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Leben und Wirken des Wassenberger Kunstmalers Leo Küppers

Jeder von uns bewegt sich in einem Geschichtsbuch – bewusst oder unbewusst.
Jeder von uns ist eine Seite in diesem Geschichtsbuch.
1880-1946

 

Dr. Leonard Küppers

 

 

Mit Anmerkungen zur Dauerausstellung im Leo-Küppers-Haus
von Walter Kurzweg

 

Dr. Leonard Küppers

 

Leo Küppers
Werdegang – Wirken – im Spiegel seiner Zeit


Geschichte bedeutet alles Geschehene und seine Darstellung, im eigentlichen Sinne ist es die Wissenschaft, die sich mit der Erforschung der Menschheitsvergangenheit beschäftigt.
Voraussetzung ist die kritische Auseinandersetzung mit dem Geschehenen.
Leo Küppers, ein anerkannter Künstler seiner Zeit, von manchen, ja von vielen Wassenbergern leider vergessen!
- Warum vergessen?
Leo Küppers wird 1880 in Wassenberg geboren – hineingeboren in eine alte Handwerkerfamilie, sein Vater ist Schuhmacher. Nun, wir wissen, der Mensch wird von seinem Umfeld geprägt – beeinflusst.

Ein Blick zurück: Wassenberg 1880 – gut 1000 Einwohner.
Man ist fleißig, bieder, fromm.
Keine Industrie – keine Eisenbahn – keine Autos – kein Telefon – gelegentlich eine Zeitung. Kein Tor zur großen Welt.
Die Heimweberei auf Handwebstühlen ist für viele der einzige Erwerbszweig, daneben Landwirtschaft und Handwerk.
In jenen Jahren kommt die Hausweberei durch das Vordringen mechanischer Webstühle langsam zum Erliegen, zudem wird um die Jahrhundertwende die Zeche Sophia-Jacoba abgeteuft und die „Vereinigten Glanzstoff-Fabriken“ werden gegründet.
1893 baut Krahnen und Gobbers in Wassenberg die erste mechanische Seidenweberei mit 500 Webstühlen – ein industrieller Aufschwung setzt ein.
Leo Küppers ist zu dieser Zeit 13 Jahre alt – ein Schulkind.

Und die Welt um 1880?


 

König Wilhelm I. wird 1871 in Versailles zum Deutschen Kaiser proklamiert.
Bismarck ist Reichskanzler, das Bürgertum – patriotisch gesonnen, stolz, selbstbewusst, fortschrittlich, auf der Gegenseite: ein darbendes Proletariat.
Karl Marx (†1883) entwickelt mit Friedrich Engels eine neue Theorie über Kapital und Arbeit.
Preußen führt einen Kulturkampf gegen die Kath. Kirche.

Kein Jahrhundert hat das Leben der Menschen in Westeuropa – in Deutschland – so verändert wie das 19. Jahrhundert.
Seit der Erfindung der Dampfmaschinen führt dies zur industriellen Revolution. Die Massenproduktion von Waren, der ausgeweitete Handel, eine veränderte Finanzwirtschaft regulieren die Machtverhältnisse der Welt völlig neu. Es kommt zu einer Auswanderungswelle, Kolonien werden gegründet.
Die industrielle Revolution hat allenthalben die wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und politischen Strukturen grundlegend verändert. Der dramatische Aufschwung der Produktion wird jedoch zunächst mit den Opfern und Leiden der ersten Arbeitergeneration bezahlt.
Überlange Arbeitszeit – niedrige Löhne.
Frauenarbeit, Kinderarbeit, Hungertuberkulose, Wohnungselend in den Städten, das ist die Kehrseite der Medaille „Fortschritt“!
Die soziale Frage wird zum Kernproblem jener Zeit.
Dieses Umfeld – diese Lebensbedingungen beeinflussen naturgemäß Kunst und Wissenschaft.

