dass in diesem Teil der Stadtbefestigung im Mittelalter zum Tode Verurteilte („Verlorene“) vor ihrer Hinrichtung eingesperrt waren. 

Küsters Garten (15) ist benannt nach einer Arztfamilie, die hier seltene botanische Gewächse anpflanzte. Ein Mammutbaum, ein Gingkobaum und ein Wassenberg Sämling sind noch zu sehen. 

Stiftung des Grafen Gerhard 

Station Nr. 16 ist der Stiftsplatz mit Immunitätsbogen. Der Name Stiftsplatz erinnert daran, dass die St. Georgskirche (17) eine Stiftung des Grafen Gerhard war. Die Kirche wurde im Krieg zerstört und 1950 wieder aufgebaut. 

Herzstück Wassenberg ist die Burganlage (18). Die jetzige untere Burg wurde 1740 errichtet. Sie war Wohn- und Verwaltungssitz des Jülicher Amtmannes. Station Nr. 19 ist der aus dem Mittelalter stammende Abschnitt der Stadtmauer, die durch Wehrtürme verstärkt wurde. 

Der Bergfried auf dem Burgberg (20) wurde um 1400 auf einem künstlich aufgeschütteten Hügel als mehrgeschossiger Wohnturm errichtet. Der Schlüssel ist an der Hotelrezeption erhältlich. In der Burg waren unter anderem 1505 Kaiser Maximilan II. und 1543 Kaiser Karl V. zu Gast.

Über den Standort der ehemaligen jüdischen Synagoge (21), die 1938 zerstört wurde und an die eine Gedenktafel erinnert, führt der Rundweg zu seiner letzten Station, dem alten jüdischen Friedhof an der Roermonder Straße sowie dem daneben liegenden evangelischen Friedhof, der 1628 eingerichtet wurde. (wer)

 

 

Von Hermann Schwippert

 

Liebe Wanderfreunde!

 Wandern mit dem Heimatverein in froher Runde mit Gleichgesinnten ist  schon  seit vielen Jahren ein interessantes Angebot des Vereins. Bis November 2001 war Friedhelm Emmerling viele Jahre Wanderwart. Diese Aufgabe erfüllte er bis November 2001 mit viel Einsatz und zur Freude für die zahlreichen Wanderbegeisterten, wofür ihm der Heimatverein herzlich dankt.

 Zum Jahresbeginn 2002 erklärte ich mich zur Fortführung der Wanderungen bereit. Ich sah mich in der Erwartung der Wanderfreunde und Wanderfreundinnen, die erfolgreiche Arbeit meines Vorgängers fortzusetzen und auch neue Akzente einzubringen, zumal mir die hiesige

Gegend noch nicht sehr bekannt war. Mit Ratschlägen und Kartenmaterial meines Vorgängers habe ich dann losgelegt.  

 Die Wanderungen führen meist durch unsere Heimat und nähere Umgebung; manche Ziele werden mit dem Auto angefahren, um dann auch dort die Natur zu erwandern und zu erleben.

 Mittlerweile wandern wir in einem Radius von 25 Kilometern, jeweils am 2. Samstag des Monats. Um 13.30 Uhr wird ab Rathaus Wassenberg, Roermonder Straße, losgegangen oder wir bilden Fahrgemeinschaften zum jeweiligen Wanderausgangspunkt.

 Die Wanderungen dauern bis zu 2 ½ Stunden; danach wird in der Regel in geselliger Runde eingekehrt.

Nicht nur Mitglieder sind willkommen; wir freuen uns auch auf jeden Gast, der Freude am Wandern hat.

Nach einigen Anfragen älterer Mitglieder habe ich im September 2002 die Seniorenwanderung ins Leben gerufen, die jeden Mittwoch in den Monaten Januar, Februar, März, Oktober und November um 14.00 Uhr, in den übrigen Monaten um 14.30 Uhr startet. Auch hier gehen oder fahren wir ab Rathaus Wassenberg. Wir machen jeweils einen Spaziergang im nahen oder etwas weiteren Kreis. Das Schönste ist auch wieder die Einkehr mit Plauderstunde. Diese Wanderung ist besonders beliebt, und wir haben ständig mehr Teilnehmer zu verzeichnen.

