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Die Bildwelt des Leo Küppers

Die Galerie im Wassenberger Geburtshaus des Malers Leo Küppers weckt neues Interesse am Werk eines zu Lebzeiten bekannten Vertreters der Düsseldorfer Malerschule. Von Angelika Hahn


Dem ehemaligen Lehrer, Kunstfreund und Sammler Walter Kurzweg ist es zu verdanken, dass das Wirken des aus Wassenberg stammenden Malers Leo Küppers (1880-1946), der ein bekanntes Mitglied der Düsseldorfer Malerschule war, durch eine kleine Dauerausstellung in seinem Geburtshaus an der Roermonder Straße 5 (gemeinsam mit der "Bücherkiste"), den kulturinteressierten Menschen in der Region nahegebracht wird.

Sammler Walter Kurzweg.
Sammler Walter Kurzweg.

Denn obwohl Kurzweg weiß, dass es in etlichen Familien Wassenbergs und seiner Umgebung Küppers-Bilder gibt, erfuhr der zu seinen Lebzeiten bekannte Künstler in seiner Heimatregion - von zwei Ausstellungen abgesehen - bislang kaum die Beachtung, die er eigentlich verdient hätte. Dass der Prophet in der Heimat nicht zählt - die Stereotype mag auf Küppers zutreffen.

Auch Walter Kurzweg, der heute etliche Bilder von Leo Küppers besitzt, stieß seinerzeit eher durch Zufall bei einer Kunstauktion auf Küppers-Werke und erfuhr dann, dass der Vertreter der Düsseldorfer Malerschule, dessen Lebensmittelpunkt die heutige Landeshauptstadt war, aus Wassenberg stammte.

Wer war dieser Mann? Wie kam der Sohn des Schuhmachers Joseph Küppers, dessen Werkstatt sich im heutigen Küppers-Haus befand, zur Kunst? Anschaulich beschreibt in einer Küppers-Biografie Leonard Küppers, der Großneffe und Erbe des kinderlos gebliebenen Künstlers, dessen Kindheit und Jugend im bürgerlichen Wassenberger Handwerkermilieu, für das die "brotlose Kunst" wohl ein Unding war. Schon der junge Leo muss Spaß am Malen und Zeichnen gehabt haben, also sollte er Anstreicher werden. Küppers aber wollte offenbar mehr. Leonard Küppers: "Mutig, sehr mutig, man bedenke den damaligen Zeitgeist, geht er 1897, 17 Jahre alt, zur Kunstgewerbeschule nach Düsseldorf, um Zeichenlehrer zu werden."

Bald entstehen Kontakte zur Düsseldorfer Kunstakademie, die den Wassenberger auch ohne höhere Schulbildung aufnimmt. Studienaufenthalte an den Kunstakademien München und Karlsruhe bei namhaften Lehrern folgen. In den Semesterferien verdient der Kunststudent Geld mit Auftragsarbeiten als Kirchen- und Theatermaler. 1921 kehrt er zurück an die Kunstakademie Düsseldorf als letzter Meisterschüler des Professors Eduard von Gebhardt. Nicht nur dessen expressiv-ungeschönter Porträt-Stil prägte etliche Arbeiten Leo Küppers' - ein Beispiel hierfür, das "Porträt eines alten Mannes", zeigt die aktuelle Dauerausstellung. Auch Aufenthalte in den Kunstmetropolen Paris, Amsterdam, Rom, Neapel oder Venedig hinterlassen Spuren im thematisch und stilistisch breiten Werk von Leo Küppers.

