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Sänger: Karl Lieck

Der neue Wassenberger Bildkalender für 2017 präsentiert Fotos aus den Ausstellungen von Hans-Josef Jansen und Matthias Meyer, die die schönsten Seiten der Stadt zwischen Roßtor, Bergfried und Gondelweiher ins Bild setzen. Von Angelika Hahn

Als Heimatvereinsvorsitzender Sepp Becker, begleitet vom Beiratsmitglied Bernd Serode, gestern das Gespräch zur Vorstellung des neuen, nun dritten Wassenberger Fotojahreskalenders eröffnete, war Erstaunen angesagt. Denn nicht, wie vermutet, historische Fotos und alte Postkartenansichten sind für 2017 Thema des Kalenders, vielmehr Wassenbergs aktuelle "Schokoladenseiten", so wie sie die beiden erfolgreichen Ausstellungen der Fotografen Matthias Meyer aus Gerderath und Hans-Josef Jansen aus Heinsberg im Bergfried präsentierten.

Von den Fotografen Matthias Meyer (links) und Hans-Josef Jansen stammen die Bilder im neuen Wassenberg-Kalender 2017 des Heimatvereins. Die Fotos waren in den beiden erfolgreichen Ausstellungen im Bergfried zu sehen. FOTO: Jürgen Laaser
Von den Fotografen Matthias Meyer (links) und Hans-Josef Jansen stammen die Bilder im neuen Wassenberg-Kalender 2017 des Heimatvereins. Die Fotos waren in den beiden erfolgreichen Ausstellungen im Bergfried zu sehen. FOTO: Jürgen Laaser


Eine Auswahl dieser Arbeiten - die Jansen-Schau ist übrigens noch an beiden folgenden Sonntagen geöffnet - umfasst der neue Jahreskalender. Überraschend, dass gerade das Titelblatt - die im nahezu festlichen Scheinwerferglanz erscheinende Stadt-Silhouette vom Gondelweiher aus gesehen mit Propsteikirchturm, Stadtmauer und Bergfried im Hintergrund - von Meyer stammt, der ansonsten für die Tageslichtimpressionen in dem Kalender gesorgt hat, während sein Kollege Jansen getreu dem Motto seiner Ausstellung die Wassenberger Parklandschaft entlang der Stadtmauer "im Glanz der Scheinwerfer" ins Bild setzt. Der Schwerpunkt der Katalogblätter liegt auf der Wassenberger Innenstadt, mit zwei Ausnahmen: So zeigt das Novemberblatt von Matthias Meyer (in Kombination) den Marien-Bildstock am "Lindchen" zwischen Myhl und Altmyhl und die Lourdesgrotte auf dem Myhler Justusberg. Eine weitere "Pilgerstätte" zeigt Jansen in einer winterlichen Abstimmung der Ophovener Wallfahrtskirche.

Meyers Foto im Kieswerk Forst, das "Sandwüste in Wassenberg?" betitelt ist, erschließt sich erst auf den zweiten Blick und das ganz bewusst: Die Verwerfungen der Kieshalde rufen Assoziationen an Gebirgsmassive wach - Kontrast zur beschaulichen Feldblumenwiese am Wassenberger Stadtrand.

Bürgermeister Manfred Winkens bedankte sich beim Heimatverein und den beiden Fotografen, die ihre Arbeiten kostenlos für den Fotokalender zur Verfügung stellten, der wie die beiden Vorgänger von der Manufaktur Verden erstellt wurde. Dies in einer Auflage von 110 Stück, für 16 Euro ist der Kalender in drei Wassenberger Geschäften und beim Heimatverein ab sofort zu kaufen.

Sepp Becker betonte als Motivation, diesmal von einem historischen Fotokalender abzugehen, die enorme Resonanz, die beide Ausstellungen, aber auch grundsätzlich die sonntäglichen Öffnungen des Bergfrieds in den vergangenen Monaten erfahren haben. "Man spürt, dass beide Fotografen mit Herzblut bei der Sache waren", inspiriert von den schönen Seiten der Stadt. "Leute kommen von weit her und loben, wie Wassenberg seine historische Gartenachse zwischen Bergfried und Gondelweiher herausgeputzt hat", berichtete Becker gestern. An die 80 Besucher kommen mittlerweile zu den Sonntagsöffnungen.

Becker freut sich, dass mit der Ende der Monats beginnenden Installation der Aufzüge der Bergfried noch vielseitiger wird genutzt werden können. Zwei Wochen, so ergänzte Bürgermeister Winkens, werde der Bergfried für die Innenarbeiten geschlossen bleiben müssen. Im Januar sollen die Außenaufzüge installiert werden.

