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Sänger: Karl Lieck

Wassenberg1420

 Das Ausflugslokal Tante Lucie mit seinem Biergarten inmitten eines alten Baumbestandes ist Ausgangspunkt weiterer Erkundungen. In nördlicher Richtung gelangen wir in das Judenbruch, Wassenbergs Naturdenkmal. Das Judenbruch wurde erstmalig 1324 in einer Urkunde des Lehens-Inhabers „Sibert op dem Judbrooke van Wassenberg“ erwähnt. Das Bruch mit seinen weitläufigen Wanderwegen, einem Wildgehege, sprudelnden Quellen, kleinen Seen und einem Kanal lädt zum beschaulichen Verweilen ein. Aus den Quellen des Bruches wurden im Mittelalter die Stadtgraben der Festung Wassenberg gespeist.

1878 legte Oskar von Forckenbeck sowie sein Forstverwalter Leonhard Wild mit einer gartentechnischen Gestaltung des Judenbruchs den Grundstock des heutigen Erholungsgebietes. Am Fuße des Klosterberges finden wir ein Denkmal zur Erinnerung an ein 1908 durch Vinzentinerinnen gegründetes Kloster, in dem die erste Trinkerinnenheilanstalt Deutschlands untergebracht war. Während des Zweiten Weltkrieges war das Kloster zeitweise Lazarett, später Entbindungsheim, in dem manch Wassenberger das Licht der Welt erblickte. Das Marienhaus — so der Name des Klosters — musste 1977 wegen Bergschäden abgerissen werden.

Dieses Denkmal erinnert an das frühere Kloster.

Eine kleine Tafel am Klosterdenkmal weist darauf hin, dass der Wassenberger Bürgermeister Alexander Packenius anlässlich der Erstkommunion seiner Tochter Maria 1850 eine kleine Kapelle errichten ließ. Maria Packenius heiratete 1860 Oskar von Forckenbeck. Er nannte das von ihm umgestaltete Bruch seiner Frau zu Ehren Marienbruch. Heutzutage hat sich die alte Bezeichnung Judenbruch wieder durchgesetzt.
So schön dieses Bruch auch sein mag, wir müssen weiter. Es gibt noch Einiges zu besichtigen. Wir verlassen das Judenbruch und kommen zum Pontorsonplatz, benannt nach der französischen Partnerstadt Pontorson. Auf
dem Pontorsonplatz finden wir die „Begegnungsstätte“, ein beliebtes Kommunikationszentrum für Jung und Alt. Sollten Sie Boule (Kugelspiel) spielen, ein eigens für dieses in Frankreich so beliebte Spiel angelegter Boule-Platz erwartet Sie hier.

Gehen wir weiter entlang des alten Bahndamms, schauen den schnatternden Enten auf dem Gondelweiher zu und gehen Richtung Wehrturm durch eine Pforte der alten Stadtmauer.

Diese Pforte ziert das spätgotische Sakristeigewände der 1945 zerstörten St. Georgsbasilika, ein Kleeblattbogen-Durchgang. Wir befinden uns nun zwischen Stadtmauer und Kirche im ehemaligen Garten des Dr. Küsters. Die Familie Küsters war eine Arztfamilie, die über mehrere Generationen in Wassenberg ansässig war. Im Garten des Dr. Küsters standen viele botanische Raritäten. Übrig geblieben sind ein auffälliger Mammutbaum, ein Ginkgobaum und einige andere Baum- und Straucharten mehr.
Wir kommen nun zum Stiftsplatz. Der Platz ist eingerahmt von Kirche, Immunitätsbogen, ehemaligen Vikariegebäuden, der Propstei und dem Kindergarten. Der heutige Kindergarten war vormals Volksschule. Der Immunitätsbogen, errichtet um 1400, trennte im Mittelalter die Zuständigkeitsbereiche weltlicher und kirchlicher Gerichtsbarkeit. Wer diesen Bogen zum Stiftsplatz hin durchschritten hatte, konnte nicht mehr nach weltlichem Recht gerichtet werden. Statten wir der Georgskirche einen kurzen Besuch ab. Die 1118 vom Grafen Gerhard III. gestiftete Basilika wurde 1944 Völlig zerstört, ein Neubau 1956 konsekriert. Einige der wertvollen Ausstattungsstücke blieben erhalten. So die Kanzel, heute im Turmbau zu bewundern. Die Rokoko-Kanzel aus dem Jahre 1782 gilt als eine der schönsten und größten Kanzeln im Rheinland, ein Meisterwerk Antwerpener Schnitzkunst. Der Schalldeckel der Kanzel ging leider Verloren. Daneben steht das Renaissance-Taufbecken aus dem l6. Jahrhundert. Im südlichen Seitenschiff finden wir eine Anna Selbdritt-Skulptur aus der Zeit um 1470. Dazu gesellt sich ein kleines, sogenanntes „Tragaltärchen“ in Kastenform aus dem 12. Jahrhundert, weiterhin eine Reliquienmonstranz. Der Altar im nördlichen Seitenschiff ist ein kleines Museum für sich. Der Blockaltar weist römische Bauelemente auf, dazu Teile des ehemaligen Lettners, einer Schranke, die einst den Chorraum abgrenzte. Ein modernes Tabernakel, welches die Bundeslade darstellt, umklammert symbolisch Vergangenes und Gegenwärtiges. Die übrige Ausstattung ist neuzeitlich. Betrachten Sie die Gestaltung des Altarbildes, „Gnadenstuhl“ genannt, und die sich anschließende Heiligenprozession, gemalt von Josef Höttges aus Mönchengladbach, weiterhin den modernen aber ausdruckvollen Kreuzweg von Egon Stratmann und das moderne Lesepult — Ambo — gestaltet durch den Aachener Bildhauer Iserlohe.

Im unteren Teil der Kirche befindet sich ein freigelegtes Grab, ein sogenanntes Kopfnischengrab. In gemauerten Kopfnischengräbern wurden nur hochgestellte Persönlichkeiten beigesetzt. So kann vermutet werden, dass
es sich um das Grab des Kirchenstifters, des Grafen Gerhard, handelt. Verweilen wir kurz an diesem Grab, ehe wir seine Burg besuchen.

Im unteren Teil der Georgskirche befindet sich vermutlich das Grab des Grafen Gerhard.

Geschäfts-, Fahrten- und Spendenkonto des Heimatvereins Wassenberg e.V.:  
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