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Sänger: Karl Lieck

 

König Wilhelm I. wird 1871 in Versailles zum Deutschen Kaiser proklamiert.
Bismarck ist Reichskanzler, das Bürgertum – patriotisch gesonnen, stolz, selbstbewusst, fortschrittlich, auf der Gegenseite: ein darbendes Proletariat.
Karl Marx (†1883) entwickelt mit Friedrich Engels eine neue Theorie über Kapital und Arbeit.
Preußen führt einen Kulturkampf gegen die Kath. Kirche.

Kein Jahrhundert hat das Leben der Menschen in Westeuropa – in Deutschland – so verändert wie das 19. Jahrhundert.
Seit der Erfindung der Dampfmaschinen führt dies zur industriellen Revolution. Die Massenproduktion von Waren, der ausgeweitete Handel, eine veränderte Finanzwirtschaft regulieren die Machtverhältnisse der Welt völlig neu. Es kommt zu einer Auswanderungswelle, Kolonien werden gegründet.
Die industrielle Revolution hat allenthalben die wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und politischen Strukturen grundlegend verändert. Der dramatische Aufschwung der Produktion wird jedoch zunächst mit den Opfern und Leiden der ersten Arbeitergeneration bezahlt.
Überlange Arbeitszeit – niedrige Löhne.
Frauenarbeit, Kinderarbeit, Hungertuberkulose, Wohnungselend in den Städten, das ist die Kehrseite der Medaille „Fortschritt“!
Die soziale Frage wird zum Kernproblem jener Zeit.
Dieses Umfeld – diese Lebensbedingungen beeinflussen naturgemäß Kunst und Wissenschaft.

In dieser Zeit findet allenthalben ein riesiger Gärprozess statt. Es brodelt – und da lebt in Wassenberg ein Schulkind – sicherlich fleißig – lernt in der Schule am Stiftsplatz rechnen und schreiben, lernt seinen Katechismus, kann gut zeichnen und malen – vielleicht in der Schusterwerkstatt seines Vaters, Josep Küppers, einen Schuh – einen Schemel, oder seine Mutter Elisabeth, geb. Schaffrath ein Blumenbildnis, oder malt der Oma zum Namenstag ein hübsches Aquarell wie dies Kinder auch heute noch gerne zu tun pflegen.
Was soll aus dem Jungen werden?
Zur Fabrik? – Nein!
Handwerker – er kann gut malen, das bedeutet anstreichen, also Anstreicherlehre.
Doch in dem jungen Mann steckt mehr!
Mutig, sehr mutig, man bedenke den damaligen Zeitgeist, geht er 1897 – 17 Jahre alt – zur Kunstgewerbeschule nach Düsseldorf, um Zeichenlehrer zu werden.
Künstler – nein danke – wie wird man wohl zu Hause darüber gedacht haben.
Künstler – das kam direkt hinter „fahrendes Volk“.
Lehrer – das war’s! Das hatte Prosperität – Achtung – vermittelte Ansehen.
Die Ausbildung erfolgt in Düsseldorf.
Düsseldorf – das Mekka der Maler. Die Düsseldorfer Malerschule ist damals weltberühmt.
Lassen Sie mich einiges zu der Geschichte dieser Düsseldorfer Malerschule sagen.
Daran können Sie ermessen, dass ein an dieser traditionsreichen Akademie tätiger Künstler wer gewesen sein muss!
Zweit- und Drittklassigkeit haben in Düsseldorf keine Chance.

Ende des 16. Jahrhunderts gründet Johann Wilhelm, Herzog von Jülich eine Kunstsammlung in Düsseldorf.
Diese Kunstsammlung genießt damals: „als Heimatstatt einer der bedeutendsten Sammlungen Europas weit reichenden Ruhm.“
Nach Aussterben des jülisch-bergischen Regentenstammes 1609 fällt Düsseldorf an Pfalz-Neuburg und wird 1614 Residenz der Pfalzgrafen (Haus Wittelsbach, bay. Königshaus). Wassenberg ist damals Amtssitz eines Vogtes im Herzogtum Jülich, eine Art Kreisstadt.

1742 kommt Herzog Karl Theodor nach Düsseldorf und gründet auf der Grundlage der vorhandenen Kunstsammlung des Jülicher Herzogs Johann Wilhelm die Malerakademie.
Die beiden Herzogtümer Berg und Jülich sowie die Residenzstadt Düsseldorf erleben unter Karl Theodor und seinem Statthalter Graf Goltstein eine Zeit der wirtschaftlichen wie der kulturellen Hochblüte. Heinrich Heine, ein Kind Düsseldorfs, spricht einige Jahrzehnte später rückblickend sogar von einem „goldenen Zeitalter“. Und der Naturforscher, Weltumsegler und Schriftsteller Georg Forster stellt in seinen um 1790 veröffentlichten „Ansichten vom Niederrhein“ gar die rhetorische Frage: „Wer doch das Geheimnis einer guten Staatsverwaltung wüsste, damit er sagen könnte, warum sich in den Herzogtümern Jülich und Berg so große Reichtümer häufen, wieso die Bevölkerung daselbst so stark und der Wohlstand der Einwohner gleichwohl so allgemein ward, dass die kleinen Städtchen (Wie auch Wassenberg; Anm. d. Verf.) nicht minder wohlhabend sind als die Residenzstadt, dass der Anbau auf dem platten Lande denselben Geist der guten Wirtschaft, denselben Fleiß zeigt wie die Fabriken, warum man hier so leicht den Weg zu einer glücklichen Existenz finden lernt, den anderwärts so schwer zu treffen scheint?“

Wilhelm Heinse schreibt über Karl Theodor in einem Brief an den Dichter Johann Wilhelm Gleim: „Dieser Fürst unterstützt die künstlerischen Talente und zieht sie aus dem Staube hervor. Er ist selber ein großer Meister und Kenner und überzeugt davon, dass allein die schönsten Künste die Glückseligkeit der Menschen veredeln und stärken.“

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