Quelle: RP vom 4.11.2016

Kalender ist ab sofort zu kaufen

Verkauf Der Bildkalender ist ab sofort für 16 Euro hier zu bekommen: Media Ecke GbR von Kannen & Scheeren, Graf-Gerhard-Straße; Die Tintentanke - Wassenberger Kiosk-Café Oberstadt; Lädchen am Roßtor, Roßtorplatz.
Jubiläum Das Thema des nächsten Bildkalenders steht schon fest, denn 2018 wird auf 40 Jahre Städtepartnerschaft mit Pontorson zurückgeblickt.

Wassenberger Ansichten (Super Sonntag vom 6.11.2016)

Fotografen nehmen Altstadt in den Fokus (Heinsberger Zeitung vom 9.11.2016)

Auf Vermittlung des Vorsitzenden des Heimatvereins Wassenberg e.V. hat Herr Oliver Hermanns aus Birgelen in zwei Vitrinen im Wassenberger Bergfried seine Funde als Hobby-Archäologe ausgestellt. Die Ausstellung lautet:

„Wassenberger Funde aus Feld und Flur - Von den Römern bis ins Dritte Reich“

Sie ist ein Teil/Ergebnis seines jahrelangen Suchens im Wassenberger Umland. Eine Ausstellung, die einem interessante Einblicke in die Vergangenheit und somit in das Leben unserer Vorfahren gewährt.

Die Ausstellung kann während der üblichen Öffnungszeiten vom Bergfried (siehe Terminkalender) besichtigt werden oder hier auf dieser Seite.

Bild 1 Der Gemeinderat
Dauerleihgabe – Privatbesitz
Maße: 97x115 Öl/Leinwand sign. Mitte links

Der Gemeinderat

Fünf Personen sind im Gespräch vereint und bilden somit eine Gruppe derjenigen, die Probleme für die Gemeinschaft zu lösen versuchen. Die gespannte Atmosphäre, das spartanisch ausgestaltete Interieur der Ratsstube, der unauffällige Zusammenklang der Farbtöne, all das verhilft der Komposition dieser Arbeit zu einer beeindruckenden Form der Geschlossenheit.
Zur großen Ausstellung der Düsseldorfer Malerschule, die zu Beginn der 30er Jahre in München und später in Düsseldorf stattfand, wird vom Künstler in einer Besprechung seines Gemeinderats hervorgehoben, dass Küppers Charakterfiguren sieht, die er porträtähnlich auffasst, sodass sie den Menschen formen. „Im Gemeinderat gruppiert der Künstler seine Typen zu einer Einheitshandlung von überzeugender Kraft. Er bleibt dabei aufrecht und verliert sich nicht in pointierte Anekdoten.“
Das Gemälde wurde vom jetzigen Besitzer vor mehr als 20 Jahren aus Privatbesitz erworben und wurde bereits 1996 zum 50 Todestag des Malers in Wassenberg ausgestellt und im gleichen Jahr bei der Vortragsreihe des Heimatvereins Geschichte vor Ort von Hans Heidemanns besprochen. In der großen Ausstellung von der KSK Wassenberg war es wieder Teil der herausragenden Sammelstücke und heute ist es Bestandteil der Sammlung Leo Küppers im Leo-Küppers-Haus.


 

Bild 2 Niederrheinische Spinnstube
Dauerleihgabe – Begas-Haus Heinsberg
Maße: 58x49 Öl/Leinwand sign. Unten links

Niederrheinische Spinnstube

Zentraler Punkt, dieses im mittleren Format gestalteten Gemäldes, ist die Gestalt der Spinnerin im niederrheinischen Kücheninterieur. In einer für Küppers ungewöhnlichen Farbigkeit, gesteigert durch die geschickt nachempfundene Lichtkraft der Abendsonne, vermittelt die Arbeit die beruhigende Beschaulichkeit eines frühen Feierabends oder sonntäglichen Spätnachmittags. Gesteigert wird die Vertrautheit zu Haus und Heimat noch durch die Anwesenheit des zeitungslesenden Vaters.
Das Gefühl für Geborgenheit, natürlich in bürgerlichen Haushalten in Zeiten großer politischer Spannungen, brachten Leo Küppers gehäuft Aufträge dieses oder ähnlicher Genres auszuführen.
Im Heimatkalender der Heinsberger Lande schreibt der Heimatforscher W.J. Spehl 1930: „Zurzeit da dieser Kalender erscheint, soll im Museum in Heinsberg eine Ausstellung seiner Werke veranstaltet werden. Eines dieser Werke – Niederrheinische Spinnstube – ist zum Ankauf für das Museum bestimmt, und wir hoffen, dass er bald auch in unserer Heimat ein dankbares Motiv für eine neue Arbeit findet.“
Dieser Ankauf hat seinerzeit nicht stattgefunden. Es wurde 1996 dem Kreisheimatmuseum angeboten und einige Jahre im Rahmen der heimatkundlichen Sammlungen ausgestellt.
Zur Eröffnung des Leo-Küppers-Hauses am 5. Februar 2017 wurde es aus dem Depot des Begas-Haus als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt.
Es ist also wieder in der Öffentlichkeit angekommen und findet in der Sammlung Leo Küppers einen angemessenen Platz.