Schließlich habe ich 2005 eine Nikolauswanderung angeregt, die immer am 6. Dezember des Jahres mit Einkehr in der Rochus-Stube Dalheim stattfindet. Auch hier ist die Resonanz sehr positiv.

 Die Busfahrten unter Leitung von Manfred Gerling und mir erfreuen sich gleichfalls großer Beliebtheit. Vorab erkunden wir jeweils, was besichtigt wird und wo wir wandern können.

 Liebe Mitglieder und Interessierte des Heimatvereins, bitte melden oder äußern Sie sich zu den Fahrten, denn für Anregungen bezüglich neuer Ziele sind wir Ihnen sehr dankbar.

 Wassenberg, im Oktober 2007

Ues Moddersproak

Minn Kengertiit

Wenktertiit

Minne Opa

Köösch ech noch emoal no Schul joahn

Kühnme un Klaare

Kengerjlöck

Et kütt wie et kütt

Et Dörpel-Lied

Wu ech jeboare (Text: P. Staas)

Mii Jüddebrook

De Kapuziner

Weihnachte in Wasseberch (Text: H. Heinrichs)

Ich kenn ein Städtchen

Mein Wassenberg

Kirmes

Hupsach jesonk

Jlöcksellesch Nüjahr

Wasseberch un dröm eröm

De Blaatesräuber


 

Für eine CD mit den vollständigen Liedern nehmen Sie bitte Kontakt auf mit:

Karl Lieck 
Tel.: 02432 / 80797

E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Große Bühne für Mundart-Sprecher

Der "Plattdütsch-Oavend" des Wassenberger Heimatvereins bot 16 Akteuren wieder ein Forum für ihre Geschichten, Erinnerungen und Gedanken in regionaler Mundart. Nicht nur Wassenberger, sondern auch Gäste traten auf. Von Philipp Schaffranek

Man erkennt es an der Aussprache. Theo Jessen kommt nicht aus Wassenberg. Der Überraschungsgast beim "Plattdütsch-Oavend" des Heimatvereins kommt aus Töddere (Tüddern). Also aus dem Selfkant, wo das Plattdeutsche leicht niederländisch ist. Interessiert hören die vielen Zuhörer in der Begegnungsstätte dem Tüdderner zu, wie er vom "Selfkantland" erzählt. Das macht er humorvoll. Den Selfkant bezeichnet er in seinem kurzen Vortrag als das Ende der Welt, wo die Dörfer im Feld liegen und die Kirchen spielzeugklein sind. Dafür gebe es aber schöne grüne Bäume, so dass es auch bei Regen schön sei.

Viele Wassenberger Akteure, aber auch Gäste aus anderen Gemeinden im Kreis Heinsberg, sorgten wieder für einen kurzweiligen Mundartabend, der beliebten Traditionsveranstaltung beim Heimatverein Wassenberg. FOTO: Uwe Heldens
Viele Wassenberger Akteure, aber auch Gäste aus anderen Gemeinden im Kreis Heinsberg, sorgten wieder für einen kurzweiligen Mundartabend, der beliebten Traditionsveranstaltung beim Heimatverein Wassenberg. FOTO: Uwe Heldens

Der "Plattdütsch-Oavend" des Wassenberger Heimatvereins fand nun bereits zum 20. Mal statt. Seit einigen Jahren organisiert Walter Bienen - liebevoll "Arangschöer van d'r Plattdütsch-Oavend" genannt - die bei vielen jährlich fest im Terminkalender eingeplante Veranstaltung. Dann wird einen Abend lang nur Plattdeutsch gesprochen. In der Sprache, mit der viele Besucher des Abends aufgewachsen sind, werden kurzweilige Geschichten, Gedichte oder Musikbeiträge vorgetragen. Auch dieses Mal bauten 16 Plattdeutsch-Sprecher gerne Anekdoten und Pointen in ihre Vorträge ein. Damit erinnern sie an alte Zeiten oder berichten von neuen Erfahrungen und pflegen die Mundart-Tradition. Doch Plattdeutsch ist nicht gleich Plattdeutsch. Es gibt lokale und regionale Unterschiede, wie Überraschungsgast Theo Jessen zeigte.