In dieser Zeit findet allenthalben ein riesiger Gärprozess statt. Es brodelt – und da lebt in Wassenberg ein Schulkind – sicherlich fleißig – lernt in der Schule am Stiftsplatz rechnen und schreiben, lernt seinen Katechismus, kann gut zeichnen und malen – vielleicht in der Schusterwerkstatt seines Vaters, Josep Küppers, einen Schuh – einen Schemel, oder seine Mutter Elisabeth, geb. Schaffrath ein Blumenbildnis, oder malt der Oma zum Namenstag ein hübsches Aquarell wie dies Kinder auch heute noch gerne zu tun pflegen.
Was soll aus dem Jungen werden?
Zur Fabrik? – Nein!
Handwerker – er kann gut malen, das bedeutet anstreichen, also Anstreicherlehre.
Doch in dem jungen Mann steckt mehr!
Mutig, sehr mutig, man bedenke den damaligen Zeitgeist, geht er 1897 – 17 Jahre alt – zur Kunstgewerbeschule nach Düsseldorf, um Zeichenlehrer zu werden.
Künstler – nein danke – wie wird man wohl zu Hause darüber gedacht haben.
Künstler – das kam direkt hinter „fahrendes Volk“.
Lehrer – das war’s! Das hatte Prosperität – Achtung – vermittelte Ansehen.
Die Ausbildung erfolgt in Düsseldorf.
Düsseldorf – das Mekka der Maler. Die Düsseldorfer Malerschule ist damals weltberühmt.
Lassen Sie mich einiges zu der Geschichte dieser Düsseldorfer Malerschule sagen.
Daran können Sie ermessen, dass ein an dieser traditionsreichen Akademie tätiger Künstler wer gewesen sein muss!
Zweit- und Drittklassigkeit haben in Düsseldorf keine Chance.

Ende des 16. Jahrhunderts gründet Johann Wilhelm, Herzog von Jülich eine Kunstsammlung in Düsseldorf.
Diese Kunstsammlung genießt damals: „als Heimatstatt einer der bedeutendsten Sammlungen Europas weit reichenden Ruhm.“
Nach Aussterben des jülisch-bergischen Regentenstammes 1609 fällt Düsseldorf an Pfalz-Neuburg und wird 1614 Residenz der Pfalzgrafen (Haus Wittelsbach, bay. Königshaus). Wassenberg ist damals Amtssitz eines Vogtes im Herzogtum Jülich, eine Art Kreisstadt.

1742 kommt Herzog Karl Theodor nach Düsseldorf und gründet auf der Grundlage der vorhandenen Kunstsammlung des Jülicher Herzogs Johann Wilhelm die Malerakademie.
Die beiden Herzogtümer Berg und Jülich sowie die Residenzstadt Düsseldorf erleben unter Karl Theodor und seinem Statthalter Graf Goltstein eine Zeit der wirtschaftlichen wie der kulturellen Hochblüte. Heinrich Heine, ein Kind Düsseldorfs, spricht einige Jahrzehnte später rückblickend sogar von einem „goldenen Zeitalter“. Und der Naturforscher, Weltumsegler und Schriftsteller Georg Forster stellt in seinen um 1790 veröffentlichten „Ansichten vom Niederrhein“ gar die rhetorische Frage: „Wer doch das Geheimnis einer guten Staatsverwaltung wüsste, damit er sagen könnte, warum sich in den Herzogtümern Jülich und Berg so große Reichtümer häufen, wieso die Bevölkerung daselbst so stark und der Wohlstand der Einwohner gleichwohl so allgemein ward, dass die kleinen Städtchen (Wie auch Wassenberg; Anm. d. Verf.) nicht minder wohlhabend sind als die Residenzstadt, dass der Anbau auf dem platten Lande denselben Geist der guten Wirtschaft, denselben Fleiß zeigt wie die Fabriken, warum man hier so leicht den Weg zu einer glücklichen Existenz finden lernt, den anderwärts so schwer zu treffen scheint?“

