Jahresprogramm 2018

So Aug 19 @14:00 -
Führung ab Roßtor
Fr Aug 24 @14:00 -
Führung ab Roßtor
Mi Sep 05 @13:30 -
Radwanderfahrt

Veranstaltungen in Wassenberg
August 2018
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Sänger: Karl Lieck

Einladung

Wassenberg im Wandel von 120 Jahren

Der Heimatverein Wassenberg wird 120 Jahre alt. Vor dem Jubiläumsfest im Oktober startet er bereits mit einer Wechselausstellung zur Stadtgeschichte während dieser Zeit, die mehrfach mit anderen Themen erneuert wird. Von Philipp Schaffranek

Nein, das 120-Jährige ist noch nicht vollendet. "Das kommt noch", sagte Sepp Becker, Vorsitzender des Wassenberger Heimatvereins. Erst am 23. Oktober wird der Heimatverein 120 Jahre alt. Das Jubiläum rückt aber immer näher: Im gut besuchten Bergfried eröffnete der Heimatverein nun eine Ausstellung, die zeigt, wie sich Wassenberg seit Gründung des Vereins, damals noch als Verschönerungsverein, verändert hat.

"In diesen 120 Jahren ist unheimlich viel passiert. Viele Gebäude sind gebaut worden. Und: Wassenberg ist schöner geworden", sagt Becker. Der Heimatverein Wassenberg habe maßgeblich dazu beigetragen, dass die Stadt heute schöne Parkanlagen habe und Kurstadt gewesen sei.

Sepp Becker FOTO: Knappe (Archiv)
Sepp Becker FOTO: Knappe (Archiv)

Eigentlich war die Ausstellungseröffnung erst für Anfang September geplant. Doch dann wären die Räume des Bergfrieds über den Sommer hinweg leer geblieben. Kurzerhand zog der Heimatverein den Beginn der Jubiläumsausstellung vor. Bürgermeister Manfred Winkens freute sich, dass "wiedermal eine Ausstellungseröffnung im Bergfried" stattfand. Meist sei der Heimatverein Organisator und bringe so Leben in die Räumlichkeiten. Jetzt sei es der Heimatverein selbst, der ausstellt. "Immer ist etwas los hier, das haben wir dem Heimatverein zu verdanken", sagte Manfred Winkens.

Hinter der Ausstellung steckt ein besonderes Konzept. Sie dauert bis Anfang 2018 und soll bis dahin mehrfach das Thema wechseln. "So wollen wir immer wieder 120 Jahre Wassenberg zeigen", sagte Sepp Becker. Aktuell werden Straßen, Gebäude und Parkanlagen im Verlauf der vergangenen 120 Jahre gezeigt. Weitere Themenschwerpunkte sind das Gewerbe, die Kirchen und Wegekreuze, sowie Wassenberg zu Kriegszeiten. Der Blick richtet sich dabei nicht nur auf die Kernstadt, auch die Außenorte sollen gezeigt werden.

Besucher schauen sich im Wassenberger Bergfried historische Fotos aus den vergangenen 120 Jahren an. FOTO: RUTH KLAPPROTH
Besucher schauen sich im Wassenberger Bergfried historische Fotos aus den vergangenen 120 Jahren an. FOTO: RUTH KLAPPROTH

Die Bilder, die zurzeit ausgestellt sind, zeigen den alten Bahnhof um 1919. 61 Jahre später wurde er stillgelegt. Der Mühlenweiher von Birgelen im Jahr 1951 ist ebenfalls zu betrachten, wie eine Straßenszene an der Dorfpumpe in Luchtenberg im Jahr 1917. Weitere Fotografien und Zeichnungen aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zeigen die Roermonder Straße mit der "Villa Nina" und der "Arzt-Villa" oder die Alte Hauptstraße (heute Graf-Gerhard-Straße) mit Maibaum, dem Gasthof Post, Jaates, dem Forckenbeck-Haus und "Alt Wassenberg". Die Schule in Effeld ist ebenfalls ausgestellt, wie auch die Wallfahrtskirche in Ophoven. Neuere Bilder zeigen den Wassenberger Bergfried, Küstersgarten, das Roßtor und die Burg prächtig illuminiert bei Nacht.

Auf eines wollte der Wassenberger Heimatverein ebenfalls nicht verzichten: Es gibt viele archäologische Funde, die zeigen, dass Wassenberg deutlich älter ist als 120 Jahre. In Vitrinen werden Scherben aus dem Mittelalter und aus römischen Zeiten ausgestellt. Aus dem 13. Jahrhundert stammt ein abgedrucktes Stadtsiegel.

Quelle: RP vom 18.7.2017

INFORMATIONEN
Jeden zweiten Sonntag geöffnet

Öffnungszeiten
Die Ausstellung über Wassenberg in den vergangenen 120 Jahren kann jeden zweiten Sonntag im Monat von 14 bis 16 Uhr besucht werden. Mitglieder des Heimatvereins sind anwesend und geben Informationen zu den einzelnen Bildern.

Team
Erarbeitet haben die Ausstellung mehrere Mitglieder aus dem Arbeitskreis Geschichte des Heimatvereins: Johan Gielen, Hans-Josef Jansen, Bernd Serode, Oliver Hermanns, Peter Hermanns, Franz-Josef Breuer und Sepp Becker.


Bilder zeigen den Wandel Wassenbergs

Der Heimatverein präsentiert anlässlich seines 120-jährigen Bestehens eine Ausstellung, die sich immer wieder verändern soll.Von Nick Kaspers

Im Rahmen einer Reihe von Veranstaltungen hatte der Heimatverein Wassenberg zur Eröffnung einer Ausstellung anlässlich seines 120-jährigen Bestehens eingeladen. Dazu waren ebenfalls einige Ehrengäste eingeladen, allen voran Bürgermeister Manfred Winkens. Die Begrüßung der zahlreichen Gäste im Wassenberger Bergfried übernahm Winkens. Neben vielen Ehrengästen waren ebenfalls Vertreter der Heimatvereine Schafhausen, Niederkrüchten und Wegberg anwesend, um die Ausstellungseröffnung mitzuerleben.

Gewerbe, Kirchen, Krieg

„Der Heimatverein hat immer dafür gesorgt, dass Leben in den Bergfried kommt“, hob Bürgermeister Winkens hervor. Neben einer Optimierung des neu angelegten Lifts hofft auch er auf eine Neueröffnung des Restaurants in der Burg, da der Heimatverein eng mit dem neuen Besitzer zusammenarbeite. „Immer ist hier was los – das verdanken wir dem Heimatverein“, unterstrich Winkens abschließend.

Anschließend übernahm Sepp Becker, Vorsitzender des Heimatvereins, die Eröffnung. Er kündigte zunächst einige Veranstaltungen des Vereins an, die im Laufe des Jahres in einer Reihe bezüglich des 120-jährigen Bestehens stattfinden sollen. Dabei soll die Ausstellung stets geöffnet sein und sich mehrmals verändern, um weitere Themen wie Gewerbe, Kirchen und den Krieg in Wassenberg anzusprechen. Im Anschluss erklärte Sepp Becker die Geschichte Wassenbergs und des Vereins, der am 23. Oktober 1897 als „Verschönerungsverein“ gegründet worden war und sich mit den Schwerpunkten Brauchtum, Denkmal- und Naturschutz sowie der Geschichte Wassenbergs befasst. „Vor 120 Jahren gab es noch nicht die Oberstadt und den Bahnhof“, sagte Becker. Seitdem sei „unheimlich viel passiert“. „Wassenberg ist schöner geworden“, so Becker, woran der Heimatverein maßgeblich beteiligt sei.

Die Bilder der Ausstellung befassen sich mit dem Wandel Wassenbergs in den vergangenen 120 Jahren und sprechen dabei viele verschiedene Perspektiven an. Die gesamte Ausstellung sei dabei vor allem durch den Arbeitskreis „Geschichte“ des Vereins entstanden, so Sepp Becker. Namentlich hob er hierbei die Arbeit von Johan Gielen, Hans Josef Jansen, Bernd Serode, Oliver Hermanns und Peter Hermanns hervor, die sich nicht nur um die Ausstellung, sondern auch um die Homepage und die Wegzeichen gekümmert haben. „Ich bin froh, solche Leute zu haben“, sagte er. Zusätzlich erwähnte er, dass die sich über zwei Etagen erstreckende Ausstellung noch durch das Buch Franz Josef Breuers ergänzt werden soll.

Viel Engagement in die Vorbereitung der Ausstellung gesteckt: Der Vorsitzende Sepp Becker (Mitte) bedankt sich beim Arbeitskreis „Geschichte“, bestehend aus Peter Hermanns, Hans Josef Jansen, Oliver Hermanns, Johan Gielen und Bernd Serode. Foto: Nick Kaspers
Viel Engagement in die Vorbereitung der Ausstellung gesteckt: Der Vorsitzende Sepp Becker (Mitte) bedankt sich beim Arbeitskreis „Geschichte“, bestehend aus Peter Hermanns, Hans Josef Jansen, Oliver Hermanns, Johan Gielen und Bernd Serode. Foto: Nick Kaspers

Auch Hans Josef Heuter, Geschäftsführer des Heimatvereins Schafhausen, lobte den Wassenberger Heimatverein sowie dessen „gute Zusammenarbeit“. Er wolle die Heimatvereine des Kreises Heinsberg „kompatibel machen“ sowie dessen Archive „hervorheben und für jeden transparent machen“, da sie sonst oft verschwinden würden.

Nach der Eröffnung hatten die Besucher noch reichlich Zeit, sich die Bilder, den Bilder-Film und die römischen Funde anzusehen. Dabei standen die Vertreter des Heimatvereins für alle Fragen offen.

HVZ vom 19.7.2017

 


Impressionen von der Ausstellung

Fotos: BeSe


Einladung

Becker: „Wir sind die Perle des Rurtals“

Ausstellung im Bergfried zeigt Exponate zur Geschichte des „Luftkurortes Wassenberg“ und der „Gewerbe in Wassenberg“. Von Johannes Bindels

Die Stadt Wassenberg und der Heimatverein Wassenberg ziehen an einem Strang – wenn es um die Steigerung der Attraktivität der Lebensqualität in der Stadt geht. Bürgermeister Manfred Winkens (CDU) und der Vorsitzende des Heimatvereins Wassenberg, Sepp Becker, eröffneten eine interessante Ausstellung im Bergfried zur Geschichte des „Luftkurortes Wassenberg“ und der „Gewerbe in Wassenberg“.

Volkszeitung aus dem Jahr 1901

„Wassenberg war damals schon schön“, lautete einer der einleitenden Sätze von Sepp Becker. Und in diesem Satz ist intendiert, dass es auch heute noch so sei. Seit 120 Jahren besteht der Heimatverein, 1897 gegründet von Bürgern, unter ihnen eine Reihe von Gewerbetreibenden und ansässigen Unternehmern. Zunächst agierte der Verein als „Stadt-Verschönerungsverein“, aus dem sich dann über den „Verkehrs- und Verschönerungsverein“ der Heimatverein mit seinen geschichtlichen Bezügen entwickelte.

Auf einer Infotafel wird aus der Ausgabe 59, Jahrgang 1901, der Heinsberger Volkszeitung zitiert: Wassenberg wird statistisch aufgelistet mit 1050 Einwohner, unter anderem mit einer mechanischen Seidenweberei mit 350 Arbeitern, drei Ziegeleien mit einem Ringofen und 60 Mitarbeitern, einem Forstkulturbetrieb mit 24 Mitarbeitern, acht bedeutenden Viehhandlungen und als Luftkurort mit Fremdenbesuchen von rund 12 000 Gästen pro Jahr.

Der Anspruch, eine schöne Stadt zu sein, sei mit der Absicht verbunden gewesen, damit zu werben, betonte Becker. Wenn ein Ort attraktive Plätze und Parkanlagen vorweisen konnte, dann durfte er sich „Luftkurort“ nennen, erläuterte Becker in seiner Einführung. Gemalte Ansichten der Stadt von Jean Grothe, der zur Düsseldorfer Schule gehörte, einer Gruppe von Malern, die im 19. Jahrhundert an der Düsseldorfer Kunstakademie ausgebildet worden war, wurden als kolorierte Postkarten vertrieben, informierte Becker. Vergrößerungen dieser vor dem ersten Weltkrieg entstandenen Postkarten sind Bestandteil der Ausstellung. „Kolorierte Postkarten waren damals eine Seltenheit“, stellte der Vorsitzende heraus. Was früher schön war, sei auch heute noch schön, lautete das Fazit von Sepp Becker. Er fasste seine Einschätzung in dem Slogan zusammen: „Wir sind die Perle des Rurtals“.

Manfred Winkens (l.) und Sepp Becker im Gespräch über das Werbemittel „kolorierte Postkarten“ aus der Zeit vor dem ersten Weltkrieg zum Thema „Luftkurort Wassenberg“ im Bergfried.
Manfred Winkens (l.) und Sepp Becker im Gespräch über das Werbemittel „kolorierte Postkarten“ aus der Zeit vor dem ersten Weltkrieg zum Thema „Luftkurort Wassenberg“ im Bergfried.

Weiterer Schwerpunkt

Ein weiterer Schwerpunkt der Ausstellungsschau im Rahmen des 120-jährigen Bestehens des Heimatvereins ist dem Thema „Gewerbe in Wassenberg“ gewidmet. Von der Seidenweberei Krahnen & Gobbers über die Bong‘schen Mahlwerke Rosenthal, Familienunternehmen wie Wwe. Jakob Flesch (Kinotheater-Betreiber), Heinrich Essers Seidenweberei bis hin zu den heutigen Wassenberger Werkstätten und der Rollendruckerei Kraft-Schlötels schlug Sepp Becker einen Bogen mit den exemplarisch benannten Firmen und erwähnte die wechselvolle Geschichte dieser Unternehmen in den vergangenen 120 Jahren. Auf zwei Etagen im Bergfried waren zu diesem Themenschwerpunkt Fotografien ausgestellt. Auf Stellwänden ausgestellt hatte Heimatforscher Franz-Josef Breuer Fotos und Texte zu den Bong‘schen Mahlwerken Rosenthal.

