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Sänger: Karl Lieck

(Zusammenstellung Christoph Steffens)

Das Haus Neuerburg in Effeld

Bei Haus Neuerburg handelte es sich um eine mehrteilige Burganlage in Effeld, die in den Jahren 1808-1810 abgebrochen wurde. Von der damaligen Burganlage steht heute nur noch der Gutshof. Bereits seit dem 13. Jahrhundert ist die Burganlage dokumentiert.

Im Codex Welser wird diese wie folgt dargestellt.


Im Jahre 1549 gelang diese Burganlage in den Besitz der Freiherren von Hochkirchen. Diese Familie gelangte im Laufe der Zeit zu immer größerem Reichtum und Ansehen.
Heribert Cremers aus Effeld beschreibt diese Geschichte auf der Seite ‚www.effeld.eu‘ wie folgt:

„'Adolf Winand von Hochkirchen zu Neuerburg' war Geheimrat, Kurfürstlicher Kämmerer, Jülich-Bergischer Hofratspräsident, Jülich'scher Landhofmeister und Amtmann zu Wassenberg. Er hatte 1692 vom Kurfürsten Johann Wilhelm für geleistete und noch zu leistende treue Dienste und für Verzicht auf sein rückständiges Gehalt im Betrage von 4000 Reichstaler die Kirchspiele Orsbeck, Ophoven und Steinkirchen (einschließlich Effeld) als eine sogenannte 'Unterherrschaft' erhalten. Damit gingen die Steuern und Abgaben aus den genannten Orten und eine Anzahl sonstiger Rechte auf ihn über, insbesondere wurde er auch Gerichtsherr erster Instanz. Auf der Neuerburg tagte nunmehr das Schöffengericht für die drei Pfarrgemeinden.“

Im Landesarchiv NRW wird die Herrschaft Neuerburg wie folgt beschrieben:

„Die sogenannte Herrschaft Neuerburg im jülichschen Amt Wassenberg wurde 1692 dem jülichschen Kanzler Adolf Winand von Hochkirchen in Pfandschaft verliehen. Dazu gehörten die Orte Effeld, Steinkirchen, Ophoven und Orsbeck. Durch die Heirat seiner Tochter Maria Adriane, die am 22.10.1707 Christoph Alexander Frhr. v. Velen heiratete, kam die Pfandschaft an das Haus Velen, von dort an die Familie v. Landsberg. Clemens August Frhr. v. Landsberg verkaufte die Herrschaft am 25.4.1768 an die Gebrüder Franz und Matthias Soiron. Gegen diese strengte Frhr. v. Mirbach einen Prozeß an, in dessen Verlauf ihm die Soirons 1771 Neuerburg gegen Erlegung des Kaufpreises überließen.“

(Quelle: http://www.archive.nrw.de/)


Interessant ist, die Orte Effeld/Steinkirchen, Ophoven und Orsbeck decken ein äußerst großes Gebiet des Rurzuganges im Amte Wassenberg ab. Damit verbunden waren natürlich auch die Fischereirechte in diesem Gebiet.
Das Erbe ging Anfang des 18. Jahrhunderts durch die Hochzeit von Maria Adriana Catharina von Hochkirchen und Christoff Alexander Freiherr von Velen an die Familie „von Velen“ über. Diese lebten aber rechtsrheinisch und kamen nur gelegentlich nach Neuerburg. Der Gutshof wurde verpachtet und das Herrenhaus stand fortan leer, bis es dann am Anfang des 19. Jahrhunderts, unter französischer Besatzung, abgebrochen wurde. So verschwand ein auch für Orsbeck bedeutendes Stück Geschichte.

Im Landesarchiv NRW am Standort Münster lagern Dokumente des Gerichts der Herrschaft Neuerburg in Effeld. Umfangreiches Material ist dort noch erhalten und zugänglich. Da dieses Gericht auch für Orsbeck zuständig war, war und ist weiterhin zu hoffen, bei der dortigen Recherche auch spannende Unterlagen zu unserem Heimatdorf zu finden. Bislang wurden wir hier bezüglich Orsbeck aber noch nicht direkt fündig, entdeckten dann aber äußerst interessante Unterlagen zur Kriminalgeschichte in der Unterherrschaft Neuerburg im Amt Wassenberg/Herzogtum Jülich.
Krimigeschichten und Protokolle aus einer fast 300 Jahre zurückliegenden Vergangenheit.