Wilhelm Heinse schreibt über Karl Theodor in einem Brief an den Dichter Johann Wilhelm Gleim: „Dieser Fürst unterstützt die künstlerischen Talente und zieht sie aus dem Staube hervor. Er ist selber ein großer Meister und Kenner und überzeugt davon, dass allein die schönsten Künste die Glückseligkeit der Menschen veredeln und stärken.“


 

Diese Herrlichkeit endet 1794. Franzosen besetzen Düsseldorf. Karl Theodor flieht nach München, nimmt viel Kunst mit, gründet mit dem Düsseldorfer Kunstschatz die heute weltberühmte Pinakothek.
1815 fallen die Rheinlande an Preußen.
1819 erfolgt nach Abzug der Franzosen erneut die Gründung der Düsseldorfer Malerschule. Direktor wird Wilhelm von Schadow, ein klassizistischer Bildhauer, er kommt aus Berlin. Von ihm stammt z.B. die „Quadriga“ auf dem Brandenburger Tor in Berlin. Er bringt seine begabten Schüler an den Rhein und reformiert die Lehrpläne grundlegend.
Von 1819 bis 1918 nennt sich die Schule „Preußische Kunstakademie“.
In der Zeitschrift MUT – Zeitschrift für Politik und Kulturgeschichte – von Dezember 1995 schreibt Hans Paffrath über „Meisterwerke der Düsseldorfer Malerschule 1819-1918“:

„Die Geschichte der Düsseldorfer Malerschule von 1819 bis 1918 ist zeitlich identisch mit der Existenz der Königlich-Preußischen Kunstakademie in Düsseldorf. Über einen Zeitraum von fast einhundert Jahren hatten dort mehrere tausend Maler studiert, viele davon aus dem europäischen Ausland (Skandinavien, Russland, Baltikum, etc.) und aus Amerika. Düsseldorf hatte sich als kleines Provinzstädtchen am Rhein mit kaum 30.000 Einwohnern (1820) innerhalb weniger Jahre zur führenden Kunstmetropole in Deutschland entwickelt und war in der internationalen Attraktivität sogar in Konkurrenz zu Paris getreten.
Rückblickend sehen wir in der Hinterlassenschaft der Düsseldorfer Malerschule heute ein komplexes Gebilde aus nahezu allen Bildthemen und Stilen, die in der bürgerlich bestimmten Kunst des 19. Jahrhunderts eine Rolle gespielt haben. Historienmalerei, Landschaft, Genre und Still-Leben sind in allen Facetten vertreten.
Romantische, naturalistische und impressionistische Gestaltung lösen einander ab und überlagern sich teilweise in einem für Düsseldorfer Kunst charakteristischen Wechsel idealistischer und realistischer Ansätze.
Die Jahrzehnte zwischen Reichsgründung (1871) und Jahrhundertwende brachten für Düsseldorf und die Düsseldorfer Malerschule gravierende Veränderungen in mehreren Bereichen. Die Einwohnerzahl der Stadt stieg bis 1900 auf über 200.000 an, begleitet von einem Bauboom infolge wirtschaftlicher Hochkonjunktur, einem sprunghaften Anwachsen der Künstlergemeinde und einer neuen Wohnkultur. Aus einfachen Bürgerwohnungen wurden prunkvolle Salons, die standesgemäß mit Werken der bekanntesten Künstler einzurichten waren. Von diesem gesteigerten Hang zu Repräsentation profitieren in erster Linie die Düsseldorfer „Malerfürsten“ Knaus, Vautier und Achenbach, deren Schaffenskraft langsam abnahm, während ihr Marktwert in bis dahin unbekannte Dimensionen aufsteigen sollte.“

Der Bekanntheitsgrad der Düsseldorfer Malerschule wuchs nicht nur in Amerika, sondern auch im europäischen Ausland und führte zu einem stetig steigenden Export von Düsseldorfer Gemälden, vornehmlich in den angloamerikanischen Raum und später bis nach Australien und Südamerika.
Die preußische Königsfamilie und die deutschen Kaiser sind ebenfalls häufig als Eigentümer bedeutender Werke der Düsseldorfer Malerschule verzeichnet.