 

Bild 3 Der Geigenspieler
Dauerleihgabe – Privatbesitz
Maße: 57x48 Öl/Leinwand sign. Unten rechts

Der Geigenspieler

Dieses im mittleren Format gestaltete Gemälde zeigt in eindrucksvoller Weise die meisterliche Gestaltungskunst des Genremalers Leo Küppers. Im Geigenspieler beispielhaft dargestellt sind seine Affinität zur Kunst der Niederländer im 16. Jahrhundert exemplarisch demonstriert an der monochromen Gestaltung des Hintergrundes, den die Niederländer in ihren Ontbijtes (Frühstücksbildern) zur Perfektion brachten. Den zentralen Punkt bildet der auf einer Truhe sitzende Spieler im küpperstypischen roten Mantel und Hut. Die erloschene Kerze als auch die achtlos auf dem Boden liegenden Notenbücher machen den Eindruck auf einen einsamen Alten augenfällig. Dennoch zeigen die aus der Dunkelheit leuchtenden Flecken, der Handrücken der Streicherhand, die Gesichtshälfte, die Notenblätter eine in sich geschlossene Einheit. Das wiederum strahlt eine konzentrierte Ruhe aus, die dem Alter auch eine tröstliche Perspektive aufzeigt.
Der Geigenspieler ist also nicht die tragische Figur eines zu Ende gehenden Lebens, sondern eine in sich ruhende Person, selbstvergessen aber nicht verzweifelt.


 

Bild 4 Der Würfelspieler
Dauerleihgabe – KSK Erkelenz
Maße: 38x49 Öl/ Leinwand sign. Mitte links

Der Würfelspieler

Die für Küppers typische kleinformatige Arbeit bietet dem Betrachter eine abwechslungsreiche Einsicht in menschliche Charaktere und Verhaltensmuster. Was auf den ersten Blick an eine beschauliche Wirtshausszene erinnert, stellt bei einer näheren Betrachtung eine spannungsreiche Situation zwischen Menschen unterschiedlichen Charakters und Herkunft dar.
Den Mittelgrund des Gemäldes bildet die Tischrunde in einer gemütlich wirkenden Gaststube. Das Beisammensein in beschaulicher Runde ist aber nur augenscheinlich. Tatsächlich sitzen sich hier zwei Parteien gegenüber, die eher nicht zusammengehören.
Da sind Männer der Stammtischrunde, die sich bei Wein und Tonpfeife zum Feierabend treffen. Sie bilden den skeptischen aufmerksamen Halbkreis im Hintergrund. Der agierende Partner in der Runde zeigt sich dem Betrachter nur in Halbrückenansicht; ist in Haltung und Kleidung abgehoben von dem bürgerlichen Hintergrund und konzentriert sich deutlich auf sein Würfelspiel. Seine Kunstfertigkeit scheint die Bürgerrunde über die Maße zu erstaunen. Darüber hinaus spielt sich in ihren Mienen auch eine gewisse Scheu und Skepsis gegenüber dem Fremden wieder.
Der Fremde, der schon in Kleidung, Haltung und Positionierung vom Maler von der Runde getrennt wird, unterscheidet sich auch in seiner Trinkgewohnheit. Auf einem Beistelltisch neben ihm hat die Wirtin den Branntweinkrug wohlweislich hingestellt. So kann man mit Recht diese Szene untertiteln mit dem alten Spruch – Der Teufel hat den Schnaps gemacht, um uns zu verderben – und wir ergänzen: und das Würfelspiel.
Dieses Gemälde ist ein schönes Beispiel, wie Küppers in seine oft harmlos wirkende Genrebilder sinnhafte und ermahnende Botschaften mit einfließen lässt.


 

Bild 5 Horn und Korn
Dauerleihgabe – KSK Erkelenz
Maße: 49x38 Öl/Leinwand sign. Unten links