Während die meisten Jessen allerdings noch sehr gut verstanden, war dies beim zweiten Gast des Abends anders. Der niederländische Kolumnist Jan Schuuren aus Linne, trug zwei seiner circa 600 Texte vor, die er mittlerweile in niederländischem Platt verfasst hat. Sein Text "sjebuunder" handelte von Scherzbolden und deren Charakteristika.

Mit Agnes Winkens aus Myhl stand dann ein echtes Original des "Plattdütsch-Oavends" auf der Bühne. Die mittlerweile 90-Jährige hat seit 1998 nur einen Abend verpasst. In "Deä aue Pott" erzählte sie aus der Perspektive eines Wassereimers aus dem 19. Jahrhundert über den Wandel der Zeit. Als er gebaut wurde, seien die Menschen noch schneller zufrieden gewesen. Damals hätte beispielswiese nicht jeder einen eigenen Wasseranschluss gehabt. Der Wassereimer wünsche sich nun, dass die Menschen wieder ein bisschen mehr Zeit hätten.

Rudi Erdweg aus Karken sprach über "Et Handy" und die Probleme, die Rentner mit den vielen neuen fortschrittlichen Techniken hätten. Magda Hausmanns - ebenfalls aus Karken - erzählte, wie ein Mann einen "jo-e Verjliek" (guten Vergleich) heranzog, um den Pastor zu überzeugen, dass er freitags kein Fleisch gegessen und somit nicht gesündigt habe. Unterhaltsam war die Geschichte von Uli Fischer, der erzählte, wie er als Feuerwehrmann einmal "Räenge" für einen Film "jemackt hau". Zu Gast war auch wieder Georg Wimmers vom Heimatverein Beeck mit seiner Trachtengruppe, die flotten Sprüche rund um den Flachs kamen an. Walter Bienen selbst erzählte von einem Besuch bei "Ohme Hennes".
Zum Abschluss des Abends stimmte Karl Lieck, der den Plattdeutsch-Abend lange Zeit moderierte, das Lied "Wasseberch, ech han dech jäer" an. Bereits zuvor hatte er wie in jedem Jahr ein neues Lied vorgetragen. Dieses Mal erinnerte er, begleitet von Hilde Erards an der "Treckmonika", an die St. Martins-Erfahrungen seiner Kindheit.

Quelle: RP vom 10.11.2016

Programmheft


Anekdoten über Heimat und gelebtes Leben

Beim Plattdeutsch-Abend in der Begegnungsstätte erleben die Besucher vergnügliche Stunden. Über die Stadtgrenzen hinaus. Von Johannes Bindels

Wenn ein Abend lang Geschichten „ej en Moddersproak“ erzählt werden und „D´r Arangschöer“ Walter Bienen heißt, dann ist wieder „Plattdütsch-Oavend“ in der Begegnungsstätte in Wassenberg. Mehr als 200 Gäste waren gekommen und freuten sich auf unterhaltsame Beiträge in ihrer Muttersprache, dem regionalen Plattdeutsch.

Die Freunde des Plattdeutsch sind wie die Vortragenden in die Jahre gekommen. Ein Kulturgut wird gepflegt, das gefährdet erscheint und dem der Nachwuchs fehlt.