In diese Kunstwelt hinein – wohl eine Welt für sich – dringt nun unser Wassenberger Leo Küppers vor.
Im Heimatkalender der Heinsberger Lande 1929 schildert W.J. Spehl den Lebenslauf des damals 50 Jahre alten Wassenberger Kunstmalers Leo Küppers im Rahmen eines Aufsatzes:

„Künstler aus dem Heinsberger Lande“

Die Menschen unseres Landes haben alle seit Jahrhunderten schwer ringen müssen mit des Lebens Not, Schaffen und Wirken auf ihren kleinen Ackern, am Webstuhl, auf der harten Planke der Korbmacher, in niederen Stuben, wo Gicht und Schwindsucht mit dräuender Miene neben ihnen hockten, um sie zu greifen. Selten hoben sie den von der Arbeit gebeugten Rücken zur Sonne empor, nur am Feiertag achteten sie der Blumen am Weg, und nur selten hörten sie den Vogels Sang am Bache, der durch ihre Niederungen fließt. Und auch die Ferne sahen sie gar selten, die Wunder der Ferne, die der Mensch sieht, der an den Ufern der Ströme und Meere wohnt. Ach, hätten sie nicht ihre kleinen Kirchen gehabt, sie hätten vielleicht nie gewusst, was Kunst und Kunstwerk ist. Nur um die Stunde des Abendrots, wenn sie von ihren Feldern reiten, steigt oft die Sehnsucht nach der Ferne heiß in ihnen auf, und dann summen sie die alten Weisen ihrer Jugend, die auch ihre Frauen an den Wiegen der Kinder singen. So hart war seit jeher das Leben hier. Rauh fegt der West (Wind) über das Land hin, so dass sich die Dörfer ängstlich in den Feldschluchten ducken müssen. Nur die Hänge jenseits der Rur liegen im Sonnenglanze, da rauschen die Wälder, da prunktet der Ginster, da glüht die Heide in Purpurglut.
In einem solchen Land gedeihen die Künstler nicht so leicht wie im Rheintal und an der Mosel- Und wer aus diesem Land zum Künstler wurde, der musste ernst, ja streng und ehrlich werden wie das Land selbst. In seinem Werk musste das Land seiner Heimat sich widerspiegeln. Ein echter Künstler kann die Kraft nicht leugnen, die ihm der Mutterschoß der Heimat mitgab.
Die Namen, die hier genannt werden, verdanken wir eigentlich dem Zufall. Es mag noch mehr Künstler gegeben haben und noch geben, die hier beheimatet sind, ohne dass deren Namen hier bekannt sind. Möglich, dass sie da draußen die Heimat vergaßen, möglich dass die Heimat sie vergaß. Auch soll der Bericht nicht erschöpfend sein, denn in der Presse und in der „Heimat“ ist über die bisher genannten schon ausführlich geschrieben worden, und der Raummangel verbietet uns Wiederholungen.
Darum soll im großen und ganzen hier nur eine Zusammenstellung gegeben werden…
…Leo Küppers
Altvertrauten heimischen und rheinischen Klang hat auch der Name des Malers Leo Küppers, der aus dem nahen Wassenberg stammt. Es nimmt uns nicht wunder, dass Wassenberg mit seinen Wäldern und seinen Blütengärten die Heimat eines Malers wurde. Der Name Leo Küppers war uns vertraut durch zahlreiche Abbildungen seiner Werke in Westermanns Monatsheften, in der Leipziger Illustrierten und Velhagen und Klasings Heften. Dass er ein Wassenberger sei, erfuhren wir erst, als wir in Wassenberg eine Heimatschau vorbereiteten. Das ist leider meist das Los aller Schaffenden, dass die Heimat sie nicht kennt. Und doch hat auch Leo Küppers ein unbewusstes Erbe seiner Heimat mit auf den Weg bekommen. Man rühmt Wassenberg nach, dass seine Beziehungen zu Holland in seinem ganzen Wesen ausgeprägt seien. Diese Vorliebe für das Holländische findet sich bei Leo Küppers auch, und sie ist durch zahlreiche Studienreisen nach Holland und durch das Studium holländischer Meister noch vertieft worden.