Horn und Korn

Wieder eine kleinformatige Arbeit, die auf engstem Raum die Stimmung einfängt, die so die vertraute Situation niederreinischer Dörflichkeit wiederspiegelt.
Der Schankraum der Gastwirtschaft wird flugs in einen Konzertsaal umgestaltet, indem dem Konzertierenden ein breiter Schanktisch bereit gestellt wird, auf den er seine Notenblätter eher unordentlich verteilt. Die Noten zum dargebotenen Musikstück sind vor einem Bücherstapel aufgerichtet, das Horn ist in Anschlag gebracht und das notwendige Schmiermittel, die Flasche Korn, steht in Reichweite.
Während die Zuhörerschaft mangels Sitzgelegenheit vom Hintergrund aus gespannt die Vorbereitung zum Kunstgenuss stehend den Beginn erwartet, konzentriert sich der Meister auf die nun bald erklingenden Töne. Die Backen sind gebläht, die Nase gerötet durch Eifer oder Schmiermittel, man weiß es nicht. Sicher ist, dass der Wandermusikant dem eher wenig spannenden Wirtshausgang der Dörfler eine besondere Attraktion bietet, wovon auch die aufmerksame Beobachtung des Hündchens in der Mitte des Geschehens Zeugnis gibt.
Die Komposition des Bildes entspricht der Intention des Malers, hier eine stimmige launige Runde zu präsentieren, die den Betrachter schmunzeln lässt und ihm vermittelt, nicht nur das Horn ist rund.


 

Bild 6 Der Zeitungsleser
Dauerleihgabe – Begas-Haus Heinsberg
Maße: 46x37 Öl/Leinwand sign. Oben rechts

Der Zeitungsleser

Es gibt nur wenige Gegenstände, die den Hausrat des lesenden Mannes beschreiben.
Es ist die Reduzierung auf das Notwendigste, um Atmosphäre zu erzeugen. Küppers will hier nicht Armut beschreiben, eher bescheidene Beschaulichkeit im bäuerlichen Raum. Auch hier fällt uns wieder der Niederrhein ein, mit seinem so typischen Interieur bäuerlicher Anwesen. Jedes kleine Bauernmuseum hier in der Gegend zeigt Wohnstuben, wo Tisch, Stuhl mit geflochtenem Sitz, ein kleines Bild an der Wand, eine bescheidene Einheit bilden. Aber auch in dieser Umgebung entsteht ein gewisser Luxus, den nur ein arbeitender Landmann für sich zu schätze weiß. Wir, in unserer von Reizen überfluteten Welt, werden inne bei der Betrachtung von dieser Idylle. Was braucht es mehr, als nach langem Arbeitstag noch einmal die Zeitung von gestern oder das Leihexemplar vom Pastor zu studieren und bei einem Glas Wein oder Most die Geschehnisse in der großen, weiten Welt zu erfahren.
Da gibt es noch nicht die Schnelllebigkeit der heutigen Zeit, die im Minuten- und Stundentakt mit Neuigkeiten aufwartet.
Der Alte erfährt Altes von woher?
Namen und Orte sind wohl fremd, sodass die Nachrichten aus der Kreisstadt oder dem Bezirk Stoff zum Nachdenken genug bieten.
Ein idyllisches kleines Werk, das vor fast einhundert Jahren gemalt, noch an die gute alte Zeit erinnert.


 

Bild 7 Der Maler im Louvre
Dauerleihgabe – Privatbesitz
Maße: 107x98 Öl/Leinwand sign. Unten links

Der Maler im Louvre

Dieses großformatige Gemälde stellt den Maler in den Mittelpunkt der grandiosen Kunstwelt des Louvre. Links sehen wir Friese wohl römisch-griechischer Provenienz, schemenhaft im Halbdunkel, aber majestätisch aufsteigend. Was aber den Mittel- und Hintergrund beherrscht ist die große Kostbarkeit der nicht eben armen Sammlung von Skulpturen des Museums.
Hochaufragend zeigt uns der Künstler in wenigen schattigen und lichten Malzügen die berühmte Nike von Samothrake, eine der wenigen erhaltenen Darstellungen der griechischen Göttin des Sieges, wohl um 200 v. Chr. entstanden. Bedeutsam bei diesem Gemälde ist die Aufstellung der Statue zu einer Zeit, die vor 1914 erfolgte. Heute steht die Nike prominent unter einer Glaspyramide zentral im Louvre. Wer stellt sich aber so selbstbewusst und forsch in dieses Ensemble antiker Kunst? Der sogenannte Malerstock in der rechten Hand des Mannes zeichnet ihn als Maler aus. Mantel und keck gesetzter Hut vervollständigen das Bild des Künstlers. Als blickte er in die Linse einer Kamera produziert er sich im Selbstporträt. Der Gedanke drängt sich auf, dass sich Küppers hier selbstbewusst in Denkmal setzt.
Wir wissen, dass er mehrfach zu Studien in Paris lebte. Es ist bekannt, dass er vor 1914 in Paris weilte und mit dem Ausbruch des Weltkrieges, wie auch viele andere deutsche Künstler, zurück nach Deutschland kam, um als Kriegsfreiwilliger zu dienen.
Fotos und ein Selbstporträt von Küppers kennen wir nur aus späterer Zeit.
Hier würden Aussehen und Gestik auf den 30-35 jährigen Küppers deuten.
Bleibt die Personenstaffage zu erwähnen. Hier greift Küppers die Gebärden und Kleidungsstücke seiner späteren niederrheinischen Genreszenen auf und stellt sich so in die Mitte seiner Niederrheiner und nicht in das mondäne Besucherpublikum der französischen Hauptstadt. Ist hier schon die patriotische Grundstimmung wiedergegeben, die die deutschpreußischen Bürger zu Beginn des 1. Weltkrieges wie eine Fieberkrankheit ereilte?