Auch wenn deren Ereignisse nicht unmittelbar in Orsbeck spielen, so doch in der nahezu direkten Nachbarschaft. Damit waren diese Ereignisse mit Sicherheit auch Gesprächsthema bei uns im Dorf der damaligen Zeit.

Tauchen wir also ab in die tiefe Vergangenheit unserer Heimat und erleben das in diesen Dokumenten nun hautnah, was im damaligen Gericht zu Neuerburg so alles geschah.

Dazu sei zu wissen, in den alten Kirchenbüchern und dem Schützenbuch von 1699 tauchen immer wieder Personen auf, die mit ihrem Namen und samt ihrer Funktion als Schöffe genannt werden. Dies ist die Funktion eines Laienrichters, aber die Protokolle zeigen auch immer wieder, dass diese Herren auch am Tatort bei Verhören und der Aufnahme der Protokolle dabei waren.

Zum Beispiel werden im Orsbecker Bruderschaftsbuch (ab 1699) folgende Mitglieder der Bruderschaft für den Zeitraum von 1699 – 1740 als Schöffen aufgeführt:

  • Heinrich Rütten
  • Heinrich Hagen
  • Engel Gieles
  • Lambert Gulicher
  • Michael Deckers
  • Johannes Printzen
  • Jacobus Deckers
  • Alexander Heyden (vermtl. kein Orsbecker)

Diese Herren versahen ihren Dienst als Schöffe also am Gericht der Unterherrschaft des Hauses Neuerburg in Effeld.

Aber folgen sie uns bitte nun etwa 300 Jahre zurück in die Vergangenheit. Wenn sie sich heute zu den Tatorten begeben, vielleicht spüren sie dort noch die Schatten der zurückliegenden Ereignisse …

Anmerkung:
Die Protokolle wurden in einem damaligen üblichen „Hochdeutsch“ und „Gerichts-Deutsch und –Latein“ verfasst. Die Texte wurden nach bestem Wissen und Gewissen in ein heute übliches und verständliches Hochdeutsch übertragen.

 


Der Fall des Johannes Grasers aus Ophoven

Wir schreiben den 23. Mai 1733. Der dreißigjährige Ophovener Johannes Grasers liegt seit 8 Tagen stark geschwächt im Hause seiner Mutter, die ihn dort in seinem Krankenbett rund um die Uhr pflegt. Sein Weib verrichtet derweil dessen Arbeit mit, da er aufgrund seiner Erkrankung nicht mehr arbeiten kann. Ob die beiden Kinder hatten, ist aus dem vorhandenen Untersuchungsprotokoll nicht zu ermitteln. Trotz Aderlass besserte sich sein Zustand nicht und das Schicksal nahm seinen Lauf. Wirr, geistig umnachtet und zum Entsetzen aller, beendet er am frühen Morgen jenes Samstags sein Leben im tiefen Wasser der „Ophovener Kleinen-Ohe“. Damit wird vermutlich ein Nebenarm oder Altarm der Rur in Ophoven gemeint sein. Das Flurstück ist heute noch durch die „Klein-Au-Straße“ ausgewiesen. Die nachfolgenden Gerichtsunterlagen beschreiben das Drama, das sich vor nahezu 300 Jahren im kleinen Dorf Ophoven zutrug. Lesen Sie das Protokoll und fühlen Sie das Schicksal dieser früheren Einwohner mit.

Der Fall des Johannes Grasers aus Ophoven - 23. Mai 1733


Diebstahl in Ophoven

In diesem Artikel berichten wir über ein Diebstahl, der sich am 20. Juli 1718 in Ophoven (Jülicher Amt Wassenberg – Unterherrschaft Neuerburg) zugetragen hat. Die Dokumentation ist uns in den Gerichtsakten der Herrschaft Neuerburg erhalten geblieben. Ihr Wortlaut lässt die Vergangenheit wieder zum Leben erwachen. Die erhaltenen Protokolle verschaffen uns in ihrer Art und Weise die Möglichkeit dabei zu sein, mitten in den Ereignissen einer längst vergangenen Zeit.