Interessante Details: Heimatforscher und Ehrenbürger Franz-Josef Breuer erläutert anhand seiner umfangreichen Foto- und Textsammlung die geschichtliche Entwicklung von Unternehmen wie den Bong‘schen Mahlwerken Rosenthal. Fotos: Johannes Bindels
Interessante Details: Heimatforscher und Ehrenbürger Franz-Josef Breuer erläutert anhand seiner umfangreichen Foto- und Textsammlung die geschichtliche Entwicklung von Unternehmen wie den Bong‘schen Mahlwerken Rosenthal. Fotos: Johannes Bindels

Auf den drei Etagen der Ausstellung machten sich viele Besucher vertraut mit bekannten und unbekannten Fakten und kamen miteinander ins Gespräch. Zuvor hatte Winkens allen Beteiligten für das große Engagement und ihren Einsatz im Namen der Verwaltung und des Rates gedankt.

HVZ vom 10.10.2017


 

Die Hüter der Luftkurort-Historie

Mit einem ökumenischen Gottesdienst in der Kreuzkirche und einem Festakt in der Betty-Reis-Gesamtschule feiert der Heimatverein Wassenberg am 4. November sein 120-jähriges Bestehen. Ursprung war der Verschönerungsverein 1897. Von Gabi Laue

Die Honoratioren der Stadt im Verschönerungsverein müssen ab 1897 gute Grundlagen gelegt haben: "Wir wussten ja gar nicht, wie schön Wassenberg ist", loben auswärtige Besucher heute oft bei den Stadtführungen. Um Attraktivität und Historie kümmert sich der Heimatverein Wassenberg, der am 4. November Jubiläum feiert.

Aktuell hat der Wassenberger Heimatvereine eine Ausstellung im Bergfried eröffnet, deren Kern sie sowohl historischen als auch aktuellen Themen
Aktuell hat der Wassenberger Heimatvereine eine Ausstellung im Bergfried eröffnet, deren Kern sie sowohl historischen als auch aktuellen Themen "Luftkurort" und "Gewerbe in Wassenberg" bilden den. FOTO: Jürgen Laaser

Die Geschichte des Heimatvereins und sein Festprogramm zum 120-Jährigen stellte der Vorstand im Rathaus vor. Drei Veranstaltungen hat es bereits im Vorfeld gegeben, darunter ein regionaler Plattdütsch-Abend mit sechs Vereinen - die Mundartreihe wird fortgesetzt. 1897 hoben Honoratioren der Stadt, Gastronomen, Geschäftsleute und Notare den Verschönerungsverein aus der Taufe. An das Ziel erinnerte Vorsitzender Sepp Becker: "Wassenberg wollte Luftkurort werden, damals ein Titel, der nicht genehmigt werden musste." Postkarten nach 1900 trugen die Bezeichnung schon, offiziell wurde der Titel im Jahr 1935 zuerkannt. "Damals gab es die Trinkerheilanstalt für Frauen, die erste in Deutschland", erzählte Becker. Es gab eine Kurhalle und ein Theater, bis 1960 verwendeten Unternehmen einen Freistempler "Kur- und Seidenstadt". Bald wurde der Vereinsname erweitert auf Verschönerungs- und Verkehrsverein, denn mit der Bahn kamen nun mehr Gäste. Nach dem Zweiten Weltkrieg war's allerdings vorbei mit Ruhe und Besinnlichkeit, der RAF-Fliegerhorst Wildenrath brachte gehörig Lärm über die Stadt. Sepp Becker und Walter Bienen, die beiden Stadtführer, hören aber bis heute Geschichten, wie Mönchengladbacher Familien nach Wassenberg zur Sommerfrische reisten: "Sonntags fuhren wir mit den Eltern immer nach Wassenberg in den Wald."

Als 500. Mitglied des Heimatvereins Wassenberg begrüßten Rechnungsführerin Agnes Basten (l.) und Geschäftsführerin Waltraud Kurth (r.) Ute Breuer aus Birgelen - mit
Als 500. Mitglied des Heimatvereins Wassenberg begrüßten Rechnungsführerin Agnes Basten (l.) und Geschäftsführerin Waltraud Kurth (r.) Ute Breuer aus Birgelen - mit "Roerdaler Dubbel"-Bier und Koffie-Likör. FOTO: GABI LAUE

Heimatverein und Stadtverwaltung arbeiten seit Jahrzehnten Hand in Hand. Internationalität brachte der Deutsch-Englische Club, heute werden rege Kontakte zur Heemkundeverenigung Roerstreek gepflegt. 60 bis 70 neue Mitglieder pro Jahr verzeichnet Rechnungsführerin Waltraud Kurth. Als 500. Mitglied wurde Ute Breuer aus Birgelen aufgenommen, kurz vor dem Jubiläum sind es schon 510. Für Kurth "Wertschätzung für die Angebote, die wir unseren Mitgliedern anbieten". Das sind Platt-Abende mit Walter Bienen und Wanderungen mit Hauptwanderwart Leo Stassny, Stadtführungen und Kulturhistorische Spaziergänge (über 2000 Gäste, steigende Nachfrage, mit Becker, Bienen und Therese Wasch), Radwanderungen mit Walter Brehl (seit 2004 um die 80 Touren in alle Himmelsrichtungen) und Ausstellungen im Bergfried (aktuell mit Bildern aus dem "Luftkurort" aus Parkanlagen und Gewerbe). Buchprojekte sind in Planung: Eines über das Marienhaus kündigte Bienen für das nächste Jahr an. "Dann wollen wir zusammentragen, was in der Literatur über das Judenbruch überliefert ist." Nachwuchs ist in der Archäologie-AG und bei der Homepage-Pflege aktiv. Eine Festschrift zum Jubiläum wird nicht als Heft, wohl aber im Internet verfügbar sein (www.heimatverein-wassenberg.de).

Quelle: RP vom 12.10.2017

Einladung zum Festakt

 


Begrüßung der Gäste am 4.November 2017 von Walter Bienen

Foto: Hermann-Josef Heinen
Foto: Hermann-Josef Heinen

Sehr geehrte Damen und Herren,

am 23. Oktober 2017 wurde unser Heimatverein 120 Jahre alt.

Ein runder Geburtstag ist immer ein besonderes Fest, vor allem jenseits der „ 100 “. Wer wird schon 100 Jahre alt und älter, sehen wir mal von Joopi Heesters ab. Auch Vereine tun sich schwer, ein stattliches Alter zu erreichen.

Im Namen des Vorstandes und unserer Mitglieder, die ich hier herzlich willkommen heiße, begrüße ich Sie, liebe Festgäste, auf das Allerherzlichste.

Besonders begrüßen möchte ich unseren Schirmherrn, den Landrat des Kreises Heinsberg, Herrn Stephan Pusch,
den Bundestagsabgeordneten Herrn Wilfried Oellers,
den Landtagsabgeordneten Herrn Thomas Schnelle und die Damen und Herren des Kreistages.

Ich begrüße unseren Bürgermeister Herrn Manfred Winkens und die anwesenden Damen und Herren Stadtverordneten des Wassenberger Rates sowie die Ortsvorsteher aus den einzelnen Stadtteilen und die Vertreterinnen und Vertreter der hiesigen Stadtverwaltung.

Außerdem begrüße ich Herrn Franz-Josef Breuer, Ehrenbürger der Stadt Wassenberg.

Ich begrüße Frau Dr. Karin Hilgers, die Leiterin der Betty-Reis- Gesamtschule und weitere Mitglieder der Schulleitung.

Ich heiße die Vertreterinnen und Vertreter der Glaubensgemeinschaften unserer Stadt Frau Pfarrerin Sabine Frauenhoff von der evangelischen Kirchengemeinde und Herrn Propst Thomas Wieners von der katholischen Kirchengemeinde St. Marien sowie die Vertreter der Islamischen Gemeinde herzlich willkommen.

Ich freue mich über die Anwesenheit des ehemaligen Oberkreisdirektors Herrn Dr. Thönnissen mit Gattin und des Oberkirchenrates Klaus Eberl ebenfalls mit Gattin. Begrüßen darf ich auch Herrn Steinwartz von der Volksbank Wassenberg.

Ich begrüße die Vertreter aller befreundeten Heimatvereine. Da möchte ich an erster Stelle „de Heemkundvereniging Roerstreek“ aus der Gemeinde Roerdalen nennen. Mit diesem Verein sind wir nun schon seit 50 Jahren freundschaftlich verbunden. De Heemkundevereniging hat in diesem Jahr ihr 50-Jähriges gefeiert. Dazu meinen herzlichen Glückwunsch en
Hartelijk Welkom.

Dass unsere freundschaftliche Verbundenheit zu den Heimatvereinen um uns herum nicht nur auf dem Papier steht, zeigt die Anwesenheit ihrer zahlreichen Vertreter.

Ich begrüße den Heimatverein der Erkelenzer Lande, die Heimatvereine Wegberg-Beeck und Schafhausen, den Heimat- und Kulturverein Niederkrüchten, den Historischen Verein Wegberg, den Heimatverein der Heinsberger Lande, den Heimatring Myhl-Altmyhl und den Klengerclub Elmpt.

Darüber hinaus begrüße ich Herrn Leo Reyrink vom Naturpark-Maas-Schwalm-Nette.

Ferner begrüße ich die Vertreter des Gewerbevereins, des Kulturfördervereins, des Partnerschaftskomitees, der KAB Wassenberg-Myhl des NABU – NRW und der NABU – Naturstation Haus Wildenrath.

Ganz besonders begrüße ich die Mitglieder des Männergesangsvereins Wassenberg sowie die Mitglieder des Quartettvereins Myhl.

Außerdem begrüße ich die Vertreter der KG Kongo Wassenberg, des Fußballclubs Wassenberg/Orsbeck sowie der Briefmarkenfreunde Birgelen.

Ich begrüße ganz herzlich die Vertreter Wassenberger Firmen als da sind: die Firma Litzenberger, Metallbau, die Firma „gold – fire“ Flesch sowie die Firma Heinrich Essers.

Und schließlich heiße ich die Damen und Herren von der Presse herzlich willkommen.

Begrüßen Sie nun mit mir unseren Vorsitzenden Sepp Becker, der uns die 120-jährige Geschichte des Heimatvereins Wassenberg näher bringen wird – und das natürlich in einem Super-Zeitraffer.

Meine Damen und Herren, ich bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit.

 

Foto: Hermann-Josef Heinen
Quartettverein Myhl.                                                                                      Foto: Hermann-Josef Heinen

Rede des Vorsitzenden des Heimatvereins Wassenberg, Herrn Sepp Becker, anlässlich des Festaktes zum 120 jährigen Bestehen des Vereins am 4.11.2017

Foto: Hermann-Josef Heinen
Foto: Hermann-Josef Heinen

Sehr geehrte Gäste des Heimatvereins,

Im Programm lesen Sie, dass ich die Geschichte des Heimatvereins darstellen werde. Sie haben gehört: es wird im Zeitraffer geschehen. Wenn Ihnen dies zu kurz ist, verweise ich Sie gerne auf unsere Homepage. Dort finden Sie auch unsere Festschrift und werden ausführlich informiert.
In dieser Rede werde ich nur ganz wenige Namen nennen. Das liegt daran, dass ich eigentlich so viele nennen müsste, dass es den Rahmen sprengen würde.

Im Jahr 1897, also vor 120 Jahren, in der Kaiserzeit, wurde der Heimatverein Wassenberg als „Verschönerungsverein“ von 58 Mitgliedern gegründet. Alle herausragenden Bürger der Stadt waren dabei, jedoch auch sog. „einfache Leute“.

Wie sah Wassenberg zu dieser Zeit aus?
Elektrisches Licht, Autos, Telefon….

1897 beschrieb der Wassenberger Notar und Mitbegründer des Verschönerungsvereins, Wilhelm Weisweiler, die herrliche Natur, die Landschaft, die historischen und die damals neuen Gebäude von Wassenberg – es liest sich wie eine Liebeserklärung an seine Heimatstadt.

Das Judenbruch war bereits in eine abwechslungsreiche Parklandschaft umgewandelt und zu einem Besuchermagnet für Menschen aus nah und fern geworden.
Mit Nikolaus Beckers, einem Gründungsmitglied des heutigen Heimatvereins, hatte Wassenberg einen jungen, dynamischen Bürgermeister.
Das Marienhaus wurde errichtet und die Vinzentinerinnen nahmen ihre segensreiche Tätigkeit auf.
Krahnen & Gobbers hatten ihr erstes Werk errichtet, das zweite ging 1904 in der Oberstadt in Betrieb. Damit hielt auch in Wassenberg die Frühindustrialisierung Einzug, viele Arbeitsplätze entstanden.

Vorrangiges Anliegen des neu gegründeten Vereins war es, sich um die Verschönerung des Ortes zu kümmern und die Attraktivität Wassenbergs noch zu steigern. 1912 wurden die ersten Wanderwege in Wassenberg und Umgebung bis nach Dalheim markiert. Wassenberg wurde ans Bahnnetz angeschlossen und der Fremdenverkehr erlebte eine Blüte. Bereits in der Kaiserzeit nannte sich Wassenberg Luftkurort und verstand sich als „Perle des Rurtals“.
Auf der Höhe des Waldfriedhofes entstand ein Musikpavillon. Der Verschönerungsverein editierte Ansichtskarten mit Wassenberger Motiven des Malers Jean Grothe, der Mitglied des Vereins war.

Nach dem ersten Weltkrieg wurden bereits 1921 die Aktivitäten wieder aufgenommen. In den zwanziger und dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts entwickelte Wassenberg sein Image als „Luftkurort“ weiter. Eine Jugendherberge entstand, Wanderwege wurden ausgebaut und beschildert. Der Gondelweiher und das erste Freibad im alten Kreis Heinsberg wurden bereits 1927 eröffnet; vor der Stadtmauer entstanden die Parkanlagen. Der Rosengarten wurde 1935 angelegt. In Alt Holland wurde getanzt, das Kurtheater und die Freilichtbühne sorgten für Zerstreuung und für die sportliche Betätigung entstand eine Tennisanlage.

In den 1930er Jahren durfte die Bezeichnung „Luftkurort“ nur noch geführt werden, wenn dazu eine Genehmigung vorlag. Die Verwaltung und der Verschönerungsverein, „die beide unter einer Leitung stehen“ (HVZ im Dezember 1935), stellten den Antrag, den Titel wieder führen zu dürfen. 1935 wurde diese Genehmigung erteilt.

Der Verkehrs- und Verschönerungsverein – so nannte er sich bereits - arbeitete auch zu Beginn des 2. Weltkriegs beständig weiter. In einer Informationsschrift für Soldaten von 1940 hieß es, es sei „natürlich nicht möglich, heute große Pläne zu verwirklichen. Trotzdem soll aber die Arbeit nicht ruhen: es gilt vor allen Dingen, das Geschaffene zu erhalten und zu pflegen.“
Das gelang nicht: Wassenberg wurde in einem beträchtlichen Maß durch Kriegseinwirkungen zerstört. Auch die meisten Unterlagen des Vereins wurden mit der Zerstörung des Rathauses vernichtet.