  

Bild 8 Kirmes am Niederrhein
Dauerleihgabe – KSK Erkelenz
Maße: 97x109 Öl/Leinwand sign. Unten rechts

Kirmes am Niederrhein

Dieses großformatige Gemälde fällt in vielerlei Hinsicht innerhalb der Ausstellung aus dem Rahmen. Küppers hat hier ein Thema gewählt, das bezüglich der Maltechnik als auch des Sujets außergewöhnlich ist. Allein die Tonigkeit der Farben erinnert an die Interieurs seiner Genrebilder.
Hier besticht die Vielbürgerlichkeit des Kirmestreibens.
Der Maler wählt zur Betrachtung des Geschehens einen etwas entfernten, höher gelegenen Standort, um sich einen gute Überblick zu verschaffen.
In schöner perspektivischer Sicherheit geht er von präziser Betrachtung des Geschehens einzelner Gruppen über in die Unübersichtlichkeit des Kirmesgeschehens im Mittel- und Hintergrund. Dieses geht dann stimmig über die Budendächer hin in die kleine Stadt, die sich von der Höhe hinten rechts bis ans Rheinufer erstreckt.
Viele der hier dargestellten Attraktionen erinnern an eine Zeit, die zwischen der Jahrhundertwende um 1900 und 1920 zu vermuten sind.
Der Leierkastenmann zieht eine Gruppe von Kindern und Jugendlichen an, seine Tochter sammelt im Umfeld die Spenden ein und gewinnt mit dem Affen am Bande zusätzlicher Aufmerksamkeit. Der Moritatensänger mit seinen Schautafeln ist ebenso ein Hingucker wie der Mann mit seinem Spieltisch im Vordergrund.
Die Details verschwimmen mit der Entfernung zum Geschehen und lassen den Betrachter immer wieder neue Entdeckungen machen. Während die Figuren im Vordergrund die genaue Betrachtung des Malers in genrehafter Qualität wiedergeben, wirken die skizzenhaften Darstellungen der Menschenmassen im Mittel- und Hintergrund nur noch als Staffage.
Karussell und Riesenrad sind am Rande der Budenstadt als Abschluss des Kirmestreibens noch einmal als Höhepunkt der Attraktionen zu erwähnen.
Die Kirmes hier am Rhein bildet ein gesellschaftliches Ereignis von besonderer Bedeutung für die Menschen der Kleinstadt. Sie ist mehr als nur Vergnügungsort, hier wird man gesehen und sieht, so bleibt Leo Küppers in seiner Bestimmung treu, Menschen in vertrauter Umgebung darzustellen. Hier also einmal nicht als kleine Gruppe in geschlossener Gesellschaft, sondern als Gemeinschaft einer kleinstädtischen Umgebung, eben Niederrhein.


 

Bild 9 Porträt eines alten Mannes
Dauerleihgabe – Privatbesitz
Maße: 27x21 Öl/Leinwand sign. Unten links

Porträt eines alten Mannes

Dieses im Halbprofil gezeigte Porträt eines alten Mannes ist ein hervorragendes Beispiel für das große Zeichentalent des Leo Küppers.
Schon der ins expressionistische gehende Malstil verrät die enge Verbindung zwischen Küppers und Eduard von Gebhardt, dessen letzter Meisterschüler Küppers war. Gebhardt wie Küppers sind von den Wurzeln her von der religiösen Bildnismalerei gekommen. Neben dem Einfluss von Professor Feuerstein von der Münchener Akademie auf Küppers Motivwahl (s. Bild 10) wird hier der bestimmende Malduktus von Gebhardt durch Küppers noch überhöht. Auch in diesem kleinen Porträt bleibt Küppers seiner bevorzugten Farbauswahl, den gedämpften Tönen, treu.
Dennoch „explodieren“ die Farben in diesem kleinen Porträt in für Küppers ungewohnter Art. Wieder zusammengeführt in gebührendem Abstand zeichnen sie ein konzentriert erscheinendes Bild des alten Mannes.