Diebstahl in Ophoven - 20. Juli 1718

 

Der Totschlag des Wilhelm Welckens aus Ophoven

Im nachfolgenden Bericht erfahren wir die Geschichte über den Totschlag des Wilhelm Welckens aus Ophoven. Geschehen am helllichten Tage, mitten auf der Dorfstraße.
Leider erfahren wir hier nicht alle Details der Vorgeschichte, aber dennoch können wir uns aus den Protokollen des Neuerburger Gerichts ein gutes Bild von den Ereignissen der damaligen Zeit machen.

Gehen wir zurück ins Jahr 1728, - in die dortige Herberge des Adam Kaisers. Es wird gezecht, es wird geprahlt. Es wird gelacht und getuschelt. Aber irgendwann fallen zwei Männer auf, die sich in die Haare kriegen und aneinander geraten. Es müssen zwei sich sehr vertraute Männer gewesen sein, womöglich sogar sehr gute Freunde. Aber dann schlug das Schicksal zu und das Unheil nahm seinen Lauf.

Der Totschlag des Wilhelm Welckens aus Ophoven - 18. Mai 1728

 

Das Unglück an der Kempener Fähre

Blicken Sie mit zurück auf eine Katastrophe vor etwa 300 Jahren.
Auch wenn das Leid und die Schreie heute auf den ersten Blick verstummt scheinen, so hat es doch manchmal in rauen Nächten den Anschein, als trage der Wind dort an der Rur, - nach so langer Zeit -, die Stimmen und Schreie der Ertrinkenden als Warnung noch immer mit sich.

Das Unglück an der Kempener Fähre - 25. März 1718

 

Die grausame Kälte von 1709

Die Menschen durchlitten in der grausamen Kälte von 1709 die frostigste Phase der vergangenen 10.000 Jahre, viele starben. Noch in Portugal gefroren die Flüsse, Palmen versanken im Schnee. In ganz Europa trieben erstarrte Fische im Wasser, Rehe lagen tot auf den Wiesen, das Vieh erfror in den Ställen, Vögel plumpsten wie Steine zu Boden. Auch die Einwohner des Amtes Wassenberg litten mit Sicherheit zu jener Zeit unter dieser Eiseskälte.

Der Jahrtausendwinter 1708/09 und die Wölfe

Wassenberger Gebäude von Krahnen & Gobbers sind nur knapp daran vorbeigeschrammt. Warum die Einrichtung trotz Gestapo-Verfügung sowie erster Bauarbeiten ausgesetzt wurde, ist bis heute ein Rätsel . Von Anna Petra Thomas


Es gibt Jahrestage, derer erinnert man sich gerne, und die werden alle 25 Jahre sogar groß gefeiert. Andere hingegen rücken weniger ins Licht der Öffentlichkeit, vor allem jene, die in die Zeit des Nationalsozialismus fallen. So ist mittlerweile auch weitgehend in Vergessenheit geraten, dass vor nunmehr genau 75 Jahren auch in Wassenberg ein großes Konzentrationslager (KZ) in Form eines Sammellagers entstehen sollte. Warum die Einrichtung trotz eindeutiger und ausführlicher Verfügung sowie bereits ausgeführter erster Bauarbeiten dann nur zwei Monate nach Verfügung und gut einen Monat nach deren Veröffentlichung wieder ausgesetzt wurde, ist Historikern auch nach intensiver Recherche bis heute ein Rätsel.

3. Februar 1941

Die entsprechende Verfügung der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) in Aachen zur Einrichtung dieses Lagers mit dem Betreff „Umsiedlung der Juden“ vom 3. Februar 1941 wurde erst knapp zwei Monate später, am 31. März, mittels Schnellbrief an die Landräte in der Region verschickt. „Im Rahmen dieser Aktion werden sämtliche Juden aus den Kreisen Aachen-Land, Düren, Geilenkirchen, Monschau und Schleiden in einem unbenutzten Fabrikgebäude der Firma Krahnen & Gobbers in Wassenberg (Kreis Geilenkirchen) untergebracht“, hieß es darin.