Die Menschen kehrten aus der Evakuierung zurück; die alltägliche Sorge galt den Grundbedürfnissen wie Essen, Kleidung und Wohnen. Erst langsam normalisierte sich das gesellschaftliche Leben.
Bereits 1947 war der Verkehrs- und Verschönerungsverein durch Amtsdirektor Friedrich Bell wiederbelebt worden. Auf Friedrich Bell folgte Heinrich Buckmann als Vorsitzender, der auch Bürgermeister von Wassenberg wurde. Es zeigt die Bedeutung des Vereins, dass ihm in dieser schwierigen Nachkriegszeit zunächst der Chef der Verwaltung und dann der Bürgermeister persönlich vorstanden. Die städtebaulichen Schwerpunkte lagen jetzt auf dem Neubau der Brücken über die Bahnlinie und dem Anschluss an den Bahn- und Busverkehr.

Ein neues Aufgabengebiet war die Unterstützung von Kulturveranstaltungen, z.B. wurden Theaterveranstaltungen nach Wassenberg geholt.
Der Verein engagierte sich für die Restauration der Stadtmauer und der Baudenkmäler, er organisierte Wanderungen und zeichnete Wanderwege neu aus.
Die drei nachfolgenden Vorsitzenden, Dr. Jakob Broich, Ludwig Essers und Karl-Heinz Geiser, haben mehr als 50 Jahre lang den Heimatverein gelenkt. Sie haben ihn von einem Verein, der vorwiegend Gelder einsammelte und die Stadt bei ihren Projekten unterstützte
zu einem Verein gemacht, der mit eigenen Projekten, an Mitgliedern orientiert, für Wassenberg arbeitete.
1954 wurde unter der Leitung von Jakob Broich der Vereinsname geändert: Er hieß fortan „Heimat-, Verkehrs- und Verschönerungsverein“.
Ein Schwerpunkt seiner Tätigkeit war die Erforschung der Wassenberger Geschichte.
Seine Liebe zur Heimat wurde ergänzt durch seinen Blick für die Internationalität. In der Entstehungszeit der Heemkundevereiniging Roerstreek setzte sich für die grenzüberschreitende Zusammenarbeit ein, die später von seinen Nachfolgern genauso engagiert fortgesetzt wurde. Unter Beteiligung des Heimatvereins wurde auch der Deutsch-Englische Club gegründet, dessen erster Präsident Jakob Broich wurde.

"Ich liebe unsere kleine Stadt, von der ich gelegentlich gerne sage, dass sie für mich die schönste am Niederrhein ist. Ich liebe das Land an der Rur, und vor allem liebe ich die Menschen, die hier leben". Hinter diesen einfachen, von Herzen kommenden Worten stand die ganze Motivation Ludwig Essers als Vorsitzendem des Heimatvereins von 1970 bis 1990 – und von vielen, die ehrenamtlich im Verein tätig waren und sind.

Essers arbeitete eng mit dem Verein Niederrhein und dem „Naturpark Schwalm-Nette“ zusammen, zu dessen Gründung auf der Burg Wassenberg im Jahre 1965 er und Willi von der Beek maßgeblich beigetragen hatten. Nach der Einbeziehung des niederländischen Grenzbereiches arbeitete er genauso eng mit dem "Naturpark Maas-Schwalm-Nette" zusammen. Es wurden Schutzhütten an markanten Stellen im Wald errichtet, Wanderwegetafeln an den Ausgangspunkten installiert und Parkplätze am Rande der Wandergebiete angelegt.

Zu seinem Wirkungsbereich gehörten u.a. heimat- und geschichtskundliche Vorträge, Exkursionen, Wander- und Kulturfahrten. Zudem war er Mitbegründer und jahrelanger Vorsitzender der „Volkskundlichen Arbeitsgemeinschaft im Kreis Heinsberg“.
In seiner Amtszeit wurde der Vereinsname gekürzt: aus „Heimat-, Verkehrs- und Verschönerungsverein“ wurde der „Heimatverein Wassenberg“.

Auf Ludwig Essers folgte 1990 Karl-Heinz Geiser, der die Arbeit seiner Vorgänger kontinuierlich fortsetzte.

Einen besonderen Schwerpunkt seiner Arbeit setzte er mit der Anbringung von Schildern, Reliefs und Denkmalen, oft in Zusammenarbeit mit anderen Vereinen. Die Marktsäule in Zusammenarbeit mit Hanns Heidemanns anlässlich seiner Ehrenbürgerschaft ist eines vielen sichtbaren Zeichen seines Wirkens. Ein weiteres ist weithin sichtbar: in der Advents- und Weihnachtszeit leuchtet auf dem Bergfried ein Tannenbaum aus Stahl.
Neben seinem Einsatz für die Erinnerung an die jüdische Gemeinde Wassenbergs ist sein Engagement für das Kloster Sankt Ludwig in Erinnerung.
All das konnte nur über Spenden finanziert werden. Mehr als 150.000 DM kamen in seiner Amtszeit zusammen. Davon profitierte nicht zuletzt auch der Roßtorplatz, wo Brunnen und Tierfiguren den Platz verschönern.
Karl-Heinz Geiser wurde 2007 Ehrenvorsitzender, als ich den Vorsitz übernahm.

Die Schwerpunkte des Vereins haben sich mit der Zeit verändert, die vielfältigen Aufgaben sind geblieben. Die Verschönerung der Stadt ist seit der Gründung eine wichtige Aufgabe. Heute erfreuen wir uns an der Schönheit der Parkanlagen und der Wälder, an den mit Blumen bewachsenen Kreisverkehren und an den Blumenampeln.
Auch als die Stadt Wassenberg sich beim Wettbewerb „ontont floral“ bewarb, brachte sich der Heimatverein beide Male engagiert ein.
Die Geschichte unserer Stadt bekannt zu machen und bewusst zu halten, ist unserem Verein ein Anliegen. So wurde der historische Altstadtrundweg mit seinen Tafeln und Flyern vom Heimatverein konzipiert. Die enorme Zunahme der Stadtführungen zeigt, dass Wassenberg in den letzten Jahren deutlich attraktiver geworden ist.

In der Stadt werden die Besucher auf die Stadtgeschichte hingewiesen. Denkmale wie der Weber, der Bergmann, die Untertageloks, der Münzer, der Blidenstein, der Kamin im Bergfried und die Tafeln vor und auf dem Bergfried erfüllen diese Aufgabe.
Auf ein dunkleres Kapitel der Stadtgeschichte weist die Gedenkstätte am Standort der ehemaligen jüdischen Synagoge hin, entstanden in Zusammenarbeit der Arbeitsgemeinschaft Jüdisches Leben in Wassenberg mit der Stadt und der Betty-Reis-Gesamtschule.

Heimatliteratur entsteht und wird gefördert, Wassenberg-Kalender werden herausgegeben, kulturhistorische Spaziergänge werden durchgeführt und geschichtliche Vorträge angeboten.
Der Heimatverein unterstützt die Arbeit des Stadt- und des Kirchenarchivs, daneben unterhält er selbst ein umfangreiches Heimatarchiv. Archive sind das Langzeitgedächtnis einer Stadt, und der Heimatverein versteht sich als zuständig für die Erinnerung. Er gestaltet daher auch mit der Stadt den jährlichen „Tag des offenen Denkmals“.

Der Bergfried ist ein Besuchermagnet für Menschen von nah und fern. Unser Verein fühlt sich für die Betreuung der Besucher besonders verantwortlich, er organisiert darüber hinaus mit seinem Arbeitskreis Geschichte regelmäßig Ausstellungen. In Vitrinen werden archäologische Fundstücke aus Wassenberg gezeigt, und auch das erste Kaminkonzert erfreute sich großen Zuspruchs.

Mit Unterstützung des Heimatvereins wurde das Leo-Küppers-Haus eingerichtet. Es informiert über den bedeutendsten Wassenberger Maler (1880-1946). Ein Teil seiner Werke ist dort ausgestellt.

Zu unserer Heimat gehört auch unsere wunderschöne Landschaft und Natur. Die monatlichen Wanderungen und die Radwanderungen im Sommer lassen die Teilnehmer dies erleben. Grünkohl und Glühwein sowie der Nikolaus sind Anlässe für besondere Wanderungen. Cafes in der weiteren Umgebung freuen sich seit 25 Jahren über unsere Radwanderer.
Seit mehr als 50 Jahren findet jährlich am 1. Mai eine gut besuchte vogelkundliche Wanderung statt, die von Willi von der Beek begründet und von seinen Kindern fortgeführt wird.
Inzwischen kann man an vielen Bäumen im Judenbruch und in den Parkanlagen wieder ihre Bezeichnungen finden, dem Arbeitskreis Baumbeschilderung sei Dank.
Ein weiterer fester Höhepunkt des Programms ist der jährlich stattfindende Plattdütsch-Oavend. Unserer Mundart fühlen wir uns sehr verbunden. So fand der regionale Mundartabend in diesem Jahr in Wassenberg statt.
Kulturelle Fahrten und auch Wanderfahrten sind seit Jahrzehnten Bestandteil des Programms des Heimatvereins.

Durch all seine Aktivitäten möchte der Verein die Verbundenheit der Menschen mit Wassenberg und das Gemeinschaftsgefühl stärken. Damit setzt er in unserer schnelllebigen Zeit, die auf Mobilität setzt, ein Zeichen für den Faktor Heimat und gibt der Sehnsucht der Menschen nach Stabilität ein Zuhause. Dabei hat er nicht zuletzt die Kinder und Jugendlichen im Blick, wie die zahlreichen Stadtführungen für Kindergärten und Schulen belegen.

Bei der Gründung des Vereins war nicht der Gedanke: „Was kann die Stadt für mich/für uns tun?“, sondern es ging um die Frage: „Was können wir, was kann ich für die Stadt tun, damit sie schöner und attraktiver wird?“ Dies ist heute noch die Grundsatzfrage des Heimatvereins.

Wir freuen uns über die Akzeptanz unseres Vereins – mehr als 500 Mitglieder, das ist eine stolze Zahl.
Vielen Dank!


120 Jahre Heimatverein - Rede des Bürgermeisters am 4. November 2017

Foto: Hermann-Josef Heinen
Foto: Hermann-Josef Heinen

Der Heimatverein Wassenberg feiert heute sein 120-jähriges Bestehen. Zu diesem herausragenden Jubiläum gratuliere ich dem Verein persönlich und auch im Namen der Stadt Wassenberg ganz herzlich. In diesen 120 Jahren war der Verein zu jeder Zeit für die Stadt Wassenberg von großer Bedeutung.

Bei seiner Gründung im Jahr 1897 hatte es sich der Verein zum Ziel gesetzt, sich um die Verschönerung unserer Stadt zu kümmern und sie für den Fremdenverkehr attraktiver zu machen. Dieses Ziel hat der Verein in der gesamten Zeit seines Bestehens nie aus den Augen verloren, und dieses Ziel verfolgt der Verein auch heute noch und ich kann heute voller Hochachtung sagen, dass ihm das auch hervorragend gelungen ist.
Was der Heimatverein in den vergangenen 120 Jahren alles für die Stadt geleistet hat, hat der Vorsitzende eben in seinem Vortrag ausführlich und anschaulich dargestellt. Ich beschränke mich daher darauf, die Bedeutung des Vereins für unsere Stadt in der heutigen Zeit etwas näher zu betrachten.

Wenn man heute durch Wassenberg geht, sieht man die Ergebnisse der Arbeit des Heimatvereins an vielen Stellen. Viele Denkmäler, die wichtige Aspekte der Geschichte und der Entwicklung unserer Stadt veranschaulichen, verdanken wir dem Heimatverein, wie zum Beispiel das Weberdenkmal, das Bergmannsdenkmal oder das Klosterdenkmal im Judenbruch. Zahlreiche Messingtafeln und Relieftafeln informieren die/den Betrachterin/Betrachter über interessante Persönlichkeiten oder über historisch bedeutende Ereignisse in unserer Stadt, wie zum Beispiel Hinweise zum Forckenbeckhaus, zur Münze und zum Kapuzinerkloster.
Eine besondere Bedeutung haben in diesem Zusammenhang auch die jüdische Gedächtnisstätte und die Stolpersteine, die man an verschiedenen Stellen im Stadtgebiet findet.
Einen sehr schönen Überblick über die Geschichte unserer Stadt bekommt die/der Besucher/in, wenn sie/er sich anhand des historischen Altstadtrundwegs informiert. Auch dieser Rundweg mit den dazugehörenden Erläuterungen in Französisch, Englisch, Niederländisch und Deutsch verdanken wir hauptsächlich der Initiative des Heimatvereins.

Wenn man heute durch die Stadt geht, sieht man jedoch nicht nur Denkmäler und Hinweistafeln, sondern man begegnet auch fast täglich Besuchergruppen, die von unseren sachkundigen Stadtführern durch die Stadt geführt werden. Dass es sich bei den Stadtführern Sepp Becker und Walter Bienen um den ersten und zweiten Vorsitzenden des Heimatvereins handelt, wird Sie sicherlich nicht verwundern.
Besonders erwähnen möchte ich an dieser Stelle jedoch, dass der Heimatverein nicht nur Touristinnen und Touristen und Besucher/innen führt, sondern auch zahlreiche Stadtführungen für Kindergärten und Schulen unserer Stadt durchführt, um so das Interesse der Kinder und Jugendlichen für die Stadt und ihre Geschichte zu wecken.

All die Dinge, die ich bisher erwähnt habe, haben dazu geführt, dass unsere Stadt über die Zeit immer bekannter und immer beliebter geworden ist, und das immer mehr Menschen unsere Stadt besuchen.
Genau das ist das Kernziel unseres Entwicklungskonzeptes. Wir möchten gerne, dass viele Menschen unsere Stadt besuchen, und dass sie dabei viele interessante Dinge sehen und kennenlernen oder einfach nur ihre Freizeit bei uns genießen können. Wir möchten aber auch, unsere Stadt für die Bewohnerinnen und Bewohner stetig schöner und attraktiver machen. Dabei unterstützt uns der Heimatverein in hervorragender Weise und ich darf an dieser Stelle noch einmal ausdrücklich erwähnen, dass die Zusammenarbeit zwischen der Stadt Wassenberg und dem Heimatverein hervorragend funktioniert.