Bild 10 Jesus vor Pontius Pilatus
Dauerleihgabe – Privatbesitz
Maße: 87x65 Öl/Leinwand sign. Unten rechts

Jesus vor Pontius Pilatus

Leo Küppers Wunsch, Zeichenlehrer zu werden, war wohl die Ermahnung des Vaters etwas Anständiges zu lernen. Mit seinem Talent zum Zeichnen war die Alternative für den Handwerker Vater Küppers der Beruf des Anstreichers und Malers für seinen Sohn gesetzt. Da wich Leo Küppers aus und überzeugte die Eltern, ihm die Ausbildung zum Zeichenlehrer an der Kunstgewerbeschule in Düsseldorf zu erlauben.
Bekanntschaften mit Studenten der Kunstakademie waren wohl ausschlaggebend für ihn, sich für das Kunststudium zu entscheiden. Es wird das angeborene Talent zum Zeichnen gewesen sein, dass er ohne höhere Schulbildung als Student zugelassen wurde.
Es wird berichtet, dass er während der Semesterferien sich mit Auftragsarbeiten als Theatermaler in Thüringen und Sachsen das Studium finanzierte und auch in Kirchengemeinden mit Gestaltung religiöser Aufträge wie z.B. Kreuzwege und Freskenmalerei sein Geld verdiente.
Weitere Ausbildungsorte wurden für ihn die Akademien in Karlsruhe und München. Dort wurde Schüler von Professor Feuerstein, dem führenden akademischen Lehrer für religiöse Kunst. Wir wissen auch, dass Küppers nach seiner Münchener Zeit immer wieder Aufträge aus dem kirchlichen Bereich erhielt, in Kirchen zu arbeiten und Kreuzwege zu malen.
Hier haben wir nun ein frühes Beispiel für seine religiöse Kunst zu Beginn seiner Malerlaufbahn. Das Gemälde zeigt die Kreuzwegstation, die Jesus nach der Dornenkrönung vor den römischen Statthalter Pontius Pilatus bringt, der Jesus nach dem Wunsch der hohen Priester und der aufgebrachten Menge zum Tode verurteilen soll. Die Verurteilung erfolgt auch, aber Pontius Pilatus zeigt sich hier in der Rolle des taktierenden Politikers und demonstriert für alle sichtbar, dass er dem Wunsch des Volkes entspricht, aber seine Hände in Unschuld wäscht.
Jesus schaut den Betrachter direkt an mit einem Gesichtsausdruck des Erstaunens aber auch stiller Würde, während die Gesichtszüge des Statthalters Hinterlist und die des römischen Soldaten rohe Gewalt ausdrücken.



Bild 11 Stadtansicht Wassenberg im Winter
Dauerleihgabe – Stadt Wassenberg
Maße: 44x79 Öl/ Holz sign. Unten rechts dat. 1904

Stadtansicht Wassenberg im Winter

Mit dieser Hommage an seine Heimatstadt meldet sich der als Zeichenlehrerschüler, nach Düsseldorf ausgewanderte Leo Küppers nach Hause zurück. Sein ausgeprägtes Zeichentalent fördert Aufbau und Perspektive des Gemäldes durchaus die winterlich gedämpfte Farbgebung. Der Maler geht hinaus vor die Stadtmauer hin zum Wingertsberg, um das prägende Ensemble von Georgskirch, Stadtmauer und Bergfried vor Augen zu haben.
Die verschneite Wiesenlandschaft vor der Stadtmauer nimmt fast die Hälfte des Bildvordergrunds in Anspruch und lässt den Blick des Betrachters gerne hinüber auf die Silhouette der Stadt streifen. Links im Bild der alte Wehrturm am Ende der langen Stadtmauer, dahinter Hausdächer, wo heute der Küstersgarten mit seinem mächtigen Mammutbaum zu finden ist. Dann die Georgskirche und hangaufwärts die Burg mit dem in Ruinen stehenden Bergfried als höchster Geländepunkt im Rurtal.
Diese postkartenwürdige Ansicht Wassenbergs konnte der junge Küppers 1904 noch genießen, bevor der Bahndamm der Linie Baal-Wassenberg aufgeschüttet wurde und die Blickrichtung zwischen Stadt und Rurhöhe sperrte. Daher haben spätere Künstler und Fotografen den Blick auf Kirche, Berg und Bergfried auch immer wieder vom Gondelweiher aus gerichtet, der zu jener Zeit noch nicht existierte.
Das Wiesengelände vor der Stadtmauer ist heute Teil des Garten- und Parkringes, der vom Bergfried aus über die Kirchstraße hin zum Küstersgarten und Gondelweiher bis ins nahe Judenbruch führt.
Das anmutige Städtchen lässt den jungen Künstler aber nicht vergessen, dass er hier nur auf Weihnachtsbesuch bei den Eltern ist. Da malt er flugs die zweispännige Postkutsche, die mühsam die Kirchstraße hinaufgezogen wird und die ihn in den nächsten Tagen nach Erkelenz bringen wird, von wo er den Zug nach Düsseldorf nimmt.