In dieser Fabrikanlage von Krahnen & Gobbers in Wassenberg sollten die Juden aus einer großen Region bis nach Monschau und Schleifen untergebracht werden. Repro: anna
In dieser Fabrikanlage von Krahnen & Gobbers in Wassenberg sollten die Juden aus einer großen Region bis nach Monschau und Schleifen untergebracht werden. Repro: anna

Ziel war, „die spätere Aussiedlung der Juden in geeigneter Weise vorzubereiten und die weiterhin unerträgliche Inanspruchnahme des für die Unterbringung deutscher Volksgenossen dringend benötigten Wohnraumes durch die Juden zu unterbinden“. Daher müssten innerhalb kürzester Frist alle Juden aus ihren bisherigen Wohnungen „entfernt“ und „in geschlossenen Unterkünften“ zusammengefasst werden.

Das Schreiben, dessen Abschrift im Archiv der Stadt Stolberg unter der Bestandsnummer 2137 einsehbar ist, informierte weiter darüber, dass die „notwendigsten baulichen Maßnahmen“ bereits in Angriff genommen seien. „Sobald die erforderlichen Maßnahmen soweit gediehen sind, – dies wird bis spätestens 15. April der Fall sein –, ist die Übersiedlung der Juden nach Wassenberg durch die zuständigen Kreispolizeibehörden durchzuführen.“ Der Geilenkirchener Landrat habe die Anweisung, den Kreispolizeibehörden den Zeitpunkt der Beendigung der erforderlichen Arbeiten mitzuteilen und gleichzeitig die Reihenfolge festzulegen, in der die Übersiedlung der Juden aus den einzelnen in Betracht kommenden Landkreisen durchzuführen sei, hieß es in dem Schreiben der Gestapo weiter.

Beigefügt war sogar schon ein Muster für einen Brief an die jüdischen Familien. Nur noch einzufügen war darin das Datum der Räumung. „Sie haben bis zu dem angegebenen Zeitpunkt in Wassenberg in den Fabrik-Anlagen der Fa. Krahnen & Gobbers (frühere Spinnerei!) Wohnung zu nehmen“, hieß es darin (richtig muss es heißen: „frühere Weberei“, Anm.d.R.) „Überflüssige Möbel“ und sonstige Haushaltsgegenstände, die nicht mitgenommen werden könnten, dürften nicht veräußert werden, sondern müssten untergestellt werden. Die entsprechende Adresse war in dem vorgefertigten Schreiben ebenso noch einzufügen. „Über die weitere Verwendung dieser Gegenstände wird zu gegebener Zeit entschieden werden“, hieß es dort weiter und schließlich: „Falls dieser Anordnung keine Folge geleistet wird, haben Sie, abgesehen von der zwangsweisen Räumung der Wohnung, strengste staatspolizeiliche Maßnahmen zu gewärtigen.“

Weiter mahnte die Verfügung der Gestapo, die sogenannte Umsiedlungsaktion auf alle Juden zu erstrecken. Einzige Ausnahmen waren Mischehen, bei denen der „männliche Teil deutschblütig“ war. „Ist der männliche Teil jedoch Jude, so ist die gesamte Familie in die Aktion einzubeziehen, es sei denn, dass deutschblütige Familienmitglieder ausdrücklich aus freiem Entschluss und innerer Überzeugung erklären, sich gänzlich und mit allen sich daraus ergebenden Konsequenzen von dem jüdischen Teil trennen zu wollen.“ Komme die zuständige Kreispolizeibehörde im Benehmen mit der Kreisleitung der NSDAP jedoch zu dem Entschluss, dass solche Erklärungen aus reinen Zweckmäßigkeitsgründen abgegeben würden und „lediglich Ausdruck jüdischer Berechnung“ sein sollten, sei die Umsiedlung der gesamten Familie durchzuführen.

Während in Bezug auf den mobilen Besitz der Juden in dem Musterschreiben an sie nur von einer „weiteren Verwendung“ die Rede war, informierte das Schreiben an die Landräte darüber, das in Bezug auf einen „späteren Verkauf“ weitere Entscheidung vorbehalten bleibe. Ganz eindeutig war jedoch die Kostenfrage geklärt: „Sämtliche Kosten, die durch die Umsiedlung entstehen, werden von der jüdischen Gemeinde in Aachen übernommen, soweit die davon betroffenen Juden den Umzug nicht selbst bezahlen können.“ Die Verteilung der „freigemachten Wohnungen solle durch die Aachener Gestapo im Einvernehmen mit dem Kreisleiter „nach nationalsozialistischen Grundsätzen“ durchgeführt werden. Innerhalb eines Monats, also bis zum 30. April 1941, sollte diese Aktion abgeschlossen sein.