Mit seinem Atelier an der Sternstraße in Düsseldorf wird Küppers - dessen beste Arbeiten später in zwei großen Schauen zur Düsseldorfer Malerschule in Düsseldorf und München gezeigt werden - zum gefragten Auftragsmaler und Porträtisten des gehobenen Bürgertums der Rheinmetropole, dem er selbst angehört. Von "brotloser Kunst" kann auch angesichts der Veröffentlichungen von Küppers-Bildern in Kulturzeitschriften wie Westermanns Monatsheften und Kunstpostkarten keine Rede mehr sein. Nach dem Zweiten Weltkrieg schwindet Küppers' Bedeutung, er stirbt 1946 in Düsseldorf. Ein Foto seines Ateliers, das für die private Trauerfeier von Küppers' aus Düsseldorf stammender Ehefrau geschmückt wurde, ist im Leo-Küppers-Haus zu sehen. Obwohl die Wassenberger Küppers-Galerie "nur" 13 Werke in der Dauerausstellung präsentiert, spiegeln diese Bilder - Dauerleihgaben aus Privatbesitz von Walter Kurzweg und anderen, der Stadt Wassenberg, der Kreissparkasse und des Begas Hauses - recht gut die stilistische und thematische Bandbreite des Küppers-Werks wider. Den lokalen Akzent setzt die Stadtansicht "Wassenberg im Winter" von 1904, die den Blick aus Richtung Wingertsberg über die verschneite Wiesenlandschaft des heutigen Terrassengartens vor der Stadtmauer zum prägenden Ensemble von Georgskirche und Bergfried streifen lässt. Gondelweiher und Bahndamm existierten noch nicht. Interessant ist das Detail einer Postkutsche im Hintergrund auf der Straße nach Erkelenz, die wohl auch Leo Küppers nach seinem Weihnachtsbesuch bei der Familie wieder - wie so oft bei seinen Besuchen in der Heimat - zurück nach Düsseldorf bringen sollte. Als Grafik ist eine weitere, so Kurzweg, in Wassenberg und Umgebung offenbar beliebte und auch als Gemälde verbreitete Stadtansicht ausgestellt.

Das großformatige Ölgemälde "Der Gemeinderat" begeisterte Walter Kurzweg, als er es vor 20 Jahren aus Privatbesitz erwarb, durch seine dichte Personenkomposition und "einen Realismus, der nicht auf Effekthascherei aus ist". Das Bild, vertreten in den genannten großen Ausstellungen der Düsseldorfer Malerschule, schuf Küppers als Fünfzigjähriger auf der Höhe seines Schaffens. Es stand auch im Mittelpunkt der Sparkassen-Ausstellung zu Küppers' 60. Todestag 2006 in Wassenberg und regte den verstorbenen Heimatforscher und Wassenberger Ehrenbürger Hanns Heidemanns zu einem Vortrag über Küppers beim Heimatverein an. Dass alte Wassenberger in dem Gemälde stadtbekannte Gesichter wiedererkennen wollten, führt freilich in den Bereich der Spekulation.

Einen Sprung zurück zum Beginn seiner Laufbahn vermittelt Küppers' Ölgemälde "Jesus vor Pilatus", ein Beispiel für die frühen religiösen Bilder des Künstlers, beeinflusst von seinem Professor Carl Martin Feuerstein an der Münchner Kunstakademie, einem Vertreter der romantisch-religiösen Kunstrichtung der Nazarener. Geradezu als Kontrastprogramm dazu wirkt das realistische Porträt des alten Mannes aus den späten 30er Jahren.

Direkt gegenüber der Eingangstür zeigt das Gemälde "Der Maler im Louvre" wieder eine andere Seite des Künstlers, der sich mehrfach zu Studien in Paris aufhielt: Vor der berühmten Nike von Samothrake setzt sich der damals wohl 30- bis 35-jährige Künstler selbst mit dem sogenannten Malerstock ins Bild. "Als blickte er in die Kamera, produziert er sich im Selbstporträt", sagt Kurzweg. Wie aus der Szene gefallen wirken im Hintergrund die ländlich anmutenden Besucher. Kurzweg sieht hier einen Bezug zu Küppers' späteren niederrheinischen Genreszenen und schließt einen bewusst gesetzten Akzent deutsch-patriotischer Grundstimmung gegen die feine Gesellschaft der französischen Hauptstadt nicht aus. Küppers meldete sich immerhin als Freiwilliger für den Ersten Weltkrieg.

Dass Küppers auf seinen Reisen von der Kunst der großen Niederländer des 16. Jahrhunderts fasziniert war, zeigen seine vielen, auch von Käufern geschätzten Genrebilder, die Alltagsszenen wiedergeben. Das schönste Bild aus dieser Gruppe im Küppers-Haus ist die "Niederrheinische Spinnstube", die ebenso wie "Der Zeitungsleser" ein Gefühl von Geborgenheit und der heilen Welt zu Hause - in spannungsgeladener Zeit - vermittelt. In niederrheinischen Wirtshausszenen dagegen zeigt Küppers ein Gefühl für Situationskomik und Hintersinn.

Eher einen "Ausreißer" in Küppers Werk repräsentiert das kleinteilige Menschengewusel der "Kirmes am Niederrhein". Nicht eine kleine Gruppe in geschlossener Gesellschaft, sondern eine Gemeinschaft in kleinstädtischer Umgebung des Niederrheins ist hier das Thema.

Quelle: RP vom 15.4.2017

 

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