Bild 12 Die Weinprobe
Dauerleihgabe – Privatbesitz
Maße 70x61 Öl/Leinwand sign. Oben rechts

Die Weinprobe

Die Szene spielt im Ausschank des Winzers. Der Gast ist wohl ein Wanderer, der seinen Spaziergang durch die Weinberge unterbricht, um einen kühlen Trunk zu genießen. Das spärliche Licht, das den Raum erhellt, fällt durch dicke Butzenscheiben eines Fensters im Hintergrund. Eine weitere indirekte Lichtquelle kommt aus dem Vordergrund und beleuchtet den genießenden Weintrinker ausreichend, um ihn in den Mittelpunkt der Betrachtung zu stellen.
Wie er das Glas hebt und mit Genuss den ersten Schluck nimmt, mit verschlossenen Augen und stiller Zufriedenheit im Gesicht, das hat der Künstler meisterlich in Szene gesetzt. Damit beweist Küppers erneut sein Talent Genreszenen in wenigen Farben und wenig Staffage zu gestalten. Wie es damit die beiden Sinne, Schmecken und Riechen, so deutlich in den Mittelpunkt seiner Betrachtung stellt, erinnert uns wieder an seine künstlerische Ausrichtung, die holländische Genremalerei des 16. Jahrhunderts, mit ihren oft derben bäuerlichen Gelagen, in das nüchterne beginnende 20. Jahrhundert zu transferieren. Betrachtet man den Winzer, wie er in gespannter Haltung den Genießer beobachtet, so wird die Szene in harmonischer Weise geschlossen, Zumal sein zufriedener Gesichtsausdruck verrät, dass er von der Qualität seines Weines sehr überzeugt ist.



Bild 13 Aussicht auf Wassenberg
Dauerleihgabe – Privatbesitz
Maße: 34x36 Druckgrafik sign. Unten rechts

Aussicht auf Wassenberg

Diese Stadtansicht von Wassenberg war Anfang des 20. Jahrhunderts in Wassenberg und Umgebung beliebt und weit verbreitet. Bekannt sind zwei Gemäldeversionen, die 1904 entstanden und im Familiensitz verblieben. Das größere der beiden Gemälde gelangte dann in den Besitz der Stadt Wassenberg und ist nun in der Dauerausstellung im Leo-Küppers-Haus ausgestellt.
Küppers zeigt in der Grafik die gleiche Perspektive, die er auch in den Gemälden wählte. Die Grafik gibt jedoch einer größeren Tiefenwirkung Raum, indem sie den Blick des Betrachters vom Vordergrund des Bildes, die Weidezaunanlage entlang, in eine schier endlose Tiefe führt. Hier trifft dann die zweite markante Linie hinzu, die das Bild in der Horizontalen schneidet. Die alte Stadtmauer ist hierfür die Grenze zwischen Natur und städtischer Bebauung und den markanten Wahrzeichen Wassenbergs, der Georgskirche und der noch in Ruinen stehende Bergfried um 1904.


 

Bild 14 Der Hornist
Dauerleihgabe – Privatbesitz
Maße: 50x40 Öl/Leinwand sign. Unten links

Der Hornist

Dieses Bild ist ein weiteres Beispiel für die geniale Begabung des Leo Küppers, Szenen des Alltäglichen in eine Atmosphäre der ruhenden Beschaulichkeit zu bringen.
Wir haben den Hornbläser bereits in Bild 5 als Alleinunterhalter im Wirtshausmilieu vorgestellt.
Hier ist der Alte allein in seinem Dachzimmer. Es zeigt ihn in ungewöhnlicher Position: auf dem mit einem persischen Teppich bedeckten Tisch sitzend. Der Teppich ist eine Reminiszenz an die Gemälde der Niederländer im 17. Jh. Ein Schemel mit geflochtenem Sitz dient ihm zur Entlastung des linken Beins.
Hier ist ein Mann behaglich zuhause in einem mittelalterlichen Städtchen, dessen Silhouette wir hinter den Butzenscheiben erkennen. Er übt ein Stück „just for fun“ ohne Noten, die auf dem Tisch liegen. Er braucht weder Publikum noch Applaus.
Was er „trötet“ wird er wohl zur Weihnachtszeit mit seinem Posaunenchor vom Kirchturm blasen, den wir im Hintergrund erkennen, um die Bewohner des Städtchens auf die Weihnachtszeit einzustimmen.