Eine weitere beachtenswerte Aktivität des Heimatvereins, die ebenfalls sehr gut in unser Entwicklungskonzept passt, ist das Organisieren und Durchführen von Ausstellungen zu verschiedenen Themen.
Die meisten der bisherigen Ausstellungen, die alle im Bergfried zu sehen waren, hatten etwas mit Wassenberg zu tun und Ziel der meisten Ausstellungen war es, die Schönheiten unserer Stadt aus verschiedenen Blickwinkeln zu präsentieren.
Aber auch Ausstellungen zu geschichtlichen Themen und zur industriellen Entwicklung unserer Stadt fanden großen Anklang. Die Räumlichkeiten im Bergfried eignen sich hervorragend für solche Ausstellungen und es ist unglaublich, wie viele Menschen diese Ausstellungen besuchen.

Der Bergfried ist das Wahrzeichen Wassenbergs und ich habe das Kaminzimmer schon mehrfach als „Gute Stube“ unserer Stadt bezeichnet.
Ohne den Heimatverein gäbe es aber im Kaminzimmer gar keinen Kamin. Der Heimatverein wollte den Kamin unbedingt, und er hat ihn auch bezahlt. Ohne den Heimatverein könnten auch nicht so viele Menschen den Bergfried besichtigen und die Aussicht von der Dachterrasse genießen, denn er wäre wohl die meiste Zeit verschlossen. Ohne den Heimatverein könnten sich die Besucher/innen auch auf dem Dach nicht so gut informieren und orientieren, denn die Hinweistafeln, die dort angebracht sind, sind ebenfalls ein Geschenk des Heimatvereins an die Stadt.

Der Heimatverein veröffentlicht Literatur zur Heimatgeschichte, er gibt verschiedene Wassenberg-Kalender heraus, er unterstützt die Arbeit des Stadt- und des Kirchenarchivs und unterhält selbst ein umfangreiches Heimatarchiv.

Er gestaltet jedes Jahr den „Tag des offenen Denkmals“ und organisiert eine Vielzahl von Wanderungen, Radwanderungen und Wanderfahrten und ermöglicht es so, den Menschen in unserer Stadt die Schönheiten unserer Region kennenzulernen und ihre Freizeit sinnvoll zu gestalten.
Er organisiert jedes Jahr den „Plattdütsch Oavend“, der mittlerweile einen festen Platz im Jahreskalender der Stadt eingenommen hat und der, das darf ich ruhig einmal sagen, jedes Jahr eine sehr große Anzahl von interessierten Zuhörerinnen und Zuhörern erfreut.
Der Heimatverein organisiert seit mehr als 50 Jahren Vogelstimmenwanderungen und er hat in diesem Jahr zum ersten Mal bei der Organisation eines Kammerkonzertes im Bergfried mitgewirkt.


Meine sehr verehrten Damen und Herren!

Für alles, was der Heimatverein für unsere Stadt in den vergangenen Jahren getan hat und heute tut, möchte ich ihm im Namen der Stadt Wassenberg von ganzem Herzen danken.
Die Mitglieder des Heimatvereins arbeiten alle ehrenamtlich und ich kann mir wirklich nicht vorstellen, wie viele Stunden ehrenamtlicher Arbeit im Laufe eines Jahres für all diese Aktivitäten zusammenkommen.

Liebe Mitglieder des Heimatvereins!

Ihr Engagement für die Stadt Wassenberg verdient unseren Dank, unseren Respekt und unsere höchste Anerkennung.
Ihre Arbeit erfordert Zeit, Kraft, Ausdauer, Ideenreichtum und kostet manchmal auch Nerven, aber sie zeigt deutlich, wie wichtig ehrenamtliches Engagement für die Entwicklung einer Stadt ist. Viele Dinge könnte die Stadt ohne Ihre Hilfe und Unterstützung gar nicht machen.

Ohne Heimatverein wäre unsere Stadt nicht so schön, nicht so attraktiv und nicht so liebenswert, wie sie es heute ist.

Danke!


 

Rede von Herrn Landrat Pusch anlässlich des 120jährigen Bestehens des Heimatvereins Wassenberg, 4. November 2017

Foto: Hermann-Josef Heinen
Foto: Hermann-Josef Heinen

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

„Heimat ist da, wo ich verstehe und wo ich verstanden werde.“ Der Philosoph Karl Jaspers beschreibt damit einen Begriff, der jedem von uns geläufig ist, den jeder aber für sich anders begreift und auslegt. Fest steht jedoch, dass der Begriff der „Heimat“ für jeden Menschen eine Bedeutung hat.

In Zeiten der Migration und der Wanderungsbewegungen bekommt der Begriff „Heimat“ eine neue Wertigkeit, und wir tun gut daran, das Thema „Heimat“ auch vor diesem Hintergrund aktuell zu diskutieren. Die „Heimat“ war den Menschen immer wertvoll. Vor 120 Jahren äußerte sich dies in Wassenberg mit der Gründung des Heimatvereins, dem ich zu diesem Jubiläum herzlich gratulieren möchte.

Der unvergessene Heribert Heinrichs schrieb vor 20 Jahren in seinen „Gedanken zu einem Jubiläum“ – ich darf zitieren: „Am wichtigsten scheint mir der Wertewandel in unserer Gesellschaft, der bei vielen den Begriff ‚Heimat‘ an den Rand gedrängt hat.“ Er hat in vielen seiner Gedanken, die diesem Satz folgten, Recht behalten. Nachzulesen in der Festschrift zum 100jährigen Bestehen des Heimatvereins Wassenberg.Heinrichs Worte gelten aber auch heute – wenn auch wieder unter verschobenen Vorzeichen – immer noch. Mahnte Heinrichs anno 1997 noch die zunehmende Mobilität und die Ent-Fernung vom heimatlichen Drumherum an, so kommen 20 Jahre später andere Ent-Fernungen von der Heimat hinzu. „Ich bin in Facebook zuhause“, gestand mir letztens ein Mensch von Anfang 30.

Er betrachtete das Netz und die sozialen Netzwerke als seine Heimat. Da erfahre er alles, da habe er seine Freunde, da könne er alles sehen und erfahren, was ihn interessiere. Und wie selbstverständlich nutzt er das Navigationsgerät im Auto, wenn er ins übernächste Nachbardorf fährt.

Natürlich nutze auch ich die sozialen Netzwerke, bin stolz auf den gelungenen Facebook-Auftritt des Kreises Heinsberg. Doch Heimat ist etwas anderes.

Im Übrigen hat nicht umsonst ein kleiner Wettbewerb auf der Kreis-Heinsberg-Facebook-Seite übergroße Aufmerksamkeit erhalten, als die User aufgefordert wurden, ihr Lieblingsplätzchen im Kreis Heinsberg zu zeigen. Die fünfstelligen Zahlen erreichter Facebook-User haben mir gezeigt: Auch heute hängen die Menschen an ihrer Heimat, hängen am Kreis Heinsberg und seinen Städtchen, Orten und Dörfern.

Wo ist die Erklärung? Der 2005 verstorbene Hanns Dieter Hüsch gibt vielleicht eine: „Der Niederrhein, denk ich immer, macht einem nix vor. Da gibbet keine kalkulierte Romantik, sondern eine Musik aus Vergessen und Erinnern und daraus entsteht dat Gefühl, am Ende der Welt, am Ende aller Tage zu sein. Wer Phantasie studieren möchte, der sollte ein paar Stunden an den Niederrhein kommen. Burgen gibt’s, Schlösser gibt’s und Wasserschlösser, Windmühlen und auch Wassermühlen und Kirchturmspitzen.“

Trifft bezeichnenderweise auch auf Wassenberg und Umgebung zu. Logisch, ist ja südlichster Niederrhein. Aber eben Niederrhein. „Heimat ist da, wo ich verstehe und verstanden werde.“ Das Jaspers-Wort unterstützt natürlich auch den, der Facebook als seine Heimat ansieht. Aber ist das alles, was „Heimat“ bedeutet? Hüsch hebt den Heimatbegriff nicht umsonst auf eine fast metaphysische Ebene, zumindest aber auf eine Gefühlsebene.

Aber genau dies ist die Melange aus Landschaft, Familie und Freunden, aus Vertrautem und Vergessenem. Der Blick auf die Kirchturmspitze, auf den Burgberg. Der Weg durch die Stadt, durch Gässchen und über Plätze. Vertraut und unverändert und doch jeden Tag anders. Da kann man gerade hier in Wassenberg täglich so erleben.

Ja, Heimat ist ein Gefühl. Oder wie der Schriftsteller Horst Bienek sagte: „Heimat kann man nicht vererben. Sie ist in meinem Kopf. Und sie ist in meiner Seele.“

Meine Damen und Herren,

wir dringen mit diesem Ausspruch langsam vor zum Kern des Heimatbegriffs vor und damit auch zu dem Antrieb, der Menschen veranlasst, sich mit „Heimat“ zu beschäftigen.

Im alten Wassenberg, das sicherlich nicht einer gewissen Romantik entbehrte, schlossen sich 1897 Menschen zusammen, um eben jenes Wassenberg zu… zu… Ja, zu was eigentlich? Zu fördern? Zu entwickeln? Zu bewahren? Zu verschönern? Zu verbessern?
Ich denke, dass es von allem etwas war, was den Gründern des Heimatvereins vorschwebte. Natürlich galt Wassenberg als – ich benutze jetzt einmal ein herrlich altmodisches Wort – „Sommerfrische“, was dann Jahre später gesteigert wurde, als die Stadt den Rang eines „Luftkurortes“ erlangte. Ein Rang, der angesichts der enormen Luftverschmutzung in den Zentren der aufkeimenden Industrialisierung an Rhein und Ruhr, ebenso wichtig wie wertvoll war.

Heute würde man von einem bedeutenden Standortfaktor sprechen. Und so dienten schon die Gründer des Heimatvereins Sachen, die wir 120 Jahre später als „weiche Standortfaktoren“, als „Alleinstellungsmerkmale“ oder „Wohnumfeldverbesserung“ sowie „Standortmarketing“ bezeichnen würden.

Es ging dem Heimatverein schlicht und einfach darum, den Ort, den man als gemeinsame Heimat ansah, sehenswert, lebens- und liebenswert zu erhalten und entsprechend – wenn nötig – weiter zu entwickeln. Das umfasste die Sehenswürdigkeiten, die Straßen und Häuser und auch die umgebende Natur. Mit diesem ganzheitlichen Ansatz war der Heimatverein Wassenberg schon 1897 sehr modern.

Dies zeigt auch, dass wir 120 Jahre später die Idee der Heimatvereine nicht begraben sollten. Im Gegenteil. Mit ihren Zielsetzungen sind Heimatvereine wichtig und modern. Wir brauchen sie, um unsere regionale Identität zu definieren und um das, was uns lieb und teuer ist, zu bewahren und für zukünftige Generationen zu erhalten.

Kultur, Natur, Geschichte, Architektur, Tourismus, Volkskunde – das sind Themenfelder, die von den Heimatvereinen bearbeitet werden. Darüber hinaus haben sie mit ihren vielen Veranstaltungen, Vorträgen, Fahrten und Wanderungen eine hohe soziale Kompetenz und sind für manche Ortsgemeinschaft eine wichtige Klammer.

Es hat mich traurig gestimmt, als wir vor einigen Monaten die „Volkskundliche Abreitsgemeinschaft des Kreises Heinsberg“ – kurz VAG - auflösen mussten. Viele treibende Kräfte sind inzwischen verstorben, die übrig Gebliebenen wurden ebenfalls nicht jünger und der Nachwuchs: er blieb aus. Bei der VAG war ein wichtiges Betätigungsfeld die Mundart. Die echten Mundartler sterben leider Gottes aus. Und nur noch wenige der Jüngeren sind mit echtem Platt, das von Dorf zu Dorf anders gesprochen wurde, groß geworden. Wobei man das echte Platt hier bitte nicht mit dem weit verbreiteten rheinischen Idiom verwechseln sollte.

Und dann war irgendwann der Punkt erreicht, wo der Verein seine Aktivitäten einstellen musste. Ich betrachte das als Verlust. Ein Verlust, der unsere Region schon sehr trifft.

Meine Damen und Herren,
ein besonderer Jahrestag, wie das 120jährige Bestehen, ist immer daher ein Anlass, einen Ausblick zu wagen. Ich behaupte: Wir werden die Heimatvereine weiter brauchen.

Zumal in Wassenberg – nicht zuletzt auch dank der Betty-Reis-Gesamtschule – ein besonderes Geschichtsverständnis vorherrscht. Aber mit der Schule sollte das Interesse für das, was Wassenberg ausmacht, nicht beendet sein. Und wenn die Jüngeren nach Sturm- und Drangzeit, nach den Wanderjahren der Ausbildung, Berufsfindung und Familiengründung ihre Wurzeln in Wassenberg finden, dann wäre es schön, wenn sie sich für dieses wunderbare Stück Heimat einsetzen würden.
Damit der Ort, in dem man lebt, zur echten Heimat wird. Ein Ort mit Gefühl und mit Seele. Ein Ort, an dem man sich zuhause und geborgen fühlt. Ein Ort, den man versteht und in dem man verstanden wird.

Dafür lohnt sich der Einsatz, denn sonst würden unsere geschichtsträchtigen Orte im Grünen bald zu den gleichen geschichts- und seelenlosen, ewig gleich aussehenden Vorstädten amerikanischer Prägung werden. Reine Wohnareale, austauschbar, beliebig und immer tiptop gepflegt. Wo der Rasenmäher und der Laubsauger die Umgebung definieren und das Straßenschild das einzige ist, was Orientierung bietet.

Wir sind es unseren jahrhundertealten Orten, wir sind es unserer Siedlungs- und Kulturgeschichte, die mit der Steinzeit begann über Bronzezeit, Römerzeit, Mittelalter bis in die Jetztzeit führt, wir sind es den Menschen, also uns selbst schuldig, uns um unsere Heimat zu kümmern. Ganz in dem Sinne des Horst Bienek. Ich wiederhole das Zitat gerne noch einmal: „Heimat kann man nicht vererben. Sie ist in meinem Kopf. Und sie ist in meiner Seele.“

In diesem Sinne wünsche ich dem Heimatverein Wassenberg, aber auch allen anderen gleich und ähnlich tätigen Vereinen im Kreis Heinsberg alles Gute, insbesondere für die Zukunft. Machen Sie weiter!

Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit.