Das zeigt sich besonders in der Wahl seiner Motive, Amsterdam mit seinem Straßenleben, das Innere holländischer Bürgerhäuser mit den kühldämmerigen Dielen und den behaglichen Stuben, Spinnstuben und geschäftigen Frauen und die Gemächer der Gelehrten mit Truhen und Bücherborden. Und dazu in der dekorativen Art der Meister der klassischen Zeit Hollands, des Pieter de Hooch und des Jan Vermeer van Delft, die holländischen Trachten und blinkenden Hausrat. Bei Leo Küppers vermisst man gern die Stilhascherei der Modernen, er hat seine stille Liebe, der er treu bleibt. Seine Bilder erzählen in Behaglichkeit und Geruhsamkeit, bei ihm sind Form und Farbe noch in glücklicher Harmonie. Eine besondere Vorliebe hat er auch für scharf ausgeprägte, kluge Köpfe. Deshalb bringt er gern Gruppen am Schachbrett, klösterliche Bücherstuben mit studierenden Mönchen, Gelehrte in ihrer Stube, Kartenspieler und Politiker. Den Ernst solcher Gruppen mildert oft der köstlich feine Hauch, die zarte Spiegelung der Trinkgläser und Weinkrüge. Sein Bild „Die Schachspieler“ ist durch einen vorzüglichen Vierfarbendruck besonders bekannt geworden.
Ruhe und Besinnlichkeit spricht aus seinen Frauenbildnissen; Frauen, die lesen, Briefe schreiben, Laute spielen oder an buntscheibigen Fenstern über dem Getürm der Städte träumen. Auch darin blieb er seiner Heimat treu, dass seine Frauenbildnisse von zartem deutschem Duft umschwebt sind. Das berührt durchaus wohltuend gegenüber der Erotik mancher Moderner.
Echte Heimatkunst ist auch sein Bildentwurf: „Der Hunsrückschäfer“. Breit lagert sich das Dorf des Hunsrücks auf der fahlen, unwirtschaftlichen Hochfläche, an den Heidehängen weiden die Schafe. Aus dieser Landschaft wächst der Schäfer aus, alt und knorrig und ehrwürdig wie ein Baum. So erdverwachsen ist dieser Schäfer, gütig besorgt ist er um sein Lamm, das sich an den Dornen riss oder auf spitzen Steinen sich lahm lief.
Einiges aus Küppers Leben mag noch mitgeteilt sein: Mit 17 Jahren geht er zur Kunstgewerbeschule nach Düsseldorf mit der Absicht, Zeichenlehrer zu werden. In den Ferien arbeitet er als Kirchen- und Theatermaler in Düsseldorf, Dresden und Thüringen. Mit 21 Jahren besucht er die Akademie in Karlsruhe, danach die in München, um bei Prof. Feuerstein christliche Kunst zu studieren. Bis 1921 studiert er wieder in Düsseldorf als Schüler des Akademiedirektors Jansen, als einer der letzten Schüler des Prof. von Gebhardt, malt während seiner Ferien Kreuzwege und andere religiöse Bilder. Studienreisen führen ihn oft nach Belgien und Holland, wo ihn besonders das Reichsmuseum in Amsterdam und das Maurits-Haus in Den Haag anziehen. 1910 war er längere Zeit in Paris. 1912 erhält er bei einem Wettbewerb den großen Staatspreis. 1914 ist er wieder in Paris, wo ihn der Krieg überrascht. Auf Umwegen kommt er nach Düsseldorf und macht als Freiwilliger den Krieg mit. Nach dem Krieg führen ihn Studienreisen wieder nach Holland, Wien, Rom, Neapel, Venedig. Und alle die Eindrücke, die er auf diesen Reisen gewinnt, bleiben nicht ohne fördernden Einfluss auf seine Arbeiten. Jetzt ist er wieder in Düsseldorf ansässig.
Zurzeit, da dieser Kalender erscheint, soll im Museum in Heinsberg eine Ausstellung seiner Werke veranstaltet werden. Eines dieser Werke „Niederrheinische Spinnstube“ ist zum Ankauf für das Museum bestimmt, und wird hoffen, dass er bald auch in unserer Heimat ein dankbares Motiv für eine neue Arbeit findet.“