16 Vortragende

Heimat, Lebensgefühl und gelebtes Leben spiegelten sich beim Plattdeutsch-Abend in den Anekdoten, den Erzählungen und in den in Reimform vorgetragenen Erinnerungen wider. 16 Vortragende gestalteten wieder einen vergnüglichen Abend. Die Überraschungsgäste Rudi Erdweg (Karken) mit seiner Geschichte „Jo Botter“ über die veränderte Bedeutung der Butter als Genussmittel und das Gesangsduo Heinz Schlömer und Georg Wimmers (Wegberg- Beeck) mit dem „Klompenlied“ belegten das Verbindende des heimatlichen Dialekts über die Stadtgrenzen hinaus.

Kurzweiliger Beitrag beim Plattdeutsch-Abend: Rudi Erdweg und seine Geschichte zur „Jo Botter“. Fotos (2): Johannes Bindels
Kurzweiliger Beitrag beim Plattdeutsch-Abend: Rudi Erdweg und seine Geschichte zur „Jo Botter“. Fotos (2): Johannes Bindels

Aus der Kindheit

Überraschend am Überraschungsgast Karl Bertrams (Wegberg) war lediglich, dass er diesmal im Duett mit Klaus Bürger (von de Berker Klengerstuev) die deftigen Lebensphilosophien von „Minne Papp sinne Vadder sinne Ohm“ zum Besten gab. Denn die deftige Lebensweisheit, sich mit einem kleinen Hintern nicht auf eine große Brille zu setzen, war gelebte Erfahrung des Spruchs „Schuster bleib bei deinen Leisten“.

Viele Beiträge hatten persönliche Erfahrungen als Grundlage – so auch bei Charly Deklerk (Myhl) mit seiner Geschichte „Kenn Schenkewuesch“, der Nachmitternachtswurst-Beschaffung aus der elterlichen Metzgerei, oder die der Brüder Leo Wilms und Bruno Wilms als Lausbuben in ihrer Kindheit, die mit ihrem Luftgewehr den bäuerlichen Nachbarn „Schützenhilfe“ leisteten.

Persönlicher Hintergrund: Charly Deklerk mit seiner „Wurstbeschaffungsgeschichte“.
Persönlicher Hintergrund: Charly Deklerk mit seiner „Wurstbeschaffungsgeschichte“.

Mit Uli Fischers Beitrag „so schönn, Soldat zu sinn“ wurde aus zeitlichem Abstand die eigene Grundwehrdienstzeit beleuchtet. Feingeistiger waren die Beiträge von Maria Gerards (Wildenrath) mit ihrer Geschichte von den Heiligen zu Allerheiligen und von Agnes Winkens, die in Reimform vortrug. Ebenso bewundernswert: die frei vorgetragene und selbstformulierte Ballade von Walter Windeln „Joot eate en Wasseberch“, in der er einen Stab brach für die Esskultur in Wassenberg. Mit Magda Hausmanns (Karken) „Ondank es der Welten Lohn“ und „bie der Psychiater“ kam exemplarisch zum Tragen, was gemeinhin als gesunder Menschenverstand bezeichnet wird. Und mit „jet luese Vertell“ brachte Lebensphilosoph Hans-Josef „Josch“ Kranz seine Erkenntnisse zum Besten und der Lebenswitz kam nicht zu kurz, denn wenn er „Gesichter machen könnte, hätte manch einer ein anderes“.

Zuvor hatte Walter Bienen mit seinem Beitrag „Wenn d‘r Verstank uutsätt“ von den Irrungen und Wirrungen verliebter alter Männer berichtet.

Karl Lieck und Hilde Eraerds mit der Ziehharmonika sorgten mit den Beiträgen „Vörr 70 bis 80 Joahr“ und zum Schluss mit „Wasseberch, ech han dech jäer“ für den musikalischen Rahmen.


 

Plattdeutsch-Oavend: Auf Hochdeutsch ist kein Wort zu hören

Von: Johannes Bindels

„D´r Baas van d´r Heimatverein, Sepp Becker, bejröößt de Fröng van ues Moddersproak öm sieve Uhr.“ Mit Hochdeutsch war am Plattdütsch-Oavend des Heimatvereins Wassenberg in der Begegnungsstätte am Pontorsonplatz nicht zu rechnen.