Sepp Becker mit einer Kopie der Verfügung, deren Abschrift sich im Stadtarchiv von Stolberg befindet. Foto: Anna Petra Thomas
Sepp Becker mit einer Kopie der Verfügung, deren Abschrift sich im Stadtarchiv von Stolberg befindet. Foto: Anna Petra Thomas

Unter derselben Bestandsnummer findet sich im Stolberger Archiv ein entsprechendes Schreiben des Landrats des Landkreises Aachen an die Bürgermeister. Er ersucht die Bürgermeister darin, Möbel und Hausrat aufgrund der „ungünstigen Benzinlage“ dezentral unterzustellen. „Es ist dafür Sorge zu tragen, dass die abzustellenden Möbel für jede Familie getrennt abgestellt werden können, damit später bezüglich der Verrechnung keine Schwierigkeiten entstehen.“ Der Landrat mahnt schließlich in seinem Schreiben vom 3. April 1941 an, über die Durchführung der „Aktion“ bis spätestens 25. April zu berichten.

Nur zwei Tage später jedoch erhalten die Landräte von der Gestapo einen Schnellbrief. Darin heißt es: „Die Durchführung der in meiner vorbezeichneten Verfügung angeordneten Maßnahmen ist bis zum Eingang weiterer Weisungen vorerst auszusetzen.“

Sepp Becker, Vorsitzender des Wassenberger Heimatvereins, hat auch nur Vermutungen, wie es zu dieser Situation kommen konnte. Eigentlich sei die Fabrik-Anlage, die bis 1940 Lager für ausländische Kriegsgefangene gewesen sei, für eine neue Nutzung frei gewesen. „Vielleicht war die Fabrik-Anlage jedoch wichtiger für kriegswichtige Güter, die von Köln aus in Wassenberg ausgelagert worden seien“, gibt es für ihn eine mögliche Erklärung. „Aber es ist doch komisch, wie schnell hier alles in Bewegung gesetzt wurde und dann doch sofort wieder ausgesetzt wurde“, erklärt er. „Warum das so war? Sicher weiß das bis heute kein Mensch.“ Sicher weiß Becker nur, dass die Wassenberger Juden am 15. Mai 1941 zunächst in ein Lager nahe dem Heinsberger Krankenhaus gebracht worden seien. „Hätte es hier in Wassenberg ein KZ gegeben, hätten die Menschen hier auch erfahren, wie die jüdischen Mitbürger behandelt worden wären“, ist er sich sicher.

Von Betty Reis, die Namensgeberin der Wassenberger Gesamtschule ist und 1921 geboren wurde, weiß Becker, dass sie von Heinsberg aus zunächst nach Stolberg gebracht wurde. Hier finde sich mit Datum vom 13. November 1941 ein entsprechender Eintrag in die Lagerliste. Betty Reis wurde im Herbst 1944 im KZ Bergen-Belsen ermordet. Erklären kann der Lokalhistoriker auch, warum der Kreis Erkelenz in der Verfügung nicht auftaucht: „Die Erkelenzer Juden mussten am 1. April 1941 in das Haus Spieß in Hetzerath umziehen“, sagt er.

„Aber es ist doch komisch, wie schnell hier alles in Bewegung gesetzt wurde und dann doch sofort wieder ausgesetzt wurde. Warum das so war? Sicher weiß das bis heute kein Mensch.“ Sepp Becker, Vorsitzender des Wassenberger Heimatvereins

Quelle: Heinsberger Zeitung vom 19.05.2016

Chronik der Bürgermeisterei Wassenberg, im Kreise Heinsberg Regierungs-Bezirk Aachen

Im Archiv der Pfarre St. Marien Wassenberg lagert ein kleiner Schatz, eine Bürgermeister-Chronik der Bürgermeisterei Wassenberg aus den Jahren 1814 – 1849.