Das war 1930.


 

Im „Allgemeinen Lexikon der bildenden Künstler“ 1928 (Küppers ist 48 Jahre alt) ist folgender Eintrag zu finden:

„Küppers, Leo, Genremaler in Düsseldorf, *8.5.1880 Wassenberg (Rheinld), besuchte die Kunstakad. München, Düsseldorf und Karlsruhe, hielt sich eine Zeit lang in Paris auf. Malt in sauberer Technik Interieurs mit Figuren.
Ausst.-Kat. Düsseldorf 1920 ff.; Reprod. In Velhagen u. Klasings Monatsheften und Illustr. Zeitung (Leipzig), 159 Bd. (1922) 530; 160 Bd. (1923) 299.“

1934 finden in München und Düsseldorf Sonderausstellungen Düsseldorfer Maler statt. Unser Wassenberger Leo Küppers ist dabei. Eine Zeitung berichtet über diese Ausstellungen:

Ausstellung von Gemälden Düsseldorfer Künstler
„Im ehemaligen Folkwang-Museum haben Düsseldorfer Maler eine Sonderausstellung veranstaltet, die täglich geöffnet ist und bis zum 24. November einschließlich bestehen bleibt… .
…Auch Düsseldorf hat seine Tradition; die Entwicklung seiner Schule zeigt interessante Etappen genug, um mit anderen verglichen zu werden… .
… Die geographische Lage Düsseldorfs erklärt vieles und begünstigt naturgemäß den Austausch künstlerischer Ideen mit dem Auslande. Doch darum hat Düsseldorf seine Eigenart behalten, seinen tief germanischen Einschlag, der immer wieder hervorquillt im Suchen nach Ausdrucksmöglichkeiten, in der Hingabe an seelische Erlebnisse, in der Begeisterung für den Schönheitsbegriff. Wie bei den Münchnern ist auch in der Düsseldorfer Schule der gefundene Sinn für die Verjüngungsquelle der Natur das Leitmotiv, und darum sind ihre Ergebnisse Werke, die mit der ganzen Gemütstiefe des Volkes erfasst sind und so dem Volke wieder zugänglich werden.
Die Wertung der Gemälde lässt sich durch eine stark bewegte Kurve ausdrücken, in deren Kulminationspunkt die Werke von Professor Kiederich, Küppers, Rasenberger und Hermanns stehen… .
… Professor Küppers malt Figuren im Sinne der Düsseldorfer Zeit eines Knaus und Vautier, doch ohne den altmeisterlichen Kolorismus jener verflossenen Epoche. Er sucht Charakterfiguren, die er porträtähnlich auffasst, oder aber wie beim „Schiffsbauer“ und „Flötenspieler“, deren Tätigkeit den Menschen formt. Die Tätigkeit ist das Primäre dabei, und so entstehen aus der bloßen Figur bestimmte Typen, die in Farben nachempfunden sind. Der Zusammenklang der Töne ist eine unauffällige Betonung des inneren Gedankens. Im „Gemeinderat“ gruppiert der Künstler seine Typen zu einer Einheitshandlung von überzeugender Kraft. Er bleibt dabei aufrecht und verliert sich nicht in gespannten Zügen der Beratenden. Das „Mädchen am Fenster“ ist die Lösung des Lichtproblems, das aus einer Quelle strömt und in breiter Bahn das Erreichbare im Zimmer übergießt. Die Umgebung schildert die Lichtverbreitung und die Reflexwirkung.“