Bilder vom Festakt

Foto: Hermann-Josef Heinen
Foto: Hermann-Josef Heinen
Foto: Hermann-Josef Heinen
Foto: Hermann-Josef Heinen
 
Foto: Hermann-Josef Heinen
Foto: Hermann-Josef Heinen
Foto: Hermann-Josef Heinen
Foto: Hermann-Josef Heinen

 

 


Vieles wäre ohne den Verein nicht möglich

So lobte Bürgermeister Winkens das Engagement des 120 Jahre alten Heimatvereins Wassenberg bei der Festveranstaltung. Von Willi Spichartz

" ,Heimat' ist das neue Modewort" titelte die RP am Samstag - als Modewort-User war die Politik gemeint, die Jamaika-Sondierungsgespräche in Berlin. Kein Modewort ist "Heimat" beim gleichnamigen Verein in Wassenberg, der feierte nämlich am Samstag mit vielen Gästen das 120-jährige Bestehen, auch wenn der Vereinsname den Begriff "erst" seit 1954 trägt, wie Vorsitzender Sepp Becker in seiner Festrede erläuterte. Gegründet wurde er 1897 als Verschönerungsverein, verschönert werden sollte Wassenberg, also die Heimatstadt.

Und Landrat Stephan Pusch stellte als Schirmherr des Jubiläums den Begriff mit einem Wort des Philosophen Karl Jaspers an den Beginn seiner Festrede: "Heimat ist da, wo ich verstehe und wo ich verstanden werde." Gefeiert wurde der runde Geburtstag in der Betty-Reis-Gesamtschule, die in ihrem Namen ein Stück Wassenberger Geschichte trägt, nämlich den des jüdischen Mädchens, das von den Nazis ermordet wurde.

Walter Bienen als Stellvertretender Vorsitzender des Heimatvereins begrüßte mehr als 100 Festgäste im Schulforum, darunter den Bundestagsabgeordneten Wilfried Oellers, Landtagsabgeordneten Thomas Schnelle, die Stadtrats- und die Kreistagsmitglieder, Vertreter der benachbarten Heimatvereine, die schon länger eine lockere Zusammenarbeit pflegen.

Sepp Becker referierte die Geschichte des Vereins "im Zeitraffer", erinnerte an die zahllosen selbstgestellten Aufgaben in 120 Jahren, an Problemzeiten wie die Kriege, die frühzeitige Wiederaufnahme der Arbeit 1947, an die großen Vorgänger als Vorsitzende, an die konkreten Projekte der Vergangenheit und der Gegenwart. Er dankte den Mitstreiterinnen und Mitstreitern, dankte auch der Stadt für Unterstützung und Kooperation.

Sepp Becker, Vereinsvorsitzender und Ehrenbürger der Stadt Wassenberg, ließ vor einer Collage aus Fotos und Gemälden von Wassenberger Denkmälern und Sehenswürdigkeiten die Geschichte des Vereins Revue passieren und dankte den vielen engagierten Mitstreitern. FOTO: Laaser
Sepp Becker, Vereinsvorsitzender und Ehrenbürger der Stadt Wassenberg, ließ vor einer Collage aus Fotos und Gemälden von Wassenberger Denkmälern und Sehenswürdigkeiten die Geschichte des Vereins Revue passieren und dankte den vielen engagierten Mitstreitern. FOTO: Laaser

Bürgermeister Manfred Winkens betonte, die Stadt habe ihrerseits dem Verein zu danken, der "zu jeder Zeit für die Stadt Wassenberg von großer Bedeutung" gewesen sei. Die Ausstattung, die Verschönerung Wassenbergs sei immer das Ziel des Vereins gewesen, heute passe das genau ins Stadtmarketing-Entwicklungs-Konzept. Und es habe Erfolg gezeigt, schloss der Bürgermeister: "Viele Dinge könnte die Stadt ohne Ihre Hilfe gar nicht leisten. Ohne Heimatverein wäre unsere Stadt nicht so schön, nicht so attraktiv und nicht so liebenswert, wie sie es heute ist. Danke!"

Landrat Stephan Pusch reflektierte den "Heimat"-Begriff auch unter den sich wandelnden Kommunikationsmöglichkeiten wie den Netzwerken, aber auch unter den Zeiten von Migration und Wanderungsbewegungen, in denen "Heimat" eine ganz besondere Bedeutung besitze. Jaspers' These beinhalte auch diverse Wertungsmöglichkeiten - "fest steht jedoch, dass der Begriff 'Heimat' für jeden Menschen eine Bedeutung hat." Er erinnerte daran, dass sich auch der unvergessene Professor Dr. Heribert Heinrichs mit dem Begriff eingehend befasst habe, zum 100-Jährigen des Heimatvereins sah dieser "Heimat" an den Werte-Rand gedrängt.

Stephan Pusch drückte den Wandel mit dem Zitat eines Menschen von Anfang 30 aus, der ihm gestanden habe: "Ich bin in Facebook zuhause". Da erfahre er alles, da habe er seine Freunde. Und mit dem Navi fahre er zum übernächsten Dorf. Aber auch das zeige, so der Landrat, dass die Nutzer moderner Informationstechniken an ihrer Heimat, an Städten und Dörfern hingen. Die Melange aus Landschaft, Familie, Freunden, aus Vertrautem und Vergessenem, dem Blick auf die Kirchturmspitze, den Burgberg, auf dem Weg durch Gässchen und über Plätze, die könne man gerade in Wassenberg erleben. Er schloss: "Machen Sie weiter!"

Musikalisch gliederte der Quartettverein Myhl die Festveranstaltung mit passendem Liedgut, gewohnt qualitätvoll unter Leitung von Hermann Kitschen. Sepp Becker dankte seinem Vorgänger Karl-Heinz Geiser mit dem Kunst- und Architekturgeschichtswerk "Land aan de Roer" des Odilienbergers Henk Verbeek, Karl Lieck erhielt ein "Wappen seines Lieblingsstädtchens". Sein Schlusswort ließ Sepp Becker in den Satz münden: "Wassenberg ist wieder ein wunderschönes Städtchen geworden!"

Foto: Willi Spichartz
Foto: Willi Spichartz

Und das unterstrich Urgestein Karl Lieck, begleitet "seit 120 Jahren von Hilde Eraerds", am Akkordeon, mit einem neuen Lied und abschließend seinem Hit "Wasseberch, ech han dech jeär" - das sang der ganze Saal dann mit.

Quelle: RP vom 6.11.2017


Pusch: „Wir werden die Heimatvereine weiter brauchen“

Mehr als 400 Gäste kommen zum Festakt anlässlich des 120-jährigen Bestehens des Heimatvereins Wassenberg. Von Johannes Bindels

Mit einem Festakt im Forum der Betty-Reis-Gesamtschule hat der Heimatverein Wassenberg sein 120-jähriges Bestehen gefeiert. Mehr als 400 Gäste aus Politik, Verwaltung, Vereinen und befreundeten Mitgliedern anderer Heimatvereine diesseits und jenseits der Grenze erlebten eine gelungene Feier mit Redebeiträgen rund um den Begriff Heimat. Den musikalischen Rahmen gestalteten der Quartettverein Myhl unter Leitung von Hermann J. Kitschen und Karl Lieck mit seinem „Wasseberch-Lied“, begleitet von Hilde Eraerds am Akkordeon.

Gäste und Redner zur 120 Jahre Feier. Foto: Johannes Bindels
Gäste und Redner zur 120 Jahre Feier.                                                      Foto: Johannes Bindels

Eine Liebeserklärung

Die Spannbreite der Redebeiträge reichte von der Übersicht der geschichtlichen Entwicklung des Heimatvereins durch den Vorsitzenden Sepp Becker, über die Bedeutung des Heimatvereins für die Stadt Wassenberg durch Bürgermeister Manfred Winkens bis zur philosophischen und gesellschaftlichen Betrachtung zum Begriff Heimat durch Landrat Stephan Pusch. Zuvor hatte der stellvertretende Vorsitzende Walter Bienen mit seiner Begrüßungsrede die Feier eröffnet.

Begrüßung durch Walter Bienen. Foto: Johannes Bindels
Begrüßung durch Walter Bienen.                                                               Foto: Johannes Bindels

„1897 beschrieb der Wassenberger Notar und Mitbegründer, Wilhelm Weisweiler, die herrliche Natur, die Landschaft und die historischen Gebäude von Wassenberg – und es liest sich wie eine Liebeserklärung an seine Heimatstadt“, begann Sepp Becker seinen Rückblick auf die Anfänge des Vereins. Als „Verschönerungsverein“ hatten 58 Mitglieder damals den heutigen Verein gegründet. Am Image einer touristisch attraktiven Stadt – in den 1920er und 1930er Jahren als „Perle des Rurtals“ und Luftkurort bezeichnet – arbeitete der Verein aktiv mit, wie dies auch heute noch mit den aktuellen Projekten von den Stadtführungen, den Denkmalprojekten bis zu den Ausstellungen und Konzerten im Bergfried geschieht. In den ersten Jahrzehnten nach dem zweiten Weltkrieg lagen unter den Vorsitzenden Dr. Jakob Broich, Ludwig Essers und Karl-Heinz Geiser die Schwerpunkte der Arbeit auf dem Wiederaufbau der zerstörten Stadt, betonte Sepp Becker.

Sepp Becker. Foto: Johannes Bindels
Sepp Becker.                                                                                            Foto: Johannes Bindels

Heute seien die kulturellen Aktivitäten ebenso Bestandteil der Arbeit wie die Archivarbeit und die Herausgabe heimatgeschichtlicher Literatur. In der Amtszeit von Ludwig Essers in den Jahren 1970 bis 1990 wurde aus dem „Heimat-, Verkehrs- und Verschönerungsverein“ kurz der Heimatverein Wassenberg, der Name, unter dem der Verein bis heute firmiert.

Bürgermeister Manfred Winkens. Foto: Johannes Bindels
Bürgermeister Manfred Winkens.                                                                Foto: Johannes Bindels

„In den 120 Jahren war der Verein zu jeder Zeit für die Stadt Wassenberg von großer Bedeutung“, betonte Bürgermeister Manfred Winkens die Verbundenheit von Stadt und Verein. Viele Denkmäler wie das Weberdenkmal, das Bergmannsdenkmal oder das Klosterdenkmal im Judenbruch, welche die wichtigen Aspekte der Geschichte und der Entwicklung der Stadt veranschaulichten, verdanke man dem Heimatverein, sagte Winkens. Ebenso sei die Attraktivität des Bergfrieds durch die verschiedenen Ausstellungen und Konzerte in Verantwortung und auf Initiative des Heimatvereins gestiegen. „Ihr Engagement für die Stadt Wassenberg verdient unseren Dank, unseren Respekt und unsere höchste Anerkennung“, sagte Winkens.

Landrat Stephan Pusch. Foto: Johannes Bindels
Landrat Stephan Pusch.                                                                          Foto: Johannes Bindels

„Heimat ist da, wo ich verstehe und wo ich verstanden werde“, zitierte Landrat Stephan Pusch in seiner bemerkenswerten Rede den Philosophen Karl Jaspers. Die Definition von Heimat begreife und lege jeder für sich anders aus. Das führe sogar dazu, dass ein Mensch von Anfang 30 ihm gestanden habe: „Ich bin in Facebook zu Hause“, der damit die sozialen Netzwerke als seine Heimat betrachte.

Landschaft, Familie, Freunde

Mit seiner Reise durch die verschiedenen Definitionen umfasste Pusch die große Bandbreite des jeweils anderen Heimatbegriffes und fügte noch den Aphorismus des Schriftstellers Horst Bienek an: „Heimat kann man nicht vererben. Sie ist in meinem Kopf. Und Sie ist in meiner Seele.“ Eine Melange aus Landschaft, Familie und Freunden, aus Vertrautem und Vergessenen sei Heimat. „Wir werden die Heimatvereine weiter brauchen“, betonte Pusch. „Machen Sie weiter so“, schloss er seine Rede.

Auszeichnungen beim Festakt des Heimatvereins: Sepp Becker (l.) und Walter Bienen (r.) zeichnen den Ehrenvorsitzenden Karl-Heinz Geiser (2. vl.) und Karl Lieck (2. v.r.) für ihr Engagement aus. Foto: Johannes Bindels
Auszeichnungen beim Festakt des Heimatvereins: Sepp Becker (l.) und Walter Bienen (r.) zeichnen den Ehrenvorsitzenden Karl-Heinz Geiser (2. vl.) und Karl Lieck (2. v.r.) für ihr Engagement aus. Foto: Johannes Bindels

In den musikalischen Beiträgen des Quartettvereins reichte die Bandbreite von der Romantik „Am Brunnen vor dem Tore“ bis zum Rock („Rock my Soul“) und endete mit dem gefühlsbetonten Heimatlied von und mit Karl Lieck, der für sein Engagement zusammen mit dem Ehrenvorsitzenden Karl-Heinz Geiser durch den Vorstand geehrt wurde.

Karl Lieck mit Hilde Eraerds am Akkordeon. Foto: Johannes Bindels
Karl Lieck mit Hilde Eraerds am Akkordeon.                                             Foto: Johannes Bindels

Quelle: HZ vom 6.11.2017

 


1897, also vor 120 Jahren, wurde der Heimatverein Wassenberg als „Verschönerungsverein“ gegründet. Anliegen des neu gegründeten Vereins war es, die Attraktivität Wassenbergs noch zu steigern.

Wie sah Wassenberg zu dieser Zeit aus?

Der Wassenberger Notar Wilhelm Weisweiler, der auch Mitbegründer des neuen Vereins war, veröffentlichte in einer Beilage der Heinsberger Volkszeitung einen Text über Wassenberg, seine Sehenswürdigkeiten und seine Geschichte. Nicht alles, was Weisweiler beschreibt, gibt es heute noch, und auch die Sprache hat sich verändert, aber das Schöne und Besondere unserer Heimatstadt kommt auch für uns heute noch gut zum Ausdruck.

Peter Hermanns hat den Text, den wir im Folgenden abdrucken, durch zeitgenössische Bilder aus dem Archiv des Heimatvereins anschaulich gemacht.

Sepp Becker


Wassenberg? ..... „Wo ist denn das irgend in der Welt?“ hörte ich so manchmal, und höre ich auch jetzt noch den Leser fragen. Dem Geschichtskundigen begegnete es vielleicht beim Studium des Mittelalters. Der Kranke erinnert sich beim Lesen vielleicht des weit bekannten Arztes des Ortes. Der Industrielle vernahm von der Neugründung einer steuerfreien Seidenfabrik daselbst. Der Wandersmann aber, der nach den Naturschönheiten im eignen Vaterlande sich umschaut, kann von der reizenden und Umgebung des am westlichen Eck. des deutschen Reiches hoch über dem stillen Roerthal gelegenen Städtchens Genaueres erzählen.

