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Wassenberg gehört zu den ersten Städten deutschlandweit, die Stadtführungen über eine Augmented-Reality-App anbieten. Ritter Gerhard entführt ab November zurück ins Jahr 1420.

Von Kurt Lehmkuhl

Der virtuelle Ritter Gerhard ist Teil einer sogenannten Augmented-Reality-App, mit der Smartphone-Besitzer künftig Wissenswertes über historisch bedeutende Stätten in Wassenberg erfahren können. Annika Schmitz (v.l.), Walter Bienen, Walter Brehl, Ben Koch und Rainer Martin stellten das Angebot vor. Geschichtlich werden mit Ritter Gerhard für Wassenberg wichtige Adelsherrscher aufgegriffen. Foto: Renate Resch
Der virtuelle Ritter Gerhard ist Teil einer sogenannten Augmented-Reality-App, mit der Smartphone-Besitzer künftig Wissenswertes über historisch bedeutende Stätten in Wassenberg erfahren können. Annika Schmitz (v.l.), Walter Bienen, Walter Brehl, Ben Koch und Rainer Martin stellten das Angebot vor. Geschichtlich werden mit Ritter Gerhard für Wassenberg wichtige Adelsherrscher aufgegriffen. Foto: Renate Resch


Über einen neuen, wenn auch nur virtuellen Kollegen freut sich Walter Bienen, der für den Heimatverein durch die geschichtsträchtige Stadt Wassenberg führt: Ritter Gerhard bietet ab dem ersten Novemberwochenende Unterstützung bei den Bemühungen des Heimatvereins und der Stadt Wassenberg, Bürgern und Besuchern die Geschichte der Stadt näherzubringen. Ritter Gerhard führt die Interessierten zurück in das Wassenberg anno 1420.

Der virtuelle Ritter ist Teil einer sogenannten Augmented-Reality-App (AR). Mit dieser Applikation, die sich jeder Smartphone-Besitzer aus dem Internet auf sein Gerät laden kann, kann der Nutzer Wissenswertes über verschiedene historisch bedeutsame Stätten in Wassenberg erfahren. Am Beispiel der Burg machten Annika Schmitz, Geschäftsführerin der Kunst, Kultur und Heimatpflege Wassenberg gGmbH, und die Entwickler der Anwendung, Ben Koch und Rainer Martin von der Gesellschaft EXIT3D, bei der Präsentation des elektronischen Stadtführers deutlich, wie die Sache funktioniert: Über die App meldet der Nutzer sein Interesse an Informationen über die Burg an. Auf seinem Bildschirm erscheint nach der Eingabe eines Codes die Burg in der realen Zeit und nach einem Klick davor der virtuelle Ritter Gerhard. Rund 40 Sekunden lang berichtet er Wissenswertes über das Gemäuer und dessen Geschichte. „Das ist dann der Einstieg in die Historie“, erläuterte Annika Schmitz. „Wer mehr als diese Grundinformation haben möchte, kann sich dann bei einer Stadtführung mit mir oder einem Kollegen oder anhand der Literatur mehr Wissen holen“, ergänzte Bienen. Neben der Burg sind der Bergfried, das Rosstor und der Verlorenenturm auf diese Weise erlebbar.

Auf die Idee für diese Form der Informationsvermittlung ist Schmitz bei einem Besuch in Solingen gekommen, wo EXIT3D diese AR-Methode auf Schloss Burg zum ersten Mal anwandte. „Es ist spannend, Stadtgeschichte in kurzen Sequenzen zu präsentieren“, erkannte Schmitz. Schnell konnte sie die Stadt Wassenberg und den Heimatverein dafür gewinnen, sich an dem Projekt zu beteiligen. „Wassenberg ist somit eine der ersten Städte deutschlandweit, in der Augmented-Reality bei Führungen praktiziert wird“, sagte Koch. Mit der modernen digitalen Form könnten auch junge Leute eingebunden werden, die herkömmlichen Führungen eher zurückhaltend gegenüberstünden.

Mit dem Heimatverein wurden markante Gebäude ausgewählt, der Heimatverein lieferte die Texte, die von Koch und Martin in die für Ritter Gerhard passende Form gebracht wurden. „Jetzt sind wir alle gespannt, wie es laufen wird“, sagte Martin. Man werde Erfahrungen sammeln, vielleicht noch ein paar Änderungen vornehmen und möglicherweise die Zahl der Besuchsorte vergrößern. Immerhin gibt es zehn unterschiedliche Themenführungen mit 65 für Wassenberg wichtigen Punkten, wie Bienen meinte.

Das Datum anno 1420 ist nicht willkürlich gewählt. Seither gibt es den Bergfried Wassenberg, der im nächsten Jahr seinen 600. Geburtstag feiert, sagte Heimatvereinsmitglied Walter Brehl, die App mit der virtuellen Zeitreise sei im Vorgriff das erste Geschenk. Ob es bei dieser AR bleibt, ob sie erweitert wird oder es im nächsten Schritt sogar eine virtuelle Realität gibt, bei der Besucher durch das historische Wassenberg laufen, bleibt abzuwarten und ist auch eine Frage der Finanzen.


Quelle: RP vom 25. Oktober 2019


INFO
Zeitreise ist ab dem 2. November möglich
Projektstart Ab dem 2. November lädt Ritter Gerhard zur Zeitreise durch Wassenberg ein. Die Codes zur Aktivierung der Applikation „WassenbergAR“ sind an den jeweiligen Standorten oder unter www.wassenberg.de/anno1420 abrufbar. Zum Auftakt gibt es am 2. November ab 16 Uhr und am 3. November ab 14.30 Uhr Stadtführungen mit Halt an den vier AR-Stationen. Treffpunkt ist an Burg Wassenberg.

Projektkosten Die Kosten für das aktuelle Projekt von rund 7500 Euro konnten dank der Stadt, der gGmbH, des Heimatvereins und des Entgegenkommens der EXIT3D-Gesellschaft gestemmt werden.

Geschäfts-, Fahrten- und Spendenkonto des Heimatvereins Wassenberg e.V.:  
Kreissparkasse Heinsberg ● IBAN DE03 3125 1220 0002 2043 60 ●  BIC WELADED1ERK