Bild 15 Die zwei Piefen
Dauerleihgabe – Privatbesitz
Maße: 48x38 Öl/Holz sign. Unten rechts

Die zwei Piefen

Küppers präsentiert mit diesem Kabinettstückchen wieder einmal die „gute, alte Zeit“, in der es auch ohne Strom und Heizung heimelig zuging.
Der für Küppers so typische Alte in rotem Überrock und Hut sitzt in seiner Wohnstube und zündet sich genüsslich seine lange Pief an.
Der Piefekopp brennt mächtig, und es ist schwer zu sehen, ob mehr Rauch oder mehr Feuer die Bude qualmen lässt.
Eine zweite Feuerquelle ist die Öllampe, die den schummrig beleuchteten Raum in ein heimeliges Licht taucht.
Die eigentliche Feuerstätte, der eiserne Bärenklauofen im rechten Hintergrund mit dem großen Wasserkessel darauf, ist dagegen noch nicht in Aktion. Wahrscheinlich mangelt es an Kohlen, denn die Schütte davor ist leer. Das scheint den Alten aber nicht zu stören. Ihm reicht es, wenn die Pief qualmt und das Pieferohr kalt bleibt.


 

Bild 16 Der Babysitter
Dauerleihgabe – Missionshaus St. Michael Steyl
Maße: 50x40 Öl/Leinwand sign. Oben links

Der Babysitter

„Für was ist man noch immer gut“. Diesen Spruch hört man immer wieder, wenn sich alte Leute nicht zum „alten Eisen zählen wollen. In der häuslichen Großfamilie war es eh und je so, dass die Alten nicht in Rente gingen, sondern ihren Beitrag zum häuslichen Leben zusteuerten und so zum Fortbestand der Familie sorgten.
Dem Ohm sei die Rolle gegönnt, aber nur Zeitung lesen am helllichten Tage, das geht ja nicht. Vielleicht hat er noch eben beim Füttern geholfen oder der jungen Bäuerin im Garten mit Rat und Tat beigestanden – Mütze, Joppe und Klompen deuten darauf hin.
„Geh und pass auf das Kleine auf“, wird der Rat gewesen sein, eine Ruhepause einzulegen. Nun hat er die Gelegenheit, die Zeitung noch vor dem Abend zu lesen und beim Abendessen das Neueste mitzuteilen.
Fürsorglich hat er den rechten Klompen abgestreift und betätigt mit dem Fuß leicht die Wiege, ein Erbstück aus der Familie.
Das Wohnzimmer mit der Balkendecke, die Eichenvitrine mit Gläsern und Porzellan zeigen zeigen ein gediegenes Interieur, das sich mit dem eines bürgerlichen Haushaltes messen lassen kann.
Ruhe, Geborgenheit und Wohlstand drücken sich in diesem Gemälde unaufdringlich aus.


 

Bild 17 Die alte Juffer
Dauerleihgabe – Missionshaus St. Michael Steyl
Maße: 42x35 Öl/Holz sign. Unten links

Die alte Juffer

In diesem Bild entführt uns Küppers in die niederländisch-belgische Welt der Beginen. Die klosterähnliche Gemeinschaft erlaubte es unverheirateten älteren Frauen oder Witwen ihre Eigenständigkeit in vertrauter Umgebung zu behalten. In den sogenannten Beginenhöfen lebten sie in fest ummauerten, bewachten Kommunitäten. Sie entstammten in den meisten Fällen dem niederen Adel, dem wohlhabenden Bürgertum oder dem großbäuerlichen Milieu.
Das am meisten verbindende Merkmal waren jedoch christliche Lebensführung, priesterliche Betreuung, Kirchgang und Gebet.
Küppers hat einen Blick in die Wohnstube einer Begine gewagt. Da sitzt die Alte kerzengerade auf ihrem Stuhl und strickt, denn Müßiggang ist aller Laster Anfang. Sparsamkeit ist eine Tugend, die sie von Jugend an verinnerlicht hat. Kein Ofen heizt den Raum; Haube, ein dicker Wollrock, Schal und Pullover reichen aus. Den einzigen Luxus erlaubt sie sich, indem sie die Füße auf ein Heizbänkchen setzt, in dem ein erhitzter Ziegelstein vor Fußkälte schützt.
Ihre Herkunft verrät uns der Künstler indirekt mit der gediegenen Ausstattung des Wohnraums.
Das Porzellan auf dem gläsernen Wandbord ist nicht zum täglichen Gebrauch bestimmt. Die Kommodentruhe mit Kupferkessel und Krügen, das Bild an der Wand, eine Pieta, weisen auf einen gewissen Wohlstand hin. Woher dieser Wohlstand kommt, erfährt der Betrachter, wenn er Löffelbrett und Butterfass, Erbstücke vom elterlichen Hof am rechten Bildrand sieht.

Geschäfts-, Fahrten- und Spendenkonto des Heimatvereins Wassenberg e.V.:  
Kreissparkasse Heinsberg ● IBAN DE03 3125 1220 0002 2043 60 ●  BIC WELADED1ERK