Die R o e r  durchschneidet in beständigem Zickzack von ihren Quellen auf den kahlen Eifelhöhen Kalterherbergs bis zu ihrer Mündung in die Maas bei der holländischen Provinzialstadt Roermond meist Wiesenthäler.  Sie hat durch ihr starkes Gefälle, in Folge der nicht unbedeutenden, schnell hintereinander zukommenden Nebenflüsse, und Mangels jeglicher Regulierung einen ziemlich willkürlichen Lauf. Die tollsten Streiche vollführt  sie, sich kräftig und gesund fühlend, einige Stunden vor ihrer Mündung.

Das eigentliche Flußbett ist hier eng, ohne jedes Ufer, und zeigt Sommers oft nur ein dünnes Wässerlein zwischen dem den Fußboden deckenden Kieselgerölle, kaum hinreichend, Hecht und Aal am Leben zu erhalten. Doch, so unschuldig das Wässerlein auch dreinschaut, nasser Herbst, schneereicher Winter und auftauender Lenz machen es zum reißenden Strom, der keine Ufer mehr kennt und Dämmen und Deichen trotzt. Der wilde Gesell ergießt sich über Wiesen hinaus über Straße und Dorf. In plötzlicher Schnelle ist der Schwall da, ehe die Anwohner sich`s versehen, und nimmt mit, was ihm in den Weg kommt: Holz und Heu, Steg und Brücke. Der Verkehr von hüben und drüben ist dann nur mittels Karren möglich, die bis zur Nabe durch das über den Weg strömende, einen weiten See bildende Wasser müssen. So ist`s vor Jahrhunderten gewesen.

„Quod si nonnunquam major turgidus aestu
„Praecipitet latices, et raptans obvia secum
„Agricolis damnosa erat,“

(Manchmal stürzt der Fluß in heftigem Schwalle seine Gewässer mit Gewalt abwärts, alles mit sich fortreißend, zum großen Schaden der Anwohner.)

singt im Anfang des vorigen Jahrhunderts der Heinsberger Canonicus Peter von Streithagen von ihr. So macht`s der Fluß auch heute noch, ohne daß man Mittel gefunden oder angewandt hätte, dem zu steuern.

Das Roerthal, welches schon in seinem oberen Theile bei Kalterherberg, Einruhr, Heimbach, Nideggen, Maubach, des Reizenden so Vieles bietet, wird in seinem unteren Theile um so interessanter, als dort die nähere und weitere Umgebung des Thales in ihrer Flachland-Natur wenig Anziehendes aufweist. Es dehnt sich hier bis auf eine Stunde Breite aus. Das westliche Ufer zieht sich dem Meere zu, nur allmählich ansteigend, in die Höhe und hat in seinen ebenen, der Morgensonne zugewendeten Flächen meist guten Ackerboden, während der östliche Rand eine verhältnißmäßig steile, dünenartige Hügelkette bildet. Hügel reiht sich an Hügel. Theilweise dem Landbau bereits gewonnen, bieten die Abhänge bunte Saatenfelder und fette Weideplätze,  theilweise,  und zwar je näher der Mündung um so mehr, decken Kleingebüsch und Nadelhölzer die von der Abendsonne beschienenen Uferhöhen. Alle halbe Stunden, hier ganz unten verstohlen aus grüner Wiesenschlucht heraus, dort kühner von umwaldetem Hügel herab,  grüßen den mit dem Flusse Wandernden Kirchthürme und freundliche Dörfer. Die Hügel drängen sich immer mehr zusammen, schieben sich immer mehr durcheinander, werden immer vielgestaltiger in Form und Farbe, je mehr der Strom sich seiner Mündung nähert. 

Hier ist`s, kurz vor der Mündung, wo die Hügelkette des rechten Ufers ganz besonders malerisch hervortritt. Vom Roerthale aus langsam aufsteigend, lehnt sich an einen der höchsten in das Thal etwas vorspringenden  „b u r g  u n d  s t e d l i n  W a s s e n b e r g“.

Terrassenförmig schichten sich die Häuserreihen übereinander. Ueber diese hinaus ragt die Spitze des Bergkegels, fast wie künstlich aufgefahren, bedeckt vom Fuße aus mit dunkelem Grün, gekrönt von einer alten dachlosen Ruine. Epheuumrankt schaut der viereckige  S c h l o ß  -  u n d  F e s t u n g s t h u r m  jetzt noch stolzen Sinnes vom Berge hinab über das Flußthal, die Breite und Länge hinweg, Stunden weit. Der Blick vom Thale hinauf findet ein besonders reizendes Bildchen vom Hofe der nahe der Roer im Thale gelegenen  O r s b e c k e r  M ü h l e. Den anziehenden Mittelpunkt bildet die mächtige Thurmruine auf der Höhe, von oben herab ihrer ganzen Länge nach geborsten, von emporragendem Epheu wie zusammengehalten.

In der halben Höhe des Kegels lehnen an diesen an, nach Mittag schauend, die übriggebliebenen Burgräume mit ihren dunklen flachen Dächern. Auf dem südlich an den Burgberg anschließenden  W i n g e r t s b e r g  reckt sich, vom Müller verlassen und verwittert, das Pendant zur Burgruine - der Mauerstumpf einer alten Windmühle empor;

und zwischen beiden, vom Fuße des Burgbergs auf, zwar alt, doch nicht veraltet, älter wie beide, doch keine Ruine, tiefer wie beide stehend und doch beide überragend, in sinniger Ergänzung des freundlichen Bildes, die  K i r c h e mit ihrem Jahrhunderte jüngeren Kirchthurm.

Zwischen beiden Hügeln liegt der  O r t. Roth und blau lugen die Dächer, weiß die spitzen Giebel der Häuser aus dem Grün der Gärten hervor. Hinter alledem und darüber hinaus ragt ein schlanker, noch neuer  F a  b r i k s c h l o t, dem eine dunkle Rauchsäule entsteigt. Der grüne Kiefernwald der jenseitigen Höhen gibt dem Bilde seinen Hintergrund, und das Mühlenthor dem Ganzen seinen Rahmen.

Hier mag wohl Teschenmacher gestanden haben, als ihm der in seien Jülich`schen Annalen (1711, S. 369) ausgesprochene Gedanke kam, daß Wassenberg seinen Namen habe von „W a c h s  a m  B e r g“ (an dem Berge gewachsen). Stände er heute mit uns hier, vielleicht käme ihm beim Hinblick auf die  v i e r  W a h r z e i c h e n  W a s s e n b e r g s: Kirche, Burg, Mühle, Schlot, ein anderer Gedanke, der Gedanke an unsere Zeit und deren vier Stände: im Sturme der Zeit verfallen, nicht untergegangen, doch im Zeichen des Niederganges und der früheren Bedeutung entrückt, die  B u r g r u i n e , der Wohnsitz des A d e l s, dem die  M ü h l e , das Heim des einst wohlgesessenen B  ü r g e r t h u m s, im Verfalle fast gleichkommt;  zwischen beiden, wenn auch älter als sie, doch sie und die Jahrhunderte mächtig überragend, die  K i r c h e  , die Werkstatt des  g e i s t l i c h e n  Standes; hinter allem aber ein Bild des jüngsten  v i e r t e n  Standes, schlank und frisch sich emporringend: der erwähnte neue  F a b r i k s c h l o t .

Wassenberg hatte einst Stadtrechte. Es war Festung. Noch heute umschließt den Ort die alte Festungsmauer. An der südöstlichen Ecke zeigt den „Verlorenkasten“, eine Thurmruine in der Festungsmauer, wo diejenigen der Exekution harrten, die verurtheilt waren, auf dem nahen „Galgenberg“, einem Hügel neben dem Wingertsberg, ihre Schuld durch den Tod zu büßen.

Die Festungsgräben sind ausgefüllt; hier und da findet sich noch ein Stück Lache, als trauriges Ueberbleibsel des früher tiefen Stadtgrabens. Wie bei allen den kleinen Festungen haben sich die Gräben in üppige Gärten, Baumwiesen und Alleen verwandelt. Die Festung bildete ein ziemlich regelmäßiges, am Burgberg sich heraufziehendes Viereck, dessen nordöstliche Ecke in den das ganze Terrain beherrschenden Burgthurm auslief.

Vor dem südlichen Festungsthore („Brühlthor“) dehnt sich außerhalb der Mauern eine lange Straße, die „Brühlstraße“, hin, die durch den Festungsgürtel nicht eingeengt, eine bedeutend weitere Anlage aufweist. Wie damals, so werden auch heute noch die „Brühler“ von den mehr Gewerbe treibenden Bewohnern der ehemaligen Festung „die Bauern“ genannt, währen der „Brühler“ auch heute noch, euphemistisch genug, sagt, daß er in „die Stadt“ gehe.

Der Ort ist bei den gänzlich umgestalteten Verhältnissen nur mehr ein Flecken, allerdings kein gewöhnlicher. Vor allem fällt die niederländische Reinlichkeit auf. Die gepflasterten Straßen sind blitzeblank, die Häuser eins an`s andere anschließend, hier mit hohem Giebel, dort mit langer Breitseite in die Straße schauend, meist proper gestrichen.

Die Thüren und Fenster, namentlich der älteren Häuser, sind in Blaustein, manchmal mit Backsteinen und Blaustein abwechselnd, gefaßt. Das lang gestreckte, heute mit Cement bekleidete niedere Haus an der Hauptstraße ist ein altes  C a p u z i n e r k l o s t e r. Gegenüber hebt sich gleichalt, aber schmal und hochgiebelig, im Giebelfenster eine Freitagabends zum Stiftungsrosenkranz rufende Glocke, das  A r m e n h a u s  empor.

Nebenan liegt  ein altes Patrizierhaus mit Freitreppe, der Hof  P a c k e n i u s -  v o n  F o r k e n b e c k, der begütertsten Familie des Ortes, heute Sommerwohnung des durch die Gründung des Aachener Zeitungsmuseums weithin bekannten Herrn Oskar von Forkenbeck;

weiter durch das aus der Jülicher Zeit noch herstammende bethürmte  R a t h a u s. Von dort fällt der Blick nach Norden in die Birgeler Straße hinein, die früher mit dem „Birgeler Thore“ schloß,

nach Westen die Roßstraße hinunter auf das von drei Stadtthoren allein noch erhaltene, aber auch verfallene R o ß t h o r,

und nach Osten die Kirchstraße hinan

auf die aus dem Anfang  des zwölften Jahrhunderts stammende, inmitten des hübsch umgitterten Gottesackers gelegene Kirche.

Dieser gegenüber strecken sich an der anderen Straßenseite ein dreistöckiges, vielfenstriges Patrizierhaus, die wohlgepflegten Burggärten und die noch bewohnten Burgräume hin. Zwischendurch führt die Kirchstraße  aus einem neugebrochenen Thor zum Ort hinaus, auf Erkelenz zu.

Die hinter der Kirche hervorschauenden  alten Spitzdächer, Thorbauten und Erker gemahnen noch an das zu gleicher Zeit mit der Kirche von dem damaligen, hier residirenden Territorialherrn Gerhard II. von Geldern gegründete  S t i f t .

Es gibt noch genug  äußere Erinnerungszeichen an jene alten Herrscher im Orte, wenn auch die Erinnerung selbst bei den Wassenbergern schwand. Die Burg ist die Wiege der mächtigen Grafen von Geldern, die den Spruch führten und hielten:

„Hoog van moed, 
„Klein van goed,
„Een zwaard in de Hand
„Is`t wapen van Gelderland.“ 

Hoch von Muth,
Klein von Gut,
Ein Schwert in der Hand
Ist`s Wappen von Gelderland.

Gerhard von Antoing aus Flanderland nahm, wie der Klosterrather Annalist erzählt, um 1020 vom römischen Kaiser Wassenberg zum Lehn. Es war also damals schon nicht ohne Bedeutung. Hier residirte er. Seine Nachkommen sind die Herren von H e i n s b e r g  und die einst so mächtigen Grafen von Geldern. Die Wassenberger Burggrafen brachten den Ort zur Blüthe. Sie gaben ihm schon im Anfang des 12. Jahrhunderts seine heute noch stehende romanische Basilika, zugleich mit dem die Kirche umgebenden weitläufigen Stifte. Sie befestigten den Ort der Art, daß in den Kämpfen mit dem Gegenkaiser Philipp von Schwaben der deutsche Kaiser Otto IV. und Erzbischof Bruno von Köln in seinen Mauern Schutz suchen konnte. Allerdings nahm Philipp nach kurzer Belagerung Wassenberg ein und hielt den Erzbischof im Burgthurm gefangen, während Otto durch die Flucht entkam. Bald darnach hatte der Ort schon seine Städte-Rechte. Doch das Unglück hat es gewollt, daß dem Wassenberger Geschlechte die unmittelbaren Erben fehlten. Die Herrschaft kam an die Limburger, an die Geldrer, die Brabanter, die Heinsberger und mit dem letzten Heinsberger 1484, an die Herzöge von Jülich. Um den Besitz Wassenbergs wurden harte Kämpfe ausgefochten; um Wassenberg schlug Reinald IV. 1288 die furchtbare Schlacht bei Worringen, in der er selber mit 1100 Rittern und Knappen vom Brabanter Herzog gefangen genommen wurde, indeß 8000 Streiter und 4000 Rosse die Wahlstatt deckten. Unter den Jülicher Herzögen wurde die Stadt Sitz eines Droste und Hauptort des über große Theile der Kreise Erkelenz und Heinsberg bis in Holland hinreichenden Amtes Wassenberg. Im Hause des Droste zu Wassenberg, eines Freundes seines Herzogs zu Jülich, fand in den unruhigen Zeiten der Reformation der aus dem Kerker zu Köln befreite Prediger Johann Klopris, wie Luther auf der Wartburg, Schutz und Zuflucht. Außer und mit ihm waren damals beim Droste die Prediger Dionysius Vinne von Diest, Heinrich Slachtscaef aus Tongeren, Heinrich Roll und andere, die von hier aus ihre Lehre über das ganze Nördliche Herzogthum Jülich ausbreiteten, später aber mit dem Könige des neuen Zion, Jan van Leiden, in Münster ihr Ende fanden. Seit Wassenberg zum bloßen Amtssitz herabgesunken, waren die Tage seines Glanzes dahin.