Leo Küppers kann man also gewichten mit Namen wie Achenbach, Knaus, und Vautier. Sehnsüchte, Hoffnungen und Illusionen einer Epoche im Umbruch sind in allen seinen Werken oft spiegelbildlich enthalten.

Nach dem Kriege 1945 wird es dann stiller um Leo Küppers. In Notzeiten wird Kunst relativ kleingeschrieben.
Die Nachkriegszeit mit ihrer rasanten Aufbauphase lässt ihn zurück, versinken, vergessen.
Weniger in der Kunstwelt von gestern als mehr noch in einer Geburts- und Heimatstadt Wassenberg.
Leo Küppers stirbt 1946.

 

Totenzettel


Der König der Ewigkeit rief am 12. Juli 1946
Nach einem arbeitsreichen Leben
Seinen getreuen Diener
Kunstmaler
Leo Küppers
Plötzlich und unerwartet in seinen
himmlischen Frieden.
Der Verstorbene war am 8. Mai 1880
Zu Wassenberg geboren und seit dem
24. September 1919 mit Klara, geb. Ollig
Verehelicht. Er besuchte die
Kunstakademien in Karlsruhe, München
und Düsseldorf und vertiefte
sein künstlerisches Schaffen durch
vielfache Studienreisen im In- und
Auslande. Schon in jungen Jahren
wurde er durch einen hohen Staats-
preis ausgezeichnet. Seine Werke
werden ihm ebenso sehr ein ehren-
volles Andenken sichern wie seine
biedere und vornehme Gesinnung.
Pax Christo in regno Dei.


 

Nicht allein Leo Küppers wird vergessen – Paffrath, der Düsseldorfer Kunstexperte schreibt in einem Aufsatz 1995:


Geblieben ist ein reichhaltiges Erbe, mit dem sich Journalisten und Kunsthistoriker, Sammler und Kunsthändler beschäftigt haben. 1979 wurde im Düsseldorfer Kunstmuseum die Malerschule erstmalig in einer breit angelegten retrospektiven Würdigung gezeigt. Einen Artikel zur Ausstellung in der Frankfurter Zeitung (20.6.1979) überschrieb E. Beaucamp danach mit dem Titel „Das versunkene Massiv“, womit gleichzeitig das jahrzehntelange Vergessen der Düsseldorfer Malerschule wie auch die Probleme einer neueren Zeit im Umgang mit den fremden Motiven mancher Werke angesprochen waren.
Für die literarischen Bildinhalte der romantischen Epoche fehlt uns auch heute oft noch der Schlüssel zum Verständnis. Sehr viel leichter gelingt uns der Zugang zu den Bildthemen, der Landschafts-, Stillleben- und Genremalerei, die seit ihrer Entstehung im Jahre 1830 im Mittelpunkt privater Sammelinteressen gestanden hatten.“

Im 50. Todesjahr von Leo Küppers, 1996, schließt ein Artikel von Frau Klimmek in der Heinsberger Zeitung:
„Leo Küppers war ein typisch niederrheinischer Maler, ein exponierter Vertreter der Düsseldorfer Schule, die heute wieder in hohen Ehren steht.“

In Wassenberg kann man mit Recht stolz auf Leo Küppers sein.