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Sänger: Karl Lieck

Wassenberg1420

Wir verlassen die St. Georgskirche durch das Nordportal, werfen noch einen Blick auf die Wollenweber—Madonna, gehen über den ehemaligen Kirchhof vorbei an uralten Grabkreuzen‚ die uns vom Ruheort vieler Wassenberger künden, überqueren die Kirchstraße und stehen vor dem Aufgang zur Burg. Rechter Hand steht das Kriegerdenkmal, nach dem 1. Weltkrieg 1920 errichtet nach Plänen des Düsseldorfer Bildhauers Hans Munzer. Es zeigt St. Georg, hoch zu Pferde, das Böse, den Drachen, bekämpfend. Die Burg ist das Herzstück Wassenbergs. Ohne Burg wäre Wassenberg nicht entstanden. Aufgrund von Funden kann angenommen werden, dass die Römer in der Zeit von 50 v. Chr. bis etwa 350 n. Chr. hier eine Überwachungsanlage einrichteten. Im 9. Jahrhundert wurde auf diesem Berg eine Motte errichtet, eine Hochmotte, ein kleine Festung aus Holzbauten, umgeben von Pallisaden. Wegen der zahlreichen Überfälle der Normannen suchten die Menschen in der Motte Schutz.

Die Wollenweber-Madonna am Nordportal der St. Georgskirche.

1021 überließ Kaiser Heinrich II. den Berg und sehr viel Land Gerhard von Flandern. Dieser baute die Motte aus und nannte sich Graf von dem „Kahlen Wasen-(Rasen)Berg“ später Wassenberg‚ und gab damit seinem
Geschlecht und dem Ort den Namen. Sein Besitz kam im 12. Jahrhundert an die Herzöge von Limburg. Da die Burg wegen ihrer Lage regionalpolitisch von großer Bedeutung war, wurde sie mehrfach Pfandbesitz der Erzbischöfe von Köln. 1296 fielen Burg und Stadt nach Eroberung und Zerstörung an Brabant. Burg und Stadt wurden wieder aufgebaut, aber 1365 ließen die Heinsberger, als sie gerade Pfandherren waren, Burg und Festungsanlagen zerstören. Der Brabanter Herzog zwang jedoch die Heinsberger‚ die Stadtbefestigung und die Burg wieder aufzubauen. Der Aushub der Stadtgraben wurde auf den Burgberg verbracht, so dass dieser mit einer Höhe von zuvor 68 Meter über dem Meeresspiegel um 23 Meter aufgestockt wurde und nunmehr mit 91 Metern einen markanten Punkt in der Rurlandschaft darstellt. Nähert man sich von Norden, Westen oder Süden Wassenberg, ist der majestätische Burgturm weithin sichtbar. Dies besonders in der Weihnachtszeit, wenn ein hell leuchtender Weihnachtsbaum vom Bergfried die Menschen im Lande grüßt.

Kriegerdenkmal, Burg und Bergfried (Hintergrund) bilden weitere Stationen des Spaziergangs.


Der Neubau der Burg um 1400 gestaltete sich nach arabischem Muster. Die Kenntnis darüber kam wohl über die Kreuzzüge nach Europa. 1494 wurde die Burg, nachdem die Jülicher das Wassenberger Land gekauft hatten, Amtssitz des Vogtes. 1740 wurde die Vorburg zu einem Pallas für den Vogt ausgebaut, der die Interessen des Herzogs von Jülich zu vertreten hatte. 1794 marschierten die Franzosen ein und veränderten die politische Struktur in den kinksrheinischen Landen. Die Burg wurde nicht mehr gebraucht. Sie wurde verkauft. Nach den Franzosen zeigten auch die Preußen nach 1815 keinerlei Interesse an einer politischen Nutzung der Burg. Das geschichtsträchtige Bauwerk hat Kaiser und Könige beherbergt. Dadurch kam man wohl auf die Idee, die Burg bis zum heutigen Tage als Herberge zu nutzen und ein erstklassiges Hotel und Restaurant dort einzurichten. Der Bergfried erhielt eine Plattform, die über eine Treppe im Innern des Turmes zu erreichen ist.

Im Innern des Bergfrieds kann man heute noch deutlich die Einteilung in Stockwerke, den gewaltigen Kamin, Nischen für die Vorräte sowie ehemalige Treppenaufgänge erkennen. Bei schönem Wetter hat man einen herrlichen Blick weit in das Land hinein und jeder Betrachter kann empfinden, wie militärisch bedeutsam die Burg in früheren Zeiten war. Von der Plattform aus erkennt man auch leicht, dass sich im Rücken der Burg ostwärts ein großes Waldgebiet auf den Hügeln des Wassenberger Horstes erstreckt.
Am Fuße des Burgberges finden wir noch einen gewaltigen Stein. um den sich eine schaurige Sage rankt. Eine liebende Mutter brachte es fertig, ihren Sohn vor der Todesstrafe zu bewahren, indem sie auf Verlangen des Grafen mit ihren Händen den Stein hob, dann aber tot unter der Last des Steines zusammenbrach und von diesem begraben wurde. Kinder vermögen bei andächtiger Stille das Wimmern der Frau auch heute noch zu hören. Verlassen wir die Burganlage wieder durch die Vorburg in Richtung Kirchstraße und begeben uns rechter Hand in die Synagogengasse, Eine Messingtafel erinnert an der Standort der Wassenberger Synagoge. 1838 errichtete die jüdische Gemeinde eine kleine Synagoge, die am 10. November 1938, einen Tag nach der Pogromnacht — die Wassenberger Synagoge hatten die Brandstifter einfach vergessen — unter Verhöhnung und Verspottung der jüdischen Religion durch einen gelegten
Brand vernichtet wurde. Das Gewände der Eingangstür blieb erhalten und wurde sichtbar in das Mauerwerk eingelassen.

Nun begeben wir uns zum nahegelegenen Parkplatz unseres Ausgangspunktes am Rathaus, um zu einer Rundfahrt über die hübschen Dörfer um Wassenberg zu starten.

Geschäfts-, Fahrten- und Spendenkonto des Heimatvereins Wassenberg e.V.:  
Kreissparkasse Heinsberg ● IBAN DE03 3125 1220 0002 2043 60 ●  BIC WELADED1ERK