Das vormals große Amt Wassenberg (Herzogtum Jülich) erlosch mit der Besatzung durch die französische Revolutionsarmee im Jahre 1794. Mit den Franzosen begannen modernere Zeiten und die Strukturen des „Alten Reiches“ erloschen.

Im Jahre 1814 vertrieben die Befreiungskriege die Franzosen nach 20jähriger Herrschaft wieder aus den linkrheinischen Gebieten. Der Wiener Kongress ordnete das ehemalige ‚Heilige Römische Reich Deutscher Nation‘ neu, es entstand der Deutsche Bund und große Teile der linksrheinischen Gebiete fielen damit an das Königreich Preußen.

Die heutige Stadt Wassenberg unterteilte sich damals in drei Bürgermeistereien:

  • BM Wassenberg ( mit Orsbeck-Luchtenberg, Forst und Ohe)
  • BM Birgelen ( mit Ophoven, Steinkirchen/Effeld)
  • BM Myhl (mit Wildenrath)

Während man in den ersten Jahrzehnten die Gemeinde-Räte noch ernannte, wurden sie zum Ende der in der Chronik dokumentierten Zeit von den Bürgern gewählt. In diesem Dokument beschreibt der damalige Wassenberger Bürgermeister Alexander Packenius die Ereignisse vor allem in den Orten Wassenberg und Orsbeck.

Diese Chronik wurde vom Verfasser um Anmerkungen, Jahreszahlen und Fotos ergänzt, um dem Leser eine verständlichere Reise durch die Vergangenheit zu geben.

Tauchen Sie nun mit ein, - in eine lang vergangene Zeit!

Christoph Steffens, 2016

 

In Wassenberg gibt es interessante Architektur zu entdecken. Ein Stadtrundgang mit Walter Bienen vom Heimatverein zum Thema Gründerzeit. Von Willi Spichartz

"Von innen nach außen" - das war ein Prinzip der Architektur (nicht nur) der Gründerzeit, und ganz besonders von Architekten, die Elemente des Jugendstils in ihre Entwürfe einbrachten. Funktionalität und künstlerische, kunsthandwerkliche Gestaltung des Hausinnern sollten auch nach außen in Form von besonderen Elementen an Fassaden, Fenstern, Türen und Dächern deutlich werden.

Dass es in Wassenberg eine Reihe von Beispielen aus der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert gibt, wurde beim Kulturhistorischen Rundgang mit Walter Bienen vom Heimatverein deutlich, der auch als ehrenamtlicher Denkmalbeauftragter der Stadt Wassenberg fungiert.

Walter Bienen (l.) führte beim „Kulturhistorischen Spaziergang“ zu Bauten der Gründerzeit in der Wassenberger Innenstadt. Jugendstilelemente sind am „Spiegel“-Haus, Graf-Gerhard-Straße 28, zu studieren. Foto: Laaser, Jürgen (jl)
Walter Bienen (l.) führte beim „Kulturhistorischen Spaziergang“ zu Bauten der Gründerzeit in der Wassenberger Innenstadt. Jugendstilelemente sind am „Spiegel“-Haus, Graf-Gerhard-Straße 28, zu studieren. Foto: Laaser, Jürgen (jl)

33 Zweibeiner und Moritz, der es sich auf allen Vieren bequem gemacht hatte, aus Wassenberg und den Nachbarstädten folgten der Spur der Architektur vom Pontorsonplatz über die Park- und die Nikolausstraße in die Graf-Gerhardstraße, wo Walter Bienen neben einigen Elementen von Jugendstil auch Häuser aus dem 18. und 19. Jahrhundert vorstellte.

Schwungvoll – Villa an der Kirchstraße 23 mit Volutenschmuck. Foto: Laaser, Jürgen (jl)
Schwungvoll – Villa an der Kirchstraße 23 mit Volutenschmuck. Foto: Laaser, Jürgen (jl)

Besonders bemerkenswert für die aufmerksame Begleitschar, die sich nicht vom Verkehrslärm beeindrucken ließ, war das älteste Haus Wassenbergs dort mit der Nummer 12, das vermutlich aus dem 15. Jahrhundert stammt, da gotische Original-Elemente aufweisend.