In der französischen Zeit wurde es nicht einmal Canton-Ort. Es ist Flecken im Kreise Heinsberg. Anfangs des Jahrhunderts hatte es Webereien und Dachziegeleien. Seitdem aber die Eisenbahnen, die Landstraßen ersetzend, den Verkehr an sich rissen, schwanden auch diese. Es fiel das Hauptzollamt fort, selbst die Zoll-Einnehmerstelle. Dem Orte blieb nur noch das Notariat. Der evangelischen Gemeinde gehören im Orte außer dem Pfarrer und dem Lehrer eine vollständig evangelische Familie und drei Mischehen an. Die evangelische Kirche ist ein kleiner versteckter Bau.

Juden sind ebenfalls schon lange im Orte ansässig. Die übrigen 1000 Einwohner, einschließlich des nahen Ohe und Forst, gehören dem katholischen Bekenntniß an. Schon vor 800 Jahren war Wassenberg der Sitz eines Dekanates damals der Lütticher, jetzt der Kölner Diözese. Zwei Aerzte und ein Apotheker bemühen sich vergebens, unter den Bewohnern den Tod zu bannen. 

In neuerer Zeit ist Wassenberg wieder in das Zeichen des Verkehrs eingetreten. Eine Crefelder Firma begründete 1893, gegen Gewährung fünfzehnjähriger Steuerfreiheit, eine große  S e i d e n f a b r i k.

Wo einst der Boden vom Hufe der Rosse, von Lanzen und Harnischen der Ritter wiederhallte, da klappert jetzt die eiserne Gezau. Wo einst Trompetenstöße, Ritter und Knappen zu lustigem Turnier und ernstem Kampfe luden, da ruft jetzt das wenig melodische Fabrikhorn arme Weber zu langer Tagesarbeit. Wie sich die Zeiten und Sitten auch geändert haben mögen: Herren und Knechte einst wie jetzt!

Ein anderer Verkehr ganz besonderer Art ist Wassenberg seit einem Jahrzehnt entstanden. Wassenberg ist, wie Offermanns (Geschichte der Städte u. s. w., Linnich, 1854, S. 219) sagt, „ein freundlicher Flecken in einer romantischen Gegend“, „ein ländliches Idyll“, wie es Landtagsabgeordneter Schmitz zur Zeit im Abgeordnetenhause bezeichnete. Seine von Natur aus freundliche Lage wurde durch die Kunst des Menschen noch gehoben. Einige Schritte von Wassenberg, nach Osten hin, erstreckt sich, mehrere hundert Morgen groß, ein parkartig angelegter Wald, das Judenbruch, auch Marienbruch genannt, eine dem Publikum offene Privat-Besitzung.

Das zwischen Burgberg und Wingertsberg in`s Roerthal auslaufende Querthälchen war noch anfangs dieses Jahrhunderts ein wüster Sumpf, stellenweise zwar von Eichen überragt, aber zum größten Theile nicht einmal betretbar. Durch die Opferwilligkeit der Familie Packenius, welche das Bruch vom Fiskus erstand, besonders die jetzigen Eigenthümer, Eheleute Oskar von Forkenbeck und Maria Packenius, ist dasselbe mit Hülfe des vor nicht langer Zeit im achtzigsten Lebensjahre verstorbenen Försters Wild in einen Park umgeschaffen worden. Zunächst wurden die Wasser in Teichen gesammelt, diese durch Kanäle oder Kaskaden mit einander verbunden, dem Ganzen Wege gegeben, Brücken gebaut, Kiefern-, Birken-, Platanenalleen angelegt, Ruheplätze, Grotten geschaffen, Durchschläge für Aussichten gehauen.

 

Auf den Teichen wiegen sich jetzt Nachen zwischen weißen und gelben Wasserrosen. Hier zeigt jetzt das Bruch volle Hochwaldnatur, hochstämmige Eichen und Buchen breiten dichte Schattendächer über gangbare Waldwege, dort wechselt Niederholz mit Nadelbeständen, und weiter durch wird`s ein Stauden- und Blumengarten, überall von strahlenden Wasserspiegeln belebt und wiedergespiegelt.

Mit Großem Geschick ist das dunkle Nadelgehölz unter die helleren Eichen und Buchen vertheilt, und zwischendurch das schimmernde Weiß der Birke und Silberweide verstreut. Die Balsamweide duftet mit der Linde um die Wette. Die breitblätterige Kastanie bietet freigebig ihre Frucht. Die Tannen und Fichten wechseln in mehr als zwanzig Sorten.

Der Hollunder ist in einer Reihe von Arten vertreten. Die verschiedensten Farren, vom zarten Federfarren bis zum hohen Adler-Saumfarren decken den Boden, Hunderte munterer Sänger, von der piepsenden Meise bis zur laut schlagenden Drossel, haben Jahrein Jahraus hier ihre Herberge, und wenn der Lenz in`s Land zieht, kommt mit ihm eine ganze Schaar von Nachtigallen. Da schlägt`s und schallt`s von allen Ecken und Enden. Da gibt`s kein Locken, das nicht seinen Widerhall fände. Furchtlos spielen die Eichhörnchen im raschelnden Laube und gucken verwegen mit den klugen Aeuglein dem müßigen Wanderer zu Scheu hüpft das schnelle Kaninchen, vom Fuße des Wanderers aufgeschreckt, über den Weg davon. Auf den Wanderer aber selbst sinkt es, wenn er an stillen Sommertagen allein im Bruche ist, wie Gottesfrieden hernieder.

Deshalb ist es begreiflich, daß Sommers über tausende Städter aus dem Fabrikvorderland und dem holländischen Hinterland zu fröhlichen Fahrten in`s Judenbruch ziehen, zumal in den Gasthäusern des Ortes auch für den leiblichen Menschen stets beste Pflege sich bietet. Sonntags sind nicht selten bis zu dreißig Equipagen dort aufgestellt. Pfingsten wurden über 2000 Fremde im Park gezählt.

Die schöne Lage, die prächtigen Wälder,  die herrlichen Fernsichten und Spaziergänge, alles dicht vor dem Orte, dazu die gute Verpflegung halten manchen Kurgast auf längere Zeit am Orte. Dieser wird dann im Judenbruch auf Besonderes aufmerksam. Die Siebenbirken, der Siebenweg, der todte Baum, der Tulpenbaum, der Rehbaum, der Irrweg, die Bergschlucht, Das Schneckenhaus, der Teufelsstein, die Bischofsbank, die Eremitage, die Kapelle, und wie all diese Merkwürdigkeiten heißen, haben jedes seine eigene Mär. Bald findet man die hübschen Punkte heraus: die Ruheplätzchen zwischen den beiden Seen; am Eisensprudel,

neben dem plätschernden Bach, und in der Erdschlucht die Ausblicke durch den Aushau auf Stadt und Burg, über den Treppenweg zur Höhe, durch die Weimuthsallee auf`s Schneckenhaus, von der Brücke auf den Wasserspiegel, vom Lusthaus auf das versunkene Schloß, durch den Hohlweg auf die Mühle.

Da ziehen immer wieder an die von Farren bestandenen und Haselholz überdeckten Hohlwege, die schmalen Buschpfade durch die Pflanzkämpen, die hoch überwölbten Waldwege unter den Eichen und Buchen, die teppichweichen Gänge im Tann. Nur ungern scheidet der Wanderer. Selbst nach längerer Rast heißt es stets „auf Wiedersehen“.

Das Judenbruch ist zuerst das Ziel der Fremden. Doch es gibt der schönen Punkte zum Wandern und Verweilen in der unmittelbarsten Nähe von Wassenberg noch so viele, daß sie sich im Einzelnen nicht alle besprechen lassen. An der Kapelle vorbei führt zum Judenbruch hinaus der Weg eine kurze Strecke durch Schlagholz und Heide. Der Blick ist durch das Gehölz beschränkt. Der Weg senkt sich allmählich. Mit einem Male ist die Gegend ganz frei. Ein kleiner, nahezu quadratischer Thalkessel liegt in der Tiefe, ringsum von bewaldeten Höhen umkränzt. 

Zur gegenüberliegenden Ecke fällt der Blick auf die freundliche Kirche und das Pfarrhaus von  M y h l , die sich vom Fuße der das Thal abschließenden Höhe erheben.

Rings aus den grünen Hängen stehlen sich die rothen Ziegeldächer des Ortes heraus. Neben der Kirche ragt auf dem Schwanderberg ein neues prächtiges Kreuz empor. Zwischen Kirche und Kreuz durch, über beide hinaus, grüßt aus der Ferne der Kirchthurm von  G e r d e r a t h. Ein selten schönes Bildchen, des Pinsels eines Malers werth, das um so mehr packt, je weniger man es aus dem Waldgestrüpp heraus zu finden erwartet. Sagen und Legenden von vergangenen Klöstern, verschwundenen Nonnen, Heilung Besessener knüpfen sich an dieses Fleckchen Erde. Doch der Wanderer muß leider vorüberziehen.

Nur einen Bogenschuß weiter zur Seite, im Hügelterain zum Roerthal vorspringend, liegt der  Ga l g e n b e r g , der höchste Berg der Umgebung, der von seinem ehemaligen Zwecke als Richtstätte, heute noch seinen Namen führt. Wohlfeiler Patriotismus hat ihn, allerdings vergebens, in neuerer Zeit zur Friedrich Wilhelmshöhe umtaufen wollen. Den armen Missethätern mag die herrliche Aussicht von hier kaum zum Frommen gereicht haben, und dem Thale war es gewiß auch keine Zierrath, als das Gericht zu Wassenberg am 5. Mai des Jahres 1551 achtzehn in der Nachbarschaft auf dem „Blates“ ausgehobene Räuber hier gleicher Zeit aufknüpfen und zum warnenden Exempel Wochen lang an dem Galgen, den Räuberhauptmann auf dem Rade ließ.

Von jenen Schrecken hat der Ort heute nichts mehr an sich, wohl aber noch die  P r a c h t a u s s i c h t , die, wie allerorts hier, unvermittelt sich bietet. Da liegt das Roerthal in seiner ganzen Breite und einem großen Theile seiner Länge aufgeschlagen, wie ein offenes Buch. Im Süden stützt sich die Halbkuppel des Gesichtskreises auf die blauen Eifelberge, verliert sich im Westen auf dem äußersten Rande des linken Roerufers über Sittard, und schließt im Norden hinter den Thürmen von Roermond ab. In diesem weiten Bogen zeigen sich in der Ferne die Niedegger Berge, die schlotenreichen Höhen der Atsch, der einsame Lousberg und der flache Rücken des von dem breiten Frauenkloster gekrönten Echterbusches. Innerhalb dieses weiten Zirkels schaut das Thal, wie ein bunt gemusterter Teppich, zusammengewirkt aus Feld und Wiese, Wald und Haide, durchschnitten von Fluß und Landstraße, und mit Dörfern übersäet, zur Höhe empor. Mehr als 50 Kirchen sind hier zu zählen. Der Blick umspannt Theile von sieben preußischen Kreisen und die Länge der holländischen Provinz Limburg von der Falkenburger Sohle bis zum Venloer Scheitel. Wenn bei aufkommendem Regenwetter die weiten Fernen zum Fuße des Berges herangezogen werden, wenn dann der Wind die Wolken zu Paaren treibt und die Sonne hinter ihnen, Verstecken spielend, Lichter Schatten wechselnd, über das Thal verstreut, wenn zu später Herbstzeit die Abendsonne jenseits des Thales niedersinkt, die Wolken mit malerischen Tinten übergießt und ihre Ränder golden verbrämt, dann ist der Auslug vom Galgenberg ein unbeschreiblich schöner.

Auf der halben Höhe des Berges, zwischen dem Auslug und dem Judenbruch, das sich hierhin emporzieht, liegt im Grünen versenkt  eine kleine  W a l d w i r t h s c h a f t.

Vorüber führt der Weg nach Süden  gleich wieder in den Wald hinein, Partien bietend, zu deren Beschreibung  nur eines Dichters Feder im Stande ist. Laubbestände, Eichen- und Birkenschläge wölben über den Weg ein luftig Dach; rothe Heide und grüne Waldbeersträucher säumen den Weg, bis die Bahn sich senkt und die Hochwaldnatur vortritt. Hohe Eichen ragen, von grauem Schurf bedeckt, aus dem grünen Rasen hervor. Der Blick verliert sich durch lange grüne, zum Laubgang rund überwölbte Wege zu Thal. Der Fuß tritt weichen Rasen. Die Luft füllt Waldesduft. Ein murmelndes Bächlein kreuzt den Weg. Von der weiten geräuschvollen Welt ist man ganz abgeschnitten. Mit einem Male öffnet sich dem Blick ein kleiner, grüner Plan. Mitten im Walde strahlt eine saftige, grüne Wiese. Vom Rande zieht sich, scheu auffahrend, ein äsendes Reh in`s schützende Dickicht zurück. Noch eine Strecke, dann hat der Waldbestand ein Ende. Quer durch den schmalen Ackerthalkessel führt der Weg in einigen Minuten zu einer Höhe, dem „Myhlerberg“. Auch hier wieder unerwartet ein prächtiger Blick auf ein in`s Roerthal mündendes Querthal. Die Höhe dacht allmählig ab. Durch das kurze Thal zieht sich der Ort  A l t m y h l. Hinter demselben hebt sich, von dunkelen Tannenwäldern bedeckt, senkrecht aufsteigend, die jenseitige Bergwand empor. Links herüber grüßen die Kirchthürme von Gerderath und, nach rechts verliert sich der Blick durch das Thor des Querthälchens in das weite Roerthal hinein. Das ist eine kleine Schweiz. In weiterer Fortsetzung des Weges bieten neue Punkte neue Ausblicke, hier weiter, dort enger, auf Roer- und Querthäler. Schröferberg, Klierhöhe, Kleingladbacher Berg haben darunter den größten landschaftlichen Reiz, und das Angenehme, daß selbst der weiteste von ihnen, der  W a c h b e r g , in einer Stunde Weges von Wassenberg aus zu erreichen ist.

Gleiche Schönheit weist die Hügelkette auf in ihrer Fortsetzung über Wassenberg hinaus nach Norden. Der Weg, welcher an der Kirche vorbei zum Judenbruch abschwenkt, führt gerade aus in einigen Minuten zur „Heide“, auf die über Wassenberg hinausragenden, den Hintergrund des Bildchens von der Orsbecker Mühle bildenden Höhen. Von der Landstraße abbiegend, steigt er den Berg hinan durch eine junge Birkenallee zu dem thalwärts vorspringenden Heidehügel, der sich ebenfalls eine Wiedertaufe in Wilhelmshöhe nicht hat gefallen lassen wollen.