Mehr als 200 Gäste waren gekommen und freuten sich auf unterhaltsame Beiträge in ihrer Muttersprache, dem regionalen Plattdeutsch.

Sepp Becker freut sich über ein volles Haus beim Plattdeutsch-Oavend des Heimatvereins. Foto: Bindels

Walter Bienen moderierte als „Arangschöer“ den Programmablauf in den folgenden zwei Stunden. Die Überraschungsgäste Heinz Esser (Wegberg/Berg) mit seinen besinnlichen Beiträgen und Sjra Willems (Posterholt) mit deftigem Witz belegten das verbindende des heimatlichen Dialekts über Stadt- und Landesgrenzen hinaus. Das gelang im Besonderen auch dem dritten Überraschungsgast, Karl Bertram (Wegberg/Berg), mit seinem humorvollen Beitrag „Mine Papp sine Vadder sine Ü-em – Mosjö Eenürke“ (der Onkel meines Großvaters: Herr Einohr).

Eine Geschichte über ein Original mit Erlebnissen aus dem deutsch-französischen Krieg 1870/71 und der Erkenntnis, dass „Franzür´sche Päet och maach blos een Vott hant“.

Fast alle Beiträge hatten persönliche Erlebnisse als Grundlage, so auch Charly Deklerk (Heinsberg/Myhl) mit seiner Geschichte als Schützenprinz, oder die der Brüder Leo Wilms und Bruno Wilms als Lausbuben in ihrer Kindheit. Mit feinem Witz erzählte Agnes Winkens (Wassenberg) vom Leben des Apothekers, der beim Salmiakpa-stillchen-Verkauf von Schülern genarrt wurde.

Nicht selten spiegelte sich in den Beiträgen auch das Leben wider, das nicht immer einfach war und von kargeren Zeiten berichtete. „Dä Hennestall“ (der Hühnerstall) von Uli Fischer konnte erst gebaut werden, nachdem auch die Kinder mitgeholfen hatten, die Steine aus dem Schutt von Resten frei zu klopfen. Offen blieb, ob die begeisternde Geschichte von Magda Hausmann (Karken) wahr gewesen ist, dass ein Nachbar mit stinkenden Füßen sich kostenlos ein paar Schuhe beim Schuhgeschäft erschleichen konnte.

Walter Windeln (Wassenberg) begeisterte mit seinem frei gesprochenen und selbstformulierten Gedicht zur gelebten Städtefreundschaft mit Pontorson (Met et Rad noer Pontorson).

Leo (Leke) Cremer (Birgelen) erzählte von seiner Erfahrung, dass nicht jede Urlaubsreise das hält, was versprochen wurde. Und die lehrreichen Gedanken von Maria Gerards (Wildenrath) zum Thema „Dütsch es en schwoere Sproak“ endeten in der Erkenntnis, dass Fremde zwar irgendwann Hochdeutsch könnten, aber selten Plattdeutsch. Walter Bienen berichtete darüber, dass früher auch die Nachbarn in die Erziehung eingriffen. Wie sich herausstellte, war das in seinem Fall Walter Windeln gewesen, der als Wiedergutmachung die Mitarbeit bei der Baumpflege herbeiführte.

Heinrich Thissen (Birgelen) berichtete ebenso „Uut oss Kengerjoere“ von Kindheitserlebnissen, bevor Karl Lieck (Wassenberg) mit seinem Wasseberch-Liedche traditionell den Programmablauf beschloss. Unter Begleitung von Herbert Gehlen (Hetzerath) am Akkordeon hatte Karl Lieck zuvor sein neues Lied „D´r Burchsteen“ unter viel Applaus vorgetragen.

Karl Lieck und Herbert Gehlen sorgten für die musikalische Untermalung der Veranstaltung. Foto: Bindels

 

Ein Höhepunkt für Mundartfreunde (Rheinische Post vom 7.11.2014)

 

 

 

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