Deutliche Jugendstilformen, wie sie Dr. Marco Kieser bereits für den Heimatkalender des Kreises Heinsberg 2004 festgestellt hatte, dann in der Roermonder Straße an der Villa "Nina" mit der Hausnummer 25, die heute zur Stadtverwaltung gehört und 1905 errichtet wurde, ein Zeitpunkt, der in die Epoche des sogenannten Historismus gehört, wie Walter Bienen erläuterte.

Zur Wassenberger Stadtverwaltung gehört heute der Altbau, die frühere „Villa Nina“ an der Roermonder Straße, die 1905 errichtet wurde – mit typischen Gestaltungselementen der Zeit. Foto: Laaser, Jürgen (jl)
Zur Wassenberger Stadtverwaltung gehört heute der Altbau, die frühere „Villa Nina“ an der Roermonder Straße, die 1905 errichtet wurde – mit typischen Gestaltungselementen der Zeit. Foto: Laaser, Jürgen (jl)

Der Historismus aus der zweiten Hälfte des 19. und des Beginns des 20. Jahrhunderts griff historische Architektur-Stil-Formen auf, wobei die Designer Elemente vermischten, für die der griechische Begriff Eklektizismus angewandt wurde. Zeitweise wurde die Villa als Jugendherberge genutzt, "Ochsenaugenfenster", Dachform, Balkongitter und Haustür zeigen Jugendstilelemente, nur gestört durch einen "Nichtraucher"-Aufkleber im Türfenster.

Ziemlich klar für Gründerzeit und Jugendstil zeigt sich, so Walter Bienen, die gegenüber liegende Villa mit Haus-Nummer 32 mit Krüppelwalmdächern, Säulen und einer ehemals offenen Loggia im Obergeschoss.

In die Gründerzeitära gehören der Alte Bahnhof und eine daneben liegende Villa, die im Zug der 1911 eröffneten Bahnstrecke errichtet wurden. Schließlich in der Kirchstraße mit der Hausnummer 6 klare Jugendstilfensterelemente mit Korbbogenfenstern, Oberlichtern, glasierten Ziegeln, allerdings ist das Gebäude durch Ladenumgestaltungen im Erdgeschoss einigermaßen verschandelt.

Bruchsteinsockel, Rotsandsteingewände von Türen und Fenstern, Balkone, Erker, Loggien, zweiflüglige Fenster mit Rautensprossen im Oberlicht – Architekturelemente von Gründerzeit und Jugendstil an einem Haus beim früheren Wassenberger Bahnhof.  Foto: Laaser, Jürgen (jl)
Bruchsteinsockel, Rotsandsteingewände von Türen und Fenstern, Balkone, Erker, Loggien, zweiflüglige Fenster mit Rautensprossen im Oberlicht – Architekturelemente von Gründerzeit und Jugendstil an einem Haus beim früheren Wassenberger Bahnhof. Foto: Laaser, Jürgen (jl)

Noch etliche weitere Gründerzeitbauten, unter anderem die ehemalige Post und die frühere Albert-Schweitzer-Grundschule, die heute Teil der Grundschule Am Burgberg ist, begleiteten die Architektur-Wanderer.

LISTE DER DENKMÄLER

Literatur
Alle unter Denkmalschutz stehenden Gebäude in Wassenberg hat Marco Kieser im Heimatkalender des Kreises des Jahres 2004, teils mit Fotos, beschrieben. Zu haben in den Stadtbüchereien oder bei der Kreisverwaltung.

Internet
Ebenfalls die volle Liste, ganz mit Farbfotos versehen, hat Bernd Limburg ins Internet gestellt. Interessierte werden unter der Adresse www.limburg-bernd.de fündig. Dort sind die Denkmäler aller Kommunen im Kreis Heinsberg, auch die der Nachbarkreise, zu entdecken.

Quelle: RP vom 30.3.2016

 

Geschäfts- und Spendenkonto des Heimatvereins Wassenberg e.V.:  
Kreissparkasse Heinsberg ● IBAN DE03 3125 1220 0002 2043 60 ●  BIC WELADED1ERK

Fahrtenkonto des Heimatvereins Wassenberg e.V.:
Volksbank Mönchengladbach eG ● IBAN DE34 3106 0517 7900 1520 13 ● BIC GENODED1MRB