Der Gang und sein Ende bringen neue Bilder. Anfangs zeigt sich nur der blaue Glast der Ferne. Bald löst er sich auf. Der Blick erfaßt zuerst den hohen Thurm der Christopheruskirche von Roermond, der von beiden Thürmen des Münsters flankirt wird, gerade als ob sie zu ihm gehörten, während sich die spitze Nadel der neuen Kapelle im Sand weit seitwärts zeigt. Dann öffnet sich das Thal auch nach links hin. Die Landschaft wird weiter und immer weiter, und der Blick, vom Ende des Heidekopfes aus, umspannt nahezu den ganzen Umkreis, wie er sich auch vom Galgenberge bot, doch in einem andern Lichte. Burg und Kirche Wassenberg, an sich hoch, liegen, von hier gesehen, im Thale. Ueber sie schauen, besonders sich vordrängend, aus der Ferne die schlanken Kirchthürme von  H e i n s b e r g  und  B r a u n s r a t h  herüber, und zwischen diesen und den Roermonder Thürmen liegen verstreut, die fünfzig anderen Pfarrorte, diejenigen Dörfer nicht zu zählen, welche keine Kirche haben. An den Fuß des Heidehügels lehnt sich im Thale mit seinem stumpfen Kirchthurm,

seinem hohen Pfarr- und Schulhaus, das große Dorf  B i r g e l n an.

Ueber den Ort herüber blinken im Sonnenlicht aus dem Park heraus die Zinnen des Schlosses  E l s u m, des Sitzes der Lebenden vom Geschlechte von Leykam.

Die Todten ruhen in der gothischen Grabkapelle, welche jenseits eines Querthälchens vom Nachbarhügel zum Schlosse hinabschaut. Diese ist vor einigen Jahren durch den verstorbenen Freiherrn von Leykam, an Stelle der alten niedergelegten Birgeler Pfarrkirche in Mitten des Kirchhofes errichtet worden. Der Bau war sehr alt. Die Wallfahrer nach Roermond zeigten einander vom Thale aus den Schaum, der noch von der Sündfluth her an der Spitze des Thurmes hing. Alt war der Bau thatsächlich, denn nach Bild und Bauart gehörte zum wenigsten der ersten Christenzeit des Landes an. Undankbare Epigonen haben sich durch den Abbruch schwer versündigt. Auch heute noch wie vor vielen hundert Jahren wird der Birgeler  die steile Höhe hinangetragen, doch nicht mehr wie früher auch zur Taufe, sondern nurmehr zur letzten Ruhe. Das ist ein schönes Ruheplätzchen. Am Fuße des Kirchhofberges im Thale, zwischen diesem und dem Haidekopf, liegt, früher traulich versteckt, jetzt auf  blasser Fläche das „B i r g e l e r  P ü t z c h e n“.

Von rechts und links hallen die Stimmen frommer Beter herauf, Wallfahrer ziehen durch das Thal, Landleute der Umgegend, einzelne und in Gruppen, die allsonntäglich  ihre Anliegen der schmerzhaften Mutter „zum Pützchen“ bringen. Dem Wasser des Brünnchens unter der Kapelle wird heilkräftige Wirkung für die Augen zugeschrieben. Im Innern hängt manche dankbare Widmung. hier ist eine ehrwürdige Stätte. Der Christenapostel der Gegend, der heilige Lambertus, hat jene erste christliche Kirche der ganzen Gegend auf dem Hügel eingerichtet, das Brünnlein zum Taufbecken benutzt. Daher die hohe Verehrung, welche das Volk dem Orte im Gebete bis heute treu bewahrt. Nach Osten fällt der Blick vom Hügel auf menschenleere Heidehöhen und Waldthäler hinab, die sich wild romantisch durch einander drängen. 

Zur Linken folgt ein Weg über einen dieser Bergrücken. Der Tann schließt die Aussicht zum Roerthal bald ab, bald läßt er wieder einen Durchlug, bis er endlich zum geschlossenen Wald sich dichtet. Rechts und links dringt der Blick  durch die langen Zeilen der aus Reihensaat aufgegangenen Tannenbestände wie in`s Unendliche. Der Weg senkt sich, zieht sich bald wieder durch stärkeren, aber unregelmäßigeren Tannenbestand zu neuer Höhe. Da hat der Wald sein Ende.

Ueber eine Schonung ragt ganz nahe von der jenseitigen Höhe aus Laubwald hoch empor der neue romanische Kirchthurm von W i l d e n r a t h, den der hochherzige Pfarrer seiner Gemeinde aus eigenen Mitteln erstellte. Der Reiz des Unverhofften bannt förmlich den Blick des überraschten Wanderers auf das schöne Bildchen.

Bei der Rückkehr mißt das Auge, da wo der Weg von dem Bergrücken zum Orte niedersinkt, das ganze Querthal des Judenbruchs von der Thalsohle hinauf bis zum Kamme der jenseitigen Höhe. In der Thalsohle liegt, zwischen den Bergen eingegraben, geschützt von allen Seiten vor Wind und Wetter, der weite Bau der bereits erwähnten Seidenfabrik von Krahnen und Gobbers aus Crefeld, der, wenn auch Fabrik, doch mit seinen beiden geschmackvollen zinnenbekrönten Frontthürmen u. seinem nicht unschönen Schlot dem Thale einen besonderen Reiz verleiht. Vor dem Eintritt in den Ort schweift das Auge noch einmal rechts und links über`s Thal. Dann führt die Landstraße unter hohen dunkelen Kastanienbäumen, durch die in die Stadtmauer gelegte Bresche, zwischen der über ihre wohlgepflegten Gärten hinüberragenden Burg und der aus dem schön vergitterten Kirchhofe mit der Längsseite herausschauenden Basilika hindurch, die abschüssige Kirchstraße hinab in den Ort hinein.

Bei weiterem Wandern finden sich der hübschen Punkte, der schönen Aussichten der anziehenden Spaziergänge, historischen Erinnerungen noch ungezählte.

Der  B u r g b e r g , den in liebenswürdiger Weise  die Besitzerin Wittwe Claus aus Roermond dem Publikum zugänglich macht, der Kirchhof von Birgelen, der anschließende  K o f f e r a t h s b e r g, die nebenliegende  C a r o l i n e n h ö h e, das Jagdschlößchen  W a l d h e i m  des Fabrikanten Schött aus Rheydt, die  V l o d r o p e r   H ö h e  mit ihrem Aussichtsthurm, haben manichfaltige Fernsichten über Roer und Nebenthäler. Die Wanderung dahin auf den Wald- und Höhenpfaden bieten dem Kundigen einen Reichthum von Naturschönheiten, die mit dem Wechsel der Jahreszeiten über dies einem steten Wechsel unterworfen sind, und den Vorzug haben, daß die Spekulation noch nicht ihre Eindrücke bei ihnen zurückließ. Der alte  B u r g t h u r m  beherbergte als Gefangenen einen deutschen Kaiser und einen Kölner Erzbischof. Von seinem  M e s s e r p ü t z  hört die ungläubige Nachwelt Grauenerregendes erzählen. Im Ossenbruch geht die schwarze Dame, im Judenbruch der Drühe um; ihm leistet der Teufel Gesellschaft, der allnächtlich auf einem bestimmten Steine sitzt, nahe bei der Stelle, wo ein Schloß versunken ist, im  C a p u z i n e r k l o s t e r  spukt Pater Achatius; der so genannte alte  B e r g  bei Rötgen gemahnt noch an die Merowingerzeiten; H a s t e r n  bei Altmyhl kündigt sich als eine im 13. Jahrhundert bis zum letzten Stein zerstörte Stadt an;  H e l p e n s t e i n, das ehemalige Tempelherrenhaus unweit Arsbeck erzählt von der Plage der Raubritter im 14. Jahrhundert; der B l a t e s, eine Waldpartie zwischen Myhl und Gerderath weiß von der Leprosennoth und dem Räuberwesen im 16. Jahrhundert. Die Gegend war so gefürchtet, daß der Volksmund das eigene Wort für sie fand:

Wä well gonn van Gidere no de Mihl,
Dä mott gonn am hellen Dag on met Ihl. 

Der vielen Schlösser und Adelsgeschlechter der Gegend, Schloß  B l i t t e r s d o r f , Haus W i l d e n r a t h, Haus  H a l l, Burg  E f f e l d  und wie sie alle heißen, ist dann noch nicht gedacht. Ueberall zeigt sich hier dem Geschichtsfreund eine reiche Vergangenheit, dem Naturfreund eine herrliche Gegenwart. Mag man nun aber von Ost oder West, von Nord oder Süd kommen, die Gegend zu ergründen, über alles ragt immer heraus, von allen Seiten auf seiner eigenen Höhe, das Centrum des Ganzen:  „ B u r g  u n d  S t ä d t l e i n W a s s e n b e r g“. 

W. Weisweiler,
Rechtsanwalt und Notar 

 

Karl Lieck: Kätche ut de Bröhl

„Mit dem Spruch ‚Hii es dat stolze Kätche ut de Bröhl!‘ meldete sich Kätchen Stolz-Theißen (1923-2015) am Telefon, wenn ich sie anrief, um wieder einmal etwas von ihr über das alte Wassenberg zu erfahren.“

Im Zweiten Weltkrieg wurde Käthe Theißen als DRK-Krankenschwester dienstverpflichtet.
Im Zweiten Weltkrieg wurde Käthe Theißen als DRK-Krankenschwester dienstverpflichtet.

Karl Lieck vom Heimatverein Wassenberg würdigt das Engagement von Käthe Stolz-Theißen rund um die Mundart und die Historie der Stadt Wassenberg. „Bereitwillig ließ sie jeden an ihren Erinnerungen teilhaben, der sie darum bat. Unsere Wassenberger Mundart war ihr ein besonderes Anliegen. So unterstützte sie mich zusammen mit Jakob Wolters (†) tatkräftig bei der Erstellung des Lexikons „Wassenberger Mundart“. Und selbstverständlich trug Kätchen ihre Plattdeutsch-Geschichten seit 1998, dem Beginn der Plattdütsch-Oavende, in der Begegnungsstätte vor. Unzählige dieser Geschichten sind in ‚Wu et Hatt van voll es....‘ (Hrsg. Karl Lieck), sowie in ,D’r Plattdütsch-Oavend‘ (Hrsg. Walter Bienen) für die Nachwelt schriftlich festgehalten.“ Hier nun eine von Kätchens authentischen Geschichten:

UT OS KENGERTIID

Os Kengertiitd woar en ärm Tiid. Trotzdem woare wir jlöcklech. Dat woar dä Tiid, woa et sovöll Arbeitslose joav. Dat i-eschte J oahr jing et joa noch, doa joav et Arbeitslosejeld, Donoa joav et Unterstützung van de Jemende. Dat Jeld mosch man trückbetahle, wenn man werr ant wirke woar. Doa joav et nix ömesöß, wie hüt. Weil dat ävver so völl Lüht woare, wued en et Jüddebrook (Judenbruch) jewirkt onger Polizei Pi-etesch (Peters) sin Aufsicht. Da bruek man dat net trück de betahle. Ävver wir woare all äeve ärm. De läeve hau man, et joav wenech Vleesch und Wuesch, ene Hering wuedjedellt (geteilt). Jeder hau ene Jaad (Garten), Honder off Enge (Hühner oder Enten) un och Kanin und Jeete (Ziegen). Da hau man Melk, Klatschki-es (Quark) un Eier. Dann wuete Buehne (Bohnen) en et Döppe (Steintopf) jemackt. Och Kappes un Muehre (Möhren) un ru-e (roter) Kappes koame en e Küllke (Erdgrube), Äppel un Bi-ere koame en d'r Keller. Et wuete Kaschteie (Kastanien) jesocht‚ die koame op d'r Söller (Speicher).
Wäe Nüet hau, die wuete verwahrt vörr Kloes (St. Nikolaus) un Weihnachte. Wir Kenger oate Rhabarber un Muehre rüe (roh). En d'r Beu (Ernte) jinge wir süemere (Getreidehalme sammeln). En d'r Herres (Herbst) jinge wir en et Veld Krutröbe (Krautrüben) ut-trecke, Die wuete met et Loov afjeputzt, met de Täng jeschällt un dann jejäete. Dat woar jet Leckesch (etwas Leckeres), wovon op hüt (heute) die Kenger nix mer kenne. Klömpkes (Bonbons) joav et sonndachs, Appelsine om Weihnachte, ävver de Lüht woare devri-e (zufrieden). Spiele kosche wir en den Suemer op de Stroat. Doa koam ens e Rad off en Päeds- off Osse-kar. Jedes Spi-el hau en bestemmde Tiid. Doa wued met d'r Ball jespellt, en anger Tiid d'r Kockerell (Kreisel) jeschlare, dann werr ens Sellke jespronge, met d'r Reep (Reifen) jeloope oder met de Kölsche (Knicker) jespellt. Op d'r Herres un en d'r Wenkter (Winter) wued Verstecke un Noaloope jespellt. Wenn de Lampe anjinge, mosche wir enrenn (nach drinnen) un de Aufjabe make. Wenn d'r Schni-e loach en d'r Wenkter, wuet Neuhaus-Berch met d'r Schlitte eraaf jevahre. Enkele koame van d'r Jaljeberch (Galgenberg) eraaf bis onger de lserbahnbröck. Dann wued op d'r Jondelwiiher un die Wiehere en et Jüddebrook jeschleddert un Schlettschuen jeloope. Wenn en et Vröhjoahr et Wäer atjing (das Wetter abging, besser wurde), stonge die Schosseejraves (Straßengraben) voll Water. Doa wued dann met Staake (lange Holzstangen) drüver jespronge. Doa vi-el (fiel) och all ens eene en dat Water. Bie oss en de Bröhl stong ooch noch e afjebrennt Säejewerk, doa loare Balke und Bräer erömm. Doa kosch man schönn spiele un schaukele. Bii oss en de Nabberschaft wonde Reis, dat woare Jüdde (Juden). Die Kenger spellden met oss un wir li-epen doa all enn un ut. Om Poasche (Ostern) kri-esche wir van de Vrau Reis Matze vör de eate. En die Nazi-Tiid hant völl Nabbere die Familesch Reis jeholpe‚ dat se jet de äete haue.

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